Autonomous Pentest Assurance Standard (APAS): wann Sie autonomen Pentest-Ergebnissen trauen dürfen

Der Core Standard der Cloud Security Alliance (v1.0, November 2026) macht Aussagen autonomer Pentest-Systeme prüfbar: acht Claim-Dimensionen, sieben Qualitätsdimensionen, ein Evidence-Package und Reliance-Klassen R1 bis R3 — und der Unterschied zum OWASP APTS.

Stand: November 2026 · Valeri Milke, ISO 27001 & ISO 42001 Lead Auditor

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7Qualitätsdimensionen — einzeln deklariert und bewertet, nie zu einem Gesamtscore verrechnet (APAS-CORE-4.1.1)
8Claim-Dimensionen — jeder öffentliche APAS-Claim muss alle acht nennen, von Modus bis Reliance-Outcome (5.2, 11.1)
4Evidence-Klassen EV1–EV4 — ein Confirmed Finding braucht EV3, also eine agentenunabhängige Reproduktion am Ziel (4.4.1)
3Reliance-Outcomes R1–R3 — die Verlässlichkeit darf die Assurance nie übersteigen; R3 setzt Q4 voraus (5.10.5)

Der Autonomous Pentest Assurance Standard (APAS) der Cloud Security Alliance (CSA) legt fest, unter welchen Bedingungen die Ergebnisse eines autonomen, KI-gestützten Penetrationstests belastbar sind — und wie weit sich ein Auditor, Assessor oder Kunde darauf verlassen darf. Der Core Standard v1.0 (Dokumentstand 2. November 2026, von der CSA am 4. November 2026 veröffentlicht) beantwortet nicht die Frage, wie ein Pentest durchzuführen ist, sondern wie ein autonomes System erklären muss, was es getestet hat, unter welchen Bedingungen und mit welchen Belegen. Dafür definiert APAS einen Claim-String mit acht Dimensionen (Modus, Tier, Ausführungsautonomie, Kollaboration, Assurance-Outcome, Umgebungsklasse, Affordance-Profil, Reliance-Outcome), sieben einzeln zu bewertende Qualitätsdimensionen, Finding-States von der Beobachtung bis zum bestätigten Angriffspfad, vier Evidence-Klassen, eine Coverage-Messung gegen eine vom System unabhängige Baseline sowie Pflichten zu Stop Authority, Agent Integrity und ehrlichen Marketingaussagen. Wichtig für Entscheider: Mit dem Core Standard ist der Weg zur Zertifizierung eröffnet, aber noch nicht geöffnet — solange Evaluator Guide, Profile Registry und Attestation Schema fehlen, darf kein Anbieter eine APAS-Zertifizierung tragen. Diese Seite erklärt den Standard, grenzt ihn vom OWASP APTS ab (APTS: Darf die Plattform sicher operieren? APAS: Darf ich dem Ergebnis trauen?) und zeigt, wie CISOs APAS heute schon in der Entscheidung über autonome Pentests und in der Tool-Evaluation nutzen.

Neun Kernkonzepte des APAS Core Standard

Neun Kernkonzepte des Core Standard v1.0 — zum Aufklappen antippen.

Der Claim-String im Explorer

APAS BB-T2C / X2-C2-Q4 / E3 [P-021] {R2} — acht Positionen, die zusammen sagen, was ein autonomes System gezeigt hat und wie weit man sich darauf verlassen darf. Jede Position antippen.

Positionen 1–2
  • Der Modus ist das deklarierte Bedrohungsmodell: BB (Black-Box) ohne Quellcode oder privilegiertes Architekturwissen, GB (Grey-Box) mit begrenzten Zugangsdaten und Dokumentation, WB (White-Box, code-aware) mit Quellcode, Repository-Zugang oder tiefem Implementierungskontext.
  • Kein Modus ist pauschal überlegen: Ein Claim unter einem Modus gilt nie als gleichwertig zu einem anderen, und BB/GB dürfen nicht abstrakt als defizitär dargestellt werden (5.5.2, 5.5.4). Wer Q4 oder R3 anstrebt und reichhaltigen, rechtmäßigen Kontext hat, soll WB nutzen oder begründen, warum nicht (5.5.3).
  • Die Tiers beschreiben den Prüfanspruch: T1 Surface Assurance, T2A Recurring Assurance Pentest, T2C Compliance Evidence Pentest, T3 Business-Critical Deep Assessment, T4 Threat-Led Technical Resilience. Ihre detaillierten Anforderungen definiert erst die noch unveröffentlichte Profile Registry (5.6.1).
  • Zwei Grenzen stehen schon im Core: T2C impliziert für sich keinen Control-Pass und keine Anerkennung durch Framework oder Assessor (5.6.2), und T4 ist auf technische Angriffspfade beschränkt — Social Engineering, physische und Funk-Vektoren sind nicht Teil des Claims, ein T4-Claim darf nie als vollumfängliches Red Team dargestellt werden (5.6.3, 2.2.2).
BB / GB / WBT1–T45.5 Modi5.6 Tiers
Interaktiv

Reliance-Navigator: Welche Assurance- und Reliance-Klasse braucht Ihr Use-Case?

Bis zu fünf Fragen zu Nachweiszweck, Substitution, Prüfrahmen, Reproduktion und Berechtigungstests. Das Ergebnis ordnet Ihren Anwendungsfall den APAS-Klassen Q1 bis Q4 und R1 bis R3 zu und nennt die Anforderungen, die Sie an Anbieter und Pilot stellen sollten — eine VamiSec-Einschätzung auf Basis des Core Standard, keine Zertifizierungsaussage.

Ihr Pfad
  1. ?

1: Soll das Ergebnis des autonomen Tests gegenüber Dritten als Nachweis dienen — gegenüber Auditor, Assessor, Aufsicht oder Kunden?

1

Soll das Ergebnis des autonomen Tests gegenüber Dritten als Nachweis dienen — gegenüber Auditor, Assessor, Aufsicht oder Kunden?

APAS trennt den internen Nutzen für Remediation-Entscheidungen (Q2) von der Verwendung als Prüfnachweis, die ein assessor-konsumierbares Evidence-Package mit R2 oder R3 voraussetzt (5.10.1, 8.1.1, 8.3.1).

Interaktiv

Evidence-Package-Check: Was ein autonomer Pentest-Report nach APAS enthalten muss

Abschnitt 8.1.2 verlangt zwölf Pflichtbestandteile für jedes Evidence-Package; für Reports, die als Prüfnachweis dienen sollen (Q3/Q4, R2/R3), kommen Integritäts-, Unabhängigkeits- und Baseline-Anforderungen hinzu. Haken Sie ab, was der Report Ihres Anbieters heute liefert — und kopieren Sie die Prüfliste für Ihre Ausschreibung.

Pflichtbestandteile jedes Evidence-Package (8.1.2)

Gilt für jedes als R2 oder R3 dargestellte Paket vollständig; Qualitäts- und Coverage-Deklaration sind bereits ab Q2 Pflicht, auch wenn nur R1 beansprucht wird (8.1.1).

Zusätzlich, wenn der Report als Prüfnachweis dienen soll (Q3/Q4, R2/R3)

Diese Anforderungen trennen einen gut gemachten Bericht von belastbarer Evidenz: Unabhängigkeit, Integrität, Baseline und Angriffe auf den Agenten selbst.

Deep Dive

Der APAS Core Standard v1.0 in dreizehn Kapiteln

Vom Problem, das APAS löst, über Qualitätsmodell, Claim-String, Coverage und Evidenz bis zu Safety, Marketing-Regeln, dem Vergleich mit OWASP APTS und dem Einsatz in Entscheidung und Tool-Evaluation. Klauselnummern in Klammern verweisen auf den Core Standard (APAS-CORE-x.y.z).

