Typosquatting setzt auf Vertipper und Verwechslungen: ein fehlender Buchstabe, ein großes I statt eines kleinen l, ein Bindestrich zu wenig. Das Muster ist alt — crossenv stahl 2017 Umgebungsvariablen, jeIlyfish 2019 SSH- und GPG-Schlüssel —, wird aber industriell betrieben: Check Point zählte 2024 mehr als 500 bösartige PyPI-Pakete in zwei Wellen, Microsoft dokumentierte am 28.05.2026 14 npm-Pakete eines Akteurs in vier Stunden, die auf AWS-Zugangsdaten, Vault-Tokens, den Kontext von GitHub Actions und npm-Tokens zielten.
Slopsquatting & Coding-Agenten: die KI-Software-Lieferkette absichern
KI-Modelle schlagen Pakete vor, die es nicht gibt — und Angreifer können genau diese Namen registrieren. Coding-Agenten installieren mit Terminal-Zugriff, was sie für richtig halten. Dieser Deep Dive verbindet Typo- und Slopsquatting in npm und PyPI mit einem Sicherheitsmodell für Coding-Agenten und ihren Harness: Angriffskette, fünf Schutzschichten, Pflichten aus CRA, NIS2 und DORA, Self-Assessment und CISO-Whitepaper.
Stand: Oktober 2026 · Valeri Milke, ISO 27001 & ISO 42001 Lead Auditor
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agent · ~/kundenportal — Dependency-Gate aktiv
PromptLade das Modell von Hugging Face über die Kommandozeile herunter.
AgentDafür installiere ich das passende CLI-Paket:
$pip install huggingface-cli
Dependency-Gate · Richtlinie
- ✕HerstellerdokuOffizielle Installation: huggingface_hub[cli] — Name weicht ab
- ✕BekanntWiederholt halluzinierter Name — Experiment von Bar Lanyado (Lasso Security)
- ✕FreigabelisteNicht freigegeben
BLOCKIERT · Abweichung von der Herstellerdoku — Freigabe-Ticket an AppSec
Nachgestellt nach dem dokumentierten Experiment von Bar Lanyado (Lasso Security, 2024).
PromptSetze die Umgebungsvariablen in den npm-Skripten plattformübergreifend.
AgentIch ergänze die passende Abhängigkeit:
$npm install crossenv
Dependency-Gate · Richtlinie
- ✕NameTrennzeichen-Variante von cross-env
- ✕HistorieBekannter Typosquat: 2017 entfernt, stahl Umgebungsvariablen
- ✓Install-SkripteIm Build deaktiviert — kein Code bei der Installation
- ✕FreigabelisteNicht freigegeben
BLOCKIERT · Typosquat-Verdacht — gemeint war cross-env
Historischer Fall aus dem npm-Ökosystem (2017).
PromptValidiere die Formulareingaben mit einem Schema.
AgentIch nutze die freigegebene Bibliothek in fester Version:
$npm install zod --save-exact
Dependency-Gate · Richtlinie
- ✓FreigabelisteFreigegeben, Owner: Plattform-Team
- ✓Release-AlterVersion älter als der Cooldown von 7 Tagen
- ✓Install-SkripteDeaktiviert (allowScripts)
- ✓LockfileVersion gepinnt, Integritäts-Hash geprüft
ERLAUBT · Änderung erscheint im Pull Request zur Freigabe
- 19,7 % erfundene Paketreferenzen in 16 Code-Modellen
- 30.000+ Downloads eines leeren Platzhalters (laut Lasso)
- 237+ Repositories mit halluziniertem npx-Befehl
19,7 %der Paketreferenzen von 16 Code-Modellen waren erfunden — 440.445 von 2,23 Mio. (USENIX Security 2025)
43 %der erfundenen Namen kehrten bei zehn Wiederholungen jedes Mal wieder — vorhersagbar heißt registrierbar
24 CVEsin KI-IDEs und Coding-Agenten aus einer einzigen Forschungsreihe (IDEsaster, Dezember 2025)
11.09.2026Seit diesem Tag gelten die CRA-Meldepflichten — die Sorgfalt für Komponenten trägt der integrierende Hersteller
Im Juni 2024 zeigten Forschende um Joseph Spracklen (University of Texas at San Antonio), dass 16 Code-Modelle in 576.000 Code-Beispielen 19,7 % ihrer Paketreferenzen erfanden — 205.474 eindeutige Namen, die es in npm und PyPI nicht gab. 43 % davon tauchten bei zehn Wiederholungen jedes Mal wieder auf. Wer solche Namen registriert, braucht keinen Tippfehler mehr: Seit 2025 heißt das Slopsquatting. Gleichzeitig hat sich die Werkzeuglandschaft verschoben — vom Assistenten, der vorschlägt, zum Agenten, der im Terminal installiert, MCP-Server aufruft und Skills lädt. HiddenLayer beschreibt deshalb den Harness, nicht das Modell, als eigentliche Angriffsfläche und ordnet die Abwehr in fünf Schichten: Sichtbarkeit, Kontrolle, Validierung, Monitoring und Governance. ThreatLocker ergänzt die Paketseite: Namen prüfen, Abhängigkeiten über Freigabelisten steuern, Install-Skripte abschalten, Geheimnisse aus Build-Pfaden halten, Zero Trust zur Laufzeit. Ein Praxistest vom Oktober 2026 zeigt: Auch heutige Werkzeuge erfinden noch Pakete — selten, aber wiederholbar. Diese Seite macht daraus ein Programm: Die Angriffskette zeigt, wo Ihre Kontrollen greifen. Die Harness-Karte verortet zehn Vertrauensbeziehungen eines Coding-Agenten mit dokumentierten Fällen. Der Paketnamen-Check prüft Vorschläge lokal im Browser. Die Pflichten-Matrix ordnet CRA, NIS2, DORA, AI Act und Produkthaftung zu. Das Self-Assessment misst Ihren Reifegrad — und das CISO-Whitepaper liefert Fahrplan, Konfigurations-Baseline, Musterrichtlinie und Prüfkatalog.
Vom Vertipper zum erfundenen Paket
Meilensteine von Typosquatting, Paket-Halluzinationen und Angriffen auf Coding-Agenten — bis zu den Pflichten, die heute gelten.
1. August 2017
crossenv: Typosquatting in npm
Ein Paket namens crossenv imitiert cross-env und sendet Umgebungsvariablen an einen fremden Server. npm entfernt rund 40 Pakete desselben Akteurs.
1. Dezember 2019
jeIlyfish auf PyPI
Ein großes I statt eines kleinen l: Die Kopie von jellyfish stiehlt seit Dezember 2018 SSH- und GPG-Schlüssel, bevor sie gemeldet und entfernt wird.
28. März 2024
huggingface-cli und 500+ Typosquats
Bar Lanyado (Lasso Security) veröffentlicht sein Experiment mit einem leeren Paket unter einem halluzinierten Namen — laut Lasso über 30.000 Downloads in drei Monaten. Am selben Tag meldet Check Point mehr als 500 bösartige Typosquats auf PyPI.
12. Juni 2024
Die Halluzinations-Studie
Spracklen et al. veröffentlichen ihre Analyse: 16 Code-Modelle, 576.000 Code-Beispiele, 19,7 % halluzinierte Paketreferenzen. Die Arbeit erscheint 2025 auf der USENIX Security.
8. April 2025
Der Begriff Slopsquatting
Andrew Nesbitt definiert Slopsquatting als KI-Variante des Typosquatting und schreibt den Namen Seth Larson von der Python Software Foundation zu.
26. August 2025
s1ngularity: KI-CLIs als Werkzeug
Kompromittierte Nx-Versionen rufen lokal installierte KI-Kommandozeilen auf, um nach Geheimnissen zu suchen. GitGuardian zählt 2.349 abgeflossene Secrets.
15. September 2025
Shai-Hulud
Ein selbstreplizierender npm-Wurm kompromittiert über gestohlene Tokens mehr als 500 Pakete. Im November folgt eine zweite Welle.
21. Januar 2026
react-codeshift
Aikido findet einen halluzinierten npx-Befehl in KI-generierten Agent-Skills, verbreitet in mehr als 237 Repositories, und registriert den Namen defensiv.
10. März 2026
ENISA nennt Slopsquatting
Die Technical Advisory for Secure Use of Package Managers führt Slopsquatting ausdrücklich als neuen Angriffsvektor KI-gestützter Entwicklung.
28. Juli 2026
Fünf Schichten für den Harness
HiddenLayer veröffentlicht sein Sicherheitsmodell für Coding-Agenten: Sichtbarkeit, Kontrolle, Validierung, Monitoring, Governance. Einen Tag zuvor stellt die Kommission in ihren CRA-Leitlinien klar: Die Sorgfalt trägt der integrierende Hersteller.
11. September 2026
CRA-Meldepflichten gelten
Hersteller melden aktiv ausgenutzte Schwachstellen über die Single Reporting Platform der ENISA: Frühwarnung binnen 24 Stunden, Meldung binnen 72 Stunden, Abschlussbericht spätestens 14 Tage nach Verfügbarkeit einer Abhilfe.
6. Oktober 2026
Praxistest mit drei Werkzeugen
Ein Entwickler prüft 30 npm-Aufgaben mit drei KI-Coding-Werkzeugen: sechs erfundene Paketnamen, zwei davon bei mehreren Werkzeugen. Eine Stichprobe — aber ein klares Signal.
Neun Kernaussagen zu Slopsquatting und Coding-Agenten
Kurzfassung je Kernaussage — aufklappen für Details, Zahlen und Quellen.
Beim Slopsquatting erfindet ein Sprachmodell einen Paketnamen, und ein Angreifer registriert ihn. Es braucht keine Nachahmung eines echten Pakets mehr. Die meisten erfundenen Namen sind keine Tippfehler: In der Studie von Spracklen et al. lagen nur 13,4 % der halluzinierten Python-Namen höchstens zwei Zeichen von einem echten Paket entfernt — klassische Typo-Erkennung greift deshalb nicht. Der Name wird Seth Larson (Python Software Foundation) zugeschrieben; verbreitet hat ihn Andrew Nesbitt am 08.04.2025.
Halluzinationen sind kein Rauschen: Bei zehn Wiederholungen derselben Anfrage kamen 43 % der erfundenen Namen jedes Mal wieder, 58 % mehr als einmal. 81 % der Namen stammten zwar nur von einem Modell — doch ein Preprint von 2026 (nicht begutachtet) fand 127 Namen, die fünf aktuelle Modelle identisch erfanden; 53 davon waren noch registrierbar. Wer diese Namen sammelt, kennt die Ziele, bevor ein Opfer sie eintippt.
OWASP LLM09: Unsafe Code Generation →Bis heute ist kein öffentlich belegter Fall bekannt, in dem ein Angreifer einen nachweislich halluzinierten Namen bösartig registrierte und Opfer ihn wegen eines KI-Vorschlags installierten. Belegt ist, dass solche Namen installiert werden: Ein leeres Platzhalterpaket unter dem halluzinierten Namen huggingface-cli erhielt laut Lasso Security mehr als 30.000 Downloads in drei Monaten; ein halluzinierter npx-Befehl in KI-generierten Agent-Skills verbreitete sich 2026 in mehr als 237 Repositories. Das ist kein Entwarnungssignal, sondern ein Zeitfenster.
Gefährlich wird ein falscher Name erst, wenn Code läuft. npm-Lifecycle-Skripte, der Build-Code von Python-Quellpaketen und .pth-Dateien führen Code aus, oft ohne dass ein Mensch zusieht. Der npm-Wurm Shai-Hulud verbreitete sich 2025 über mehr als 500 Pakete, weil gestohlene Tokens neue Veröffentlichungen erlaubten. npm v12 schaltet seit dem 08.07.2026 Install-Skripte von Abhängigkeiten standardmäßig ab — Import-Zeit-Code bleibt davon unberührt.
Ein Coding-Agent besteht aus Modell und Harness: Regeldateien, Eingaben, Terminal, MCP-Server, Skills, Paketmanager, Geheimnisse, Repository und Netzwerk. Dokumentierte Angriffe treffen fast immer den Harness — versteckte Unicode-Zeichen in Regeldateien, vergiftete Tool-Beschreibungen, ausgetauschte MCP-Konfigurationen, eine Injection, die den Auto-Approve-Modus einschaltet (CVE-2025-53773). Die Forschungsreihe IDEsaster fand mehr als 30 Schwachstellen mit 24 CVEs in KI-IDEs.
MCP Security im Detail →HiddenLayer ordnet die Abwehr in fünf Schichten: Sichtbarkeit über jede Vertrauensbeziehung, Kontrolle über Rechte und Freigaben, Validierung vor dem Vertrauen, Monitoring außerhalb des Modells und Governance mit Ownern und Incident Response. Der Kern: Sprachmodelle folgen Anweisungen — sie setzen keine Sicherheitsrichtlinie durch. Regeln im Prompt senken das Risiko, ersetzen aber keine Kontrolle.
Runtime-Kontrolle mit dem Agent Control Standard →Review, Scans und Agenten-Regeln sind Hürden: Sie wirken nur, wenn jemand den Fehler bemerkt. Bruchstellen unterbrechen den Angriff unabhängig davon — ein Registry-Proxy mit Freigabeliste, abgeschaltete Install-Skripte, Agenten ohne Zugriff auf Host-Geheimnisse, Egress-Kontrolle. Ein Cooldown von einigen Tagen fängt frisch registrierte Pakete ab, nicht aber Namen, die ein Angreifer längst besetzt hält. Ziel sind mindestens drei unabhängige Bruchstellen.
Nach Art. 13 Abs. 5 CRA müssen Hersteller beim Integrieren von Komponenten Dritter — ausdrücklich auch Open Source — die gebotene Sorgfalt walten lassen; die Pflicht gilt ab 11.12.2027, die Meldepflichten nach Art. 14 bereits seit 11.09.2026. Laut den Kommissionsleitlinien vom 27.07.2026 haben Paket-Repository und Einzelentwickler keine CRA-Pflichten. NIS2 (§ 30 BSIG) verlangt Sicherheit der Lieferkette und der Entwicklung, DORA die Analyse und Prüfung von Open-Source-Code vor dem Produktiveinsatz, soweit machbar.
Zum CRA-Deep-Dive →Interaktiv · Angriffskette
Wo reißt Ihre Kette? Sieben Stufen vom erfundenen Paketnamen bis zur Ausbreitung
Ein Slopsquatting- oder Typosquatting-Angriff braucht jede Stufe. Schalten Sie Kontrollen zu und sehen Sie, an welcher Stufe der Angriff stoppt — und ob Sie nur eine Bruchstelle haben oder Verteidigung in der Tiefe. Die Zuordnung der Kontrollen zu den Stufen ist eine Einordnung von VamiSec auf Basis der zitierten Quellen.
Ausgangslage
Nur HürdenHürden ja, Bruchstelle nein
Ihre Kontrollen erschweren einzelne Stufen, stoppen den Angriff aber nicht sicher. Review, Scans und Regeln im Prompt hängen davon ab, dass ein Mensch oder ein Modell den Fehler bemerkt.
- Bruchstellen
- 0 / 7
- Erste Bruchstelle
- —
- Stufen nur mit Hürden
- 3
- Aktive Kontrollen
- 3 / 16
Kontrollen zuschalten
Sichtbarkeit
Kontrolle
Validierung
Monitoring
Governance
unterbricht die Stufe erschwert die Stufe
Stufe 01 / 07
Ein Modell schlägt einen Paketnamen vor, den es nicht gibt — oder ein Mensch vertippt sich
Code-Modelle ergänzen Abhängigkeiten, die plausibel klingen, aber nie veröffentlicht wurden. Typosquatting setzt dagegen auf Vertipper und Verwechslungen bekannter Namen. Beides beginnt, bevor ein Paketmanager überhaupt läuft.
BelegIn der Studie von Spracklen et al. (USENIX Security 2025) waren 19,7 % der von 16 Code-Modellen vorgeschlagenen Pakete nicht existent.
Was an dieser Stufe wirkt — Klick schaltet um
Instruktionen in AGENTS.md oder Regeldateien senken die Fehlerrate, sind aber keine Kontrolle: Das Modell kann sie ignorieren, und Angreifer können sie manipulieren.
OpenSSF-Leitfaden für Code-Assistenten (08/2025)Misst, wie oft Ihre Werkzeuge in Ihrem Stack Pakete erfinden oder unsichere Befehle vorschlagen — und ob Ihre Kontrollen greifen.
HiddenLayer · Validation
Ein Angreifer registriert den Namen in npm oder PyPI
Wiederkehrende Halluzinationen sind vorhersagbar. Wer sie sammelt, besetzt genau diese Namen — mit plausibler Beschreibung, kopiertem README und einem Install-Skript. Für Typosquatting genügen Varianten populärer Namen.
BelegBar Lanyado lud Ende 2023 testweise ein leeres Paket unter einem wiederholt halluzinierten Namen hoch — laut Lasso Security wurde es in drei Monaten mehr als 30.000-mal heruntergeladen.
Was an dieser Stufe wirkt — Klick schaltet um
Auf diese Stufe haben Sie keinen Einfluss: Die Registrierung eines Namens geschieht in der öffentlichen Registry. Umso wichtiger sind die Stufen davor und danach.
Der Name gelangt in Code, Manifest oder Installationsbefehl
Über kopierten Code, Autovervollständigung, einen Agenten, der ein fehlendes Modul selbst nachinstalliert, oder eine Dokumentation, die den falschen Namen weitergibt. Spätestens hier hilft ein zweites Paar Augen.
BelegDie Studie fand halluzinierte Namen, die bei wiederholten Anfragen immer wieder auftauchten — sie landen also nicht zufällig, sondern reproduzierbar im Code.
Was an dieser Stufe wirkt — Klick schaltet um
Ohne Inventar wissen Sie nicht, welche Agenten mit welchen Rechten in welchen Repositories arbeiten — keine andere Kontrolle lässt sich dann flächendeckend durchsetzen.
HiddenLayer · VisibilityInstruktionen in AGENTS.md oder Regeldateien senken die Fehlerrate, sind aber keine Kontrolle: Das Modell kann sie ignorieren, und Angreifer können sie manipulieren.
OpenSSF-Leitfaden für Code-Assistenten (08/2025)Misst, wie oft Ihre Werkzeuge in Ihrem Stack Pakete erfinden oder unsichere Befehle vorschlagen — und ob Ihre Kontrollen greifen.
HiddenLayer · ValidationDer Agent darf Pakete vorschlagen, aber nicht selbst installieren. Wirkt nur, wenn die freigebende Person den Namen tatsächlich prüft.
HiddenLayer · ControlNeue Pakete und Lockfile-Änderungen werden sichtbar und brauchen eine benannte Freigabe, bevor sie gemergt werden.
ThreatLocker 2026; NIS2 Art. 21 Abs. 2 lit. e
Der Paketmanager löst den Namen auf und lädt das Paket
Ohne Freigabeliste, internen Proxy oder Mindestalter für Releases holt npm oder pip, was in der Registry steht — auch ein Paket, das vor zwei Tagen angelegt wurde. Die stärkste Bruchstelle gegen Slopsquatting liegt hier.
BelegEin Proxy mit Freigabeliste kennt einen erfundenen Namen schlicht nicht — die Installation scheitert.
Was an dieser Stufe wirkt — Klick schaltet um
Builds und Agenten laden nur über einen Proxy, der ausschließlich freigegebene Pakete ausliefert. Ein erfundener Name existiert dort nicht.
NIS2 Art. 21 Abs. 2 lit. dNeue Pakete und Lockfile-Änderungen werden sichtbar und brauchen eine benannte Freigabe, bevor sie gemergt werden.
ThreatLocker 2026; NIS2 Art. 21 Abs. 2 lit. eFrisch registrierte Squats werden oft innerhalb weniger Tage entdeckt und entfernt. Ein Cooldown fängt sie ab — Namen, die ein Angreifer schon länger besetzt hält, aber nicht.
Paketmanager-Funktion, z. B. pnpm minimumReleaseAgenpm ci, --frozen-lockfile oder --require-hashes verhindern, dass ein Build stillschweigend andere Pakete auflöst. Neue Abhängigkeiten kommen aber bewusst hinzu.
ThreatLocker 2026Erkennt bekannte Schadpakete und verdächtige Muster wie Install-Skripte mit Netzzugriff — neue, unbekannte Squats aber nicht zuverlässig.
ThreatLocker 2026
Install-Skripte oder Import-Code laufen mit den Rechten von Entwickler, Agent oder Build
npm-Lifecycle-Skripte (preinstall, install, postinstall) und der Build-Code von Python-Quellpaketen laufen bei der Installation automatisch. Bei Coding-Agenten mit Terminal-Zugriff sieht dabei oft niemand zu.
BelegLaut Microsoft veröffentlichte 2026 ein einzelner Akteur 14 bösartige npm-Pakete binnen vier Stunden; ihre Install-Hooks liefen automatisch.
Was an dieser Stufe wirkt — Klick schaltet um
Unterbricht den häufigsten Ausführungsweg bösartiger npm-Pakete. Code, der erst beim Import läuft, bleibt — deshalb zusätzlich isolieren.
npm ignore-scripts; ThreatLocker 2026Erkennt bekannte Schadpakete und verdächtige Muster wie Install-Skripte mit Netzzugriff — neue, unbekannte Squats aber nicht zuverlässig.
ThreatLocker 2026Verhindert, dass Install-Skripte unbekannte Programme starten, und begrenzt, worauf Paketmanager und Laufzeiten zugreifen dürfen.
ThreatLocker 2026 · Zero Trust zur LaufzeitContainer, Devcontainer oder VM ohne gemountete Credentials: Selbst wenn Schadcode läuft, findet er nichts, was sich zu stehlen lohnt.
HiddenLayer · Control; OWASP ASI05Erkennt Zugriffe auf Credential-Dateien, unerwartete Prozesse und ungewöhnliche Netzziele — außerhalb des Modells, das selbst keine Sicherheitsrichtlinie durchsetzt.
