18.000 Organisationen kompromittiert. Build-System manipuliert, signierte Updates wurden zur Waffe.
SLSA — die Lieferkette, die Hacker nicht mehr knacken.
Supply-chain Levels for Software Artifacts. Das Framework, das aus Build-Pipelines forensische Beweisstücke macht — und der einzige Standard, der CRA, NIS2 und EU AI Act mit kryptografischen Nachweisen befriedigt.
Vier Angriffe — eine gemeinsame Klasse.
Manipulation zwischen Quellcode und Endnutzer. Klassische Code-Security greift hier nicht. Genau dieses Loch schließt SLSA.
Zwei Monate unbemerkt. Credentials zahlreicher CI/CD-Pipelines abgegriffen.
Mehrstufiger Supply-Chain-Angriff. Vendor selbst Opfer eines anderen Supply-Chain-Angriffs.
Zwei Jahre Social Engineering. CVSS 10.0. Nur durch Zufall einer Person entdeckt.
Die Frage ist nicht ob, sondern wann.
Vier Zahlen, die jeder CISO heute kennen sollte — und die erklären, warum SLSA in keiner Pipeline-Strategie mehr fehlen darf.
Was SLSA ist — und was nicht.
Bevor die Diskussion um Levels und Pipelines startet, lohnt sich die Klärung: SLSA löst ein konkretes Problem — und genau nur dieses.
Supply-chain Levels for Software Artifacts
Sicherheits-Framework der OpenSSF (Linux Foundation), 2021 gestartet von Google. Spricht „sal-sa“ aus. Stuft Build-Pipelines in messbare Vertrauensstufen ein — von L0 (keine Garantie) bis L3 (gehärtet, isoliert, signiert).
Keine Wunderwaffe, kein Tool zum Kaufen.
- Kein Pen-Test, kein Code-Scanner.SLSA prüft nicht den Inhalt der Artefakte, sondern die Integrität der Herkunft.
- Kein Ersatz für SBOM.SLSA ergänzt SBOM um nachweisbare Provenance — beides ist komplementär.
- Kein Produkt, kein Werkzeug-Kauf.Ein Framework mit Anforderungen und Levels, kein Lizenzmodell.
- Keine Compliance-Checkliste.Ein Threat-Model mit konkreten Gegenmaßnahmen — keine Pflicht-Häkchen.
Die acht Bedrohungen entlang der Lieferkette.
Vier Phasen, acht konkrete Angriffsvektoren. SLSA adressiert primär die Build- und Distributionsphase — Source-Schutz und Consumer-Verifikation entstehen als eigene Tracks.
Drei Begriffe — der Rest ist Detail.
Wenn du diese drei Begriffe verstehst, hast du SLSA verstanden. Alles andere sind Implementierungs-Varianten.
Provenance
Maschinenlesbares Dokument: Was wurde gebaut, aus welcher Quelle, von welchem Builder, mit welchen Parametern. Format: in-toto Attestation.
Build Platform
Die CI/CD-Plattform, die das Artefakt baut. Sie erzeugt die Provenance und signiert sie. Beispiele: GitHub Actions, GitLab CI, Tekton Chains.
Verifier
Komponente, die vor dem Deployment prüft: stimmt die Provenance, ist die Signatur valide, erfüllt das Artefakt die Policy.
Vier Stufen — von Wildwest bis Festung.
Jede Stufe baut auf der vorherigen auf. Mehr Sicherheit, weniger Vertrauen-auf-Wort.
Keine Garantien
Kein Build-Standard, keine Provenance. Default-Zustand vieler interner Projekte.
Provenance existiert
Build-Prozess dokumentiert. Provenance wird generiert — maschinenlesbar.
Signierte Provenance
Build auf gehosteter Plattform. Provenance kryptografisch signiert.
Gehärtete Build-Plattform
Isolation, keine User-defined Steps, non-falsifizierbare Provenance.
Was muss man konkret tun? Build-Track-Matrix.
Drei „—“ werden zu drei „✓“. Genau das ist der Weg von „Vertrau mir“ zu „Beweis es“.
| Anforderung | L1 | L2 | L3 |
|---|---|---|---|
| Build-Prozess folgt einem konsistenten Verfahren | ✓ | ✓ | ✓ |
| Provenance wird automatisch generiert | ✓ | ✓ | ✓ |
| Provenance ist vollständig (alle Build-Eingaben enthalten) | ✓ | ✓ | ✓ |
| Provenance ist authentisch (signiert vom Builder) | — | ✓ | ✓ |
| Build läuft auf gehosteter Build-Plattform | — | ✓ | ✓ |
| Build-Plattform isoliert Builds gegeneinander | — | — | ✓ |
| Provenance ist non-falsifizierbar (User kann sie nicht fälschen) | — | — | ✓ |
Wie sieht eine Provenance konkret aus?