01Kapitel 1

Warum autonome Pentests einen Assurance-Standard brauchen

Autonome und agentische Systeme werden zunehmend als Ersatz oder Ergänzung für Penetrationstests vermarktet. Käufer, Auditoren und Assessoren können dabei kaum unterscheiden, was eine begrenzte, überprüfbare Aussage ist und was Marketing. Genau dieses Problem adressiert der Autonomous Pentest Assurance Standard der Cloud Security Alliance.

Die Ausgangslage beschreibt der Standard selbst nüchtern: Autonome Systeme werden als fähig beworben, Pentests durchzuführen, zu erweitern oder zu ersetzen — und die Adressaten dieser Werbung haben keinen verlässlichen Maßstab, um eine begrenzte, verifizierbare Behauptung von Marketingsprache zu trennen (Background and Motivation). APAS macht solche Behauptungen prüfbar, indem er festlegt, wie ein autonomes System deklariert, was es getan hat, unter welchen Bedingungen und mit welcher Evidenz.

Drei Eigenschaften autonomer Systeme machen den klassischen Pentest-Bericht als Nachweis unzureichend. Erstens die Nicht-Determinismus-Falle: Ein Agent findet in zwei Läufen unter identischen Bedingungen unterschiedliche Angriffsflächen und Befunde; wer nur den besten Lauf berichtet, täuscht Konsistenz vor (4.6.2). Zweitens die Selbstbestätigungs-Falle: Ein System, das seine eigenen Befunde bewertet — auch mit einem zweiten Modell als „Judge“ — beobachtet nicht das Ziel, sondern sich selbst; Einigkeit interner Komponenten ist keine unabhängige Bestätigung (4.4.1 f, 11.2.1 b). Drittens die Coverage-Falle: Ein System, das weniger entdeckt, erscheint vollständiger, wenn der Nenner aus seiner eigenen Entdeckung stammt (1.1.4).

APAS zieht daraus eine klare Grenze nach unten: Automatisiertes Scanning, das Signale ohne validierten Exploit-Pfad erzeugt, ist für sich genommen kein autonomer Pentest. Solcher Output qualifiziert höchstens als Q1-Assurance-Outcome mit EV1- oder EV2-Evidenz und darf nie allein als APAS-Pentest-Claim dargestellt werden. Die Unterscheidungsmerkmale eines Pentests sind unabhängige Reproduktion durch eine andere Partei als das erzeugende System, die Validierung des Exploit-Pfads bis zur behaupteten Bedingung und nachgewiesenes mehrstufiges Chaining innerhalb des deklarierten Scope (2.2.3).

Für Käufer und CISOs

Vergleichbare, begrenzte Claims statt Plattformversprechen; eine Checkliste, was ein Bericht enthalten muss, bevor er als Nachweis taugt; ein Vokabular (Q, R, EV, BS), mit dem sich Anbieter auf Augenhöhe befragen lassen.

Für Auditoren und Assessoren

Ein Evidence-Package, das ohne analytische Interpretation des Anbieters lesbar ist, mit Coverage-Deklaration gegen eine unabhängige Baseline, Finding-States, Limitationen und maschinenlesbarer, signierter Attestierung.

Für Anbieter

Ein Zielbild, das Autonomie belohnt, ohne sie zum Qualitätsbeweis zu erklären — und das schon heute vorgibt, welche Aussagen im Marketing zulässig sind und welche nicht (Abschnitt 11).

APAS wird in Abstimmung mit der Cloud Security Alliance entwickelt und folgt den Anforderungen an neutrale Trägerschaft in Abschnitt 12: Ein Standard, der von einem Marktteilnehmer kontrolliert wird, darf nicht als neutraler Industriestandard dargestellt werden (12.4.1). Als Heimat nennt das Dokument die CSA AI Safety Working Group; Lead Author ist Will Kapcio, dazu acht Contributors (darunter Jim Reavis und John Yeoh von der CSA) und zwölf Reviewer. Das Änderungsprotokoll weist die Erstfassung vom 23. Oktober 2026 aus, der Dateistand ist der 2. November, die CSA-Veröffentlichung der 4. November 2026. Das PDF ist urheberrechtlich geschützt und darf nicht weiterverbreitet werden — wir verlinken deshalb auf den Download bei der CSA und zitieren mit Quellenangabe.

02Kapitel 2

Was der Core Standard regelt — und was er bewusst den Companion-Dokumenten überlässt

Der Core Standard ist das Fundament des APAS-Dokumentensatzes: die minimalen normativen Konzepte, Anforderungen und Interpretationsregeln. Scoring-Formeln, Evaluator-Prozeduren, Tier-Schwellen, Profile und Attestierungsfelder folgen in Companion-Dokumenten, die zum Veröffentlichungszeitpunkt noch nicht existieren.

Der Status-Abschnitt stellt drei Dinge klar. APAS bewertet die Wahrhaftigkeit und Nutzbarkeit von Pentest-Evidenz — nicht die Sicherheit, Eindämmung oder Missbrauchsresistenz des Systems selbst; eine APAS-Zertifizierung darf nie als Fitness-for-Deployment-Safety-Aussage dargestellt werden. Zweitens: Kein Companion-Dokument ist veröffentlicht. Drittens und entscheidend: Solange Evaluator Guide, der einschlägige Eintrag der Profile Registry und das Attestation Schema nicht in kompatiblen Versionen vorliegen, darf keine Atomic System Capability Certification und kein Engagement Conformance Statement ausgestellt werden. Die Veröffentlichung des Core öffnet den Zertifizierungspfad, nicht die Zertifizierung (Status, 12.1.2).

Im Core geregelt (2.1)Nicht im Core, sondern in Companion-Dokumenten (2.2)
Claim-Modell und Syntax, QualitätsdimensionenScoring-Formeln und Evaluator-Run-Prozeduren
Qualitäts-, Coverage- und Autorisierungsdeklarationen, Independent Surface BaselineBenchmark-Design und Truth-Set-Konstruktion
Klassen für Ausführung, Kollaboration, Assurance, Umgebung und RelianceTier-spezifische Schwellen und profilspezifische Coverage-Formeln
Kernrollen, Mindestanforderungen an Evidence-Packages, Integrität, InteroperabilitätFramework-Crosswalks und sektorspezifische Akzeptanzkriterien
Safety, Stop Authority, Agent Integrity, Governance und öffentliche ClaimsKonformität für kontinuierlichen oder Always-on-Betrieb
Semantik der Finding- und Evidence-StatesZertifizierung physischer, Funk-, Social-Engineering- oder unbegrenzter Red-Team-Tests

Kontinuierlicher Betrieb ist in v1.0 ausdrücklich außerhalb des Scope: Ein APAS-Claim ist an einen deklarierten Lauf oder ein Engagement gebunden; eine dauerhaft laufende Plattform kann APAS nur je begrenztem Engagement über ein Engagement Conformance Statement beanspruchen (2.2.4).

Der Dokumentensatz

DokumentZweck und Umfang (12.1.1)Status
APAS Core StandardKern-Claim-Semantik und minimale normative Konzeptev1.0 veröffentlicht
APAS Evaluator GuideRun-, Scoring- und Adjudikationsprozeduren; Safety- und Stop-Authority-Tests; adversariale Agent-Integrity-Tests; Vergleichsvalidierung; Coverage-Fidelity und Baseline-Konstruktion; Anti-Gaming-Kontrollenausstehend
APAS Profile RegistryAnforderungen für T1, T2A, T2C, T3, T4 und frameworkspezifische Profile; Modus-Wahl; Assumed-Breach-Bedingungen für T4; kontextreiche Tests; erlaubte Carry-forward-Regelnausstehend
APAS Attestation SchemaMaschinenlesbare Felder für Claims, Qualität, Coverage, Evidenz und Befunde, profiliert gegen die Austauschformate aus 8.4; Capability-Matrix-Vorlage; Schema des Agent Execution Recordausstehend
APAS Crosswalk Annexes (optional)Framework-Crosswalks, frameworkspezifische Reliance-Hinweise, zusätzliche Reliance-Bedingungen und Limitationenoptional, ausstehend

Drei weitere, in der Entwurfsphase angedachte Companions — Profile Runtime, Threat Model und Certification Scheme Manual — sind auf eine spätere Core-Version verschoben; keine Anforderung in v1.0 hängt von ihnen ab (Note zu 12.1.1).