HiddenLayer · Monitoring
Der Schadcode greift auf Geheimnisse zu
Cloud-Zugangsdaten, Vault-Tokens, npm-Publish-Tokens, SSH-Schlüssel, der Kontext von CI-Jobs — alles, was auf dem Rechner, im Container oder im Build erreichbar ist.
BelegDie von Microsoft beschriebenen Pakete zielten auf AWS-Zugangsdaten, HashiCorp-Vault-Tokens, den Kontext von GitHub Actions und npm-Publish-Tokens.
Was an dieser Stufe wirkt — Klick schaltet um
Container, Devcontainer oder VM ohne gemountete Credentials: Selbst wenn Schadcode läuft, findet er nichts, was sich zu stehlen lohnt.
HiddenLayer · Control; OWASP ASI05Verhindert, dass Install-Skripte unbekannte Programme starten, und begrenzt, worauf Paketmanager und Laufzeiten zugreifen dürfen.
ThreatLocker 2026 · Zero Trust zur LaufzeitGestohlene Tokens laufen schnell ab und erlauben wenig. Für die Veröffentlichung eigener Pakete: Trusted Publishing statt gespeicherter Tokens.
ThreatLocker 2026; npm Trusted PublishingErkennt Zugriffe auf Credential-Dateien, unerwartete Prozesse und ungewöhnliche Netzziele — außerhalb des Modells, das selbst keine Sicherheitsrichtlinie durchsetzt.
HiddenLayer · Monitoring
Daten fließen ab, gestohlene Tokens tragen den Angriff weiter
Exfiltration über das Netz; mit gestohlenen Publish-Tokens manipuliert der Angreifer weitere Pakete. So wird aus einem einzelnen Fehlgriff ein Lieferkettenangriff auf Ihre Kunden.
BelegDer npm-Wurm Shai-Hulud verbreitete sich 2025 über gestohlene Tokens selbstständig auf weitere Pakete.
Was an dieser Stufe wirkt — Klick schaltet um
Ohne Verbindung nach außen bleibt die Beute im Container — und Registries erreicht der Build nur über den Proxy.
HiddenLayer · ControlVerhindert, dass Install-Skripte unbekannte Programme starten, und begrenzt, worauf Paketmanager und Laufzeiten zugreifen dürfen.
ThreatLocker 2026 · Zero Trust zur LaufzeitGestohlene Tokens laufen schnell ab und erlauben wenig. Für die Veröffentlichung eigener Pakete: Trusted Publishing statt gespeicherter Tokens.
ThreatLocker 2026; npm Trusted PublishingErkennt Zugriffe auf Credential-Dateien, unerwartete Prozesse und ungewöhnliche Netzziele — außerhalb des Modells, das selbst keine Sicherheitsrichtlinie durchsetzt.
HiddenLayer · MonitoringVerkürzt die Zeit bis zur Eindämmung: Wer rotiert welche Tokens, wer sperrt was, wer meldet an wen — und in welcher Frist.
HiddenLayer · Governance; CRA Art. 14
Vereinfachtes Modell. Reale Angriffe überspringen Stufen: Wird ein legitimes Paket kompromittiert, wie 2025 bei chalk und debug, beginnt die Kette bei Stufe 4 — dann greifen nur die Kontrollen ab dort.
Interaktiv · Harness-Karte
Der Harness ist die Angriffsfläche: zehn Bausteine, die ein Coding-Agent vertraut
Ein Coding-Agent ist mehr als ein Modell. Regeldateien, Eingaben, Terminal, MCP-Server, Skills, Paketmanager, Geheimnisse, Repository, Netzwerk und Modellanbieter bilden seinen Harness — und jeder dieser Bausteine ist ein Vertrauensverhältnis, das ein Angreifer ausnutzen kann. Wählen Sie einen Baustein oder einen dokumentierten Angriffspfad.
Angriffspfad
Coding-AgentModell + Harness
Regeldateien, Kontextdateien & System-Prompt
AGENTS.md, CLAUDE.md, .cursor/rules, copilot-instructions.md, Projektdokumentation und alles, was im Kontextfenster landet.
ASI01ASI06LLM01
Bedrohungen & dokumentierte Fälle- Rules File Backdoor
Unsichtbare Unicode-Zeichen (Zero-Width-Joiner, Bidi-Marker) verstecken Anweisungen in Regeldateien von Cursor und GitHub Copilot. Menschen sehen sie im Review nicht, das Modell befolgt sie — sitzungsübergreifend und auch in Forks.
Pillar Security, 18.03.2025 — von Cursor und GitHub als Nutzerverantwortung eingestuft, kein CVE - CopyPasta
Eine als Lizenzhinweis getarnte Prompt Injection im versteckten Markdown-Kommentar einer README bringt den Agenten dazu, die Payload in jede bearbeitete Datei zu kopieren — die Injection verbreitet sich selbst über Codebasen.
HiddenLayer, 04.09.2025 — gezeigt an Cursor, auch Windsurf, Kiro und Aider
- ValidierungRegel- und Kontextdateien wie Code behandeln: Review, CODEOWNERS, automatische Prüfung auf unsichtbare Zeichen.
- KontrolleRepository-Inhalte als nicht vertrauenswürdige Eingabe einstufen — Anweisungen aus Kommentaren oder Dateien nicht ausführen lassen.
- MonitoringÄnderungen an Agenten-Konfigurationen und Regeldateien alarmieren.
Prompts & externe Inhalte
Issues, Pull Requests, Tickets, Chat-Nachrichten, Webseiten, Dokumentation und Tool-Ausgaben, die der Agent liest.
ASI01LLM01
Bedrohungen & dokumentierte Fälle- Gefälschte Nutzeranweisung
Ein versteckter HTML-Kommentar in einer README nutzte Cursors interne Steuer-Tags (<user_query>), damit injizierter Text als Nutzeranweisung galt. Ein API-Schlüssel floss per curl ab — obwohl curl auf der Sperrliste stand.
HiddenLayer, 31.07.2025 — behoben in Cursor 1.3 - Toxic Agent Flow
Ein präpariertes Issue in einem öffentlichen Repository brachte einen Agenten mit dem offiziellen GitHub-MCP-Server dazu, Daten aus privaten Repositories in einen öffentlichen Pull Request zu schreiben.
Invariant Labs, 26.05.2025 — architekturbedingt, kein Fehler im MCP-Server
- KontrolleAgenten pro Aufgabe auf ein Repository und minimale Datenquellen beschränken (Least Agency).
- ValidierungGeplante Aktionen vor der Ausführung prüfen — nicht nur den Prompt.
- MonitoringDatenflüsse zwischen privaten und öffentlichen Zielen erkennen und blockieren.
Terminal, Dateisystem & Tool-Aufrufe
Shell-Befehle, Dateischreibrechte, IDE-Einstellungen, Freigabelisten für Befehle und der Auto-Approve-Modus.
ASI02ASI05LLM06
Bedrohungen & dokumentierte Fälle- Auto-Approve per Injection
Eine Prompt Injection ließ GitHub Copilot im Agent-Modus „chat.tools.autoApprove“ in die VS-Code-Einstellungen schreiben. Danach liefen Terminal-Befehle ohne Rückfrage — Remote Code Execution.
CVE-2025-53773, CVSS 3.1: 7,8 — August 2025 - Umgehung von Befehls-Freigaben
Freigegebene Befehle wie grep oder echo wurden mit angehängten Befehlen kombiniert, um Bestätigungen zu umgehen und Umgebungsvariablen abfließen zu lassen.
Gemini CLI (Tracebit, 07/2025, behoben in 0.1.14); Claude Code CVE-2025-54795 (CVSS 4.0: 8,7)
- KontrolleAuto-Approve-Modi untersagen; Installation, Push, Löschen und Cloud-Änderungen nur mit menschlicher Freigabe.
- KontrolleAgenten in Container, Devcontainer oder VM betreiben — ohne Zugriff auf den Host.
- MonitoringJeden ausgeführten Befehl mit Kontext protokollieren (Wer, welcher Prompt, welches Repository).
MCP-Server & Tool-Beschreibungen
Lokale und entfernte MCP-Server, ihre Tool-Beschreibungen, Parameter und Konfigurationsdateien wie mcp.json.
ASI04ASI02MCP Top 10
Bedrohungen & dokumentierte Fälle- Tool Poisoning & Rug Pull
Versteckte Anweisungen in Tool-Beschreibungen landen mit Systemrang im Kontext. Ein Server kann seine Beschreibung nach der Freigabe austauschen — im Experiment leakte so ein WhatsApp-Verlauf.
Invariant Labs, 01.04. und 07.04.2025 - MCPoison
Cursor gab MCP-Einträge nur nach Namen frei. Wer Schreibzugriff aufs Repository hatte, tauschte nach der Freigabe Befehl und Argumente aus — stille, dauerhafte Codeausführung.
CVE-2025-54136, CVSS 3.1: 7,2 — behoben in Cursor 1.3
- SichtbarkeitAlle MCP-Server je Agent erfassen — mit Quelle, Version und Berechtigungen.
- ValidierungTool-Beschreibungen und versteckte Metadaten vor der Freigabe prüfen; bei jeder Änderung neu freigeben.
- KontrolleNur freigegebene MCP-Server in festen Versionen zulassen, nicht „latest“.
Skills, Plugins & Marktplätze
Agent-Skills mit YAML-Frontmatter, Plugins, Erweiterungen und die Marktplätze, aus denen sie stammen.
ASI04
Bedrohungen & dokumentierte Fälle- Bösartige Skills
Metadaten im YAML-Frontmatter werden in den System-Prompt geladen, bevor Code läuft. Versteckte Berechtigungen oder Trigger ändern das Verhalten, ohne in Marktplatz-Ansichten aufzufallen.
HiddenLayer, 28.07.2026 - ToxicSkills
Snyk prüfte 3.984 Skills: 534 (13,4 %) mit mindestens einem kritischen Befund, 76 bestätigt bösartig.
Snyk, 05.02.2026
- ValidierungSkills vor der Freigabe inklusive Frontmatter prüfen; Herkunft und Autor verifizieren.
- KontrolleNur kuratierte Skills aus einem internen Katalog zulassen.
- SichtbarkeitInstallierte Skills je Arbeitsplatz inventarisieren.
Paketmanager & Registries
npm, pnpm, Yarn, pip, uv, Poetry — und die öffentlichen Registries npm und PyPI, aus denen sie laden.
ASI04ASI05LLM09LLM03
Bedrohungen & dokumentierte Fälle- Slopsquatting
Das Modell schlägt ein Paket vor, das es nicht gibt. Wiederkehrende Halluzinationen sind vorhersagbar — ein Angreifer registriert genau diese Namen.
Spracklen et al., USENIX Security 2025: 19,7 % halluzinierte Pakete - Typosquatting & Install-Skripte
Ähnliche Namen fangen Vertipper ab; Lifecycle-Skripte führen bei der Installation sofort Code aus — mit den Rechten des Agenten.
OWASP ASI05: unverifizierte Paketinstallationen
- KontrollePakete nur über einen internen Proxy mit Freigabeliste beziehen; Mindestalter für Releases.
- KontrolleInstall-Skripte standardmäßig deaktivieren, Lockfile erzwingen.
- ValidierungJede neue Abhängigkeit gegen Herstellerdoku, Alter, Maintainer und Repository prüfen.
Geheimnisse, Tokens & Identitäten
Cloud-Zugangsdaten, API-Schlüssel, npm- und PyPI-Tokens, SSH-Schlüssel, Git-Credentials, die Identität, unter der der Agent handelt.
ASI03
Bedrohungen & dokumentierte Fälle- Geheimnissuche per KI-CLI
Kompromittierte Nx-Versionen riefen im August 2025 lokal installierte KI-Kommandozeilen auf — laut Wiz mit Flags, die Rückfragen überspringen —, um nach Geheimnissen zu suchen. Der Agent wurde zum Werkzeug des Angreifers; laut GitGuardian gelang das auf 95 von 366 angegriffenen Systemen.
s1ngularity / Nx, 26.08.2025 - API-Schlüssel vor dem Vertrauensdialog
Eine Repository-Einstellung lenkte API-Anfragen auf einen fremden Endpunkt, bevor der Nutzer dem Projekt vertraute — der API-Schlüssel konnte abfließen.
Claude Code CVE-2026-21852, CVSS 4.0: 5,3 — behoben in 2.0.65
- KontrolleKurzlebige, eng geschnittene Zugangsdaten (OIDC) statt Langzeit-Tokens; keine Produktionsgeheimnisse auf Agenten-Systemen.
- KontrolleAgenten eine eigene, minimal berechtigte Identität geben — nicht die des Entwicklers.
- MonitoringZugriffe auf Credential-Dateien und ungewöhnliche Token-Nutzung erkennen.
Repository, Pipelines & Release
Branches, Pull Requests, CI-Workflows, Build-Konfiguration, Release-Pipelines und Publish-Rechte.
ASI04ASI08
Bedrohungen & dokumentierte Fälle- Kompromittierte Erweiterung im Release
Ein zu weit gefasstes GitHub-Token in der Build-Konfiguration erlaubte, Code in die Amazon-Q-Erweiterung zu committen; Version 1.84.0 enthielt eine Löschanweisung an den Agenten. Sie lief wegen eines Syntaxfehlers nicht.
AWS-2025-015 / CVE-2025-8217 — behoben in 1.85.0 - Konfiguration aus dem Repository
Projektdateien starteten MCP-Server oder Code, bevor der Nutzer dem Projekt vertraute.
Codex CLI CVE-2025-61260; Claude Code CVE-2025-59536 (CVSS 4.0: 8,7)
- KontrolleBranch-Schutz und Pflicht-Review auch für Agenten-Commits; Agenten dürfen nicht selbst mergen.
- KontrolleTokens in Pipelines minimal berechtigen; Trusted Publishing statt gespeicherter Publish-Tokens.
- GovernanceAgenten-Identitäten im Berechtigungskonzept führen und regelmäßig rezertifizieren.
Netzwerk & Egress
Ausgehende Verbindungen von Agenten, Paketmanagern und Build-Jobs — einschließlich erlaubter Domains, die als Ausleitungskanal taugen.
ASI02
Bedrohungen & dokumentierte Fälle- Exfiltration über erlaubte Ziele
Geheimnisse fließen per HTTP-Anfrage, DNS oder über Commits in öffentliche Repositories ab — oft über Ziele, die für die Arbeit freigegeben sind.
u. a. s1ngularity 2025, Tracebit 2025
- KontrolleAusgehenden Verkehr von Agenten und Builds auf freigegebene Ziele beschränken (deny by default).
- MonitoringUngewöhnliche Ziele, Datenmengen und Upload-Muster alarmieren.
Modell, Anbieter & Schatten-KI
Die eingesetzten Modelle, ihre Anbieter, Datenverarbeitung und Werkzeuge, die Mitarbeitende ohne Freigabe nutzen.
LLM09ASI10
Bedrohungen & dokumentierte Fälle- Halluzination & Nichtdeterminismus
Dasselbe Modell schlägt bei gleicher Aufgabe unterschiedliche Pakete und Befehle vor — Sicherheit lässt sich nicht an das Modell delegieren.
OWASP LLM09: Unsafe Code Generation - Schatten-KI
Private Konten und Erweiterungen umgehen Inventar, Freigaben und Protokollierung.
HiddenLayer: Visibility & Monitoring
- GovernanceZugelassene Werkzeuge, Modelle und Datenklassen in einer Richtlinie festlegen.
- SichtbarkeitSchatten-KI über Identitäts-, Lizenz- und Endpunktdaten aufdecken.
- MonitoringAPI-Nutzung und auffälligen Rechenverbrauch überwachen.
Fälle mit CVE-Nummer sind behoben; die Fixversionen nennt das jeweilige Advisory. CVSS-Werte sind mit ihrer Version angegeben (3.1 oder 4.0) und nicht direkt vergleichbar. Die Zuordnung der Kontrollen zu den fünf Schichten folgt dem Modell von HiddenLayer (28.07.2026) und ist eine Einordnung von VamiSec.
Interaktiv · Paketnamen-Check
Plausibler Paketname oder Falle? Prüfen Sie einen Vorschlag
Geben Sie einen Paketnamen ein, den Ihnen ein Assistent, ein Agent oder ein README vorgeschlagen hat. Der Check vergleicht lokal mit verbreiteten npm- und PyPI-Paketen, erkennt typische Muster von Typo- und Combosquatting und markiert plausibel klingende Fantasienamen. Ob ein Name erfunden ist, zeigt allein die Registry — die passenden Prüfbefehle liefert der Check mit.
npm install
Beispiele
Der Check läuft vollständig in Ihrem Browser: Es wird nichts gesendet oder gespeichert, und es gibt keinen Abruf von npm oder PyPI.
Noch kein Name eingegeben
Tippen Sie einen Paketnamen ein — etwa aus einem KI-Vorschlag, einem README oder einem Agenten-Protokoll.
Die 5-Minuten-Prüfung vor jeder neuen Abhängigkeit
- Gegen die Herstellerdoku abgleichenNicht gegen die KI-Antwort, sondern gegen Dokumentation oder Repository des Projekts. Stimmt der Name exakt?
- Alter, Maintainer, DownloadsNeu angelegt, kaum Downloads, Maintainer-Wechsel kurz vor dem Release: anhalten und nachfragen.
- Install-Skripte ansehenpreinstall, postinstall oder Build-Code, der nachlädt oder Verbindungen öffnet, ist ein Warnsignal.
- Repository und ProvenanceIst ein Repository verknüpft, passt der Code zur Beschreibung, gibt es Build-Provenance?
- Freigeben und pinnenNur über die Freigabeliste aufnehmen, Version pinnen, Lockfile-Diff im Pull Request prüfen.
Interaktiv · Pflichten-Matrix
Welche Regel greift wo? Acht Kontrollfelder, fünf Regelwerke plus Leitfäden
Für KI-vorgeschlagene Abhängigkeiten und Coding-Agenten gibt es kein eigenes Gesetz — aber CRA, NIS2 mit BSIG, DORA, AI Act und Produkthaftung greifen an konkreten Stellen. Wählen Sie Ihre Rolle, um die einschlägigen Regelwerke hervorzuheben, und eine Zelle für Fundstelle und Einordnung. Verbindlich ist nur der Rechtstext; Leitfäden sind unverbindliche Orientierung zum Stand der Technik.
Ihre Rolle
| Kontrollfeld × Regelwerk | CRAArt. 14 seit 11.09.2026, Art. 13 und Anh. I ab 11.12.20275 | NIS2 / BSIGgilt8 | DORAgilt seit 17.01.20257 | AI Actgestuft ab 20252 | Produkthaftungfür Produkte, die nach dem 09.12.2026 in Verkehr kommen; über nationales Recht1 | LeitfädenOrientierung7 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Auswahl & Herkunft von Komponenten | — | — | ||||
| Inventar & SBOM | — | — | ||||
| Sichere Entwicklung & Tests, auch für KI-Code | — | — | ||||
| Änderungen & Freigaben | — | — | — | |||
| Integrität & Schutz vor Schadsoftware | — | — | — | |||
| Schwachstellen in Komponenten & Meldung | — | — | ||||
| Leitungsverantwortung & Kompetenz | — | — | ||||
| Einstufung, Haftung & Sanktionen | — | — |
Wählen Sie eine Zelle, um Fundstelle und Einordnung zu sehen. Mit dem Rollenfilter blenden Sie Regelwerke ab, die für Ihr Profil nicht einschlägig sind.
Cyber Resilience Act, Verordnung (EU) 2024/2847Art. 14 seit 11.09.2026, Art. 13 und Anh. I ab 11.12.2027
- Auswahl & Herkunft von KomponentenArt. 13 Abs. 5
Hersteller müssen beim Integrieren von Komponenten Dritter die gebotene Sorgfalt walten lassen — ausdrücklich auch bei freier und Open-Source-Software; der Umfang richtet sich nach dem Risiko (Erwägungsgrund 34). Die Pflicht gilt ab 11.12.2027. Laut den unverbindlichen Kommissionsleitlinien C(2026) 5252 (Beispiel 34) haben Paket-Repository und Einzelentwickler keine CRA-Pflichten — die Sorgfalt trägt der integrierende Hersteller.
- Inventar & SBOMAnh. I Teil II Nr. 1
Komponenten identifizieren und dokumentieren, unter anderem mit einer SBOM in gängigem, maschinenlesbarem Format, die mindestens die Top-Level-Abhängigkeiten abdeckt. Ein Format schreibt der CRA derzeit nicht vor; einen Durchführungsrechtsakt nach Art. 13 Abs. 24 (Kann-Vorschrift) listet die Umsetzungsseite der Kommission nicht (Stand 27.07.2026). Gilt ab 11.12.2027.
- Sichere Entwicklung & Tests, auch für KI-CodeAnh. I Teil I Nr. 2 a, b, j · Teil II Nr. 3
Auf Basis der Risikobewertung und soweit anwendbar: Produkte ohne bekannte ausnutzbare Schwachstellen bereitstellen, sicher voreinstellen, Angriffsfläche begrenzen und die Sicherheit wirksam und regelmäßig testen. Gilt ab 11.12.2027.
- Schwachstellen in Komponenten & MeldungArt. 13 Abs. 6 · Art. 14
Ab 11.12.2027: Schwachstellen in integrierten Komponenten an deren Hersteller oder Maintainer melden (Art. 13 Abs. 6). Seit 11.09.2026: aktiv ausgenutzte Schwachstellen gleichzeitig an das koordinierende CSIRT und die ENISA über die Single Reporting Platform melden: Frühwarnung binnen 24 Stunden, Meldung binnen 72 Stunden, Abschlussbericht spätestens 14 Tage nach Verfügbarkeit einer Abhilfe.
- Einstufung, Haftung & SanktionenArt. 64 Abs. 2, 10
Verstöße gegen Anhang I, Art. 13 und Art. 14 können mit bis zu 15 Mio. EUR oder 2,5 % des weltweiten Jahresumsatzes geahndet werden, je nachdem, welcher Betrag höher ist. Keine Geldbußen gegen Open-Source-Software-Stewards; Kleinst- und Kleinunternehmen sind beim Versäumen der 24-Stunden-Frühwarnfrist ausgenommen.