Maschinenlesbar, signiert, vollständig auditierbar. Was sich hinter dem Format in-toto Statement v1 verbirgt.
{ "_type": "https://in-toto.io/Statement/v1", "subject": [{ "name": "vamisec-app:v1.2.3", "digest": { "sha256": "a3f5…e91b" } }], "predicateType": "https://slsa.dev/provenance/v1", "predicate": { "buildDefinition": { "buildType": "https://slsa-framework.github.io/…", "externalParameters": { "source": "git+https://github.com/vamisec/app", "ref": "refs/tags/v1.2.3" }, "internalParameters": { "runner": "ubuntu-22.04" } }, "runDetails": { "builder": { "id": "https://github.com/actions/runner" }, "metadata": { "invocationId": "…", "startedOn": "2026-05-20T08:14:02Z" } } } }
Was die Provenance verrät
subjectWelches Artefakt — Name + SHA-256-Hash. Eindeutig identifizierbar.
externalParametersWelche Quelle — Git-URL, Commit-Tag, vom Nutzer steuerbar.
builder.idWelcher Builder hat es gebaut — kryptografisch signierte Identität.
metadataWann, wie lange, mit welcher Invocation-ID — vollständig auditierbar.
SLSA L3 in GitHub Actions — in 15 Zeilen.
Keine Theorie, kein neues Tool-Silo. Reusable Workflow von slsa-framework, Sigstore-Signatur via OIDC, Verifier-CLI auf Consumer-Seite. Open Source, produktionsreif.
name: release on: push: tags: ['v*'] jobs: build: permissions: id-token: write # Sigstore OIDC contents: read actions: read uses: slsa-framework/slsa-github-generator/.github/workflows/builder_go_slsa3.yml@v2.0.0 with: go-version: '1.22' config-file: .slsa-goreleaser.yml
Was automatisch passiert
- 1Build läuft in isolierter GitHub-Runner-VM.
- 2Provenance wird automatisch generiert.
- 3Signiert mit Sigstore (keyless, OIDC).
- 4Provenance als Release-Asset attached.
- 5Public verifizierbar via
slsa-verifier.
Verifikation auf Consumer-Seite — eine Zeile.
$ slsa-verifier verify-artifact app-binary \ --provenance-path app-binary.intoto.jsonl \ --source-uri github.com/vamisec/app \ --source-tag v1.2.3 PASSED: Verified SLSA provenance
Diese Prüfung gehört in jeden Admission-Controller, jede CD-Pipeline, jeden Package-Manager-Wrapper. Default: nicht verifiziert = nicht deployed.
Das Ökosystem — Open Source, produktionsreif.
Du baust nichts von Grund auf — du komponierst aus reifen Open-Source-Bausteinen. Keine kommerzielle Lizenz nötig.
GitHub Actions
Native SLSA-L3-Provenance via slsa-github-generator. Sigstore-Signatur out of the box.
GitLab CI
Eingebaute Provenance-Generierung, in-toto-konform, ab GitLab 16+.
Tekton Chains
Kubernetes-native Build-Plattform mit nativem SLSA-Support für Cloud-Native-Stacks.
Sigstore (Cosign)
Keyless Signing via OIDC + Transparency Log. De-facto-Standard für Container und Artefakte.
in-toto Attestation
Das Standardformat für Provenance-Statements. JSON-basiert, strukturiert, signierbar.
SLSA Verifier
Open-Source-CLI von OpenSSF. Prüft Provenance gegen Policy — eine Zeile, ein Exit-Code.
Für wen SLSA besonders relevant ist.
Wenn du an einer dieser Stellen entscheidest oder umsetzt, gehört SLSA in dein technisches Zielbild — bevor die CRA-Frist zum Notfall wird.
CISOs & Heads of AppSec
Software-Lieferkette regulatorisch absichern — ohne ein neues Tool-Silo aufzubauen.
DevSecOps Leads
CI/CD-Pipelines härten mit konkreten Implementierungs-Pattern — nicht nur Theorie.
Compliance & Auditoren
Technische Nachweise für CRA Art. 13, NIS2 Art. 21(2)(d), EU AI Act Art. 15.
Plattform-Teams
Hostende Build-Plattformen aufbauen oder evaluieren — SLSA-konform von Tag eins.
Warum SLSA spätestens 2027 nicht mehr optional ist.
Vier EU-Verordnungen, eine gemeinsame Anforderung: nachweisbare Supply-Chain-Sicherheit. SLSA liefert den technischen Beweis.