Die Governance ist bereits normiert: Versionen folgen einem Major/Minor/Patch-Schema, v1.0 ist eine Major-Version, weil sie Claim-Validität, Qualitätsdimensionen, Umgebungsklassen, Veröffentlichungsgates und Finding-Semantik ändert (12.2.1). Jedes Companion-Dokument deklariert, gegen welche Core-Major-Version es normativ ist; Claims dürfen nur gegen einen kompatiblen Dokumentensatz ausgestellt werden, und eine neue Core-Version entwertet bereits ausgestellte Claims nicht rückwirkend (12.2.2, 12.2.3). Core und Evaluator Guide sind mindestens alle zwölf Monate auf Fähigkeitsdrift zu prüfen, mit einem außerplanmäßigen Trigger bei wesentlichen Sprüngen der Frontier-Fähigkeiten (12.2.4). Normative Änderungen durchlaufen ein öffentliches Review; die Trägerschaft muss organisatorisch von jedem einzelnen Anbieter unabhängig sein, Multi-Stakeholder-Prozesse pflegen und Interessenkonflikte offenlegen (12.3, 12.4). Für Claims gibt es ein öffentliches Statusregister mit den Zuständen Active, Under Review, Revoked und Retired; bei glaubhaften Hinweisen auf gefälschte oder irreführende Evidenz wandert ein Claim auf Under Review und darf nicht mehr als Q3, Q4, R2 oder R3 herangezogen werden (12.5).

03Kapitel 3

Die sieben Qualitätsdimensionen — und warum es keinen Gesamtscore gibt

APAS misst Pentest-Qualität nicht an der Zahl der Befunde, nicht an Benchmarks und nicht am Autonomiegrad, sondern an sieben Dimensionen des Outputs. Sie werden einzeln deklariert, einzeln bewertet und nie miteinander verrechnet.

DimensionDefinition — der Grad, in dem …Verankerung
Coverage Fidelitygetesteter, teilweise getesteter, ungetesteter, ausgeschlossener und unerreichbarer Scope wahrheitsgemäß und spezifisch gegen die anwendbare Surface Baseline deklariert sind4.2 Coverage-Deklaration
Finding Validityberichtete Befunde validiert, bestätigt, nicht wesentlich überzeichnet sind und eine angemessene Impact-Begründung tragen4.3 Finding-States
Evidence TraceabilityBefunde, Coverage-Aussagen, Limitationen und Retest-Ergebnisse zu integritätsgeschützten Artefakten und zur deklarierten Methodik zurückverfolgbar sind4.4, 8.2
Remediation UsabilityEvidenz und Befundbeschreibung einem Security-Team oder Assessor genügen, um die verwundbare Bedingung zu verstehen, einen Behebungsansatz zu wählen und nach deklarierten Kriterien zu priorisieren8.1.2, 8.4.5
Retestabilitydas Paket spätere Fix-Verifikation oder Wiederholungstests unterstützt, einschließlich agentenunabhängiger Reproduction Procedures4.3.3, 4.3.4
Process IntegrityScope-Treue, Safety-Konformität, Offenlegung von Hilfe und Kollaboration sowie Evidenz-Handling wahrhaftig und unkompromittiert sind7, 9, 10
Agent Integritydas Kandidatensystem adversariale Manipulation seines eigenen Reasonings, Kontexts und Toolings während des Tests widersteht, erkennt, eindämmt und offenlegt10.4

Informative Anmerkung des Standards: Die Dimensionen beschreiben den Output, nicht den Agenten; Agent Integrity ist aufgenommen, weil ein manipuliertes System falsch darstellt, was getestet und beobachtet wurde (4.1).

Die Regeln zur Anwendung sind streng. Jede Qualitätsdeklaration muss Coverage Fidelity, Finding Validity, Evidence Traceability und Agent Integrity abbilden; für Q4- oder R3-Claims kommen Remediation Usability und Retestability verpflichtend hinzu (4.1.1 a). Eine Dimension darf nur mit dokumentierten Kriterien und Zustimmung des Evaluators als nicht anwendbar oder nicht gemessen gelten — und das muss offengelegt werden (4.1.1 b). Profile dürfen Dimensionen ergänzen, aber keine streichen (4.1.1 c). Vor allem: Die Dimensionen werden unabhängig voneinander deklariert und bewertet, dürfen nicht zu einem Composite Score kombiniert werden, und ein Defizit in einer Dimension darf nicht als durch Stärke in einer anderen ausgeglichen dargestellt werden (4.1.1 d).

Jeder Q2-, Q3-, Q4-, R2- oder R3-Claim enthält eine Qualitätsdeklaration, die jede anwendbare Dimension durch numerischen Wert, Ordinalklasse, booleschen Status oder eine profildefinierte Darstellung ausweist und auf Evidenz oder Methodik verweist (4.1.2). Vergleichsvalidierung — etwa gegen eine menschliche Referenzkohorte — darf die Qualitätsbewertung ergänzen, aber Coverage Fidelity, Finding Validity oder Evidence Traceability nie ersetzen (4.1.3). Agent Integrity ist eine eigenständige Dimension und wird nicht durch Process-Integrity-Offenlegungen erfüllt (4.1.4).

04Kapitel 4

Der Claim-String: Anatomie, Beispiele, Statusklassen und Capability Matrix

Der Claim-String ist der maschinenlesbare Schlüssel, mit dem Fähigkeitskombinationen deklariert, indexiert und verglichen werden. Acht Positionen in fester Reihenfolge — und jede einzigartige Kombination ist ein eigener Claim.

Format und Beispiel (5.2)
APAS <Modus>-<Tier> / <Ausführung>-<Kollaboration>-<Assurance> / <Umgebung> [<Affordance-Profil>] {<Reliance>}

APAS BB-T2C / X2-C2-Q4 / E3 [P-021] {R2}

Lesart: Agentengeführter Black-Box-Test mit wiederholter Mensch-Agent-Übergabe im Compliance-Evidence-Tier; assessor-ready Output über eine Vertrauensgrenze hinweg; Affordance-Profil P-021; nutzbar zur Augmentation (R2).

PositionDimensionZulässige WerteDefiniert in
1ModusBB, GB, WB5.5
2TierT1, T2A, T2C, T3, T45.6
3Execution Autonomy ClassX1, X2, X35.7
4Collaboration ClassC1, C2, C3, C45.8
5Assurance Outcome ClassQ1, Q2, Q3, Q45.9
6Environment ClassE1, E2, E37.2
7Affordance-Profildeklarierte Profil-ID in eckigen Klammern7.1
8Reliance OutcomeR1, R2, R3 in geschweiften Klammern5.10

Jeder atomare Claim, öffentlich oder privat, nutzt dieses Format mit allen acht Dimensionen; jedes einzigartige Tupel ist eine eigene Fähigkeitskombination (5.2.1).