NIS2-Richtlinie (EU) 2022/2555 und BSIG (in Kraft seit 06.12.2025)gilt
- Auswahl & Herkunft von KomponentenArt. 21 Abs. 2 lit. d, Abs. 3 · § 30 Abs. 2 Satz 2 Nr. 4 BSIG
Risikomanagementmaßnahmen umfassen die Sicherheit der Lieferkette. Nach Art. 21 Abs. 3 NIS2 sind bei der Wahl der Lieferkettenmaßnahmen die spezifischen Schwachstellen unmittelbarer Anbieter, die Gesamtqualität ihrer Produkte und ihre Cybersicherheitspraktiken einschließlich sicherer Entwicklungsprozesse zu berücksichtigen — im BSIG nicht wörtlich übernommen, über die richtlinienkonforme Auslegung aber heranziehbar.
- Inventar & SBOMDVO 2024/2690 Anh. Nr. 6.1.2 lit. c
Beim Erwerb von IKT-Produkten Informationen über die verwendeten Hard- und Softwarekomponenten einfordern. Verbindlich nur für die in der Durchführungsverordnung genannten digitalen Einrichtungstypen, etwa Cloud-Anbieter und Managed Service Provider.
- Sichere Entwicklung & Tests, auch für KI-CodeArt. 21 Abs. 2 lit. e · § 30 Abs. 2 Satz 2 Nr. 5 BSIG
Sicherheitsmaßnahmen bei Erwerb, Entwicklung und Wartung von IT-Systemen, Komponenten und Prozessen einschließlich Management und Offenlegung von Schwachstellen.
- Änderungen & FreigabenDVO 2024/2690 Anh. Nr. 6.2
Regeln für sichere Entwicklung über alle Phasen, einschließlich Sicherheitsanforderungen an Entwicklungsumgebungen — verbindlich für die gelisteten digitalen Einrichtungstypen, für andere eine gute Orientierung.
- Integrität & Schutz vor SchadsoftwareDVO 2024/2690 Anh. Nr. 6.6.1 lit. c, 6.9
Patches nur aus vertrauenswürdigen Quellen und mit Integritätsprüfung; Schutz vor bösartiger und nicht autorisierter Software mit Erkennungs- und Verhinderungsmaßnahmen.
- Schwachstellen in Komponenten & Meldung§ 30 Abs. 2 Satz 2 Nr. 5 BSIG
Management und Offenlegung von Schwachstellen sind Teil der Mindestmaßnahmen — nach Einordnung von VamiSec gehört dazu, kompromittierte Abhängigkeiten schnell zu erkennen und zu behandeln.
- Leitungsverantwortung & KompetenzArt. 20 NIS2 · § 38 BSIG
Die Geschäftsleitung setzt die Maßnahmen um, überwacht sie, haftet bei schuldhafter Pflichtverletzung nach Gesellschaftsrecht und nimmt regelmäßig an Schulungen teil.
- Einstufung, Haftung & Sanktionen§ 65 Abs. 2, 5–7 BSIG
Bußgelder, wenn Maßnahmen nach § 30 Abs. 1 nicht ergriffen oder nicht dokumentiert werden: bis 10 Mio. EUR für besonders wichtige und 7 Mio. EUR für wichtige Einrichtungen; bei mehr als 500 Mio. EUR Gesamtumsatz bis 2 % bzw. 1,4 % des Gesamtumsatzes.
DORA, Verordnung (EU) 2022/2554, und RTS (EU) 2024/1774gilt seit 17.01.2025
- Auswahl & Herkunft von KomponentenRTS Art. 16 Abs. 8
Quellcode von IKT-Drittdienstleistern und aus Open-Source-Projekten ist vor dem Produktiveinsatz zu analysieren und zu testen — soweit machbar. Gilt für Finanzunternehmen im vollen IKT-Risikomanagementrahmen (Titel II).
- Inventar & SBOMRTS Art. 10 Abs. 2 lit. d
Die Nutzung von Drittanbieter- und Open-Source-Bibliotheken durch IKT-Dienste für kritische oder wichtige Funktionen nachverfolgen — einschließlich Versionen und Updates.
- Sichere Entwicklung & Tests, auch für KI-CodeRTS Art. 16 Abs. 3 und 4
Quellcode-Reviews mit statischen und dynamischen Tests sowie Sicherheitstests von Softwarepaketen spätestens in der Integrationsphase — unabhängig davon, ob ein Mensch oder ein Agent den Code geschrieben hat.
- Änderungen & FreigabenArt. 9 Abs. 4 lit. e · RTS Art. 17 Abs. 1
Alle Änderungen an IKT-Systemen werden erfasst, getestet, bewertet, genehmigt, umgesetzt und verifiziert; Genehmigung und Umsetzung sind funktional getrennt. Schlägt ein Agent eine neue Abhängigkeit vor, ist das nach Einordnung von VamiSec eine Änderung — mit Freigabe durch eine unabhängige Stelle.
- Integrität & Schutz vor SchadsoftwareRTS Art. 16 Abs. 7
Kontrollen zum Schutz der Integrität des Quellcodes vorsehen — nach Einordnung von VamiSec zählt dazu auch, was ein Agent in Repository und Konfiguration schreiben darf.
- Schwachstellen in Komponenten & MeldungRTS Art. 10 Abs. 2 lit. d
Versionen und Updates genutzter Bibliotheken überwachen — Voraussetzung, um auf ein kompromittiertes Paket schnell zu reagieren.
- Leitungsverantwortung & KompetenzArt. 28 Abs. 1
Finanzunternehmen bleiben bei der Nutzung von IKT-Dienstleistungen jederzeit voll verantwortlich — nach Einordnung von VamiSec auch bei extern bezogenen Coding-Agent-Diensten (SaaS), die als IKT-Dienstleistung gelten dürften.
KI-Verordnung (EU) 2024/1689 in der Fassung der VO (EU) 2026/1744gestuft ab 2025
- Leitungsverantwortung & KompetenzArt. 4 i. d. F. VO (EU) 2026/1744
Anbieter und Betreiber von KI-Systemen ergreifen Maßnahmen zur Unterstützung von KI-Kompetenz. Seit dem Digital Omnibus (in Kraft 27.07.2026) muss kein bestimmtes Kompetenzniveau einzelner Personen garantiert werden.
- Einstufung, Haftung & SanktionenArt. 6 Abs. 2 · Anh. III
Softwareentwicklung ist nicht in Anhang III gelistet — ein KI-Coding-Assistent ist typischerweise keine Hochrisiko-KI. Pflichten nach Art. 53 und 55 treffen die Anbieter der GPAI-Modelle, nicht die Unternehmen, die Coding-Agenten nutzen.
Produkthaftungsrichtlinie (EU) 2024/2853für Produkte, die nach dem 09.12.2026 in Verkehr kommen; über nationales Recht
- Einstufung, Haftung & SanktionenArt. 4 Nr. 1 · Art. 8 Abs. 1 · Art. 11 Abs. 2
Software ist ein Produkt. Die Haftung des Herstellers erfasst auch Schäden durch fehlerhafte Komponenten, die unter seiner Kontrolle integriert wurden; fehlende, sicherheitsnotwendige Software-Updates entlasten nicht. Gilt für Produkte, die nach dem 09.12.2026 in Verkehr gebracht werden, und nur für Schäden natürlicher Personen. Die Richtlinie wirkt über nationales Recht; der deutsche Regierungsentwurf (BT-Drs. 21/4297) ist zum 08.10.2026 nicht als verkündet verifiziert.
BSI, ANSSI, ENISA, OWASP, HiddenLayer — unverbindliche OrientierungOrientierung
- Auswahl & Herkunft von KomponentenENISA 03/2026 · BSI CON.8.A6 · Grundschutz++ DEV.4.2
ENISA nennt Slopsquatting ausdrücklich und empfiehlt Sichtbarkeit aller KI-ausgewählten Pakete. Der IT-Grundschutz des BSI sieht vor, Bibliotheken aus vertrauenswürdigen Quellen zu beziehen (CON.8.A6), Grundschutz++ als SOLLTE-Anforderung, Artefakte aus unzuverlässigen oder unbekannten Quellen zu untersagen (DEV.4.2) — ausdrücklich auch Packages und Modelle.
- Inventar & SBOMBSI TR-03183-2 v2.1.0 · Grundschutz++ DEV.4.3
SBOM mit rekursiver Abhängigkeitsauflösung, mindestens bis zur ersten Komponente außerhalb des Lieferumfangs, in CycloneDX ab 1.6 oder SPDX ab 3.0.1 — tiefer als das CRA-Minimum.
- Sichere Entwicklung & Tests, auch für KI-CodeBSI/ANSSI 2024 · OWASP LLM09
KI-Coding-Assistenten ersetzen keine erfahrenen Entwickler; generierten Code prüfen und die Qualitätssicherung mit der Produktivität mitwachsen lassen. OWASP führt erfundene Bibliotheken unter LLM09 als Unsafe Code Generation.
- Änderungen & FreigabenHiddenLayer · Control
Menschliche Freigabe für Aktionen mit hoher Tragweite, minimale Rechte als Standard und eine Prüfung von System-Prompts und Standardkonfigurationen vor dem Einsatz.
- Integrität & Schutz vor SchadsoftwareBSI CON.8.A20 · Grundschutz++ DEV.4.4
Unbekannte externe Komponenten ohne etablierte Reviews auf Schwachstellen prüfen; Integrität per Prüfsumme oder kryptografischem Zertifikat sicherstellen.
- Schwachstellen in Komponenten & MeldungENISA 03/2026
Cheat-Sheets für Auswahl, Integration mit Lockfiles und Hash-Prüfung, Monitoring und Behebung; gestärktes Schwachstellenmanagement für KI-ausgewählte Pakete.
- Leitungsverantwortung & KompetenzHiddenLayer · Governance
Owner für jeden produktiven Agenten, Coding-Agenten in Threat Models und KI-Governance aufnehmen, agentenspezifische Incident Response, regelmäßige Überprüfung von Rechten und vertrauten Integrationen.
- Verbindliche Pflicht
- Verbindlich für bestimmte Adressaten oder mittelbar
- Leitfaden, unverbindlich
Stand 08.10.2026. Die Zuordnung zu Kontrollfeldern ist eine Einordnung von VamiSec und keine Rechtsberatung. Zitate aus EU-Rechtsakten beruhen auf den englischen Originalfassungen; Kommissionsleitlinien, ENISA-, BSI- und OWASP-Dokumente sind unverbindlich.
Volltext
Slopsquatting und Coding-Agenten im Detail: 13 Kapitel vom Lagebild bis zum 90-Tage-Plan
Die Kapitel führen von der Lage über die Mechanik der Angriffe zu den fünf Schutzschichten, zur Abhängigkeits-Hygiene, zu den Pflichten aus CRA, NIS2, DORA und AI Act und zum Umsetzungsplan. Jede Zahl ist belegt; Pflicht, Praxis und VamiSec-Empfehlung sind getrennt gekennzeichnet.
Vom Vorschlag zur Ausführung
KI-Coding-Werkzeuge gehören zum Entwickleralltag. Seit Agenten selbst Pakete installieren und Werkzeuge aufrufen, verschiebt sich das Risiko vom fehlerhaften Vorschlag zur unbeaufsichtigten Ausführung.
In kurzer Zeit sind KI-Werkzeuge vom Experiment zur Grundausstattung der Softwareentwicklung geworden. Im Stack Overflow Developer Survey 2025 gaben 84 % der Befragten an, KI-Werkzeuge im Entwicklungsprozess zu nutzen oder dies zu planen (2024: 76 %). Tatsächlich im Einsatz waren sie bei 78,5 %, täglich bei 47,1 %. KI-Agenten nutzte 2025 erst knapp ein Drittel bei der Arbeit (etwa 31 %), 37,9 % hatten keine entsprechenden Pläne.
84 %nutzen KI-Werkzeuge oder planen es (Stack Overflow 2025)
73 %nutzen Coding-Assistenten und -Agenten täglich (Stack Overflow 2026)
> 1 Mio.Pull Requests des Copilot Coding Agent, Mai bis September 2025 (Octoverse)
+178 %Zuwachs öffentlicher Repositories mit LLM-SDK auf über 1,1 Mio. (Octoverse 2025)
Ein Jahr später hat sich der Schwerpunkt verschoben. In der Umfrage 2026 (30.903 gültige Antworten aus 169 Ländern) sind Coding-Assistenten und -Agenten mit 66 % der wichtigste KI-Anwendungsfall, vor allgemeinen Chatbots (63 %). Stack Overflow fasst zusammen, die „überwältigende Mehrheit“ nutze Coding-Assistenten und -Agenten inzwischen täglich (73 %) – die Zahl beschreibt beide gemeinsam, nicht Agenten allein. GitHubs Octoverse 2025 zeigt dieselbe Richtung: mehr als 180 Mio. Entwicklerinnen und Entwickler, rund 36 Mio. davon neu, und fast 80 % der Neuen nutzen Copilot bereits in der ersten Woche. Eine Annahmequote für die Pull Requests des Coding Agent nennt GitHub nicht.
Assistenten schlagen vor, Agenten führen aus
Für die Sicherheit zählt weniger, wie viel Code ein Modell schreibt, als was es selbst tun darf. Ein Assistent macht einen Vorschlag, den ein Mensch liest, übernimmt oder verwirft. Ein Agent arbeitet im Terminal, führt npm install oder pip install aus, bindet MCP-Server (Model Context Protocol, die Schnittstelle zu externen Werkzeugen und Datenquellen) und Skills (wiederverwendbare Anweisungspakete für Agenten) ein und liest Repository-Inhalte, Issues und Dokumentation als Kontext. HiddenLayer weist darauf hin, dass Agenten typosquattete Pakete mit weniger menschlicher Prüfung übernehmen können und dass sich entfernte MCP-Server ändern können, ohne dass die Organisation es bemerkt (HiddenLayer, 16.07.2026).
| Dimension | Assistent (Vorschlag) | Agent (Ausführung) |
|---|---|---|
| Paketname | erscheint im Chat oder Code; ein Mensch entscheidet über die Installation | wird direkt im Terminal installiert |
| Kontext | der Prompt der Entwicklerin oder des Entwicklers | README, Issues, Regeldateien, Tool-Beschreibungen, Webseiten – jede Quelle ein möglicher Einstieg für Prompt Injection, also in Daten versteckte Anweisungen |
| Rechte | keine eigenen | die der Sitzung: Dateisystem, Netzwerk, Tokens, Cloud-Profile |
| Erweiterungen | kaum | MCP-Server, Skills, Hooks, Plugins |
| Kontrollpunkt | Review vor dem Commit | Freigabedialog – sofern nicht automatisch genehmigt |
Vereinfachte Gegenüberstellung; VamiSec-Einordnung.
Dass Agenten Installationsanweisungen ohne Eigentümerprüfung ausführen, ist beobachtet: Forschende fanden auf 6.214 Domains 8.265 llms.txt- bzw. llms-full.txt-Dateien; 120 davon verwiesen auf nicht registrierte Pakete oder Domains. Nachdem sie einige dieser Namen mit Beacon-Paketen belegt hatten, meldete sich ein Fortune-500-Unternehmen binnen einer Stunde; die Prozessketten deuteten auf Claude, OpenAI Codex und Nous Research Hermes (laut Schneier unter Berufung auf Ars Technica, 09/2026). Das ist keine Halluzination – die Namen stammten aus Herstellerdokumentation –, folgt aber derselben Logik: Wer einen freien Namen zuerst belegt, bestimmt, was der Agent installiert. Auch Versionen sind unsicher: In rund 37.000 analysierten KI-Upgrade-Empfehlungen halluzinierte GPT-5 laut Sonatype 27,8 % der Komponentenversionen.
Drei Ausgangsquellen und ihre Einordnung
ThreatLocker, 15.09.2026
Herstellerblog zu Typo- und Slopsquatting in npm und PyPI. Zitiert Spracklen et al. und empfiehlt Paketprüfung, freigegebene Abhängigkeitslisten bzw. interne Registry oder Proxy, Pinning mit Lockfiles, Software Composition Analysis (SCA), deaktivierte Lifecycle-Skripte und isolierte Builds mit kurzlebigen Zugangsdaten. Einordnung: Beide dort angeführten Vorfälle (Microsoft 2026, Check Point 2024) sind klassisches Typosquatting.
HiddenLayer, 28.07.2026
Rahmenwerk für Coding-Agenten und ihren Harness – die Ausführungsumgebung aus Prompts, Tools, Skills und MCP-Servern rund um das Modell. Fünf Schichten: Sichtbarkeit, Kontrolle, Validierung, Monitoring, Governance. Konzeptionell, ohne eigene Statistik.
Harsh, dev.to, 06.10.2026
Selbsttest mit 30 alltäglichen npm-Prompts an drei Coding-Werkzeugen; jedes schlug mindestens einen nicht existierenden Paketnamen vor. Eine Stichprobe, keine Studie: Jeder Prompt lief einmal, eine Quote lässt sich nicht berechnen. Der Autor nennt das Ergebnis selbst „ein Signal, kein Urteil“.
Der Leitgedanke dieses Deep Dives: Die Software-Lieferkette beginnt heute im Prompt. Ein Paketname, den ein Modell vorschlägt oder ein Agent aus einer Skill-Datei übernimmt, ist das erste Glied einer Kette, die über Registrierung, Auflösung und Ausführung bis zu gestohlenen Tokens und zur Ausbreitung reicht. Wer nur das Modell bewertet, übersieht die Stufen, an denen sich ein Angriff tatsächlich unterbrechen lässt.
Typosquatting: alt, aber industrialisiert
Verwechselbare Paketnamen zu registrieren, ist ein altes Muster. Neu sind Tempo, Automatisierung und Ziele, die inzwischen bei den KI-Werkzeugen selbst liegen.
Beim Typosquatting registriert ein Angreifer einen Namen, der einem populären Paket zum Verwechseln ähnlich ist, und setzt auf Tippfehler, unaufmerksames Kopieren oder automatisierte Werkzeuge. Öffentliche Registries vergeben Namen an den, der zuerst kommt; ein neues Konto genügt. Die Muster sind überschaubar:
| Muster | Prinzip | Belegtes Beispiel |
|---|---|---|
| Auslassung | Zeichen fehlen | „suport-color“, erkennbar an supports-color angelehnt (SANDWORM_MODE, Socket 2026) |
| Einfügung, Ersetzung, Vertauschung | Ein Zeichen kommt hinzu, wird ersetzt oder getauscht | „reqjuests“ (requests), „tensoflom“ (tensorflow) – Check Point 2024 |
| Homoglyphen | Optisch ähnliche Zeichen, etwa rn statt m oder Ziffer statt Buchstabe | „jeIlyfish“ mit großem I statt l (PyPI, gemeldet 01.12.2019, online seit 11.12.2018; stahl SSH- und GPG-Schlüssel) |
| Trennzeichen | Bindestrich, Unterstrich oder Punkt variieren | „crossenv“ statt cross-env (npm, 01.08.2017; übermittelte Umgebungsvariablen, rund 40 Pakete des Kontos hacktask entfernt) |
| Präfix, Suffix, Marke | Bekannter Name plus Zusatz wie -setup, -helper oder -utility | Imitate von OpenSearch- und Elasticsearch-Werkzeugen, teils mit gefälschter Repository-URL (Microsoft 2026); Claude-Code-Imitate (Socket 2026) |
| Scope-Verwechslung | Ein Paket mit Scope (@name/…) imitiert eines ohne – oder umgekehrt | in den ausgewerteten Fällen nicht einzeln belegt; im Microsoft-Fall erschienen Pakete mit und ohne eigenen Scope (@vpmdhaj) |
Beispielnamen aus Check Point (28.03.2024), Microsoft (28.05.2026), Socket (20.02.2026) sowie den historischen Fällen crossenv (npm, 2017) und jeIlyfish (PyPI, 2019). Nicht installieren.
Vom Einzeltäter zur Fließbandarbeit
Check Point, März 2024 (PyPI)
Über 500 bösartige Pakete in zwei Wellen (rund 200, dann über 300), jedes von einem eigenen Maintainer-Konto: Die Konten entstanden am 26.03., die Uploads folgten tags darauf. Unter Windows lud setup.py eine zweite Stufe nach, die Passwörter und Dateien stahl und Krypto-Wallet-Software ersetzte. PyPI entfernte die Pakete kurz nach der Meldung.
Microsoft, 28.05.2026 (npm)
Ein neu angelegtes Konto veröffentlichte binnen vier Stunden 14 Pakete, die OpenSearch-, Elasticsearch-, DevOps- und Konfigurationswerkzeuge imitierten. Install-Hooks griffen AWS-Zugangsdaten (IMDSv2, ECS-Task-Rollen, STS, Secrets Manager in mindestens 16 Regionen), HashiCorp-Vault-Tokens, GitHub-Actions-Tokens samt Kontext und npm-Tokens mit Veröffentlichungsrechten ab.
21.764bösartige Open-Source-Pakete im ersten Quartal 2026 (Sonatype)
46 pro Tagneue bösartige npm-Pakete im Schnitt – 75 % aller neuen Fälle (Sonatype, Q1 2026)
+73 %Zuwachs bei Erkennungen bösartiger Open-Source-Pakete 2025; knapp 90 % entfielen auf npm (ReversingLabs)
Weder Check Point noch Microsoft bringen diese Kampagnen mit KI in Verbindung; es geht um Typosquatting und Markenimitation. Bemerkenswert ist das Zielbild: Gesucht werden Build-Umgebungen, Cloud-Rollen und Publishing-Tokens – genau die Rechte, mit denen auch Coding-Agenten arbeiten. Sonatype nennt den Missbrauch von Vertrauen in bekannte Namen, Werkzeuge und Release-Workflows den erfolgreichsten Angriffsvektor im ersten Quartal 2026.
