Die OWASP Top 10 for LLM Applications entstanden 2023 als eigenständiges OWASP-Projekt und werden heute vom OWASP GenAI Security Project weitergeführt, an dem laut Projektangaben über 600 Fachleute aus mehr als 18 Ländern mitwirken. Die aktuelle Fassung ist die Version 2025; sie löste die Vorgängerversion 1.1 (2023) ab und benennt die Risiken einheitlich als LLM01:2025 bis LLM10:2025. Es handelt sich um ein Awareness- und Priorisierungsdokument, nicht um einen zertifizierbaren Standard: Die Liste ordnet die aus Sicht der Community kritischsten Risikoklassen, ersetzt aber weder ein Bedrohungsmodell noch ein Kontroll-Framework wie das NIST AI RMF. Ihr Geltungsbereich sind Anwendungen, die ein LLM einbetten – vom einfachen Chat-Interface über RAG-Systeme bis zum Copilot mit Werkzeuganbindung.
OWASP Top 10 für LLM-Anwendungen
Die zehn kritischsten Sicherheitsrisiken für Anwendungen mit Large Language Models – und welche Gegenmaßnahmen sich je Risikoklasse in der Praxis etabliert haben.
Large Language Models sind in Unternehmensanwendungen angekommen – als Chatbots, RAG-Assistenten oder Copilots mit Tool-Anbindung. Damit entsteht eine Angriffsfläche, die klassische Application-Security-Listen wie die OWASP Top 10 für Webanwendungen nicht abdecken: Eingaben in natürlicher Sprache lassen sich nicht sauber von Instruktionen trennen, und Modellausgaben fließen oft ungeprüft in nachgelagerte Systeme. Die OWASP Top 10 for LLM Applications des OWASP GenAI Security Project sind die etablierte Referenz für diese Risikoklassen; die aktuelle Fassung trägt die Versionsbezeichnung 2025 und ist – Stand Juli 2026 – weiterhin der gültige Stand. Dieser Beitrag erläutert alle zehn Risiken samt typischer Gegenmaßnahmen, grenzt die Liste von der OWASP Top 10 für Agentic Applications ab und zeigt, wie sie sich im Pentest-Scoping einsetzen lässt.
Das Wichtigste im Überblick
Sechs Themenblöcke — zum Aufklappen antippen.
Die zehn Risikoklassen im Überblick
LLM01–LLM10 in drei Gruppen – je Tab die Risiken samt den in der Praxis etablierten Gegenmaßnahmen.
- LLM01 Prompt Injection: Manipulation des Modellverhaltens über Eingaben – direkt durch Nutzer oder indirekt über verarbeitete Inhalte wie Dokumente, Webseiten und E-Mails; da sie sich nach heutigem Stand nicht vollständig verhindern lässt, sind begrenzte Berechtigungen, Ein- und Ausgabefilter sowie menschliche Freigaben für kritische Aktionen die zentrale Verteidigung.
- LLM02 Sensitive Information Disclosure: Preisgabe sensibler Informationen wie personenbezogener Daten, Geschäftsgeheimnisse oder Zugangsdaten – dagegen helfen Datenminimierung und -bereinigung in Training und Kontext, strikte Zugriffskontrollen und eine Filterung der Ausgaben.
- LLM03 Supply Chain: Risiken aus vortrainierten Modellen, Trainingsdatensätzen, Feintuning-Adaptern und Plattformen Dritter – typische Gegenmaßnahmen sind Herkunfts- und Integritätsprüfungen, eine Inventarisierung aller Modell- und Datenartefakte und der Bezug ausschließlich aus vertrauenswürdigen Quellen.
- LLM04 Data and Model Poisoning: gezielte Manipulation von Trainings-, Feintuning- oder Embedding-Daten, um Hintertüren oder Verzerrungen einzuschleusen – dagegen wirken die Validierung der Datenherkunft, Anomalieerkennung und systematische Evaluierung samt Red-Teaming vor der Produktivsetzung.
- LLM05 Improper Output Handling: ungeprüft weiterverarbeitete Modellausgaben können nachgelagert Cross-Site-Scripting, SQL-Injection oder Codeausführung auslösen – die Kernregel lautet, Ausgaben wie nicht vertrauenswürdige Nutzereingaben zu behandeln.
- LLM06 Excessive Agency: zu viele Funktionen, zu weitreichende Berechtigungen oder zu viel Autonomie – dagegen wirken minimale Tool-Sets, Least-Privilege-Berechtigungen pro Werkzeug und verpflichtende Freigabeschritte vor folgenreichen Aktionen.
- LLM07 System Prompt Leakage: Geheimnisse gehören nie in den Prompt, und Sicherheitskontrollen müssen außerhalb des Modells durchgesetzt werden.
- LLM08 Vector and Embedding Weaknesses: RAG-Pipelines und Vektordatenbanken brauchen feingranulare Zugriffskontrollen auf Dokumentebene, saubere Mandantentrennung und die Validierung der Wissensquellen.
- LLM09 Misinformation und LLM10 Unbounded Consumption: fachlich falsche, aber plausibel klingende Ausgaben sowie unkontrollierter Ressourcenverbrauch bis hin zu Denial of Service, Kostenexplosion und Modell-Extraktion – begrenzt durch RAG mit kuratierten Quellen, menschliche Prüfung, Rate Limits und Kontingente.
Standards & Quellen
Die Inhalte dieser Seite basieren auf den folgenden öffentlich verfügbaren Leitfäden und Studien.
OWASP Top 10 for LLM Applications 2025
Aktuelle Fassung der Liste mit den Risiken LLM01:2025 bis LLM10:2025 samt Beschreibungen, Angriffsszenarien und Gegenmaßnahmen.
OWASP Top 10 for Agentic Applications 2026
Am 09.12.2025 veröffentlichte, komplementäre Risikoliste ASI01–ASI10 für autonome Agentensysteme.
OWASP Top 10 for Large Language Model Applications (Projektseite)
Dokumentiert die Versionshistorie (v1.0/1.1 von 2023 bis zur Version 2025) und die Überführung des Projekts in das OWASP GenAI Security Project.
Generative KI-Modelle: Chancen und Risiken für Industrie und Behörden
Deutschsprachige Einordnung der Sicherheitsrisiken von LLMs mit Gegenmaßnahmen für Unternehmen und Behörden.
NIST AI 600-1: Artificial Intelligence Risk Management Framework – Generative Artificial Intelligence Profile
Offizielles Generative-AI-Profil zum NIST AI RMF (Juli 2024); ergänzt die OWASP-Risikoliste um die Governance-Perspektive.
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