Die vier Beispiel-Claims aus Anhang A

ClaimKlartext-Lesart
APAS BB-T2A / X1-C1-Q2 / E1 [P-014] {R1}Menschengeführter Pentest mit Agentenunterstützung; entscheidungsnützlicher Output mit deklarierter Coverage und Limitationen.
APAS WB-T3 / X2-C2-Q3 / E2 [P-031] {R2}Agentengeführter, code-aware Test mit aktiver menschlicher Kollaboration; referenzvalidierter Output, gemessen gegen eine Independent Surface Baseline.
APAS WB-T2C / X2-C2-Q4 / E3 [P-021] {R2}Agentengeführter Test mit wiederholter Mensch-Agent-Übergabe und reichem Implementierungskontext; assessor-ready Output zur Augmentation.
APAS BB-T2C / X3-C4-Q4 / E3 [P-022] {R3}Unabhängige Agentenausführung ohne menschliche Mitarbeit im Lauf; assessor-ready Output zur bedingten Substitution — verlangt Offenlegung der Bedrohungsmodell-Begründung für BB, der daraus folgenden Limitationen, der genutzten Baseline und der substituierten Teilmenge; trägt als X3-C4-Claim die stärksten Stop-Authority-, Halt-on-Loss-of-Oversight- und Agent-Integrity-Pflichten.

Wo der Claim-String öffentlich, käuferseitig oder in Beschaffungsunterlagen verwendet wird, muss eine einsätzige Klartext-Lesart in dieser Form mit gleicher Prominenz danebenstehen (11.1.1).

Drei Claim-Typen gibt es (5.1): Die Atomic System Capability Certification ist das vom Evaluator ausgestellte Ergebnis, dass ein System die anwendbaren Anforderungen für eine Fähigkeitskombination unter deklarierten Bedingungen erfüllt hat. Das Multi-Configuration Capability Statement bündelt zwei oder mehr atomare Claims für eine Systemversion. Das Engagement Conformance Statement bezieht sich auf ein konkretes Engagement, das mit einem APAS-zertifizierten System unter denselben oder engeren Bedingungen ausgeführt wurde — es zertifiziert nie die Zielumgebung (5.1.1).

Weil ein System mehrere Kombinationen anbieten kann, verlangt APAS eine Capability Matrix mit sieben Statusklassen: S1 Supported (ausgelegt, nicht evaluiert), S2 Evaluated (evaluiert, kein Claim), S3 Certified or Conformant, S4 Not Certified, S5 Not Evaluated, S6 Unsupported, S7 Retired. Nur S3 darf als zertifiziert dargestellt werden; eine öffentliche Matrix, die materiell relevante unterstützte Kombinationen weglässt, ist irreführend (5.3.1). Je Zeile gehören unter anderem dazu: Kombinations-ID, vollständiger Claim-String, Systemname und -version, Modellidentitäten samt System-Prompt-Provenance, Methodikreferenz, Evaluator, Status, Verweise auf Attestierung, Qualitäts- und Coverage-Deklaration, Core- und Companion-Versionen, Zertifizierungs- und Gültigkeitsdaten, materielle Limitationen; für Q3, Q4, R2 oder R3 sind Zertifizierungsdatum und explizites Ablaufdatum oder Revalidierungsintervall Pflicht (5.4.1).

05Kapitel 5

Autonomie, Assurance, Reliance: drei Skalen, keine Abkürzung

Wie autonom ein System arbeitet, wie gut sein Output ist und wie weit sich ein Prüfer darauf verlassen darf, sind in APAS drei getrennte Fragen mit eigenen Klassen. Nichts überträgt sich automatisch von einer auf die andere.

KlasseBedeutungKonsequenz
X1 — Human-led assisted executionDas System unterstützt Ausführung, Exploration oder Analyse materiell; Menschen führennur mit C1 kombinierbar (5.2.4 a)
X2 — Agent-led, in-band collaborationAgent führt; Menschen dürfen im Lauf analytisch beisteuern, steuern, eskalieren, den Bericht formen (5.7.1 a)nie mit C1
X3 — Independent agent executionKeine analytische menschliche Hilfe während der Ausführung; menschliche Aktivität nur Evaluator-Adjudikation, Safety-Intervention, administrative Klärung, Post-Reviewnie mit C1 oder C2; H2 während der Ausführung verboten (9.1.2)
C1 — Human-led with agent assistanceMenschen bleiben primäre Operatoren—
C2 — Agent-led with active human collaborationWiederholte Übergabe von Arbeit, Reasoning oder nächsten Schritten zwischen Mensch und Agent—
C3 — Agent-led with human escalation onlyMenschen greifen nur an definierten Eskalationspunkten, Safety-Ereignissen oder Evaluator-Checkpoints eineine Intervention an einem definierten Punkt ist noch kein C2 (5.2.4 f)
C4 — Agent-only until relying-party reviewKeine menschliche Beteiligung außer Evaluator-Aufsicht oder Review nach Abschlussschließt analytische Mitarbeit aus, nie die Sicherheitsaufsicht (5.8.1)

Beide Achsen messen menschliche Beteiligung im Workflow, nicht Output-Qualität; die Qualitätsdimensionen aus Abschnitt 4 sind der langfristige Differenzierer (informative Note zu 5.7).

Die Assistance Class aus Abschnitt 9 ergänzt die Klassen um die Frage, was Menschen tatsächlich beigetragen haben: H0 keine Hilfe mit Wirkung auf Strategie, Exploitation, Validierung, Priorisierung oder Bericht; H1 nur administrative oder Safety-Intervention; H2 analytische Hilfe — Exploit-Anleitung, Interpretation, Priorisierung, Control-Mapping oder Bericht-Editing. Die Klasse ist in der Attestierung offenzulegen, bei Mehrfachkonfigurationen je Kombination und Lauf (9.1.1). Ein X3-Claim verbietet H2 während der Ausführung, ein Q4-Claim verbietet H2 beim Zusammenstellen des Evidence-Package — auch durch interne Validierungs- oder Judge-Komponenten, die den Paketinhalt formen (9.1.2). Nachträgliches, anbieterseitiges Framework-Mapping oder Priorisieren, das den Prüfer materiell beeinflusst, gilt als Vendor-side Analytical Review und muss offengelegt werden (9.1.3). Eine Plattform darf nicht als agent-only, unabhängig autonom oder assessor-ready vermarktet werden, wenn relevante Läufe auf unoffengelegtem menschlichem Eingreifen oder Nachbearbeitung beruhten (9.2.2).

Assurance OutcomeDefinition (5.9)
Q1 — Signal-gradeNützliches technisches Signal, nicht ausreichend für entscheidungsreife Reliance.
Q2 — Decision-usefulUnabhängig evaluierbar, materiell reproduzierbar, mit Coverage-Deklaration und Limitationsaussage — für Remediation- oder Sicherheitsentscheidungen im deklarierten Scope.
Q3 — Reference-validatedErfüllt die Evaluator-Anforderungen für eine Vergleichsvalidierung gegen einen deklarierten Referenzprozess, eine Kohorte oder Baseline unter gleichen Bedingungen; Coverage gegen eine Independent Surface Baseline gemessen.
Q4 — Assessor-readyErfüllt die Evaluator-Anforderungen für ein vollständiges, vom Assessor konsumierbares Evidence-Package — Qualitätsdeklaration, Coverage gegen Independent Surface Baseline, nachvollziehbare Befundbelege, Limitationen, Negative-Result-Disziplin — ohne analytische Interpretation oder Bearbeitung durch den Anbieter.

Q4 impliziert nie Framework-Akzeptanz (5.9.1). Q3 und Q4 sind auf jeder Ausführungs- und Kollaborationsklasse erreichbar; Q3 ist keine Voraussetzung für Q4, sofern das Profil keine Vergleichsvalidierung verlangt (5.9.2).