SANDWORM_MODE: Typosquatting zielt auf den Agenten
Den Übergang markiert eine von Socket am 20.02.2026 beschriebene Kampagne: Mindestens 19 typosquattete npm-Pakete, drei davon als Claude-Code-Imitate, stahlen npm-, GitHub-, CI- und Krypto-Zugangsdaten sowie LLM-API-Schlüssel von neun Anbietern. Zudem trugen sie einen eigenen MCP-Server in die Konfiguration von Claude Code, Claude Desktop, Cursor, VS Code Continue und Windsurf ein. Dessen Tools mit unauffälligen Namen wie index_project oder lint_check enthielten eine Prompt Injection: Der Assistent sollte SSH-Schlüssel, AWS-Zugangsdaten, .npmrc und .env lesen und diesen Schritt dem Nutzer verschweigen. Zur Weiterverbreitung nutzte die Schadsoftware gestohlene npm-Tokens, eingeschleuste pull_request_target-Workflows und SSH als Rückfallweg.
VamiSec-Einordnung: Das Paket ist hier nur der Türöffner. Die eigentliche Nutzlast ist eine dauerhafte Änderung an der Umgebung des Agenten, die in jeder künftigen Sitzung mit den Rechten der Entwicklerin oder des Entwicklers wirkt.
Was die Registries leisten – und wo es endet
- Typosquatting-Prüfung: PyPI erkennt und markiert nach eigener Aussage potenzielles Typosquatting automatisch beim Anlegen eines Projekts; Schwellenwerte oder Zahlen nennt PyPI nicht (Jahresrückblick 2025).
- Quarantäne: Administratoren können Projekte aus dem Index nehmen, ohne sie zu löschen. Seit August 2024 betraf das rund 140 Projekte, nur eines kam wieder frei (PyPI, 30.12.2024). Im März 2026 griff die Quarantäne über vertrauenswürdige Melder bereits automatisiert.
- Statusmarker: Über PEP 792 signalisieren die Index-APIs den Status „quarantined“; Installer sollen davor warnen.
- Reaktionszeit: 2025 bearbeitete PyPI über 2.000 Malware-Meldungen, 66 % innerhalb von vier und 92 % innerhalb von 24 Stunden.
Die Grenzen sind strukturell. Alle diese Maßnahmen setzen nach dem Upload an; das Zeitfenster bis zur Entfernung bleibt. Auch npm reagierte auf Shai-Hulud mit dem Blockieren von Uploads, die bekannte Indikatoren enthielten – ebenfalls reaktiv. Und eine Ähnlichkeitsprüfung erkennt nur, was einem bestehenden Namen ähnelt. Genau daran scheitert sie bei Namen, die ein Sprachmodell frei erfindet.
Slopsquatting: Wenn das Modell den Namen erfindet
Sprachmodelle erfinden Paketnamen – reproduzierbar und selten als Tippfehler erkennbar. Wer einen solchen Namen zuerst registriert, bestimmt, was installiert wird.
Der Begriff Slopsquatting wird Seth Larson (Python Software Foundation) zugeschrieben; verbreitet hat ihn Andrew Nesbitt am 08.04.2025. Gemeint ist: Ein Sprachmodell halluziniert einen nicht existierenden Paketnamen, ein Angreifer registriert ihn mit Schadcode. Die maßgebliche Messung stammt von Spracklen et al. (USENIX Security 2025, Distinguished Paper Award), die den Begriff selbst nicht verwenden.
19,7 %der 2,23 Mio. Paketreferenzen halluziniert (440.445)
205.474eindeutige erfundene Paketnamen
43 %der Halluzinationen kehrten in allen zehn Wiederholungen zurück (Stichprobe: 500 Prompts)
48,6 %der erfundenen Python-Namen: sechs oder mehr Zeichenänderungen von echten Paketen entfernt
Die Forschenden ließen 16 Code-Modelle 576.000 Code-Samples in Python und JavaScript erzeugen. Als halluziniert galt, was am 10.01.2024 nicht auf PyPI bzw. npm existierte – eine Untergrenze. Die 19,7 % beziehen sich auf Paketreferenzen, nicht auf Code-Samples.
| Befund | Ergebnis (Spracklen et al.) | Folge für die Abwehr |
|---|---|---|
| Modelltyp | Kommerziell im Schnitt 5,2 %, Open Source 21,7 % (nur drei kommerzielle Modelle, alle von OpenAI) | Modellwahl senkt das Risiko, beseitigt es nicht |
| Temperatur | Höhere Temperatur, mehr Halluzinationen (Maximum: GPT-4 8,9 %, GPT-3.5 31,8 %); andere Decoding-Parameter halfen nicht | Auch konservative Einstellungen erzeugen erfundene Pakete |
| Wiederholbarkeit | 500 Prompts je zehnmal: 43 % in allen Läufen, 58 % mehr als einmal, 39 % nie wieder | Viele erfundene Namen sind vorhersagbar – also registrierbar |
| Modellspezifik | 81 % der Namen stammten von nur einem der 16 Modelle | Kleine Schnittmenge; das Risiko hängt am Modell |
| Namensabstand | Von 76.489 Python-Namen: 13,4 % Levenshtein-Distanz 1–2, 37,9 % 3–5, 48,6 % ab 6 | Meist keine Tippfehler – klassische Typo-Erkennung greift nicht |
| Sprachverwechslung | 8,7 % der erfundenen Python-Namen sind echte npm-Pakete | Ein existierender Name ist nicht automatisch der richtige |
| Gegenmaßnahmen am Modell | RAG (Retrieval-Augmented Generation), Self-Refinement und Fine-Tuning helfen; Fine-Tuning senkte die Rate bei DeepSeek um 83 %, die HumanEval-Leistung aber von 51,4 % auf 25,3 % | Korrektur am Modell kostet Qualität – Kontrollen gehören auch außerhalb des Modells |
Spracklen et al., USENIX Security 2025 (arXiv:2406.10279 v3). Levenshtein-Distanz = Zahl der Einzelzeichen-Änderungen zwischen zwei Namen. Die Wiederholbarkeit wurde an vier Modellen und Python untersucht.
Belege aus Forschung und Praxis, 2023 bis 2026
Bar Lanyado zeigte 2023 bei Vulcan Cyber, dass ChatGPT 3.5 bei über 40 von 201 Node.js- und über 80 von 227 Python-Fragen nicht veröffentlichte Pakete empfahl. Für seine 2024 bei Lasso Security veröffentlichte Folgestudie lud er unter dem wiederholt halluzinierten Namen huggingface-cli (echt: huggingface_hub[cli]) ein leeres Paket hoch – laut Lasso mit über 30.000 authentischen Downloads in drei Monaten. Alibaba nannte pip install huggingface-cli im ersten README-Commit seines Repositorys GraphTranslator (26.02.2024).
Frontier-Modelle 2026 (Preprint)
Aleksandr Churilov wiederholte die Methodik 2026 mit fünf aktuellen Modellen: Raten von 4,62 % bis 6,10 %. 127 Namen erfanden alle fünf identisch; nach koordinierter Meldung blieben 53 registrierbar (Stand April 2026). Nicht begutachtet; Regex-Extraktion und Referenzlisten von 2024 können die Werte verzerren.
Agenten (Trend Micro, 2025)
Coding-Agenten mit Reasoning erfanden etwa halb so viele Paketnamen wie Basismodelle, aber nicht null – selbst Cursor mit Live-Validierung über MCP-Server nicht.
Stichprobe dev.to (06.10.2026)
Im eingangs beschriebenen Selbsttest erfand Claude Haiku 4.5 zwei, GitHub Copilot einen und ChatGPT/Codex drei Paketnamen; zwei tauchten bei mehreren Werkzeugen auf, veröffentlicht wurden sie bewusst nicht. Kein Messwert, aber ein Hinweis, dass das Problem fortbesteht.
react-codeshift (Aikido, 21.01.2026)
Ein nie veröffentlichter npm-Name, gemischt aus jscodeshift und react-codemod, stand als npx-Befehl in KI-generierten Agent Skills und gelangte in mindestens 237 Repositories. Aikido registrierte ihn als harmlosen Platzhalter und führt die folgenden Downloads auf Agenten zurück, die den Skills folgten.
HalluSquatting (Spira et al., 2026)
Auch Repositories und Skills werden halluziniert – in den Testszenarien bis zu 85 % bzw. 100 %. Vorab registrierte Ressourcen wirkten bei allen sechs getesteten Coding-Assistenten in 20 bis 65 % der Versuche. Mit vorheriger Websuche klonte Cursor CLI zu 93,4 % korrekt, ohne Suche zu 0,9 %. Preprint, keine realen Infektionen bekannt.
Bislang kein belegter Angriff
Stand 08.10.2026 ist kein öffentlich belegter Fall bekannt, in dem ein Angreifer einen nachweislich halluzinierten Namen bösartig registriert hat und Opfer ihn wegen eines KI-Vorschlags installierten. Dass etwa PhantomRaven (2025) Slopsquatting ausnutze, ist eine Einschätzung von Koi ohne veröffentlichten Beleg. Auch für die 53 Churilov-Namen sehen Socket und InfoWorld keine bösartigen Registrierungen.
VamiSec-Einordnung: Entwarnung ist das nicht. Die Voraussetzungen sind belegt: Halluzinationen wiederholen sich, eine kleine Schnittmenge ist modellübergreifend, und harmlose Platzhalter erhielten echte Installationen, zuletzt offenbar durch Agenten. Zugleich bleibt ein Treffer schwer erkennbar: Der Name wirkt meist nicht wie ein Tippfehler, und Seth Larson hält es für schwierig, wahrscheinlich unmöglich, versuchte Installationen halluzinierter Pakete zu beziffern (The Register, 12.04.2025). Das Fehlen belegter Fälle beweist deshalb kein geringes Risiko.
Die Zündung: Install-Skripte, Import-Code und Tokens
Ein falscher Paketname wird erst gefährlich, wenn Code läuft. Die Vorfälle 2025/2026 zeigen, wie kurz der Weg von der Installation zu gestohlenen Tokens und zur Selbstverbreitung ist.
Zwischen Namensvorschlag und Schaden liegt die Ausführung. Paketmanager bieten dafür mehrere Zündpunkte, und nicht alle lassen sich mit einem Schalter abschalten. Der verbreitete Rat, Lifecycle-Skripte zu deaktivieren (ignore-scripts), ist richtig, aber unvollständig.
| Zündpunkt | Wann Code läuft | Belegter Fall | Stoppt npm ignore-scripts? |
|---|---|---|---|
| npm-Lifecycle-Skripte (preinstall, install, postinstall) | bei der Installation | Microsoft-Fall 05/2026; Shai-Hulud 09 und 11/2025 | ja |
| Python-Quellpaket (setup.py) | bei der Installation aus dem Quellpaket | Check Point 2024 | nicht anwendbar (pip) |
| .pth-Datei | bei jedem Start des Python-Interpreters, ohne Import | litellm 1.82.8 (24.03.2026): Die Datei stand im RECORD, Hash-Prüfungen schlugen nicht an | nein – kein Lifecycle-Skript |
| Import-Zeit-Code | beim ersten import oder require | von OWASP unter ASI05 benannt | nein |
| Git-Abhängigkeit | bei der Installation: eine mitgelieferte .npmrc kann den Pfad zum git-Programm überschreiben | Anlass für --allow-git=none (GitHub, 18.02.2026) | nein |
| URL-Abhängigkeit | Nutzlast wird bei der Installation von einer HTTP-Adresse geladen, im Registry-Tarball unsichtbar | PhantomRaven (laut Koi, 10/2025) | das Nachladen nicht; dafür --allow-remote=none |
Quellen: Microsoft 28.05.2026; Check Point 28.03.2024; Snyk 24.03.2026; GitHub Changelog 18.02.2026; The Register 30.10.2025; OWASP Top 10 for Agentic Applications 2026.
Sechs Vorfälle, ein Muster
- 1KI-CLIs als Werkzeug des Angreiferss1ngularity/Nx – 26.08.2025
Über einen pull_request_target-Workflow mit Shell-Injection erbeuteten Angreifer das npm-Token und veröffentlichten bösartige Nx-Versionen, rund vier Stunden lang. Die Nutzlast suchte lokal installierte KI-CLIs und startete sie laut Wiz mit --dangerously-skip-permissions, --yolo bzw. --trust-all-tools, um Geheimnisse zu inventarisieren. Laut GitGuardian gelang das nur auf 95 von 366 Zielsystemen (rund 26 %); insgesamt wurden 2.349 eindeutige Secrets öffentlich.
- 2Phishing, Krypto-Clipperchalk/debug – 08.09.2025
Ein Maintainer fiel auf eine Phishing-Mail von support@npmjs[.]help herein; die Domain war am 05.09.2025 registriert worden. Bösartige Versionen von 18 populären Paketen (Aikido; Socket zählt 19 Versionen) mit laut Aikido mehr als 2 Mrd. wöchentlichen Downloads tauschten im Browser Wallet-Adressen aus, indem sie fetch, XMLHttpRequest und window.ethereum abfingen.
- 3Wurm über gestohlene TokensShai-Hulud – September 2025
Ein selbstreplizierender Wurm injizierte post-install-Skripte, suchte mit TruffleHog, Umgebungsvariablen und Cloud-Metadaten nach Geheimnissen und veröffentlichte mit erbeuteten npm-Tokens weitere Pakete. GitHub entfernte mehr als 500 kompromittierte Pakete; Wiz führt die Kampagne auf Zugangsdaten aus s1ngularity zurück.
- 4preinstall und Runner-BackdoorShai-Hulud 2.0 – ab 24.11.2025
Die zweite Welle zündete schon in der preinstall-Phase, getarnt als Bun-Installer, registrierte befallene Hosts als selbst gehostete GitHub-Runner und legte laut Wiz mehr als 25.000 bösartige Repositories an. Konnte sie weder Zugangsdaten stehlen noch Daten ausleiten, versuchte sie laut Unit 42, das Home-Verzeichnis zu zerstören.
- 5Kompromittierter Maintainer-Rechneraxios – 31.03.2026
Nach Social Engineering und der Infektion seines Rechners mit einem RAT (Fernzugriffstrojaner) erschienen über das persönliche Konto des Lead-Maintainers axios 1.14.1 und 0.30.4 mit einer zusätzlichen Abhängigkeit, die mehrstufig weitere Schadsoftware samt RAT nachlud – rund drei Stunden lang. CISA empfahl in ihrer Warnung vom 20.04.2026 ausdrücklich ignore-scripts=true und min-release-age=7 (Tage) in der .npmrc sowie phishing-resistente MFA.
- 6Gültige Provenance, Agent als PersistenzortTanStack / Mini Shai-Hulud – 11.05.2026
Über einen pull_request_target-Workflow und vergifteten Actions-Cache lasen Angreifer das OIDC-Token für Trusted Publishing aus dem Runner-Speicher und veröffentlichten 84 bösartige Versionen von 42 @tanstack-Paketen – mit gültiger SLSA-Build-Level-3-Provenance (StepSecurity). Zur Persistenz schrieb die Malware einen SessionStart-Hook in .claude/settings.json, der bei jedem Start von Claude Code node .vscode/setup.mjs ausführt, dazu eine VS-Code-Task mit runOn: folderOpen.
Zwei Lehren
Erstens: Provenance – der signierte Nachweis, aus welchem Repository und Build ein Paket stammt – belegt die Herkunft, nicht die Unbedenklichkeit. Sinngemäß nach StepSecurity bestätigt SLSA-Provenance, welche Pipeline ein Artefakt erzeugt hat – nicht, ob sie sich wie vorgesehen verhielt. Im Red-Hat-Fall „Miasma“ trugen 32 manipulierte Pakete ebenfalls gültige Signaturen, weil die Angreifer den legitimen OIDC-Veröffentlichungsweg nutzten (Microsoft, 02.06.2026). Die npm-Dokumentation hält selbst fest, dass Provenance keinen schadcodefreien Inhalt garantiert.
Zweitens: Tokens sind die Währung der Ausbreitung. Die meisten dieser Nutzlasten suchten npm-, GitHub-, Cloud- oder LLM-API-Zugangsdaten und nutzten Veröffentlichungsrechte für die nächste Welle. VamiSec-Einordnung: Jede Agenten-Sitzung, in der Tokens im Klartext, Cloud-Profile oder schreibende Registry-Rechte erreichbar sind, ist ein möglicher Startpunkt einer solchen Welle. Mini Shai-Hulud zeigt zudem, dass die Konfiguration des Agenten selbst zum Persistenzort wird.
Der Harness ist die Angriffsfläche
Die hier dokumentierten Angriffe auf Coding-Agenten brechen kein Modell. Sie nutzen Vertrauen – in Kontextdateien, Tool-Beschreibungen, Konfigurationen und Freigabelogik.
HiddenLayer stellt in seinem Rahmenwerk vom 28.07.2026 eine These in den Mittelpunkt: Die wesentliche Angriffsfläche eines Coding-Agenten ist nicht das Modell, sondern sein Harness – Prompts, Tools, Skills, MCP-Server und die Orchestrierungslogik um das Modell. Die Wurzel der Angriffe sieht HiddenLayer in fehlplatziertem Vertrauen. Bereits am 16.07.2026 hatte das Unternehmen jede Quelle, die ein Agent liest, als möglichen Einstiegspunkt für indirekte Prompt Injection eingestuft.
> 30Schwachstellen in KI-IDEs, davon 24 mit CVE (IDEsaster, 06.12.2025)
13,4 %534 von 3.984 geprüften Agent Skills mit mindestens einem kritischen Befund (Snyk)
76bestätigt bösartige Skills bzw. Payloads (Snyk, 05.02.2026)
Angriffsklassen mit Belegen
| Angriff (Quelle, Datum) | Ausgenutzter Harness-Baustein | OWASP-Bezug |
|---|---|---|
| Versteckte Prompt Injection in Cursor (HiddenLayer, 31.07.2025) | Versteckter HTML-Kommentar in einer README nutzt Steuertokens des System-Prompts, um als Nutzeranweisung zu gelten; Denylist-Umgehung per $(), SSH-Schlüssel-Abfluss über erlaubnisfreie Tools. Behoben in Cursor 1.3 | LLM01, ASI01, ASI02 |
| CopyPasta (HiddenLayer, 04.09.2025) | Prompt Injection in einem versteckten README-Kommentar, getarnt als Lizenz; der Agent kopiert sie in jede bearbeitete Datei (Cursor, auch Windsurf, Kiro, Aider) | LLM01, ASI01, ASI06 |
| Rules File Backdoor (Pillar Security, 18.03.2025) | Regeldateien von Cursor und GitHub Copilot mit unsichtbaren Unicode-Zeichen; kein CVE, von beiden Herstellern als Nutzerverantwortung eingestuft | LLM01, ASI01, ASI06 |
| Tool Poisoning, Rug Pull (Invariant Labs, 04/2025) | Versteckte Anweisungen in MCP-Tool-Beschreibungen; ein Rug Pull ändert die Beschreibung nach der Freigabe. Demo: Der Agent las ~/.cursor/mcp.json und ~/.ssh/id_rsa aus | ASI02, ASI04 |
| Toxic Agent Flow (Invariant Labs, 26.05.2025) | Ein bösartiges Issue in einem öffentlichen Repo lässt den Agenten über den offiziellen GitHub-MCP-Server private Inhalte in einen öffentlichen PR schreiben – Architektur-, kein Server-Bug | ASI01, ASI02; OWASP-Szenario unter ASI04 |
| Auto-Approve-RCE, CVE-2025-53773 (GitHub Copilot in VS Code/Visual Studio; CVSS 3.1: 7,8) | Prompt Injection schreibt chat.tools.autoApprove: true in .vscode/settings.json; Bestätigungen entfallen, Terminalbefehle laufen | LLM01, ASI05 |
| MCPoison, CVE-2025-54136 (Cursor; CVSS 3.1: 7,2) | MCP-Einträge wurden nur per Schlüsselname freigegeben; danach tauscht ein Commit den Befehl aus. Behoben in Cursor 1.3 | ASI04, ASI05 |
| CurXecute, CVE-2025-54135 (Cursor; CVSS 3.1: 8,6) | Eine per MCP gelesene Slack-Nachricht lässt den Agenten einen mcp.json-Eintrag schreiben, der ohne Freigabe startet – auch bei abgelehnter Änderung. Fix laut CVE-Eintrag 1.3.9, laut Entdeckern 1.3 | LLM01, ASI01, ASI05 |
| Projektdateien in Claude Code und Codex CLI (2025/2026) | CVE-2025-59536: Projektcode lief vor dem Vertrauensdialog (CVSS 4.0: 8,7). CVE-2026-21852: Eine Repository-Einstellung konnte vor dem Dialog den API-Schlüssel an einen fremden Endpunkt senden (CVSS 4.0: 5,3). CVE-2025-61260: Projektkonfiguration startete MCP-Befehle ohne Freigabe (CVSS 3.1: 9,8, CISA-ADP-Wertung) | ASI04, ASI05 |
| ToxicSkills (Snyk, 05.02.2026) | Skills aus ClawHub und skills.sh: Prompt Injection in 91 % der 76 bestätigt bösartigen Skills, Schadcode in allen | ASI01, ASI04 |
| Amazon Q für VS Code 1.84.0 (AWS-2025-015, CVE-2025-8217) | Ein zu weit berechtigtes GitHub-Token in CodeBuild ermöglichte eingeschleusten Code; der Prompt sollte laut The Register Dateien und Cloud-Ressourcen löschen. Laut AWS lief er wegen eines Syntaxfehlers nicht; gelöscht wurde nichts | ASI01, ASI02, ASI04 |
LLM01 Prompt Injection, LLM09 Misinformation (OWASP Top 10 for LLM Applications 2025); ASI01 Agent Goal Hijack, ASI02 Tool Misuse and Exploitation, ASI04 Agentic Supply Chain Vulnerabilities, ASI05 Unexpected Code Execution (RCE), ASI06 Memory & Context Poisoning (OWASP Top 10 for Agentic Applications 2026). Zuordnung: VamiSec-Einordnung; Amazon Q und Toxic Agent Flow nach OWASP. CVSS 4.0 und 3.1 sind nicht direkt vergleichbar.
