Klassisches Red Teaming simuliert Angreifer auf Netzwerke, Systeme und Identitäten – die Befunde sind in der Regel eindeutig reproduzierbare technische Schwachstellen. AI Red Teaming richtet sich dagegen auf das Verhalten des KI-Systems selbst: Sprachmodelle antworten probabilistisch, derselbe Angriff kann erst beim zehnten Versuch gelingen, und ein Befund ist oft kein Programmierfehler, sondern ein unerwünschtes Modellverhalten. Geprüft werden neben klassischen Sicherheitszielen auch inhaltliche Schäden, etwa die Erzeugung schädlicher oder falscher Inhalte. Wichtig ist zudem die Abgrenzung zu Benchmarks: Statische Testdatensätze messen bekannte Fähigkeiten, während Red Teaming gezielt nach neuartigen, kontextspezifischen Fehlermodi sucht – eine der zentralen Lektionen des Microsoft AI Red Team aus über 100 getesteten GenAI-Produkten.
AI Red Teaming für generative KI-Systeme
Wie Sie Sprachmodelle und KI-Anwendungen systematisch auf Jailbreaks, Prompt Injection, Datenabfluss und unsichere Tool-Nutzung testen – von der Szenariodefinition bis zum wiederholbaren Prüfprozess.
Mit dem Einzug generativer KI in Geschäftsprozesse entsteht eine Angriffsfläche, die klassische Sicherheitstests nicht abdecken: das Verhalten des Modells selbst und seine Einbettung in Anwendungen. AI Red Teaming überträgt die Idee des simulierten Angriffs auf diese Ebene – von Jailbreaks über direkte und indirekte Prompt Injection bis zur missbräuchlichen Nutzung angebundener Tools. Seit 2025 existieren dafür belastbare methodische Anker, insbesondere der OWASP GenAI Red Teaming Guide und die NIST-Taxonomie für Adversarial Machine Learning. Zugleich macht die KI-Verordnung Adversarial Testing für bestimmte Modelle zur ausdrücklichen Pflicht und verlangt für Hochrisiko-KI-Systeme Widerstandsfähigkeit gegen KI-spezifische Angriffe.
2025: Vom methodischen Anker zur Rechtspflicht
Drei Anker aus dem Jahr 2025 — Meilenstein antippen für Details.
OWASP GenAI Red Teaming Guide 1.0
Das OWASP GenAI Security Project veröffentlicht eine strukturierte, herstellerneutrale Methodik mit vier Prüfebenen: Modell, Implementierung, Infrastruktur und Laufzeitverhalten.
NIST AI 100-2 E2025
Die NIST-Taxonomie für Adversarial Machine Learning ordnet Angriffe auf prädiktive und generative KI-Systeme nach Zielen, Fähigkeiten und Lebenszyklusphase des Angreifers ein.
Adversarial-Testing-Pflicht der KI-Verordnung gilt
Anbieter von KI-Modellen mit allgemeinem Verwendungszweck und systemischem Risiko müssen nach Art. 55(1)(a) Adversarial Testing durchführen und dokumentieren, um systemische Risiken zu ermitteln und zu mindern.
Das Wichtigste im Überblick
Sechs Themenblöcke — zum Aufklappen antippen.
Methodische Anker: OWASP und NIST
Zwei Dokumente, ein Vokabular — Testumfang und Bewertungsraster nachvollziehbar definieren.
- Strukturierte, herstellerneutrale Methodik des OWASP GenAI Security Project.
- Vier Prüfebenen: die Evaluierung des Modells selbst, die Implementierung (u. a. Guardrails und Systemprompts), die umgebende Infrastruktur sowie das Laufzeitverhalten im Zusammenspiel mit Nutzern und Prozessen.
- Taxonomie und Terminologie für Adversarial Machine Learning.
- Ordnet Angriffe auf prädiktive und generative KI-Systeme nach Zielen, Fähigkeiten und Lebenszyklusphase des Angreifers ein.
- Bildet zusammen mit dem OWASP-Guide das Vokabular, mit dem sich Testumfang und Bewertungsraster nachvollziehbar definieren lassen.
Standards & Quellen
Die Inhalte dieser Seite basieren auf den folgenden öffentlich verfügbaren Leitfäden und Studien.
GenAI Red Teaming Guide
Version 1.0 vom 22. Januar 2025; strukturiert AI Red Teaming über die vier Prüfebenen Modell, Implementierung, Infrastruktur und Laufzeitverhalten.
OWASP Top 10 for LLM Applications 2025
Aktuelle Risikoliste für LLM-Anwendungen mit Prompt Injection (LLM01), Sensitive Information Disclosure (LLM02), Excessive Agency (LLM06) und System Prompt Leakage (LLM07) als typischen Testzielen.
Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung / AI Act)
Art. 55(1)(a) verpflichtet Anbieter von GPAI-Modellen mit systemischem Risiko zu dokumentiertem Adversarial Testing (gilt seit 02.08.2025); Art. 15(5) fordert Widerstandsfähigkeit von Hochrisiko-KI-Systemen gegen KI-spezifische Angriffe.
Adversarial Machine Learning: A Taxonomy and Terminology of Attacks and Mitigations (NIST AI 100-2 E2025)
Taxonomie und Terminologie für Angriffe auf prädiktive und generative KI-Systeme (März 2025); liefert das gemeinsame Vokabular für Bewertungsraster und Reporting.
Lessons From Red Teaming 100 Generative AI Products
Acht Praxislektionen aus über 100 GenAI-Red-Team-Einsätzen, u. a. zur Abgrenzung von Benchmarks und zum Zusammenspiel von Automatisierung und menschlicher Expertise.
Passende Leistungen
Wie widerstandsfähig ist Ihre KI-Anwendung?
In einem unverbindlichen Erstgespräch klären wir, welche Angriffsflächen Ihre KI-Anwendungen bieten und welcher Testansatz – einmalig oder kontinuierlich – zu Ihrem Einsatzszenario passt.