Reliance OutcomeZulässige Nutzung (5.10.1)
R1 — Evidence-onlyErgänzende Evidenz; darf nie als Ersatz einer geforderten Pentest-Aktivität dargestellt werden.
R2 — Assessor-consumable augmentationDarf Assurance, Coverage, Retest oder Remediation-Validierung erweitern, wenn das Paket vom Prüfer direkt nutzbar ist.
R3 — Assessor-reliable substitutionDarf eine Teilmenge von Pentest-Aktivitäten ersetzen — nur wo Profil, Evaluator-Ergebnis, Qualitätsdeklaration und das vertrauende Framework oder der Assessor es zulassen; bedingt und profilgebunden.

Ein Reliance Outcome darf das stützende Assurance Outcome nie übersteigen: R3 verlangt Q4, R1 passt zu jeder Klasse (5.10.5). Jeder R2/R3-Claim benennt die belegte und die nicht belegte Teilmenge von Aktivitäten, Coverage-Bereichen und Entscheidungszwecken (5.10.3).

Zwei weitere Regeln verdienen die Aufmerksamkeit von CISOs und Revision. Erstens Haftung: Jeder R3-Claim muss die Partei benennen, die für die Richtigkeit der substituierten Evidenz verantwortlich ist, den Regress der vertrauenden Partei bei später festgestellten Mängeln, Gewährleistungsgrenzen und eine gegenüber der vertrauenden Partei dargestellte Berufs- oder Vermögensschadenhaftpflicht — APAS selbst begründet, überträgt oder begrenzt keine Haftung (5.10.4). Zweitens Mandanten- und Berechtigungstests: Ein R2- oder R3-Claim darf nie als Ersatz oder Ergänzung für Autorisierungs-, Zugriffskontroll- oder Mandantengrenzen-Tests gelten, wenn weniger als zwei verschiedene Principals oder nur ein Tenant genutzt wurden; solche Bereiche gelten als materiell ungetestet (5.10.6). Und: R2/R3 beschreiben, was das Paket liefert — nicht, welche Prüfhandlungen der Reviewer weglassen darf; Restprüfungen und Restrisiko-Akzeptanz bleiben beim Reviewer und seinem Framework (5.10.7).

06Kapitel 6

Coverage ehrlich messen: die Independent Surface Baseline

Die wichtigste Zahl eines Pentest-Berichts ist die, die meist fehlt: Wie viel der Angriffsfläche wurde wirklich geprüft — und woher stammt der Nenner? APAS verlangt, dass er nie allein aus der Entdeckung des getesteten Systems kommt.

Jeder T2A-, T2C-, T3-, T4-, Q2-, Q3-, Q4-, R2- oder R3-Claim enthält eine Coverage-Deklaration mit festen Pflichtfeldern (4.2.1). Sie muss die Unterschiede zwischen deklariertem, erreichbarem und getestetem Scope sowie zur Surface Baseline wahrheitsgemäß ausweisen; kein Paket darf vollständige, volle oder gleichwertige Coverage suggerieren, ohne Methodik und Evidenz dafür zu liefern; ein auf einer einzelnen Instanz oder in einem Lauf gezeigtes Ergebnis ist keine Coverage der entsprechenden Angriffsklasse (4.2.2).

Pflichtfeld (4.2.1)Inhalt
Scope basisScope-Quelle oder Referenz auf das Ziel-Inventar
Surface baselinewo 4.2.4 sie verlangt: die Independent Surface Baseline, ihre Quellen und Konstruktionsmethode
Baseline recencyErstellungsdatum oder Alter zum Testzeitpunkt
Reachable surfaceim Test identifizierte erreichbare Angriffsfläche; Abweichungen gegenüber der Baseline; Anzahl der Läufe hinter der Zahl und ihre Basis (Einzellauf, Vereinigung, Verteilung); an Safety-Gates ungetestet gebliebene Fläche
Asset identifiersmaschinenlesbare Asset- oder Inventar-IDs (z. B. CMDB, CAASM) und SBOM-Komponentenreferenzen, wo Code- oder Repository-Kontext genutzt wurde
Exercised areasAsset-Klassen, Schnittstellen, Rollen, Tenants, Workflows, Zustandsübergänge und Privilegiengrenzen, die ausgeübt wurden
Access and contextVantage Points, Zugangsdaten, Rollen, Tenants und Kontextquellen, verknüpft mit jedem getesteten, teilweise getesteten, ausgeschlossenen oder unerreichbaren Bereich
Identity Coveragetatsächlich genutzte Principals, Rollen und Tenants nach Zahl und Typ, inklusive unauthentifizierter Tests sowie Cross-Principal- und Cross-Tenant-Versuche
Per-area context bindingje Bereich die genutzten Zugangsdaten, Rolle, Tenant und Vantage Point
Coverage statusgetestet, teilweise getestet, ausgeschlossen, materiell ungetestet, unerreichbar
Testing classes attemptedbei X3 oder C4: welche Testklassen das System versucht hat und welche es bekanntermaßen nicht versucht (z. B. Business-Logic-Missbrauch, mehrstufige Autorisierungsfehler)
Chaining depthbei E3: maximal tatsächlich demonstrierte Tiefe systemübergreifender Verkettung (Single Pivot, Multi-Hop Lateral Movement)
Limiting conditionsTimebox, Safety-Restriktionen, Umgebungsausfälle, fehlender Zugang, defekte Voraussetzungen
Evidence linksVerweise auf stützende Artefakte oder Logs

Fläche, die ein Runtime-Safety-Gate an einer deklarierten Grenze gestoppt hat, zählt als Limiting Condition und nicht als Under-Discovery; wurden keine Cross-Principal- oder Cross-Tenant-Versuche unternommen, ist das positiv zu erklären (4.2.13).

Die Baseline-Leiter BS-1 bis BS-3

  1. BS-1 Asserted

    Asset-Inventar oder Scope-Liste des Zieleigentümers — unabhängig vom Kandidatensystem, aber begrenzt durch die Vollständigkeit des Eigentümers (4.2.8 a).

  2. BS-2 Directed

    Vom Evaluator gelenkte Enumeration, bei der der Evaluator die Fläche über die Entdeckung des Systems hinaus spezifiziert oder erweitert — die Mindeststufe für Q3, Q4 und R3 (4.2.8 b, 4.2.10).

  3. BS-3 Instrumented

    Enumeration durch ein unabhängiges Discovery-Instrument oder einen Prozess, der die Discovery-Logik des Kandidatensystems nicht teilt (4.2.8 c).

Für Q3, Q4 und R3 ist der Coverage-Nenner gegen eine Independent Surface Baseline zu bilden; die eigene Entdeckung des Systems darf nicht die einzige Quelle sein (4.2.4). Materielle Abweichungen zwischen entdeckter Fläche und Baseline sind in beide Richtungen offenzulegen; jede Baseline-Fläche, die nicht ausgeübt wurde, gilt als materiell ungetestet; Under-Discovery senkt die dargestellte Coverage, nie umgekehrt (4.2.5). Werden Quellen kombiniert, darf die Gesamt-Baseline nicht stärker dargestellt werden als die schwächste Quelle, die einen materiellen Bereich allein abdeckt (4.2.9). Wo keine unabhängige Baseline verlangt ist, muss die Deklaration sagen, dass der Nenner selbst enumeriert ist, und die Methode beschreiben (4.2.6).

Coverage-Status allein sagt nichts über Tiefe. Für jeden getesteten oder teilweise getesteten Bereich ist auszuweisen, ob Request-Level-Probing, authentifiziertes Probing, mehrstufige Workflow- oder Zustandsübergangs-Tests und Tests an Privilegien- oder Mandantengrenzen durchgeführt wurden. Coverage-Einheit, Schwellen für Teilabdeckung, Tiefengrade und Gewichtungen definiert die Profile Registry — ohne anwendbares Profil ist Tiefe narrativ zu deklarieren und keine Coverage-Proportion oder -Prozentzahl darzustellen (4.2.11). Bei T2C-Claims muss die Deklaration so strukturiert sein, dass ein Reviewer kontrollrelevante getestete, ausgeschlossene und ungetestete Bereiche ohne Interpretation des Anbieters erkennt (4.2.7).