Paket-Halluzinationen selbst ordnet OWASP unter LLM09 Misinformation ein („Unsafe Code Generation“), nicht unter LLM03 Supply Chain. In der Agentic-Liste deckt ASI05 den Fall ab, dass ungeprüft installierte Pakete bei Installation oder Import Schadcode ausführen; ASI04 empfiehlt unter anderem, auf Typosquats zu prüfen.
IDEsaster (Ari Marzouk) beschreibt für Copilot, Cursor, Windsurf, Claude Code und weitere KI-IDEs eine neue Kette: Prompt Injection → Tools → Basisfunktionen der IDE, etwa Remote-JSON-Schemas oder überschriebene Workspace-Einstellungen. Hinzu kommen Fehler in der Freigabe- und Sandbox-Logik der Agenten-CLIs, etwa ein umgehbarer Bestätigungsdialog in Claude Code (CVE-2025-54795, CVSS 4.0: 8,7) oder ein Sandbox-Ausbruch über ein vom Modell vorgegebenes Arbeitsverzeichnis in Codex CLI (CVE-2025-59532, CVSS 4.0: 8,6).
Leitgedanke: Sicherheit außerhalb des Modells
Die meisten Fälle teilen eine Struktur: Das Modell tat, was sein Kontext nahelegte. Wo Hersteller nachbesserten, geschah das nicht am Modell, sondern im Harness – durch erneute Freigabe geänderter MCP-Konfigurationen, den Vertrauensdialog vor jeder Ausführung, kanonische Pfadprüfung oder engere Allowlists. Entsprechend betitelt HiddenLayer seine Monitoring-Schicht: Sicherheit muss außerhalb des Modells existieren. VamiSec-Einordnung: Behandeln Sie Regeldateien, MCP-Konfigurationen, Hooks und Skills wie ausführbaren Code – mit Review, Versionierung und Freigabe – und jede vom Agenten gelesene Quelle als nicht vertrauenswürdige Eingabe.
Sichtbarkeit: jede Vertrauensbeziehung kennen
Absichern lässt sich nur, was bekannt ist. Die erste Schicht erfasst Agenten, Modelle, Harness-Bausteine, Rechte und Abhängigkeiten – auch die Werkzeuge, die niemand angemeldet hat.
Was HiddenLayer empfiehlt (Praxis)
HiddenLayer überschreibt die erste Schicht seines Rahmens vom 28.07.2026 mit „Understand Every Trust Relationship“ – jede Vertrauensbeziehung verstehen. Gemeint sind vier Gegenstände:
- Alle eingesetzten Agenten, Modelle, Harnesses, Tools, MCP-Server und Skills – ausdrücklich einschließlich Schatten-KI.
- Die Berechtigungen jedes Agenten und die Systeme, die er erreichen kann.
- Herkunft und Integrität von Tools, Skills und externen Diensten.
- Die Laufzeit-Interaktionen zwischen Agenten, Tools, Repositories und externen Systemen.
Herkunft und Integrität sind kein Formalismus: Remote-MCP-Server können sich ändern, ohne dass die Organisation es bemerkt (HiddenLayer, 16.07.2026). Ein Inventar, das nur Namen enthält, veraltet deshalb lautlos. Gegen Schatten-KI empfehlen BSI und ANSSI kontrollierte Firmenkonten statt privater Zugänge und klare Regeln, welche Werkzeuge mit welchen Daten genutzt werden dürfen. Die ENISA rät in ihrer rechtlich unverbindlichen Package-Manager-Empfehlung vom 10.03.2026 zudem zu Sichtbarkeit über alle Pakete, die KI-Werkzeuge auswählen.
Umsetzung: Agenten-Stückliste und SBOM (VamiSec-Empfehlung)
Wir empfehlen, das Inventar als Agenten-Stückliste (AI-BOM) zu führen: ein maschinenlesbares Verzeichnis, das je Agent Werkzeug und Version, Modell und Anbieter, Betriebsmodus, angebundene MCP-Server und Skills mit Version oder Hash, Regeldateien sowie die genutzte Identität festhält. Daneben steht die SBOM (Software Bill of Materials, Stückliste aller Softwarekomponenten) je Release. Beide beantworten im Ernstfall dieselbe Frage: Wo steckt die betroffene Komponente?
| Was erfassen | Quelle der Daten | Verantwortlich |
|---|---|---|
| Agenten und Harness: Werkzeug, Version, Modus | Software-Verteilung, Endpoint-Inventar, Erweiterungslisten der IDEs | Plattform-Team |
| Modelle und Anbieter | Verträge, Einkauf, Logs von KI-Gateway oder Proxy | Einkauf mit AppSec |
| MCP-Server, Skills, Regeldateien | Konfigurationsdateien in Repositories und Home-Verzeichnissen, z. B. mcp.json, settings.json, AGENTS.md | Repository-Verantwortliche |
| Identitäten und Rechte der Agenten | Identity Provider, Token-Verwaltung von Registry, Git-Plattform und Cloud | IAM |
| Abhängigkeiten | SBOM-Erzeugung in der CI-Pipeline, Lockfiles | Produktteam |
| Schatten-KI | DNS- und Proxy-Logs im Abgleich mit der Freigabeliste | Informationssicherheit |
| Laufzeit-Interaktionen | Hook-Telemetrie der Agenten, Audit-Logs, EDR | SOC |
VamiSec-Empfehlung. Rollen an Ihre Organisation anpassen – entscheidend ist ein benannter Verantwortlicher je Zeile.
Bei der Tiefe der SBOM lohnt Genauigkeit. Der CRA verlangt in Anhang I Teil II Nr. 1 eine SBOM in einem gängigen, maschinenlesbaren Format, die mindestens die obersten Abhängigkeiten abdeckt – anwendbar ab 11.12.2027; ein bestimmtes Format schreibt er derzeit nicht vor. Die BSI TR-03183-2 (Version 2.1.0) fordert dagegen für TR-konforme SBOMs eine rekursive Auflösung und nennt CycloneDX ab 1.6 oder SPDX ab 3.0.1. Schadcode kann über transitive Abhängigkeiten kommen: Die bösartige Version axios 1.14.1 fügte die Abhängigkeit plain-crypto-js hinzu, die weitere Schadstufen nachlud (CISA, 20.04.2026). Wir empfehlen die rekursive SBOM deshalb als Arbeitsstandard – als Best Practice, nicht als CRA-Pflicht. Laut ENISA (SBOM Adoption State of Play, Juni 2026) benötigen 24 % der Befragten eine volle Tiefenanalyse, nur 14 % erhalten sie.
Bezug zur Angriffskette
Sichtbarkeit ist keine Bruchstelle, aber die Voraussetzung für alle anderen. Sie erschwert Stufe 03 (Übernahme), weil neue Pakete, MCP-Server und Skills auffallen. Ohne Inventar lassen sich Freigabelisten, Isolation und Monitoring nicht flächendeckend durchsetzen. Nach einem Vorfall begrenzt sie Stufe 07 (Ausbreitung): Betroffene Repositories, Hosts und Tokens lassen sich sofort benennen, statt sie erst zu suchen.
Nachweis: Agenten-Stückliste
Versioniertes Inventar mit Stand-Datum, verantwortlicher Person je Eintrag und regelmäßigem Abgleich gegen die tatsächliche Nutzung.
Nachweis: Konfigurations-Baseline
Freigegebene MCP-Server und Skills je Agent mit Version oder Hash; Abweichungen sind dokumentiert.
Nachweis: SBOM je Release
Format, Tiefe und Erzeugungszeitpunkt nachvollziehbar, abgelegt bei der technischen Dokumentation.
Nachweis: Schatten-KI-Abgleich
Periodische Auswertung von Proxy- oder DNS-Daten gegen die Freigabeliste, mit ergriffenen Maßnahmen.
Regelwerk-Anker: Finanzunternehmen im vollen DORA-Rahmenwerk müssen nach Art. 10 Abs. 2 lit. d der Delegierten Verordnung (EU) 2024/1774 (RTS zum IKT-Risikomanagement) nachverfolgen, welche Drittanbieter- und Open-Source-Bibliotheken IKT-Dienste für kritische oder wichtige Funktionen nutzen – samt Versionen und Updates. Grundschutz++ des BSI sieht als SOLLTE-Anforderung vor, Bestandteile vor dem Release per SBOM zu dokumentieren (DEV.4.3, mit Verweis auf die TR-03183-2).
Kontrolle: den Schaden einer Kompromittierung begrenzen
Irgendwann liest ein Agent eine manipulierte Anweisung oder schlägt ein falsches Paket vor. Die zweite Schicht sorgt dafür, dass er dann wenig darf, wenig erreicht und nichts Wertvolles findet.
Was HiddenLayer empfiehlt (Praxis)
Unter „Limit the Impact of Compromise“ nennt HiddenLayer fünf Maßnahmen: Least Privilege als Standard, menschliche Freigabe für folgenreiche Aktionen, Zugriff nur auf freigegebene Tools, MCP-Server und Skills, Begrenzung unnötiger ausgehender Netzverbindungen sowie die Prüfung von System-Prompts und Standardkonfigurationen vor dem Einsatz. Die OWASP Top 10 for Agentic Applications 2026 erweitern Least Privilege zu „Least Agency“: keine Autonomie, wo sie nicht gebraucht wird. Die Leitlinie von CISA, NSA und Partnerbehörden der Five Eyes vom 01.05.2026 rät ebenso, Agenten keinen breiten Zugriff auf sensible Daten und kritische Systeme zu geben.
Dass Standardwerte nicht automatisch sicher sind, zeigen dokumentierte Schwachstellen: Vor Version 1.0.4 enthielt Claude Code eine zu breite Liste „sicherer“ Befehle, über die Dateiinhalte ohne Rückfrage abfließen konnten (CVE-2025-55284, CVSS 4.0: 7,1). Bei GitHub Copilot (VS Code/Visual Studio) ließ sich die Bestätigungspflicht per Prompt Injection ganz abschalten (CVE-2025-53773, siehe Kapitel 5).
Umsetzung in sechs Schritten (VamiSec-Empfehlung)
- 1AusführungsumgebungIsolieren
Agenten mit Terminalzugriff und Builds laufen in Containern, Devcontainern oder VMs – ohne gemountete Host-Credentials, SSH-Agent oder Cloud-Profile. Läuft Schadcode, findet er möglichst wenig, was sich zu stehlen lohnt.
- 2IdentitätEigene Identität vergeben
Der Agent arbeitet nicht mit den persönlichen Tokens der Entwicklerin, sondern mit einer eigenen, eng geschnittenen Identität: nur die Repositories und Scopes, die die Aufgabe braucht, kein Publish-Recht.
- 3TokensKurzlebige Zugangsdaten
Eigene Pakete per Trusted Publishing (OIDC) veröffentlichen statt mit gespeicherten Tokens – bei npm allgemein verfügbar seit 31.07.2025, ab npm CLI 11.5.1. Wo Tokens bleiben, die kürzeste praktikable Laufzeit wählen.
- 4Tools, MCP, SkillsFreigabelisten durchsetzen
Nur freigegebene Tools, MCP-Server und Skills sind ladbar; Pakete kommen ausschließlich über den internen Proxy (siehe Abhängigkeits-Hygiene).
- 5NetzwerkEgress begrenzen
Ausgehender Verkehr nur zu freigegebenen Zielen. Auch harmlose Werkzeuge transportieren Daten: HiddenLayer zeigte 2025, wie ein SSH-Schlüssel über die Bild-URL eines Diagramms abfloss.
- 6KonfigurationEinstellungen zentral vorgeben
Auto-Approve aus; Freigabe für Installationen, Netzbefehle und Schreibzugriffe auf Agenten-Konfiguration. Flags wie --dangerously-skip-permissions, --yolo oder --trust-all-tools sperren – laut Wiz rief die s1ngularity-Schadsoftware lokale KI-CLIs genau damit auf. Wo das Werkzeug zentral verwaltete Richtlinien unterstützt, sollten diese Vorrang vor Einstellungen aus dem Repository haben.
7 TageStandard-Ablauf neuer granularer npm-Tokens mit Schreibrecht (seit Mitte Oktober 2025)
90 TageMaximale Laufzeit dieser Tokens
2 Std.Laufzeit der Session-Tokens nach npm login
09.12.2025Klassische npm-Tokens endgültig widerrufen
Menschliche Freigabe wirkt nur, wenn die Person sieht, was sie freigibt. In der Tool-Poisoning-Demo von Invariant Labs zeigte der Bestätigungsdialog die vollständigen Eingaben nicht an. Das BSI empfiehlt ausdrücklich eine Bestätigung durch den Nutzer, bevor ein LLM Funktionen ausführt (Evasion Attacks on LLMs, 06.11.2025). Wir empfehlen Dialoge, die Befehl, Paketname und Ziel vollständig zeigen – und wenige, ernst genommene Freigaben statt Dauerbestätigungen.
Bezug zur Angriffskette
Diese Schicht liefert die meisten Bruchstellen: Isolation ohne Host-Geheimnisse unterbricht Stufe 06 (Zugriff), Egress-Kontrolle Stufe 07 (Ausbreitung), die Freigabeliste im Proxy Stufe 04 (Auflösung). Die menschliche Freigabe erschwert Stufe 03 (Übernahme). Kurzlebige, eng geschnittene Tokens begrenzen, wie weit gestohlene Zugangsdaten tragen.
Nachweise für Prüfer
- Zentrale Konfigurationsvorgabe je Agent (Auto-Approve, Freigabepflichten, gesperrte Flags) mit Änderungshistorie.
- Definition von Image oder Devcontainer ohne gemountete Credentials, dazu die Egress-Regeln.
- Token-Inventar mit Identität, Scope und Ablaufdatum; Trusted Publishing für eigene Pakete.
- Stichproben aus Freigabeprotokollen.
Regelwerk-Anker: Für besonders wichtige und wichtige Einrichtungen verlangen NIS2 Art. 21 Abs. 2 lit. e und § 30 Abs. 2 Satz 2 Nr. 5 BSIG Sicherheitsmaßnahmen bei Erwerb, Entwicklung und Wartung. Die DVO (EU) 2024/2690 fordert für die dort genannten Einrichtungsarten, etwa Cloud- und Managed-Service-Anbieter, Sicherheitsanforderungen an Entwicklungsumgebungen (Anhang Nr. 6.2). Finanzunternehmen im vollen DORA-Rahmenwerk müssen die Genehmigung von Änderungen von deren Beantragung und Umsetzung trennen (Art. 17 Abs. 1 RTS 2024/1774 zu Art. 9 Abs. 4 lit. e DORA) – ein Agent, der eigene Änderungen freigibt, ist damit kaum vereinbar (VamiSec-Einordnung).
Validierung: Komponenten prüfen statt Annahmen vertrauen
Was ein Agent lädt, ausführt oder schreibt, muss geprüft sein, bevor es wirkt – MCP-Server und Skills ebenso wie Pakete und der erzeugte Code.
Was HiddenLayer empfiehlt (Praxis)
- Agenten vor dem Einsatz mit adversarialen Eingaben testen (Red Teaming).
- Vorgeschlagene Aktionen vor der Ausführung prüfen.
- Tools und Skills von Drittanbietern prüfen – einschließlich versteckter Metadaten.
- Konkrete Versionen freigeben, statt dauerhaft „latest“ zu vertrauen.
Der letzte Punkt zielt auf den Rug Pull: Ein MCP-Server ändert seine Tool-Beschreibung, nachdem er freigegeben wurde (Invariant Labs, 01.04.2025). Dasselbe Muster zeigte MCPoison an der Konfiguration: Nach der ersten Freigabe genügte ein Commit, um den Befehl eines MCP-Eintrags ohne erneute Rückfrage auszutauschen (CVE-2025-54136, siehe Kapitel 5). Laut The Register lieferte das inoffizielle npm-Paket postmark-mcp 15 unauffällige Versionen, bevor Version 1.0.16 jede ausgehende E-Mail in Blindkopie an eine fremde Adresse schickte.
Versteckte Metadaten sind der zweite Schwerpunkt. Anweisungen in Tool-Beschreibungen sind für Nutzer unsichtbar, das Modell liest sie mit (Invariant Labs); Regeldateien können Anweisungen in unsichtbaren Unicode-Zeichen tragen (Pillar Security, 18.03.2025). Unter 3.984 von Snyk geprüften Agent Skills waren 76 nachweislich bösartig (05.02.2026, Details in Kapitel 5).
Umsetzung: Freigabe je Komponente (VamiSec-Empfehlung)
| Komponente | Was prüfen | Freigabe-Artefakt |
|---|---|---|
| MCP-Server | Herkunft, Quellcode oder Image, vollständige Tool-Beschreibungen, angefragte Rechte und Netzziele | Eintrag in der Freigabeliste mit Version und Hash; jede Änderung erzwingt neue Freigabe |
| Skills und Regeldateien | Klartext der Anweisungen, unsichtbare Zeichen, eingebettete Installationsbefehle, externe Verweise | Review wie Code, CODEOWNERS, gepinnter Commit |
| Pakete | Existenz, Alter, Verbreitung, Maintainer, Install-Skripte | Dependency-Review im Pull Request, Eintrag im Proxy |
| Agenten-Konfiguration | Auto-Approve, Hooks, MCP-Einträge, Modell-Endpunkt | Abgleich mit der zentralen Vorgabe vor dem Rollout |
| KI-generierter Code | Dieselben Prüfungen wie bei menschlichem Code: Review, SAST, DAST, Tests | Pflicht-Checks in der Pipeline, keine Ausnahme für Agenten-PRs |
Pinnen per Hash und Commit-ID empfehlen auch die OWASP Top 10 for Agentic Applications 2026 (ASI04).
Für KI-Code gibt es keinen Sonderweg. BSI und ANSSI halten fest, dass KI-Coding-Assistenten erfahrene Entwickler nicht ersetzen und Produktivitätsgewinne durch mehr Qualitätssicherung ausgeglichen werden müssen (04.10.2024). Instruktionsdateien wie AGENTS.md helfen, sind aber keine Kontrolle. Der OpenSSF-Leitfaden für Code-Assistenten (01.08.2025) empfiehlt die Anweisung, keine Abhängigkeiten hinzuzufügen, die bösartig oder halluziniert sein könnten. Das kann das Risiko senken – doch das Modell kann die Regel übergehen, und harmlos klingende Skill-Anweisungen können Paket-Halluzinationen sogar verstärken (Hsu et al., angenommen für EMNLP 2026).
Red Teaming vor dem Rollout
- 1Szenarien festlegen
Aufgaben, die Paketvorschläge provozieren; präparierte READMEs, Issues und Tool-Beschreibungen mit versteckten Anweisungen; Versuche, Agenten-Einstellungen zu ändern oder Credential-Dateien zu lesen.
- 2In der Zielkonfiguration ausführen
Mit genau dem Modell, Harness, den MCP-Servern und Skills, die ausgerollt werden sollen – in isolierter Umgebung.
- 3Messen
Wie oft erfindet der Agent Pakete? Folgt er injizierten Anweisungen? Greifen Freigabe, Proxy und Isolation aus Schicht 2?
- 4Wiederholen
Bei jedem Wechsel von Modell, Werkzeugversion oder Integration und als Regressionstest nach Vorfällen.
Bezug zur Angriffskette: Validierung erschwert Stufe 01 (Erfindung) und 03 (Übernahme), weil erfundene Namen im Test und im Review auffallen. Die Versionsfreigabe verhindert, dass eine stillschweigend geänderte Komponente in Stufe 04 (Auflösung) nachgeladen wird. Nachweise für Prüfer: Red-Team-Bericht je Agenten-Konfiguration, Freigabeliste mit Versionen und Hashes, Review-Protokolle zu neuen Abhängigkeiten, Testnachweise für KI-generierten Code.
Regelwerk-Anker: Für Finanzunternehmen im vollen DORA-Rahmenwerk verlangt die RTS 2024/1774 in Art. 16 Quellcode-Reviews mit statischen und dynamischen Tests (Abs. 3), Sicherheitstests von Softwarepaketen spätestens in der Integrationsphase (Abs. 4) und – soweit machbar – Analyse und Tests von Open-Source-Quellcode vor dem Produktiveinsatz (Abs. 8). Der CRA verlangt von Herstellern ab 11.12.2027 wirksame und regelmäßige Sicherheitstests und -überprüfungen (Anhang I Teil II Nr. 3).
Monitoring: Sicherheit gehört nicht ins Modell
Ein Modell setzt keine Sicherheitsrichtlinie durch. Die vierte Schicht beobachtet deshalb von außen, was Agenten, Paketmanager und Builds tatsächlich tun.
HiddenLayer begründet die vierte Schicht knapp: Sprachmodelle sind darauf ausgelegt, Anweisungen zu befolgen – nicht, Sicherheitsrichtlinien durchzusetzen (sinngemäß). Eine Kontrolle, die nur im Prompt steht, fällt mit der ersten erfolgreichen Prompt Injection. Überwachung setzt deshalb bei Betriebssystem, Netzwerk, Pipeline und Harness an. Die OWASP Top 10 for Agentic Applications nennen starke Beobachtbarkeit „nicht verhandelbar“.