Artikel 13 — „Cybersecurity by Design“. Identifizierung von Komponenten und Schwachstellenmanagement entlang der Lieferkette. Anwendung ab 11.12.2027.
Artikel 21(2)(d) — Sicherheit der Lieferkette als verpflichtende Risikomanagement-Maßnahme. In DE umgesetzt durch NIS2UmsuCG.
Artikel 15 — Genauigkeit, Robustheit, Cybersicherheit. Für High-Risk-AI sind nachvollziehbare Build- und Training-Provenance Pflicht.
Drittparteien-Risikomanagement für Finanzdienstleister. Software-Lieferanten müssen nachweisbar gehärtete Prozesse vorweisen.
XZ Utils — und warum SLSA es nicht verhindert hätte.
Ein ehrlicher Blick auf die Grenzen des Frameworks. Wann reicht die Pipeline, wann braucht es mehr.
Was Teams beim ersten Anlauf falsch machen.
Sechs Fehler, die wir in Audits regelmäßig sehen. Wer sie kennt, spart sich den teuren zweiten Anlauf.
Provenance erzeugen, aber nicht verifizieren
Ein Nachweis ohne Prüfung ist Theater. Die Verifikation gehört in den Admission-Controller, nicht ins Backlog.
Alle Repos auf einmal migrieren
Beginne mit dem kritischsten produktiven Artefakt. Lerne. Skaliere. Big-Bang scheitert immer.
Custom Build Steps in L3-Workflows
Nutzerdefinierte Skripte machen Provenance fälschbar. Reusable Workflows ohne User-Code sind Pflicht.
Keine Policy, nur Signatur
Eine valide Signatur sagt nichts über die Identität des Builders. Policy erzwingt: Wer darf für uns bauen?
SBOM und SLSA als Konkurrenten behandeln
Sie ergänzen sich. SBOM = was. SLSA = wie. Beides liefern, beides verifizieren.
Sigstore-Root als Black Box
Sigstore basiert auf öffentlichem Trust-Root. Verstehe, was du implizit vertraust. Für sehr hohe Anforderungen: privater Trust-Root.
Vom Status quo zu L3 — der realistische Pfad.
Sechs Monate von „works on my machine“ zu non-falsifizierbarer Provenance für die kritischen Artefakte. Kein Big-Bang, sondern vier Phasen.
Inventur
Welche Build-Pipelines existieren? Wer baut produktive Artefakte? Welche Builds laufen lokal („works on my machine“)?
L1 erreichen
Builds standardisieren. Build-Definition als Code (YAML). Provenance generieren, auch wenn noch nicht signiert.
L2 erreichen
Builds nur noch auf gehosteten Plattformen. Provenance mit Sigstore signieren. Konsumenten verifizieren.
L3 für kritische Artefakte
Hosted Builders mit Isolation. Reusable Workflows ohne nutzerdefinierte Build-Schritte. Non-falsifizierbare Provenance.
Fünf Sätze — mehr brauchst du nicht.
Wenn du nach dieser Seite nur eines mitnehmen sollst, dann diese fünf Aussagen — in genau dieser Reihenfolge.
SLSA ist ein Anforderungs-Framework an Build-Pipelines — kein Tool, kein Produkt.
Provenance + Verifier verwandeln „Vertrau mir“ in „Beweis es“.
L1 ist in Wochen erreichbar, L3 in Monaten. Beides skaliert nicht durch Big-Bang.
SBOM beantwortet was, SLSA beantwortet wie. Du brauchst beides.
CRA, NIS2, DORA, AI Act — alle verlangen nachweisbare Supply-Chain-Sicherheit. SLSA liefert sie.
Valeri Milke
„Sicherheit ist kein Produkt — es ist ein Prozess. Und ein Prozess, der nicht nachweisbar ist, ist im Audit nicht existent.“
Standards, die du danach im Schlaf kennst.
FAQ.
Wie lange dauert die Einführung von SLSA L3 typischerweise?
Welche Tools brauche ich konkret für SLSA L3?
Wie unterscheidet sich SLSA von SBOM?
Brauche ich SLSA, wenn ich noch nicht CRA-pflichtig bin?
Wie unterstützt VamiSec konkret bei der Einführung?
Audit-fest.Nachweisbar.Produktiv.
Bevor du loslegst, sprich mit einem Experten. 30 Minuten Erstberatung mit konkretem Plan für deine Pipeline — unverbindlich und kostenfrei.
Erstberatung anfragen- Reifegrad-Check deiner aktuellen Build-Pipeline
- Roadmap L0 → L3 mit Aufwandsschätzung
- Konkrete Code-Pattern für GitHub Actions / Verifier
- Mapping deiner Pflichten: CRA · NIS2 · DORA · AI Act
- Schriftliche Zusammenfassung & Empfehlungen