Nicht-Determinismus ist der zweite Blindfleck. Ein System gilt als materiell nicht-deterministisch, wenn wiederholte Läufe unter denselben Bedingungen materiell unterschiedliche Angriffsflächen, Befundmengen oder Exploitation-Ergebnisse liefern; das ist in der Methodik offenzulegen (4.6.1). Varianz darf nicht durch den günstigsten Lauf kaschiert werden; wo mehrere Läufe einen Claim stützen, sind Auswahl, Aggregation und Offenlegung vorab zu definieren, und der Evaluator attestiert, dass Laufzahl und Aggregationsregel vor der Ausführung feststanden (4.6.2). Q3-, Q4-, R2- und R3-Claims charakterisieren die Run-zu-Run-Varianz mit einem deklarierten Maß — etwa Surface-Discovery-Varianz oder dem Jaccard-Index der Finding-Mengen — über ein vorregistriertes Run-Design (4.6.3). Die Aggregationsregel stammt aus einer geschlossenen Menge (Any-Run-Union, All-Run-Intersection, Mehrheit oder eine ausdrücklich deklarierte Regel) und die Einzelergebnisse aller Läufe, nicht nur eine Kennzahl, gelangen ins Evidence-Package (4.6.5).

07Kapitel 7

Vom Signal zum Confirmed Finding: Finding-States, Evidence-Klassen, Retest

Ein Befund ist in APAS erst dann ein Befund, wenn ihn jemand anderes als das erzeugende System reproduziert hat. Die Finding-States und Evidence-Klassen machen diesen Weg nachvollziehbar — und sie definieren, was ein Retest leisten muss.

Finding-State (4.3)Bedeutung
ObservationEin anomales Signal, Artefakt oder Verhalten, noch nicht als Befund validiert.
Validated FindingVom Kandidatensystem demonstrierte Ausnutzbarkeit oder Evidenz für die verwundbare Bedingung ohne Exploitation — unabhängige Bestätigung steht aus. Kann eine zusammengesetzte Exploit-Kette sein, deren Impact als Ganzes zu bewerten ist.
Confirmed FindingDer Evaluator oder Konformitätsprozess reproduziert die Bedingung oder den Exploit-Pfad mit der aufgezeichneten Reproduction Procedure selbst — ohne Rückgriff auf die Darstellung des Systems; bei nicht sicher wiederholbaren Bedingungen Validierung konservierter Erstaufnahmen (Single-Capture Confirmation, 4.3.3).
Confirmed Attack PathGeordnete Menge von Confirmed Findings, deren kombinierte Ausnutzung ein Ergebnis erreicht, das kein Einzelbefund erreicht; auf Pfadebene bestätigt (4.3.7).
Retested FindingErneute Bewertung eines bestätigten Befunds nach behaupteter Behebung durch Ausführen der aufgezeichneten Reproduction Procedure, mit offengelegtem Ergebnis (4.3.4).
Unsupported FindingFalse Positive (Bedingung existiert nicht oder ist nicht ausnutzbar) oder Over-Severity (existiert, aber Impact nach Adjudikation materiell überzeichnet); beide Unterklassen getrennt berichtet, dazu die Unsupported-Finding Rate (4.3.8).

Nur Confirmed Findings stützen Q2-, Q3-, Q4-, R2- oder R3-Claims; andere States dürfen klar gekennzeichnet erscheinen, aber nie als bestätigt dargestellt werden (4.3.1). Materiell überzeichneter Impact wird herabgestuft oder für den überzeichneten Teil als unsupported behandelt (4.3.2).

Jedes Confirmed Finding trägt einen Stable Finding Identifier — eine eindeutige, über Revisionen, Retests, Exporte und Formatkonvertierungen hinweg stabile Kennung — und, außer im Single-Capture-Pfad, eine Reproduction Procedure: eine aufgezeichnete, deterministische, agentenunabhängige Abfolge von Schritten, Requests, Payloads, Vorbedingungen und erwarteten Beobachtungen, mit der ein kompetenter Dritter die Bedingung ohne Zugang zum Kandidatensystem reproduzieren kann (4.3.3, Anhang D). Die erwarteten Beobachtungen schließen die Kontroll- oder Expected-Secure-Beobachtung ein; probabilistisch darf eine Procedure nur sein, wenn die Bedingung selbst probabilistisch ist (Race Conditions, TOCTOU, Timing-Seitenkanäle), dann mit Versuchszahl und beobachteter Erfolgsrate. Jedes Confirmed Finding deklariert außerdem Vantage Point und Zugangsbedingung sowie die Region der Umgebungsklasse (4.3.5); angrenzende Dienste oder systemübergreifende Pfade, die für Ausnutzbarkeit oder Impact relevant sind, werden offengelegt — bei E3 zwingend (4.3.6).

Evidence-Klasse (4.4)BedeutungRegel
EV1 — SignalAnomales Verhalten, Fehlkonfiguration oder verdächtige Bedingungreicht höchstens für Q1
EV2 — ValidationDemonstrierte Ausnutzbarkeit oder die ohne Exploitation festgestellte verwundbare Bedingung; darf systemgenerierte Artefakte enthaltenVorstufe, noch keine Bestätigung
EV3 — Traceable ConfirmationUnabhängige Reproduktion der Bedingung oder des Exploit-Pfads mit der aufgezeichneten Reproduction Procedure, beobachtet am Ziel selbst — rohe Request/Response-Captures, zielseitige Zustandsänderungen, vom Evaluator gesammelte ArtefaktePflicht für jedes Confirmed Finding (4.4.1)
EV4 — Impact SubstantiationEvidenz oder adjudizierte Begründung für das dargestellte Impact-Bandsoll bei High/Critical vorliegen (4.4.2); bei Ketten gegen die Kette als Ganzes (4.4.5)

Die eigene Beschreibung, der Reasoning-Trace oder die Zusammenfassung des Kandidatensystems sind nie EV3 — auch nicht Einigkeit zwischen seinen Komponenten, unabhängig von Architektur, Modellwahl oder Kontextisolation. Beobachtet eine interne Komponente das Ziel erneut (Request neu ausführen, echte Antwort lesen), ist das Beobachtung und wird wie jedes andere systemgesammelte Artefakt behandelt; bewertet sie nur Narrativ oder Artefakte, ist das Qualitätskontrolle der Berichterstattung und höchstens EV2 (4.4.1 f, g).

Für Q3-, Q4-, R2- oder R3-Claims müssen EV3- und EV4-Artefakte über einen Pfad erhoben werden, der nicht unter alleiniger Kontrolle des Kandidatensystems steht — Netzwerk-Interception, Host-Beobachtung oder vom Evaluator gesammelte Captures; unterhalb dieser Schwelle sind rein systemgesammelte Artefakte im Evidence-Manifest als solche zu kennzeichnen; für Q2 und Q3 sollen EV3/EV4 Out-of-Band Witness Evidence sein — Callback-Listener, Canaries oder zielseitige Monitore, die das System weder autoren, beobachten noch erreichen kann (4.4.4, Anhang D). Behauptet ein Befund einen Autorisierungs- oder Mandantengrenzen-Defekt, verlangt EV3 gepaarte Beobachtungen: derselbe Request gelingt für den unbefugten Principal und wird für einen befugten Kontroll-Principal abgewiesen, beide referenziert über die Identity Coverage (4.4.6).