Was HiddenLayer beobachten will (Praxis)
- Bewegungen sensibler Daten
- Tool-Nutzung und Dateioperationen
- Versuche der Rechteausweitung
- Aktivität von Schatten-KI
- API-Nutzung und auffälligen Rechenverbrauch
Erkennungsideen aus realen Vorfällen (VamiSec-Empfehlung)
Die Kampagnen der vergangenen Monate liefern konkrete Muster. Die Mini-Shai-Hulud-Welle um TanStack verankerte sich laut StepSecurity über einen SessionStart-Hook von Claude Code und eine VS-Code-Task (Details in Kapitel 4). SANDWORM_MODE trug laut Socket einen eigenen MCP-Server in die Konfiguration von Claude Code, Cursor und weiteren Werkzeugen ein. Miasma hielt laut Microsoft einen ruhenden Abflusskanal über api.anthropic.com bereit; die Exfiltrationsdomain der litellm-Releases war laut Snyk einen Tag zuvor registriert worden. Mehrere Wellen starteten Bun als Laufzeit – ein Weg an Node-zentriertem Monitoring vorbei.
| Signal | Quelle | Reaktion |
|---|---|---|
| node, python oder bun liest während einer Installation Credential-Dateien wie ~/.npmrc, ~/.aws/credentials, ~/.ssh/, ~/.claude.json oder .env | EDR, Dateizugriffs-Audit auf Arbeitsplätzen und Runnern | Prozess stoppen, Host isolieren, erreichbare Tokens rotieren |
| Neue oder geänderte Hooks, MCP-Einträge, Auto-Approve-Werte oder Tasks mit runOn: folderOpen | File-Integrity-Monitoring, Diff im Pull Request, Hook-Telemetrie | Änderung zurücksetzen, Herkunft klären, Host prüfen |
| Verbindungen aus Build oder Agent zu neu registrierten oder unbekannten Domains | DNS- und Proxy-Logs | Ziel blockieren und bewerten, Sitzung prüfen |
| Rechteausweitung: neue sudo-Regel, geänderte /etc/hosts, neu registrierter Self-hosted-Runner | EDR, Audit-Log der Git-Plattform | Host isolieren, Runner entfernen, Workflows prüfen |
| Unerwartete Laufzeit wie Bun in der Pipeline oder neue .pth-Dateien in site-packages | Prozess-Telemetrie, CI-Logs, File-Integrity-Monitoring | Job abbrechen, auslösendes Paket identifizieren |
| Sprunghafter Verbrauch eines Modell-API-Schlüssels oder Zugriffe auf nicht freigegebene KI-Dienste | Abrechnung, KI-Gateway, Proxy | Schlüssel sperren, Nutzung klären |
Muster aus StepSecurity (11.05.2026), Socket (20.02.2026), Microsoft (02.06.2026), Snyk (24.03.2026) und Wiz (24.11.2025, Self-hosted-Runner bei Shai-Hulud 2.0). Zuordnung und Reaktionen: VamiSec-Empfehlung.
Telemetrie über Agenten-Hooks
Mehrere Coding-Agenten bieten Hook-Schnittstellen, die bei Tool-Aufrufen eigene Programme starten. Wir empfehlen, darüber Tool-Aufrufe, Shell-Befehle und Dateizugriffe zentral zu protokollieren und riskante Aufrufe vor der Ausführung zu prüfen. Dieselbe Schnittstelle ist aber ein Persistenzweg, wie die TanStack-Welle zeigt; bei Claude Code liefen Hooks aus Projektdateien zeitweise ohne Zustimmung (Check Point, behoben am 26.08.2025). Hooks gehören deshalb in die zentral verwaltete Konfiguration – jede Änderung daran ist selbst ein Alarmsignal.
Bezug zur Angriffskette: Monitoring unterbricht keine Stufe verlässlich, verkürzt aber die Zeit, in der Stufe 05 (Ausführung), 06 (Zugriff) und 07 (Ausbreitung) unbemerkt bleiben. Wie kurz die Fenster sind, zeigen die Vorfälle: Die bösartigen TanStack-Versionen waren nach rund 1,7 Stunden als veraltet markiert, die axios-Versionen nach etwa drei Stunden entfernt. Daraus folgt für uns: Eigene Erkennung muss in Stunden reagieren, nicht in Tagen.
Regelwerk-Anker: Die DVO (EU) 2024/2690 verlangt für die dort genannten Einrichtungsarten Schutz vor bösartiger und nicht autorisierter Software einschließlich Erkennungsmaßnahmen (Anhang Nr. 6.9); anderen NIS2-Einrichtungen dient sie als Orientierung. Die Five-Eyes-Leitlinie zu agentischer KI (01.05.2026) nennt kontinuierliches Monitoring ausdrücklich.
Nachweis: Logging-Konzept
Welche Agenten-, Build- und Endpunktdaten erfasst werden, mit Aufbewahrung und Zugriffsregeln.
Nachweis: Erkennungsregeln
Dokumentierte Regeln mit Testnachweis, etwa einem simulierten Zugriff auf eine Köder-Credential-Datei.
Nachweis: Alarmprotokolle
Stichproben mit Reaktionszeit, Bewertung und Ergebnis.
Governance: Sicherheit braucht Verantwortliche
Technische Kontrollen verfallen, wenn niemand für sie zuständig ist. Die fünfte Schicht verankert Coding-Agenten in Zuständigkeiten, Richtlinien und Notfallprozessen.
Was HiddenLayer empfiehlt (Praxis)
Unter „Security Requires Ownership“ nennt HiddenLayer vier Punkte: eine verantwortliche Person (Owner) für jeden produktiv eingesetzten Agenten, die Aufnahme von Coding-Agenten in bestehende Threat Models und KI-Governance-Programme, Incident-Response-Verfahren speziell für agentische KI und die regelmäßige Überprüfung von Berechtigungen und vertrauenswürdigen Integrationen. Auch die Five-Eyes-Leitlinie vom 01.05.2026 empfiehlt, Risiken agentischer KI in bestehende Rahmenwerke zu integrieren und Threat Modeling zu betreiben.
Für NIS2-Einrichtungen ist das Leitungsaufgabe. Leitungsorgane müssen die Risikomanagementmaßnahmen billigen, ihre Umsetzung überwachen und können haftbar gemacht werden (NIS2 Art. 20 Abs. 1 und 2). In Deutschland verpflichtet § 38 BSIG die Geschäftsleitungen besonders wichtiger und wichtiger Einrichtungen zu Umsetzung, Überwachung und regelmäßigen Schulungen; die Haftung richtet sich nach Gesellschaftsrecht. Eine Richtlinie für KI-Coding-Werkzeuge sollte deshalb von der Leitung freigegeben sein.
Bausteine einer Richtlinie für KI-Coding-Werkzeuge (VamiSec-Empfehlung)
- Zugelassene Werkzeuge, Modelle und Betriebsmodi; Nutzung nur über Firmenkonten.
- Datenklassen: welche Informationen in welches Werkzeug dürfen.
- Autonomiestufen: was ein Agent selbst darf, was eine Freigabe braucht, was verboten ist.
- Paketregeln: Bezug nur über den internen Proxy, Cooldown, keine Install-Skripte ohne Freigabe.
- Freigabeprozess für MCP-Server, Skills und Regeldateien mit Bindung an Version oder Hash.
- Vier-Augen-Prinzip für Merges – auch bei Pull Requests von Agenten.
- Protokollierung, Ausnahmeverfahren und Rezertifizierung von Rechten und Integrationen, etwa halbjährlich.
- Schulung: Art. 4 KI-VO verlangt von Anbietern und Betreibern seit dem Digital Omnibus (VO (EU) 2026/1744, in Kraft seit 27.07.2026) Maßnahmen zur Unterstützung von KI-Kompetenz, aber kein garantiertes Niveau.
Im Threat Model erscheint der Agent als eigener Akteur mit Rechten; Regeldateien, Skills, MCP-Server und Paketquellen sind Vertrauensgrenzen. Der ENISA-Entwurf zur KI-gestützten Softwareentwicklung (v0.4, September 2026) beschreibt dafür STRIDE-Bedrohungen wie das Unterschieben bösartiger Pakete, Skills oder Instruktionsdateien.
Incident-Response-Playbook: bösartiges Paket installiert oder Agent kompromittiert
- 1EindämmenIsolieren
Betroffene Hosts, Container und Runner vom Netz nehmen, laufende Agenten-Sitzungen beenden, Pipelines mit dem Paket anhalten. Spuren sichern, bevor neu aufgesetzt wird.
- 2EindämmenZugangsdaten rotieren
Alle erreichbaren Geheimnisse: Registry-Tokens, Tokens der Git-Plattform, Cloud- und Vault-Zugänge, Modell-API-Schlüssel. CISA riet nach Shai-Hulud ausdrücklich zur Rotation. Ohne das Token-Inventar aus den Schichten 1 und 2 bleibt dieser Schritt lückenhaft.
- 3BereinigenLockfiles und Caches prüfen
Welche Repositories, Lockfiles, Paket- und CI-Caches enthalten die betroffenen Versionen? Bei TanStack lief der Angriff über einen vergifteten GitHub-Actions-Cache – Caches gehören zur Bereinigung.
- 4BereinigenPersistenz in der Agenten-Konfiguration suchen
Hooks und MCP-Einträge in Nutzer- und Projektkonfigurationen, VS-Code-Tasks mit runOn: folderOpen, neue Self-hosted-Runner und Workflows, .pth-Dateien. Im Zweifel neu aufsetzen statt reinigen.
- 5MeldenMeldepflichten prüfen
CRA-Hersteller melden seit 11.09.2026 aktiv ausgenutzte Schwachstellen ihrer Produkte über die Single Reporting Platform gleichzeitig an das koordinierende CSIRT und die ENISA: Frühwarnung binnen 24 Stunden, Meldung binnen 72 Stunden, Abschlussbericht spätestens 14 Tage nach Verfügbarkeit einer Abhilfe. Relevant, wenn Schadcode in ein ausgeliefertes Produkt gelangt sein kann (VamiSec-Einordnung, im Einzelfall rechtlich prüfen). NIS2- und DORA-Einrichtungen prüfen parallel ihre eigenen Meldewege.
- 6LernenNachbereiten
Ursache, erreichte Stufe und fehlende Bruchstellen dokumentieren, Rechte und Integrationen rezertifizieren, Registry-Betreiber und Maintainer informieren.
Bezug zur Angriffskette: Governance erschwert Stufe 07 (Ausbreitung), weil vorab geklärt ist, wer welche Tokens rotiert, wer was sperrt und wer an wen meldet. Zugleich hält sie die übrigen Schichten aktuell – ohne Rezertifizierung wachsen Rechte und Integrationen schleichend.
Nachweis: Register der Verantwortlichen
Jeder produktive Agent mit verantwortlicher Person, Zweck, Rechten und nächstem Prüfdatum.
Nachweis: freigegebene Richtlinie
Beschluss der Leitung mit Version und Geltungsbereich, dazu Schulungsnachweise.
Nachweis: Rezertifizierung
Protokolle der Überprüfung von Rechten und Integrationen, einschließlich entzogener Zugänge.
Nachweis: geübtes Playbook
Tabletop- oder technische Übung mit Datum, Beteiligten und abgeleiteten Verbesserungen.
Abhängigkeits-Hygiene: was npm, pnpm, Yarn, Bun, pip und uv heute können
Paketmanager haben 2025 und 2026 deutlich nachgerüstet: Wartezeiten für neue Versionen und gesperrte Install-Skripte. Vieles davon ist aber nicht voreingestellt – Sie müssen es einschalten.
Beim Paketbezug tragen der Cooldown – ein Mindestalter neuer Versionen vor der Installation – und die Sperre von Install-Skripten die Hauptlast. Achten Sie auf die Einheiten.
| Werkzeug | Cooldown (ab Version) | Standard 10/2026 | Install-Skripte |
|---|---|---|---|
| npm | min-release-age in Tagen (11.10.0) | keiner | ab v12 (08.07.2026) allowScripts aus: Skripte von Abhängigkeiten nur nach Freigabe per npm approve-scripts; --allow-git=none und --allow-remote=none voreingestellt |
| pnpm | minimumReleaseAge in Minuten (10.16) | 1 Tag (1440) ab pnpm 11 | ab v10 keine Skripte von Abhängigkeiten; pnpm 11: strictDepBuilds, Freigabe über allowBuilds |
| Yarn | npmMinimalAgeGate (4.10), heute als Dauer wie 1d | 1d ab 4.15 laut Changelog; Doku nennt 1w | ab 4.14 enableScripts: false |
| Bun | minimumReleaseAge in Sekunden (1.3) | keiner | nur kuratierte Standardliste und trustedDependencies |
| uv | exclude-newer als relative Dauer (0.9.17) | keiner | Installations- und Import-Code möglich – Isolation einplanen |
| pip | --uploaded-prior-to: Datum (26.0), Dauer in Tagen (26.1) | keiner | Installations- und Import-Code möglich – Isolation einplanen |
| Renovate | Presets security:minimumReleaseAgeNpm und …Pypi | 3 Tage, wenn Preset aktiv | – |
| Dependabot | cooldown in Tagen in dependabot.yml (GA 01.07.2025) | 3 Tage seit 14.07.2026, nur Version-Updates | – |
Stand: Release Notes und Dokumentation, geprüft am 08.10.2026. Bei Python kann Code in setup.py beim Installieren laufen (Check Point, 2024) und in .pth-Dateien bei jedem Interpreterstart (litellm 1.82.8).
Zwei Grenzen gehören dazu. Erstens fängt ein Cooldown bösartige Versionen ab, die laut pnpm meist binnen einer Stunde entdeckt und entfernt werden – nicht aber einen halluzinierten Namen, den ein Angreifer früh besetzt und abwartet. Zweitens ist ignore-scripts unvollständig: Git-Abhängigkeiten können über eine eigene .npmrc Code ausführen (dagegen --allow-git=none ab npm 11.10.0), URL-Abhängigkeiten wie bei PhantomRaven brauchen --allow-remote=none (ab 11.15.0), Import-Code erfasst keine Skript-Sperre.
Konfiguration für Builds und Agenten (VamiSec-Empfehlung)
# CI-Builds und Agenten: nur über den internen Proxy (Platzhalter)
registry=https://registry.intern.example/
# keine Lifecycle-Skripte
ignore-scripts=true
# nur Versionen älter als 7 Tage (ab npm 11.10.0)
min-release-age=7
Beide Werte empfahl CISA im axios-Alert vom 20.04.2026; im Nx-Console-Alert vom 28.05.2026 nannte CISA mindestens drei Stunden. Mit ignore-scripts entfallen auch eigene pre- und post-Skripte; npm test und andere explizit gestartete Befehle laufen weiter.
# pyproject.toml: nur Versionen älter als 7 Tage (ab uv 0.9.17)
[tool.uv]
exclude-newer = "7 days"
# Ausnahmen je Paket: exclude-newer-package
# pip ab 26.1: Dauer in Tagen, dazu Hash-Pflicht
pip install --require-hashes --uploaded-prior-to P7D -r requirements.txt
uv akzeptiert Angaben wie „7 days“ oder ISO-8601-Dauern, keine Monate oder Jahre. pip 26.0 kennt nur Zeitpunkte; die Option wirkt nur, wenn der Index Upload-Zeiten liefert.
Sicherheitsupdates ausnehmen: Ein Cooldown darf Fixes nicht verzögern. Dependabot und Renovate umgehen ihn für Sicherheitsupdates standardmäßig, die Paketmanager kennen Ausnahmelisten (min-release-age-exclude, minimumReleaseAgeExclude, minimumReleaseAgeExcludes, exclude-newer-package). PyPI rät, Cooldowns mit Schwachstellen-Scans zu koppeln.
Lockfiles, Review, Proxy, Provenance
In CI und Agenten-Umgebungen nur reproduzierbar installieren: npm ci, pnpm install --frozen-lockfile, pip mit --require-hashes. Bei LiteLLM waren laut PyPI rund 40 bis 50 % der Installationen im Angriffsfenster ungepinnt. OWASP beschreibt den Fall, dass ein Agent ein Lockfile aus ungepinnten Angaben neu erzeugt und eine kompromittierte Minor-Version zieht – jede neue Abhängigkeit und Lockfile-Änderung braucht daher eine benannte Freigabe im Dependency-Review. Technisch setzt das ein interner Registry-Proxy mit Freigabeliste durch; BSI und ANSSI empfehlen Allowlisting erlaubter Pakete. Eine bloße Existenzprüfung genügt nicht: Der Angreifer kann den Namen vorher registriert haben (Spracklen et al.).
npm audit signatures prüft Registry-Signaturen und Provenance-Attestierungen (ab npm 9.5.0); PyPI unterstützt seit 14.11.2024 Attestierungen nach PEP 740, die pip und uv laut Trail of Bits nicht automatisch prüfen. Beides belegt die Herkunft, nicht die Unbedenklichkeit: Auch die bösartigen TanStack- und Miasma-Pakete trugen gültige Provenance bzw. Signaturen (siehe Kapitel 4). Als zusätzliche Prüfung ist das sinnvoll, als alleiniges Freigabekriterium ungeeignet.
Regelwerk-Anker: Die rechtlich unverbindliche ENISA-Empfehlung zu Paketmanagern (10.03.2026) rät zu offiziellen, verifizierbaren Registries, Lockfiles und Integritätsprüfungen in CI/CD. Grundschutz++ sieht als SOLLTE-Anforderungen vor, externe Artefakte aus unbekannten Quellen zu untersagen, ihre Integrität zu testen und auf Sicherheitsupdates zu prüfen (DEV.4.2, DEV.4.4, DEV.4.5); das Kompendium 2023 fordert vertrauenswürdige Quellen und die Prüfung unbekannter Komponenten (CON.8.A6, CON.8.A20). NIS2 Art. 21 Abs. 2 lit. d und § 30 Abs. 2 Satz 2 Nr. 4 BSIG verlangen Lieferkettensicherheit; CRA-Hersteller trifft ab 11.12.2027 die Sorgfaltspflicht für Drittkomponenten nach Art. 13 Abs. 5 – ausdrücklich auch für Open Source.
Was CRA, NIS2, DORA und AI Act verlangen
Wer ist verantwortlich, wenn ein KI-Agent ein bösartiges Paket installiert? In erster Linie das Unternehmen, das die Komponente einbaut oder betreibt, nicht die Registry. Was davon heute Pflicht ist, was erst ab 11.12.2027 gilt und was nur Leitfaden ist.
CRA, NIS2 und DORA setzen ähnlich an: Verantwortlich ist, wer die Komponente integriert oder das System betreibt (VamiSec-Einordnung). Für den Cyber Resilience Act (CRA) zeigt es Beispiel 34 der Kommissionsleitlinien C(2026) 5252 vom 27.07.2026: Ein Einzelentwickler, der eine freie Open-Source-Bibliothek in einem öffentlichen Paket-Repository veröffentlicht, und das Repository selbst haben keine CRA-Pflichten. Die Sorgfaltspflicht nach Art. 13 Abs. 5 trägt ab 11.12.2027 der integrierende Hersteller, risikobasiert nach Erwägungsgrund 34. Die Leitlinien sind unverbindlich. Ob Mensch oder Agent das Paket wählte, ändert daran nichts (VamiSec-Einordnung).
Cyber Resilience Act: Meldepflicht seit 2026, Sorgfaltspflicht ab 2027
- Pflicht seit 11.09.2026 (Art. 14 Abs. 1–2): aktiv ausgenutzte Schwachstellen über die Single Reporting Platform (SRP) an CSIRT und ENISA melden — Frühwarnung binnen 24 h, Meldung binnen 72 h, Abschlussbericht spätestens 14 Tage nach Verfügbarkeit einer Abhilfe; auch für Bestandsprodukte.
- Pflicht ab 11.12.2027: Sorgfalt bei Drittkomponenten einschließlich freier Open-Source-Software (Art. 13 Abs. 5), Schwachstellen in Komponenten an deren Hersteller oder Maintainer melden (Abs. 6), keine bekannten ausnutzbaren Schwachstellen ausliefern (Anhang I Teil I Nr. 2 lit. a).
- SBOM: Anhang I Teil II Nr. 1 verlangt mindestens die Top-Level-Abhängigkeiten; eine rekursive Auflösung fordert erst die BSI TR-03183-2 v2.1.0 — gute Praxis, keine CRA-Pflicht. Ein Format wie CycloneDX oder SPDX schreibt der CRA nicht vor; einen Durchführungsrechtsakt dazu (Art. 13 Abs. 24, Kann-Vorschrift) listet die Kommission nicht (Stand 27.07.2026).
- Bußgelder (Art. 64 Abs. 2): bei Verstößen gegen Anhang I, Art. 13 oder 14 bis 15 Mio. EUR oder 2,5 % des weltweiten Jahresumsatzes, der höhere Betrag zählt.
NIS2 und BSIG: Lieferkette und Entwicklung als Mindestmaßnahmen
NIS2 verlangt Sicherheit der Lieferkette (Art. 21 Abs. 2 lit. d) sowie bei Erwerb, Entwicklung und Wartung (lit. e). Art. 21 Abs. 3, wonach Einrichtungen bei der Wahl der Lieferkettenmaßnahmen auch die sicheren Entwicklungsprozesse ihrer unmittelbaren Anbieter berücksichtigen, steht nicht wörtlich im BSIG; heranziehen lässt er sich über die richtlinienkonforme Auslegung. In Deutschland gilt seit 06.12.2025 § 30 Abs. 2 Satz 2 Nr. 4 und 5 BSIG; die Geschäftsleitung setzt um, überwacht und haftet bei schuldhafter Pflichtverletzung nach Gesellschaftsrecht (§ 38 BSIG, Art. 20 NIS2). Für fehlende oder nicht dokumentierte Maßnahmen sieht § 65 bis 10 Mio. EUR (besonders wichtige) bzw. 7 Mio. EUR (wichtige Einrichtungen) vor, bei über 500 Mio. EUR Gesamtumsatz bis 2 % bzw. 1,4 % des Gesamtumsatzes. Die DVO (EU) 2024/2690 ist nur für die in Art. 1 gelisteten Einrichtungsarten wie Cloud-, Rechenzentrums- und Managed-Service-Anbieter verbindlich, für alle anderen Orientierung.
