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OWASP Top 10 für Agentic Applications

Die zehn zentralen Sicherheitsrisiken autonomer KI-Agenten – von Agent Goal Hijack bis Rogue Agents – nach der offiziellen OWASP-Publikation (Version 2026, Dezember 2025).

Mit dem OWASP Top 10 for Agentic Applications 2026 (Version 2026, veröffentlicht im Dezember 2025) legt das OWASP Gen AI Security Project mit seiner Agentic Security Initiative eine Top-10-Liste speziell für agentische KI-Anwendungen vor. Anders als klassische LLM-Anwendungen planen, entscheiden und handeln KI-Agenten eigenständig über mehrere Schritte und Systeme hinweg – häufig im Namen von Nutzern und Teams. Die zehn Risiken ASI01 bis ASI10 folgen dem etablierten OWASP-Top-10-Format mit Beschreibung, typischen Schwachstellen, Angriffsszenarien und umsetzbaren Gegenmaßnahmen. Sie bauen auf der Bedrohungstaxonomie „Agentic AI – Threats and Mitigations“ auf (ASI01 entspricht dort etwa T06 Goal Manipulation und T07 Misaligned & Deceptive Behaviors) und referenzieren unter anderem die OWASP Top 10 für LLM-Anwendungen sowie das AI Vulnerability Scoring System (AIVSS) zur Priorisierung.

Das Wichtigste im Überblick

01

Ziel- und Kontextmanipulation

Bei ASI01: Agent Goal Hijack manipulieren Angreifer Ziele, Aufgabenauswahl oder Entscheidungswege eines Agenten – etwa über indirekte Prompt-Injection in Webseiten, Dokumenten oder E-Mails –, weil Modelle Anweisungen nicht zuverlässig von Inhalten unterscheiden können. ASI06: Memory & Context Poisoning beschreibt dagegen die persistente Verfälschung von Kontextfenster und Langzeitgedächtnis, die Entscheidungen auch nach Ende der ursprünglichen Sitzung beeinflusst und sich über kooperierende Agenten ausbreiten kann.

02

Werkzeugmissbrauch und Codeausführung

ASI02: Tool Misuse and Exploitation erfasst den Missbrauch legitimer Werkzeuge innerhalb autorisierter Rechte – etwa Datenabfluss durch die Verkettung interner und externer Tools, überprivilegierte APIs oder vergiftete Tool-Beschreibungen (Tool Poisoning). Führt die Manipulation zu unerwarteter oder eingeschleuster Codeausführung, greift ASI05: Unexpected Code Execution (RCE) – zum Beispiel, wenn ein Agent in Eingaben versteckte Shell-Kommandos ausführt oder ungeprüft selbst generierten Code startet.

03

Identitäten, Privilegien und Lieferkette

ASI03: Identity and Privilege Abuse umfasst vererbte Berechtigungen bei Delegation, zwischengespeicherte Zugangsdaten und Confused-Deputy-Angriffe, bei denen ein kompromittierter Agent einen höher privilegierten Agenten für sich handeln lässt. ASI04: Agentic Supply Chain Vulnerabilities adressiert die Lieferkette agentischer Systeme – von kompromittierten MCP- und Registry-Servern über manipulierte Tool-Deskriptoren bis zu verwundbaren Drittanbieter-Agenten.

04

Multi-Agenten- und Vertrauensrisiken

ASI07: Insecure Inter-Agent Communication behandelt unverschlüsselte oder nicht authentisierte Agent-zu-Agent-Kommunikation, die Manipulation, Replay und Spoofing ermöglicht; ASI08: Cascading Failures beschreibt, wie sich einzelne Fehler über gekoppelte Agenten systemweit verstärken. ASI09: Human-Agent Trust Exploitation nutzt das Vertrauen von Menschen in Agenten aus – etwa durch fabrizierte Begründungen –, während ASI10: Rogue Agents Agenten erfasst, die ohne aktive Angreifersteuerung dauerhaft von ihrem vorgesehenen Verhalten abweichen.

05

Least-Agency als Leitprinzip

Die Publikation erweitert Least-Privilege und den LLM-Risikobegriff Excessive Agency um das Prinzip Least-Agency: Unnötige Autonomie vergrößert die Angriffsfläche, ohne Mehrwert zu schaffen, und sollte konsequent vermieden werden. Ergänzend empfiehlt OWASP Human-in-the-Loop-Freigaben für kritische Aktionen sowie regelmäßige Red-Team-Tests, die unter anderem Goal-Override-Szenarien simulieren.

06

Observability, Logging und Lebenszyklus

Ohne Sichtbarkeit, was Agenten tun, warum sie es tun und welche Tools sie aufrufen, bleiben Abweichungen unentdeckt – OWASP bezeichnet starke Observability daher als nicht verhandelbar und fordert unveränderliche, signierte Audit-Logs aller Agentenaktionen, Tool-Aufrufe und Agentenkommunikation. Für das systematische Vorgehen liefern der Agentic AI Threat Navigator (Leitfragen zur Bedrohungsidentifikation) und der Securing Agentic Applications Guide (Absicherung über Design, Build, Deployment und Betrieb) die passenden Begleitdokumente.

Standards & Quellen

Die Inhalte dieser Seite basieren auf den folgenden öffentlich verfügbaren Leitfäden und Studien.

OWASP Gen AI Security Project – Agentic Security Initiative · 2025

OWASP Top 10 For Agentic Applications 2026

Definiert die zehn Agentic-Risiken ASI01–ASI10 mit Beschreibungen, Angriffsszenarien und Gegenmaßnahmen (Version 2026, Dezember 2025).

OWASP Gen AI Security Project – Agentic Security Initiative · 2025

Agentic AI – Threats and Mitigations

Grundlegende Bedrohungstaxonomie mit Referenzarchitektur, Threat Model, Mitigationsstrategien und Beispiel-Threat-Models (Version 1.1, Dezember 2025).

OWASP Gen AI Security Project – Agentic Security Initiative · 2025

Securing Agentic Applications Guide

Praxisleitfaden (Version 1.0, Juli 2025) für sichere Architektur, Entwicklung, Deployment und Betrieb agentischer Anwendungen – inklusive Single-Agent-, Orchestrator- und Swarm-Systemen.

OWASP Gen AI Security Project – Agentic Security Initiative · 2025

Agentic AI Threat Navigator

Einseitiges Cheat Sheet, das über sechs Leitfragen (u. a. Tools und Execution, Memory und Context, Identität, Multi-Agency) zu den relevanten Agentic-Bedrohungen führt.

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