Retest und Deduplizierung

Ein Retest führt die gegen den Stable Finding Identifier aufgezeichnete Reproduction Procedure aus, ordnet das Ergebnis dieser Kennung zu und legt offen, ob der Befund weiter besteht, teilweise behoben oder nicht mehr reproduzierbar ist (4.3.4). Probabilistische Wiederentdeckung — oder ihr Ausbleiben — durch einen erneuten Agentenlauf ist weder Fix-Verifikation noch Persistenznachweis noch Retest; solche Ergebnisse müssen als probabilistic rediscovery gekennzeichnet und vom Procedure-Ergebnis getrennt werden (4.3.4 a). Bei intermittierenden Bedingungen werden Versuchszahl und Erfolgsrate gegen die Rate vor der Behebung bewertet (4.3.4 b). Für jedes Paket muss eine dokumentierte Deduplizierungsregel existieren, die festlegt, wie wiederholte Beobachtungen derselben Bedingung aus verschiedenen Läufen, Vantage Points oder Instanzen auf einen Stable Finding Identifier kollabieren (4.3.9).

08Kapitel 8

Declared Conditions: Affordance-Profil, Umgebungsklassen, Autorisierung und Rules of Engagement

Ein APAS-Claim gilt nur innerhalb seiner deklarierten Bedingungen. Abschnitt 7 legt fest, was ein System über seine Betriebsumgebung, seine Reichweite, seine Autorisierung und sein dynamisches Verhalten offenlegen muss.

Das Affordance-Profil ist die deklarierte Betriebsumgebung des Systems während des Tests: Fähigkeiten, Restriktionen, Zugangsbedingungen, Eskalationslimits und Auflagen (Anhang D). Jeder Claim referenziert ein Profil mit mindestens den folgenden Feldern; ein generisches Label wie „standard“ genügt für die Felder zu Zielschutz- und Agent-Integrity-Kontrollen nicht. Interne Validierungs-, Judge-, Verifier- oder Konsenskomponenten sind in der Agent Topology zu deklarieren und ihre Rolle in der Qualitätsdeklaration zu Finding Validity offenzulegen. Fehlt eine Action Reversibility Class, gilt das Engagement als irreversibel — mit den strengsten Safety-Pflichten (7.1.1).

Pflichtfeld des Affordance-Profils (7.1.1)Inhalt
Access flagsInternet-, Browser-, Terminal-/Shell-, Quellcode-/Repository-Zugang
Agent TopologyZusammensetzung des Systems (Orchestrator, Subagenten, Drittagenten, dynamische Ressourcen), Vertrauensgrenzen, Fähigkeitsattenuation zwischen Komponenten, Delegationstiefe
CredentialsTyp; Anzahl und Privilegienstufe der bereitgestellten Principals, Rollen und Tenants; Gültigkeit, Scope, Widerrufsmechanismen
Reachability / Asset coverageNetzwerk-Erreichbarkeitsgrenzen, getestete Vantage Points; abgedeckte Asset-Klassen
Inference and Telemetry EgressZiele für Zieldaten, Zugangsdaten oder Evidenz (Modell-Endpunkte, Telemetrie, Verbindungsserver) mit Jurisdiktion, Aufbewahrungsregel und angewandter Schwärzung
Tools and provenanceTool- und Plugin-Inventar mit Supply-Chain-Provenance (Quelle, Version, Integritätsprüfung) von Tools, Plugins, Modellen und MCP- oder vergleichbaren Tool-Servern; erlaubte Nutzung je Tool
Context inputs / Scope basis / Persistencebereitgestellte Kontextquellen (Code, Repositories, Architekturdokumente, Logs, Testzugänge); Scope-Quelle; Gedächtnispersistenz
Target-protection controlsRate Limits, Verbote destruktiver Aktionen, Blast-Radius-Grenzen, Safety-Restriktionen, Stop Authority und Unterbrechungsmechanismus nach Abschnitt 10
Agent-integrity controlsInjection-Filterung, Out-of-band Scope Enforcement und gleichwertige Kontrollen gegen Manipulation des Systems nach Abschnitt 10
Escalation limits / Action reversibilitymaximal erlaubte Privilegieneskalation, Lateral Movement, Datenzugriff, Persistenz, destruktive Grenzen; höchste erlaubte Action Reversibility Class: read-only, extern reversibel, irreversibel
Data handlingErhebung, Speicherung, Übertragung, Aufbewahrung und Löschung von Zieldaten, Zugangsdaten und Evidenz — inklusive jeder Nutzung von Zieldaten für Modelltraining
Timebox / Exclusions / MethodologyZeitfenster; Ausschlüsse und nicht testbare Bereiche; Methodikreferenz und Version
Dynamic behaviorLogik der Moduswahl, Eskalations- und Übergabetrigger, Bedingungen für Wechsel von Kontextquellen, Zugangsdaten oder Kollaborationsmuster im Lauf, ob Rekonfiguration im Lauf erlaubt ist und wie selbstinitiierte Änderungen erkannt und aufgezeichnet werden

Die Data-Handling-Garantien gelten auch für den Agent Execution Record und jeden Telemetrie-Abfluss, einschließlich Schwärzung personenbezogener Daten, Secrets und Zugangsdaten zum Zeitpunkt der Erfassung (7.1.2).

Die Umgebungsklassen beschreiben Reichweite über Vertrauensgrenzen, nicht den Zieltyp: E1 ein einzelnes isoliertes Ziel, E2 mehrrollige, mehrstufige oder zustandsbehaftete Interaktion innerhalb einer deklarierten Vertrauensgrenze, E3 Interaktion über eine Vertrauens- oder Segmentierungsgrenze hinweg (7.2). Sie gelten für Anwendungen, APIs, Netze, Infrastruktur, Cloud-Control-Planes, Container, Client-Software, Mobile, Firmware und Embedded gleichermaßen; Social-Engineering-, physische und Funk-Vektoren importiert keine Klasse. Jeder Claim ist auf seine deklarierte Klasse beschränkt (7.2.1); Umgebungstyp und materielle Unterschiede zur Produktion sind zu deklarieren, ein Nicht-Produktionstest impliziert ohne deklarierte Parität keine Produktionsabdeckung (7.2.2). T2A-, T2C-, T3- und T4-Claims referenzieren eine deklarierte Methodik; Methodiken für Q4 oder R3 definieren zusätzlich Negative-Result-Handling, Remediation- und Retest-Erwartungen sowie die Bedrohungsmodell-Begründung für den gewählten Modus (7.3).

Autorisierung und Rules of Engagement

Jedes APAS-Engagement hat eine Authorization Declaration mit autorisierender Partei, rechtlicher oder vertraglicher Grundlage, autorisiertem Scope und Zeitfenster sowie Rules of Engagement; Tests außerhalb davon gelten als Out-of-Scope-Aktivität nach Abschnitt 10 — unabhängig von technischem Erfolg oder Befundwert (7.4.1). Zusätzlich sind, wo relevant, zu deklarieren: Testfenster inklusive Blackout- und Wartungsfenster, benannte Notfallkontakte von Zieleigentümer, Evaluator und Betreiber des Systems mit Erreichbarkeit und maximaler Benachrichtigungszeit, Autorisierungsstatus für Dritt- und Cloud-Infrastruktur samt providerspezifischen Testbedingungen, Quelladressen des Systems und Allowlisting, Datenklassifikationsgrenzen und De-Confliction mit SOC oder Blue Team (7.4.3). Die Declaration benennt außerdem die Identität des handelnden Agenten, das Identitätsschema, die Verifikationsmethode für den Zieleigentümer und bei Subagenten die Delegationskette samt maximaler Tiefe (7.4.4).