DORA: Die präzisen Anker stehen in der RTS
DORA verlangt seit 17.01.2025, dass Änderungen an IKT-Systemen erfasst, getestet, bewertet, genehmigt, umgesetzt und verifiziert werden (Art. 9 Abs. 4 lit. e), und lässt Finanzunternehmen bei IKT-Dienstleistungen voll verantwortlich (Art. 28 Abs. 1). Für frei bezogene Bibliotheken ist die RTS 2024/1774 präziser (volles Rahmenwerk, Titel II): Bibliotheken für kritische oder wichtige Funktionen nachverfolgen (Art. 10 Abs. 2 lit. d), Code-Reviews mit statischen und dynamischen Tests (Art. 16 Abs. 3), Softwarepakete spätestens bei der Integration testen (Abs. 4), Quellcode-Integrität schützen (Abs. 7), Open-Source-Code vor dem Produktiveinsatz prüfen, soweit machbar (Abs. 8), Genehmigung und Umsetzung von Änderungen trennen (Art. 17 Abs. 1). Ein Agent, der eigene Pull Requests mergt, passt dazu nicht (VamiSec-Einordnung).
AI Act und Produkthaftung
Ein Coding-Assistent ist nach dem AI Act typischerweise kein Hochrisiko-System, denn Softwareentwicklung steht nicht in Anhang III. Für einsetzende Unternehmen bleibt Art. 4: Seit dem Digital Omnibus (VO (EU) 2026/1744, in Kraft seit 27.07.2026) müssen sie Maßnahmen zur Unterstützung der KI-Kompetenz ergreifen, ohne ein Niveau zu garantieren. GPAI-Pflichten treffen die Modellanbieter, nicht die Nutzer. Nach der Produkthaftungsrichtlinie (EU) 2024/2853 ist Software ein Produkt; für Produkte, die nach dem 09.12.2026 in Verkehr gebracht werden, haftet der Hersteller gegenüber natürlichen Personen auch für fehlerhafte Komponenten, die unter seiner Kontrolle integriert wurden, und fehlende Sicherheitsupdates entlasten ihn nicht. Die Richtlinie wirkt über nationales Recht; der deutsche Regierungsentwurf (BT-Drs. 21/4297) ist zum 08.10.2026 nicht als verkündet verifiziert.
| Regelwerk | Fundstelle | Was es für KI-gewählte Abhängigkeiten bedeutet | Gilt ab |
|---|---|---|---|
| CRA · Pflicht | Art. 14 Abs. 1–2 | Aktiv ausgenutzte Schwachstellen fristgerecht über die SRP melden | 11.09.2026 |
| CRA · Pflicht | Art. 13 Abs. 5; Anhang I Teil II Nr. 1 | Risikobasierte Sorgfalt für jede integrierte Drittkomponente; SBOM mindestens Top-Level | 11.12.2027 |
| NIS2 / BSIG · Pflicht | Art. 21 Abs. 2 lit. d, e; § 30 Abs. 2 Satz 2 Nr. 4, 5 BSIG | Lieferkette und Entwicklung als dokumentierte Mindestmaßnahmen | 06.12.2025 |
| DVO 2024/2690 · Pflicht für gelistete Einrichtungen | Anhang Nr. 5.1.2 a, 6.1.2 c, 6.2, 6.6.1 c, 6.9 | Sichere Entwicklungsumgebung, Integritätsprüfung, Schutz vor Schadsoftware | in Kraft seit 2024 |
| DORA · Pflicht | Art. 9 Abs. 4 lit. e, Art. 28 Abs. 1; RTS 2024/1774 Art. 10 Abs. 2 lit. d, Art. 16, Art. 17 Abs. 1 (Titel II) | Neue Abhängigkeit als getestete, getrennt genehmigte Änderung | 17.01.2025 |
| AI Act · Pflicht | Art. 4 i. d. F. VO (EU) 2026/1744 | KI-Kompetenz fördern, ohne Niveaugarantie | 02.02.2025; Neufassung seit 27.07.2026 |
| Produkthaftung · nach Umsetzung | RL (EU) 2024/2853 Art. 8 Abs. 1, Art. 11 Abs. 2 | Haftung gegenüber natürlichen Personen, auch für integrierte Komponenten | Produkte nach dem 09.12.2026 |
Spalte 3: Einordnung von VamiSec. Verbindlich sind nur die Rechtstexte; Kommissionsleitlinien, ENISA- und BSI-Dokumente sind unverbindlich. Stand: 08.10.2026.
Leitfäden: unverbindliche Orientierung
- ENISA, Secure Use of Package Managers (10.03.2026): nennt Slopsquatting ausdrücklich und empfiehlt, KI-gewählte Pakete sichtbar zu machen und in CI/CD automatisiert zu prüfen.
- ENISA, AI-assisted software development (Entwurf v0.4, September 2026): halluzinierte Pakete, untergeschobene Skills und Instruktionsdateien — noch nicht final.
- BSI und ANSSI, AI Coding Assistants (04.10.2024): Paket-Halluzinationen als Weg zu „package confusion“; Plausibilitätsprüfung, Allowlisting, Sandboxing.
- BSI Grundschutz++ DEV.4.2 bis DEV.4.5 (SOLLTE-Anforderungen): Artefakte aus unzuverlässigen oder unbekannten Quellen untersagen, auch Packages und Modelle; SBOM, Integritätstests. Kompendium 2023: CON.8.A6, CON.8.A20.
Der 90-Tage-Plan und die Kennzahlen
Drei Phasen à 30 Tage: erst sehen, dann Bruchstellen einziehen, dann durchsetzen und messen. Dazu zehn Kennzahlen mit Zielwerten als VamiSec-Empfehlung und Nachweise, die Sie Prüfern vorlegen können.
Der Plan ist eine VamiSec-Empfehlung und folgt der Angriffskette: Zuerst schaffen Sie Sichtbarkeit und schließen offensichtliche Lücken, dann ziehen Sie Bruchstellen an den Stufen 04 Auflösung und 05 Ausführung ein, zuletzt machen Sie die Regeln verbindlich und messbar. Ausgangspunkt ist eine ehrliche Bestandsaufnahme, etwa mit dem Self-Assessment auf dieser Seite. Regulierte Unternehmen beginnen mit dem, was schon gilt: CRA-Meldepflichten seit 11.09.2026, BSIG-Maßnahmen seit 06.12.2025, DORA seit 17.01.2025.
| Phase | Maßnahmen | Owner | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| Tage 1–30: Sichtbarkeit & Sofortmaßnahmen | Inventar aller KI-Coding-Werkzeuge, Agenten, MCP-Server und Skills mit Rechten; Auto-Approve-Modi zentral abschalten; Install-Skripte in CI und Agenten-Umgebungen deaktivieren (npm: ignore-scripts, --allow-git=none, --allow-remote=none); Cooldown in Paketmanagern und Update-Bots setzen; langlebige Tokens erfassen und rotieren | CISO mit AppSec-Lead; Plattform-Team | Inventar mit Ownern, Ausgangswerte der Kennzahlen, versionierte Sofort-Konfiguration |
| Tage 31–60: Bruchstellen einziehen | Registry-Proxy mit Freigabeliste, direkter Registry-Zugriff aus Builds und Agenten gesperrt; Installation nur aus dem Lockfile; Dependency Review mit benannter Freigabe neuer Pakete; Agenten in isolierten Umgebungen mit Egress-Freigabeliste; MCP-Server und Skills nur freigegeben und gepinnt; Publish über Trusted Publishing | Plattform- und DevOps-Team; AppSec-Lead | Bruchstellen an Auflösung und Ausführung, Referenzarchitektur der Agenten-Sandbox |
| Tage 61–90: Durchsetzen & messen | Richtlinie für KI-Coding-Werkzeuge verabschieden; Prüfungen als Pflicht-Checks im Branch-Schutz; Agenten-Aktionen zentral protokollieren; Red Teaming mit Prompt Injection und präparierten Regeldateien; Incident-Übung mit Token-Rotation und CRA-Meldeweg; erster KPI-Bericht | Head of Engineering mit CISO; Geschäftsleitung billigt | Gebilligte Richtlinie, Übungsprotokoll, KPI-Bericht an die Geschäftsleitung |
Phasen, Owner und Reihenfolge sind eine VamiSec-Empfehlung. npm: --allow-git ab 11.10.0, --allow-remote ab 11.15.0; in npm v12 (08.07.2026) stehen beide standardmäßig auf none, und Install-Skripte von Abhängigkeiten laufen nur nach Freigabe.
Zehn Kennzahlen mit Zielwerten
Messen Sie, was die Kette tatsächlich unterbricht, nicht die Zahl der Schulungen. Die Zielwerte sind VamiSec-Empfehlungen, keine regulatorischen Schwellen; die meisten lassen sich automatisch aus Proxy-Logs, CI-Konfiguration und zentraler Agenten-Konfiguration erheben. Wie riskant Modi ohne Bestätigung sind, zeigt s1ngularity: Die Schadsoftware rief laut Wiz lokal installierte KI-CLIs mit Flags wie --dangerously-skip-permissions und --yolo auf, um Geheimnisse zu inventarisieren. Berichten Sie quartalsweise an die Geschäftsleitung; in NIS2-Einrichtungen muss sie die Umsetzung der Maßnahmen nach § 38 BSIG ohnehin überwachen.
| Kennzahl | Messquelle | Zielwert (VamiSec-Empfehlung) |
|---|---|---|
| Anteil der Builds, die Pakete nur über den Registry-Proxy beziehen | Proxy- und Firewall-Logs | Tag 90: ≥ 95 %, danach 100 % |
| Anteil der Repositories mit aktivem Cooldown | Scan von Paketmanager- und Update-Bot-Konfiguration | ≥ 90 %, Mindestalter ≥ 3 Tage, Sicherheitsupdates ausgenommen |
| Anteil der CI-Jobs, die nur aus dem Lockfile installieren | CI-Konfiguration (npm ci, --frozen-lockfile, --require-hashes) | 100 % |
| Anteil der Builds und Agenten-Umgebungen, in denen Install-Skripte nur nach Freigabe laufen | Paketmanager-Konfiguration, Freigabeliste | 100 % |
| Anteil neuer Abhängigkeiten mit dokumentierter Freigabe | Pull-Request-Historie, Dependency Review | 100 % |
| Agenten mit Auto-Approve- oder YOLO-Modus | Zentrale Agenten-Konfiguration, Endpunkt-Scan | 0 |
| Anteil der Agenten in isolierter Umgebung mit Egress-Freigabeliste | Inventar, Netzwerk-Policies | 100 % in CI, ≥ 80 % auf Arbeitsplätzen |
| Anteil gepinnter, freigegebener Agenten-Erweiterungen (MCP-Server, Skills, Plugins) | AI-BOM, Freigabeliste | 100 % |
| Median-Zeit bis zur Rotation betroffener Tokens nach einer Kompromittierungsmeldung | Incident-Tickets, Secret-Manager | ≤ 24 h |
| Langlebige Publish- und CI-Tokens | Token-Inventar für npm, PyPI und CI | 0, Publish nur über Trusted Publishing |
Zum Mindestalter: CISA empfahl nach dem axios-Vorfall min-release-age=7 (Tage), nach dem Nx-Console-Vorfall mindestens drei Stunden; Dependabot wartet seit 14.07.2026 bei Versions-Updates standardmäßig 3 Tage, pnpm 11 standardmäßig einen Tag — Empfehlungen und Standardwerte sind nicht harmonisiert. Trusted Publishing ersetzt langlebige Tokens, belegt aber keinen gutartigen Code (TanStack und Miasma 2026).
Nachweise für Prüfer
- Inventar der KI-Coding-Werkzeuge, Agenten, MCP-Server und Skills mit Owner, Version und Rechten (AI-BOM)
- Richtlinie für KI-Coding-Werkzeuge, von der Geschäftsleitung gebilligt (Art. 20 Abs. 1 NIS2; Umsetzung und Überwachung nach § 38 BSIG)
- Versionierte Konfiguration von Proxy, Paketmanagern, Update-Bots und Egress-Regeln — § 30 Abs. 1 BSIG verlangt, die Einhaltung der Maßnahmen zu dokumentieren
- Freigabeprotokolle für neue Abhängigkeiten und Agenten-Erweiterungen aus der Pull-Request-Historie, mit menschlicher Freigabe von Agenten-Änderungen (für DORA-Finanzunternehmen: Funktionstrennung nach Art. 17 Abs. 1 RTS 2024/1774)
- SBOM je Release: mindestens Top-Level-Abhängigkeiten (CRA Anhang I Teil II Nr. 1, ab 11.12.2027), besser rekursiv nach BSI TR-03183-2 v2.1.0
- Testnachweise für Softwarepakete spätestens in der Integrationsphase (Art. 16 Abs. 4 RTS 2024/1774) und Red-Teaming-Bericht der Agenten
- Incident-Playbook mit Token-Rotationsliste und Meldewegen nach Art. 14 CRA (24 h / 72 h / 14 Tage) samt Übungsprotokoll
- Quartalsweiser KPI-Bericht an die Geschäftsleitung
Self-Assessment · ca. 10 Minuten
Coding-Agent & Supply-Chain Readiness Check
29 Fragen in sechs Dimensionen: die fünf Schichten für Coding-Agenten plus Abhängigkeits-Hygiene. Ihr Profil bestimmt Zielniveau und einschlägige Regelwerke. Das Ergebnis zeigt, an welcher Stufe Ihre Kontrollen die Angriffskette unterbrechen, Ihre größten Lücken mit Fahrplan und die Nachweise, die Prüfer erwarten.
0 / 29 Fragen beantwortet
Ihr Ergebnis
Noch nicht alle Fragen beantwortet — die Auswertung ist vorläufig.
Abdeckung der Angriffskette
- 01Erfindung
- 02Registrierung
- 03Übernahme
- 04Auflösung
- 05Ausführung
- 06Zugriff
- 07Ausbreitung
Keine Ihrer Antworten erreicht an einer Bruchstelle die Stufe „definiert & umgesetzt“ — ein erfundener Paketname läuft heute bis zur Ausbreitung durch.
Gewertet werden Kontrollen ab Stufe 2, die eine Kettenstufe unterbrechen: Dependency-Review oder Freigabepflicht (Übernahme), Proxy mit Freigabeliste (Auflösung), deaktivierte Install-Skripte (Ausführung), Agenten-Sandbox (Zugriff) und Egress-Kontrolle (Ausbreitung).
Ihre fünf größten Lücken
Noch nicht alle Fragen beantwortet — die Auswertung ist vorläufig.
Sie erhalten das CISO-Whitepaper mit Fahrplan, Mustervorlagen und Prüfkatalog. Das Ergebnis wird nur mitgesendet, wenn Sie es im Formular ausdrücklich anhaken.
Die Auswertung läuft vollständig in Ihrem Browser. Es wird nichts gespeichert oder übertragen, solange Sie es nicht selbst über das Formular senden.
Kostenloses Whitepaper
Slopsquatting & Coding-Agenten für CISOs — die KI-Software-Lieferkette absichern
Das Whitepaper übersetzt die Lage zu Typo- und Slopsquatting und das Fünf-Schichten-Modell für Coding-Agenten in ein Programm für CISO, AppSec und Plattform-Teams: vom Lagebild über Harness-Kontrollen und Konfigurations-Baseline bis zu Pflichten, Fahrplan und Prüfkatalog.

48 SeitenPDF, kostenfreiDeutschStand 10/2026
- Management Summary, Vorstandsseite und zehn Kernaussagen — Pflicht, Praxis und Empfehlung klar getrennt
- Angriffskette in sieben Stufen, Harness-Karte mit dokumentierten Fällen und CVEs, fünf Schichten mit Nachweisen
- Konfigurations-Baseline für npm, pnpm, Yarn, Bun, pip und uv sowie Pflichten-Matrix CRA, NIS2/BSIG, DORA und AI Act
- 90-Tage-Plan, KPI-Set, RACI, Musterrichtlinie für Coding-Agenten, AGENTS.md-Sicherheitsbaustein und 30 Prüffragen
Was das Whitepaper „Slopsquatting & Coding-Agenten für CISOs“ enthält
Lagebild und Angriffskette
Management Summary mit zehn Kernaussagen, die Forschungslage zu Paket-Halluzinationen ehrlich eingeordnet, Fallakten von crossenv bis Mini Shai-Hulud und die Angriffskette in sieben Stufen mit allen Bruchstellen.
Fünf Schichten für den Harness
Sichtbarkeit, Kontrolle, Validierung, Monitoring und Governance je mit Kontrollzielen, Umsetzungsschritten, Nachweisen und Bezug zu OWASP Agentic Top 10, LLM Top 10 und den dokumentierten CVEs.
Konfigurations-Baseline
Cooldown, Install-Skripte, Lockfile und Proxy für npm, pnpm, Yarn, Bun, pip und uv — mit Standardwerten Stand Oktober 2026 und Konfigurationsbeispielen zum Übernehmen.
Pflichten, Plan und Vorlagen
Pflichten-Matrix CRA, NIS2/BSIG, DORA, AI Act und Produkthaftung, 90-Tage-Plan, KPI-Set, RACI, Musterrichtlinie für Coding-Agenten, Sicherheitsbaustein für AGENTS.md und 30 Prüffragen für Revision und Audit.
Weiterlesen
Kontrolle zur Laufzeit: Wie der Agent Control Standard Tool-Aufrufe prüft, bevor sie laufen
Monitoring außerhalb des Modells ist der Kern der vierten Schicht — und genau dort setzt der OWASP Agent Control Standard an: Ein Guardian Agent bekommt jeden Schritt eines Agenten über Hooks vorgelegt, bevor er ausgeführt wird, und entscheidet mit einer von fünf Dispositionen. So wird aus einer Freigabeliste für Pakete eine Regel, die auch ein Agent nicht umgehen kann. Unser ACS-Deep-Dive erklärt Hooks, Dispositionen und Failure Posture; das HiddenLayer-Framework führt zur Primärquelle der fünf Schichten.
19 Hooks16 Lebenszyklus- und 3 Skill-Hooks im ACS
5 Dispositionenallow, deny, modify, ask, defer
5 SchichtenSichtbarkeit bis Governance nach HiddenLayer
- Paketinstallationen eines Agenten lassen sich als Tool-Aufruf abfangen und gegen die Freigabeliste prüfen.
- Fehlt die Entscheidung des Guardians, bestimmt die Failure Posture, ob der Agent blockiert oder weiterläuft.
- Jede Entscheidung wird protokolliert — Nachweis für Prüfer und Grundlage für Monitoring.
Der Agent Control Standard ist ein OWASP-Projekt in früher Phase (Spezifikation v0.1.0, Release 0.1.2); die Referenzimplementierung ist ein Proof of Concept.
Glossar
Begriffe rund um Slopsquatting und Coding-Agenten
24 Begriffe von Agent Harness bis Typosquatting, kurz und quellennah erklärt.
Begriffe gefunden
- Slopsquatting
- Registrieren eines Paketnamens, den KI-Modelle erfinden, um Installationen durch Entwickler oder Coding-Agenten abzugreifen. Der Begriff wird Seth Larson (Python Software Foundation) zugeschrieben und wurde im April 2025 von Andrew Nesbitt verbreitet.
- Typosquatting
- Registrieren von Paketnamen, die sich nur durch Tippfehler oder Verwechslungen von populären Paketen unterscheiden, etwa reqjuests oder tensoflom aus einer PyPI-Kampagne mit über 500 Paketen (Check Point 2024).
- Combosquatting
- Mit Typosquatting verwandte Technik: Ein bekannter Name wird ohne Tippfehler mit Zusätzen wie ‚setup‘, ‚helper‘ oder ‚utils‘ kombiniert, damit das Paket wie ein offizielles Zusatzwerkzeug wirkt. Diesem Muster folgen Namen wie opensearch-setup oder elastic-opensearch-helper aus dem von Microsoft im Mai 2026 beschriebenen Fall; Microsoft selbst spricht von Typosquatting.
- Package HallucinationPaket-Halluzination
- Ein Sprachmodell schlägt eine Abhängigkeit vor, die in der Registry nicht existiert. Bei Spracklen et al. betraf das 19,7 % von 2,23 Mio. Paketreferenzen; OWASP führt das Risiko unter LLM09 Misinformation.
- Package Confusion
- Oberbegriff für Angriffe, die zur Installation eines falschen Pakets verleiten, etwa über ähnliche Namen wie beim Typosquatting. BSI und ANSSI (2024) beschreiben im Anschluss an Spracklen et al., dass Paket-Halluzinationen zu solchen Angriffen führen können, wenn Angreifer Pakete unter halluzinierten Namen registrieren. Diese Spielart heißt heute meist Slopsquatting.
- Dependency Confusion
- Ein Paketmanager lädt statt eines internen Pakets ein gleichnamiges öffentliches Paket, das ein Angreifer veröffentlicht hat. Gegenmittel sind feste Registry-Zuordnungen für interne Namensräume und ein Registry-Proxy.
- Agent HarnessHarness
- Die Ausführungsschicht um das Modell: System-Prompt, Regeldateien, Tools, Skills, MCP-Server und Orchestrierungslogik. Laut HiddenLayer ist sie die eigentliche Angriffsfläche von Coding-Agenten.
- Coding-AgentAI Coding Agent
- KI-Werkzeug, das nicht nur Code vorschlägt, sondern selbstständig Dateien ändert, Terminal-Befehle ausführt, Pakete installiert und Pull Requests erstellt, etwa Claude Code, Cursor oder GitHub Copilot im Agent-Modus.
- MCP-ServerModel Context Protocol
- Dienst, der einem Agenten über das Model Context Protocol Werkzeuge und Datenquellen bereitstellt. Jeder MCP-Server ist eine Lieferkettenkomponente: Das inoffizielle npm-Paket postmark-mcp setzte laut Koi Security (berichtet von The Register) ab Version 1.0.16 eine Angreiferadresse in Blindkopie jeder ausgehenden E-Mail.
- Tool Poisoning
- Versteckte Anweisungen in der Beschreibung eines MCP-Tools, die Nutzer nicht sehen, das Modell aber befolgt. Invariant Labs zeigte 2025, wie ein harmlos wirkendes Tool den Agenten SSH-Schlüssel und Konfigurationsdateien auslesen und weitergeben ließ.
- Rug Pull
- Ein bereits freigegebener MCP-Server oder eine freigegebene Konfiguration ändert sich nachträglich, etwa die Tool-Beschreibung oder der gestartete Befehl. Gegenmittel: Versionen pinnen und jede Änderung neu freigeben lassen, wie nach CVE-2025-54136 (MCPoison) in Cursor umgesetzt.
- Agent SkillSkill
- Paket aus Anweisungen und gegebenenfalls Skripten, das einem Agenten eine Fähigkeit hinzufügt und aus Marktplätzen oder Repositories bezogen wird. Snyk fand 2026 bei 534 von 3.984 untersuchten Skills (13,4 %) mindestens ein kritisches Problem.
- Rules File Backdoor
- Von Pillar Security 2025 beschriebene Technik, bei der unsichtbare Unicode-Zeichen Anweisungen in Regeldateien von Cursor oder GitHub Copilot verstecken. Menschen sehen sie im Review nicht, das Modell befolgt sie.
- Prompt InjectionLLM01
- Eingeschleuste Anweisungen, die ein Modell als Befehl statt als Daten behandelt. Bei Coding-Agenten häufig indirekt: über README-Dateien, Issues, Tool-Ausgaben oder Webseiten, die der Agent liest.
- Lifecycle-Skriptpreinstall, install, postinstall
- Skript in der package.json, das npm bei der Installation automatisch ausführt. Viele npm-Schadpakete nutzen es, etwa Shai-Hulud 2.0 mit einem preinstall-Hook; npm v12 führt solche Skripte von Abhängigkeiten standardmäßig nur nach Freigabe aus.
- Lockfile
- Datei, die die exakt aufgelösten Versionen und Prüfsummen aller Abhängigkeiten festhält, etwa package-lock.json, pnpm-lock.yaml oder pylock.toml. Installiert die CI nur daraus, gelangt kein neuer Paketname ohne sichtbare Änderung am Lockfile in den Build.
- Dependency CooldownMindestalter, Release-Age-Gate
- Mindestalter einer Paketversion, bevor sie installiert oder als Update vorgeschlagen wird. Fängt frisch veröffentlichte Schadversionen ab, nicht aber Namen, die ein Angreifer früh registriert hat.
- Registry-Proxyinternes Artefakt-Repository
- Interner Zwischenspeicher zwischen Entwicklern, Builds und öffentlichen Registries, der Pakete spiegelt und, mit Freigabeliste betrieben, nur freigegebene Pakete ausliefert. Aus Sicht von VamiSec eine zentrale Bruchstelle gegen Slopsquatting, weil ein erfundener Name nicht auf der Freigabeliste steht.
- Trusted PublishingOIDC-Publishing
- Veröffentlichung von Paketen aus der CI über kurzlebige OIDC-Identitäten statt langlebiger API-Tokens, verfügbar unter anderem bei PyPI (seit 2023) und npm (seit Juli 2025). Es ersetzt langlebige Tokens, die gestohlen werden könnten, schützt aber nicht vor einer kompromittierten Pipeline wie bei TanStack im Mai 2026.
- ProvenanceHerkunftsnachweis, Attestation
- Signierter Nachweis, aus welchem Repository und welchem Build ein Paket stammt. Er belegt die Herkunft, nicht die Harmlosigkeit: Bei TanStack und Miasma 2026 trugen bösartige Pakete gültige Provenance.
- SBOMSoftware Bill of Materials
- Maschinenlesbare Stückliste aller Komponenten einer Software, etwa in CycloneDX oder SPDX. Der CRA verlangt ab 11.12.2027 mindestens die obersten Abhängigkeiten, ohne ein Format vorzuschreiben; die BSI TR-03183-2 fordert eine rekursive Auflösung.
- AI-BOMAIBOM
- Stückliste für KI-Komponenten: Modelle, Agenten, MCP-Server, Skills, Plugins und Prompts mit Herkunft und Version. OWASP nennt SBOM und AIBOM unter ASI04 als Gegenmaßnahme gegen Lieferkettenrisiken agentischer Systeme.
- Least Agency
- Prinzip aus den OWASP Top 10 for Agentic Applications 2026: Agenten nur so viel Autonomie geben, wie die Aufgabe erfordert. Es erweitert Least Privilege um die Frage, was ein Agent selbstständig entscheiden darf.
- Egress-KontrolleEgress Filtering
- Beschränkung des ausgehenden Netzverkehrs auf freigegebene Ziele nach dem Prinzip deny by default. Für Agenten und Builds erschwert sie, dass Schadcode Daten an fremde Ziele ausleitet oder Pakete an der Freigabeliste vorbei nachlädt; Kanäle über freigegebene Ziele wie GitHub bleiben möglich.
FAQ
Häufige Fragen zu Slopsquatting und Coding-Agenten
Kurze, belastbare Antworten mit Quelle — Stand 08.10.2026.
Slopsquatting ist ein Lieferkettenangriff, bei dem ein Angreifer einen Paketnamen registriert, den KI-Modelle erfinden, damit Entwickler oder Coding-Agenten das bösartige Paket installieren. Der Name wird Seth Larson von der Python Software Foundation zugeschrieben und wurde am 08.04.2025 von Andrew Nesbitt verbreitet, sinngemäß als KI-Variante des Typosquatting. Die Grundlage liefert die Studie von Spracklen et al. (USENIX Security 2025): Von 2,23 Mio. Paketreferenzen in 576.000 Code-Samples von 16 Modellen waren 19,7 % halluziniert. Wichtig für die Einordnung: Ein öffentlich belegter Fall, in dem ein Angreifer einen nachweislich halluzinierten Namen bösartig registrierte und Opfer ihn wegen eines KI-Vorschlags installierten, ist bislang nicht bekannt.
Typosquatting setzt auf menschliche Tippfehler und Verwechslungen bekannter Namen, Slopsquatting auf Namen, die ein KI-Modell erfindet. Check Point dokumentierte 2024 über 500 bösartige PyPI-Pakete mit Namen wie reqjuests oder tensoflom; Microsoft beschrieb am 28.05.2026 14 npm-Pakete, die binnen vier Stunden erschienen. Beides ist Typosquatting, nicht Slopsquatting. Halluzinierte Namen sind dagegen oft keine Vertipper: Bei Spracklen et al. lagen nur 13,4 % der erfundenen Python-Namen höchstens zwei Editierschritte von einem echten Paket entfernt, 48,6 % sechs oder mehr. Eine Erkennung über Namensähnlichkeit greift daher zu kurz. Viele Gegenmaßnahmen wirken gegen beide Angriffe: Registry-Proxy mit Freigabeliste, Cooldown, Lockfiles und deaktivierte Install-Skripte.
Je nach Modell und Studie bei einigen Prozent bis über einem Fünftel der vorgeschlagenen Pakete. Spracklen et al. (USENIX Security 2025) maßen insgesamt 19,7 % halluzinierte Paketreferenzen, im Durchschnitt 5,2 % bei den drei getesteten kommerziellen OpenAI-Modellen und 21,7 % bei Open-Source-Modellen. Viele Fehler sind reproduzierbar: In Wiederholungstests tauchten 43 % der erfundenen Namen in allen zehn Durchläufen wieder auf, 39 % nie. Ein nicht begutachteter Preprint von Churilov (2026) kommt für fünf aktuelle Modelle auf 4,62 bis 6,10 %. Ein Kurztest auf dev.to vom 06.10.2026 mit 30 npm-Prompts fand bei Claude Haiku 4.5 zwei, bei Copilot einen und bei ChatGPT/Codex drei erfundene Namen — nach Aussage des Autors ein Signal, kein Urteil.
Ein öffentlich belegter bösartiger Fall ist bislang nicht bekannt (Stand 08.10.2026). Belegt ist aber, dass erfundene Namen real installiert werden: Bar Lanyado lud für ein 2024 veröffentlichtes Experiment ein leeres Paket unter dem wiederholt halluzinierten Namen huggingface-cli auf PyPI hoch; laut Lasso Security erhielt es in drei Monaten über 30.000 Downloads. 2026 fand Aikido in KI-generierten Agent Skills den Aufruf npx react-codeshift, der auf ein nie veröffentlichtes npm-Paket verwies, verbreitet in mindestens 237 Repositories, und registrierte den Namen defensiv. Beide Pakete waren harmlose Platzhalter. Kampagnen wie PhantomRaven ordnete Koi Security dem Slopsquatting zu, ohne Belege zu veröffentlichen, dass eine KI die Namen vorgeschlagen hat. Das Risiko ist real, ein Schadensfall bislang nicht öffentlich belegt.
Mit mehreren Kontrollen, deren Kern aus Sicht von VamiSec ein interner Registry-Proxy mit Freigabeliste ist: Ein erfundener oder vertippter Name steht dort nicht auf der Liste und lässt sich nicht installieren. Ergänzen Sie ein Mindestalter für neue Versionen (npm min-release-age in Tagen ab Version 11.10.0, pnpm minimumReleaseAge in Minuten, uv exclude-newer, pip --uploaded-prior-to), Installationen nur aus dem Lockfile, deaktivierte Install-Skripte und einen Dependency Review im Pull Request. npm v12 führt seit 08.07.2026 Install-Skripte von Abhängigkeiten standardmäßig nur nach Freigabe aus. Für eigene Pakete gilt: Publish über Trusted Publishing statt Token; npm-Schreib-Tokens laufen standardmäßig nach 7, spätestens nach 90 Tagen ab. Provenance belegt die Herkunft eines Pakets, nicht seine Harmlosigkeit.
Der Harness ist alles, was einen Coding-Agenten um das Sprachmodell herum ausmacht: System-Prompt, Regeldateien, Tools, Skills, MCP-Server und die Orchestrierungslogik, die Modellaufrufe, Tool-Aufrufe und Arbeitsabläufe koordiniert. HiddenLayer argumentiert in seinem Framework vom 28.07.2026, dass dieser Harness und nicht das Modell die eigentliche Angriffsfläche ist; Ursache der Angriffe sei fehlplatziertes Vertrauen. Dokumentierte Fälle stützen das: versteckte Anweisungen in Regeldateien (Rules File Backdoor, Pillar Security 2025), manipulierte Tool-Beschreibungen von MCP-Servern (Invariant Labs 2025) oder eine Prompt Injection, die bei GitHub Copilot die Bestätigungsabfrage abschaltete (CVE-2025-53773, CVSS 3.1: 7,8).
Die fünf Schichten stammen aus dem Framework von HiddenLayer (28.07.2026): Sichtbarkeit, Kontrolle, Validierung, Monitoring und Governance. Sichtbarkeit heißt, jeden Agenten, jedes Modell, Tool, jeden MCP-Server und Skill samt Rechten zu kennen, auch Schatten-KI. Kontrolle begrenzt den Schaden: minimale Rechte, menschliche Freigabe für folgenreiche Aktionen, nur freigegebene Tools, eingeschränkter ausgehender Netzverkehr. Validierung prüft, bevor vertraut wird: Red Teaming, Prüfung von Drittanbieter-Tools einschließlich versteckter Metadaten, Freigabe bestimmter Versionen statt „latest“. Monitoring findet außerhalb des Modells statt. Governance verankert Owner, Threat Models und Incident Response. VamiSec ergänzt im Self-Assessment die Abhängigkeits-Hygiene als sechste Dimension.
Nein. ignore-scripts verhindert, dass npm die Lifecycle-Skripte von Paketen bei der Installation ausführt, und schließt damit einen häufigen Ausführungsweg, etwa die Install-Hooks im von Microsoft am 28.05.2026 beschriebenen Fall. Drei Lücken bleiben: Git-Abhängigkeiten können eine eigene .npmrc mitbringen, die den Pfad zum Git-Programm überschreibt und trotz ignore-scripts Code ausführt (Gegenmittel --allow-git=none ab npm 11.10.0); URL-Abhängigkeiten laden Code von beliebigen Servern nach (--allow-remote=none ab npm 11.15.0); und Schadcode, der erst beim Import oder Interpreterstart läuft, ist kein Lifecycle-Skript, so die .pth-Datei in litellm 1.82.8. Kombinieren Sie die Option deshalb mit Registry-Proxy, Cooldown und isolierten Build- und Agenten-Umgebungen.
Der CRA verlangt ab 11.12.2027, dass Hersteller bei der Integration von Drittkomponenten die gebotene Sorgfalt walten lassen, ausdrücklich auch bei freier Open-Source-Software (Art. 13 Abs. 5). Der Umfang richtet sich nach dem Risiko; Erwägungsgrund 34 nennt etwa die Prüfung der Update-Historie, den Abgleich mit der Europäischen Schwachstellendatenbank und zusätzliche Sicherheitstests. Laut den unverbindlichen Kommissionsleitlinien C(2026) 5252 (Beispiel 34) haben das Paket-Repository und ein Einzelentwickler, der dort freie Software veröffentlicht, keine CRA-Pflichten; die Sorgfalt trägt der integrierende Hersteller. Hinzu kommen eine SBOM mit mindestens den obersten Abhängigkeiten (Anhang I Teil II Nr. 1) und die Meldung gefundener Schwachstellen an Hersteller oder Maintainer der Komponente (Art. 13 Abs. 6). Die Meldepflichten nach Art. 14 gelten bereits seit 11.09.2026.
In der Regel nein. Hochrisiko-Systeme nach Art. 6 Abs. 2 sind nur die in Anhang III gelisteten Einsatzbereiche, und Softwareentwicklung gehört nicht dazu. Anders kann es aussehen, wenn ein Werkzeug etwa zur Leistungsbewertung von Beschäftigten eingesetzt würde (Anhang III Nr. 4 lit. b). Die Hochrisiko-Pflichten für Anhang III gelten ohnehin erst ab 02.12.2027. Für Unternehmen, die Coding-Assistenten einsetzen, bleibt vor allem Art. 4: Seit dem Digital Omnibus (VO (EU) 2026/1744, in Kraft seit 27.07.2026) müssen sie Maßnahmen zur Unterstützung der KI-Kompetenz ergreifen, ohne ein bestimmtes Niveau zu garantieren. Die Pflichten für General-Purpose-Modelle treffen die Modellanbieter, nicht die Nutzer.
Ein Dependency Cooldown ist ein Mindestalter, das eine neue Paketversion erreicht haben muss, bevor sie installiert oder als Update vorgeschlagen wird. Die Idee: Bösartige Versionen werden oft schnell entdeckt und entfernt; pnpm begründet die Funktion damit, dass dies meist innerhalb einer Stunde geschieht. Die Einheiten unterscheiden sich: npm min-release-age in Tagen, pnpm minimumReleaseAge in Minuten (seit pnpm 11 standardmäßig 1.440, also ein Tag), Bun in Sekunden, Yarn npmMinimalAgeGate als Dauer wie 1d, uv exclude-newer als Dauer, pip --uploaded-prior-to als Datum oder ab Version 26.1 als P3D. Dependabot wartet seit 14.07.2026 bei Versions-Updates standardmäßig drei Tage, Sicherheitsupdates ausgenommen. Grenze: Früh registrierte Namen passieren jeden Cooldown.
Den Reifegrad messen Sie mit einer Selbsteinschätzung entlang der fünf Schichten plus Abhängigkeits-Hygiene und mit wenigen harten Kennzahlen. Der VamiSec Readiness Check auf dieser Seite bewertet 29 Fragen in sechs Dimensionen auf vier Stufen, von „nicht vorhanden“ bis „durchgesetzt und gemessen“, und zeigt, an welcher Stufe der Angriffskette Ihre Kontrollen greifen. Als Kennzahlen empfehlen wir unter anderem den Anteil der Builds über den Registry-Proxy, den Anteil der Repositories mit Cooldown, die Zahl der Agenten mit Auto-Approve (Ziel: null), die Median-Zeit bis zur Token-Rotation und den Anteil gepinnter Agenten-Erweiterungen. Berichten Sie die Werte quartalsweise an die Geschäftsleitung.
Standards & Quellen
Die Inhalte dieser Seite basieren auf den folgenden öffentlich verfügbaren Leitfäden und Studien.
ThreatLocker · 2026
How to mitigate typosquatting and slopsquatting attacks in npm and PyPI ↗
Ausgangsquelle: Gegenmaßnahmen für npm und PyPI vom 15.09.2026; Herstellerblog.
Harsh, DEV Community · 2026
I Tested 3 AI Coding Tools for Slopsquatting. Here’s How Many Fake Packages They Invented. ↗
Ausgangsquelle: Kurztest mit 30 npm-Prompts vom 06.10.2026, anekdotisch und vom Autor selbst als Signal eingeordnet.
HiddenLayer · 2026
A Security Framework for Coding Agents and their Harnesses ↗
Ausgangsquelle: fünf Schichten Sichtbarkeit, Kontrolle, Validierung, Monitoring und Governance (28.07.2026).
Spracklen et al., USENIX Security · 2025
We Have a Package for You! A Comprehensive Analysis of Package Hallucinations by Code Generating LLMs ↗
Primärstudie: 19,7 % (440.445 von 2,23 Mio.) der Paketreferenzen aus 576.000 Code-Samples von 16 Modellen waren halluziniert.
Lasso Security · 2024
Diving Deeper into AI Package Hallucinations ↗
Bar Lanyados Experiment mit dem Platzhalter huggingface-cli und über 30.000 Downloads in drei Monaten.
Aikido Security · 2026
Agent Skills Are Spreading Hallucinated npx Commands ↗
react-codeshift: halluzinierter npx-Befehl in KI-generierten Agent Skills, defensiv registriert.
Churilov, arXiv · 2026
The Range Shrinks, the Threat Remains: Re-evaluating LLM Package Hallucinations on the 2026 Frontier-Model Cohort ↗
Nicht begutachteter Preprint: Halluzinationsraten von fünf aktuellen Modellen und gemeinsame Namen.
Microsoft Security · 2026
Typosquatted npm packages used to steal cloud and CI/CD secrets ↗
14 typosquattende npm-Pakete in vier Stunden am 28.05.2026; Typosquatting, kein Slopsquatting.
Check Point · 2024
PyPI Inundated by Malicious Typosquatting Campaign ↗
Über 500 bösartige PyPI-Pakete im März 2024; klassisches Typosquatting ohne KI-Bezug.
Wiz · 2025
s1ngularity: supply chain attack leaks secrets on GitHub: everything you need to know ↗
Schadsoftware missbrauchte lokal installierte KI-CLIs mit Flags, die Bestätigungen umgehen.
GitHub Changelog · 2025
Strengthening npm security: Important changes to authentication and token management ↗
Neu erstellte granulare npm-Schreib-Tokens: Standardlaufzeit 7 Tage, Maximum 90 Tage.
GitHub Changelog · 2026
npm install-time security and GAT bypass2fa deprecation ↗
npm v12 (08.07.2026): Install-Skripte von Abhängigkeiten nur nach Freigabe, Git- und URL-Abhängigkeiten standardmäßig gesperrt.
pnpm · 2026
pnpm 11.0 ↗
Neue Standardwerte: minimumReleaseAge 1.440 Minuten (ein Tag), keine Git- oder Tarball-Unterabhängigkeiten, Build-Skripte nur nach Freigabe (allowBuilds).
Pillar Security · 2025
New Vulnerability in GitHub Copilot and Cursor: How Hackers Can Weaponize Code Agents ↗
Rules File Backdoor: unsichtbare Unicode-Anweisungen in Regeldateien.
Invariant Labs · 2025
MCP Security Notification: Tool Poisoning Attacks ↗
Definition von Tool Poisoning, Rug Pull und Tool Shadowing bei MCP-Servern.
OWASP GenAI Security Project · 2025
OWASP Top 10 for Agentic Applications for 2026 ↗
ASI04 Agentic Supply Chain Vulnerabilities, ASI05 Unexpected Code Execution und das Prinzip Least Agency.
OWASP GenAI Security Project · 2024
LLM09:2025 Misinformation ↗
Führt nicht existente, von Modellen vorgeschlagene Bibliotheken als Risiko unsicherer Codegenerierung.
OpenSSF · 2025
Security-Focused Guide for AI Code Assistant Instructions ↗
Leitfaden für sichere Agenten-Instruktionen, nennt halluzinierte Abhängigkeiten und Slopsquatting.
BSI und ANSSI · 2024
AI Coding Assistants ↗
Behördenpapier vom 04.10.2024: Paket-Halluzinationen als Einfallstor für Package Confusion, Gegenmaßnahmen.
ENISA · 2026
ENISA Technical Advisory for Secure Use of Package Managers ↗
Unverbindliche Empfehlung vom 10.03.2026, die Slopsquatting ausdrücklich als Angriffsvektor benennt.
Europäische Union · 2024
Verordnung (EU) 2024/2847 (Cyber Resilience Act) ↗
Sorgfaltspflicht für Drittkomponenten (Art. 13 Abs. 5, ab 11.12.2027), Meldepflichten (Art. 14, seit 11.09.2026), SBOM (Anhang I Teil II Nr. 1).
Europäische Kommission · 2026
Leitlinien zur Umsetzung des Cyber Resilience Act, C(2026) 5252 final ↗
Unverbindliche Leitlinien vom 27.07.2026; Beispiel 34 ordnet die Sorgfaltspflicht dem integrierenden Hersteller zu.
gesetze-im-internet.de · 2025
BSI-Gesetz (BSIG) i. d. F. des NIS2UmsuCG, § 30 ↗
Risikomanagementmaßnahmen einschließlich Lieferkette (Abs. 2 Satz 2 Nr. 4) sowie Erwerb, Entwicklung und Wartung (Nr. 5); neues BSIG in Kraft seit 06.12.2025 (BGBl. 2025 I Nr. 301).
Europäische Union · 2024
Delegierte Verordnung (EU) 2024/1774 (RTS zum IKT-Risikomanagement) ↗
Konkretisiert DORA für das volle Rahmenwerk (Titel II): Nachverfolgung von Open-Source-Bibliotheken, Tests von Softwarepaketen, Änderungsmanagement.
Coding-Agenten einführen, ohne die Lieferkette zu öffnen?
VamiSec unterstützt bei Inventar und Richtlinie für KI-Coding-Werkzeuge, bei Registry-Proxy, Cooldown und Install-Skript-Härtung, bei Agenten-Sandboxing und Monitoring sowie beim Red Teaming von Coding-Agenten — abgestimmt auf CRA, NIS2 und DORA.