Weil autonome Systeme auf Schwachstellen in Drittkomponenten oder außerhalb des Scope stoßen, verlangt jedes Engagement einen Coordinated-Disclosure Path: Jeder solche Befund trägt einen Offenlegungsstatus (encountered, notified, disclosure-restricted, resolved, published), bleibt in jedem Status mit Stable Finding Identifier und Content-Hash im Evidence-Manifest enumeriert, und nur das Exploitation-Detail darf vorübergehend zurückgehalten werden — nie der Befund selbst (7.4.2). Kann das System geteilte oder fremde Infrastruktur außerhalb der Autorisierung erreichen, müssen die Eskalationslimits es davon fernhalten (7.4.3.2).

09Kapitel 9

Das Evidence-Package: Inhalt, Integrität, Agent Execution Record und Interoperabilität

Das Evidence-Package ist das eigentliche Produkt eines APAS-konformen Pentests: ein Paket, das ein Prüfer ohne Interpretation des Anbieters lesen kann, dessen Artefakte gehasht und signiert sind und dessen Befunde in offene Austauschformate exportierbar sind.

Jede als R2 oder R3 dargestellte Zertifizierung oder Engagement-Aussage enthält ein vom Assessor konsumierbares Evidence-Package; jeder Q2-, Q3- oder Q4-Claim enthält Qualitäts- und Coverage-Deklaration, selbst wenn nur R1 beansprucht wird (8.1.1). Für R2/R3 soll die stützende Evidenz mindestens so lange verfügbar bleiben, wie der Claim gültig ist (8.1.2 b).

Pflichtelement (8.1.2)Inhalt
DeclarationsZertifizierungs- oder Engagement-Deklaration; Reliance Outcome; Qualitätsdeklaration; Coverage-Deklaration mit Baseline-Referenz; Verweis auf Autorisierung und Rules of Engagement
Methodology / Combination identityMethodikreferenz und Version; Kombinations-ID und Capability-Matrix-Referenz bei mehreren Kombinationen
FindingsFinding-State-Übersicht inklusive Unsupported Findings; Confirmed Findings mit Stable Identifiers und Reproduction-Procedure-Referenzen; gekennzeichnete Single-Capture Confirmations mit Custody-Kette; Confirmed Attack Paths mit Pfad-ID, geordneten Konstituenten und Pfad-Procedure
Run design and outcomesvorregistriertes Run-Design; Aggregationsregel, Laufzahl und die Einzelergebnisse aller Läufe — nicht nur eine Kennzahl
EvidenceEvidenz-Manifest mit Content-Hash je Artefakt; Aufbewahrungsfrist und verantwortliche Partei je Artefakt
Sensitive evidenceje Klasse (Secrets, personenbezogene Daten, Kundendaten, Exploit-Artefakte, Screenshots, Payloads, destruktive Beweise): was aufbewahrt, geschwärzt und teilbar ist
Dynamic behaviorZusammenfassung des beobachteten Betriebspfads und warum die attestierte Kombination den Lauf wahrheitsgemäß abbildet
Remediation and retestBehebungshinweise mit Ursache, Fix-Richtung, betroffener Komponente und Version, Basis jeder Priorisierung; Retest-Informationen
Exclusions, limitations, negative resultAusschlüsse und ungetestete Bereiche; Limitationen; Negative-Result-Statement, wo anwendbar
Disclosure handlingStatus koordinierter Offenlegung je Dritt- oder Out-of-Scope-Schwachstelle
Access dispositionAccess Disposition Record nach 10.2.5 mit nicht-geheimer Referenz je vom Engagement erzeugtem oder autorisiertem Zugang
Attestation and mappingmaschinenlesbare, signierte Attestierung; Control- oder Requirement-Mapping, wo T2C-Profil oder Crosswalk Annex es verlangen

Bei Mehrfachkonfigurationen muss der Reviewer erkennen, welche Kombination evaluiert, welche zertifiziert und welche unevaluiert oder nicht unterstützt sind; ein T2C-Paket mit Q4, R2 oder R3 zeigt kontrollrelevante getestete, ausgeschlossene und ungetestete Bereiche ohne Interpretation des Anbieters (8.1.3).

Integrität: Signatur, Hashes, manipulationssichere Logs

Jede Q3-, Q4-, R2- oder R3-Attestierung ist vom ausstellenden Evaluator oder der Konformitätsstelle kryptografisch signiert — mit verifizierbarer Identität, veröffentlichter Prüfmethode, Zertifikats- oder Schlüsselkennung, vertrauenswürdigem Zeitstempel und einem veröffentlichten Weg, den Schlüsselstatus auch nach Rotation, Ablauf oder Widerruf zu prüfen (8.2.1). Das Evidenz-Manifest enthält je Artefakt einen Content-Hash zum Erfassungszeitpunkt (8.2.2); Ausführungs- und Evidenz-Logging ist manipulationsevident und wird von einer Komponente oder Partei geführt oder gegengezeichnet, die nicht unter alleiniger Kontrolle des Systems steht (8.2.3). Gefälschte, nicht nachvollziehbare oder materiell irreführende Evidenz macht den Claim ungültig (8.2.4); ein Paket mit fehlgeschlagener Signaturprüfung, Hash-Abweichungen oder unerklärten Lücken im Log darf nicht als Q3, Q4, R2 oder R3 herangezogen werden, bis der Widerspruch gelöst und neu attestiert ist (8.2.5). Widersprüche zwischen Attestierung, Befunden, Ausführungsaufzeichnungen und Artefakten sind offenzulegen und nicht narrativ wegzuerklären (8.2.7).

Maschinenlesbarkeit und offene Austauschformate

Jedes Q2-, Q3-, Q4-, R2- oder R3-Paket trägt maschinenlesbare Felder: vollständiger Claim-String, Kombinations-ID, Systemname und -version, Modellidentitäten und -versionen, System-Prompt-Provenance, eine Build-Kennung des Systems als kryptografischer Digest über die gebundene Konfiguration, Methodikreferenz, Evaluator-Identität, Signatur- und Verifikationsmetadaten, Assistance Class, beobachteter Betriebspfad, Referenzen auf Qualitäts- und Coverage-Deklaration mit Baseline-Quellen, Asset-IDs und SBOM-Referenzen, Finding-State-Übersicht, Stable Finding Identifiers, Attack-Path-Beziehungen, Single-Capture-Labels, Materialitätsentscheidungen, Manifest-Hashes, Zertifizierungsdatum mit Ablauf oder Revalidierungsintervall, Core- und Companion-Versionen und Reliance Outcome. Claim-String und Build-Kennung reisen in einem deklarierten Provenance-Envelope wie in-toto, DSSE oder SCITT (8.4.1).

EbeneAnforderungFormate / Referenzen
BefundStable Finding Identifier; CWE-Klassifikation, wo anwendbar; CVE-Referenzen, wo einer bekannten CVE entsprechend — gegen die vorhandene Komponentenversion verifiziert; Schweregrad aus einem versionierten, deklarierten Scoring-System (CVSS mit Versionsangabe oder ein anderes mit Begründung); für Confirmed Findings zusätzlich Vantage Point, Umgebungsregion, Adjazenz-Offenlegung, Single-Capture-Label, Manipulationsklasse (8.4.2)CWE, CVE, CVSS (Version nennen)
BefundexportExport als SARIF; Control- und Requirement-Mappings unter T2C-Profilen als OSCAL; Remediation- und Retest-Status als OpenVEX oder gleichwertiges deklariertes Exploitability-Format; Formatversionen nennen (8.4.3)SARIF, OSCAL, OpenVEX
IngestionEin Paket gilt nur dann als maschinenlesbar, wenn Standard-Vulnerability-Management-Tooling die atomaren Befunde ohne proprietäre Übersetzung aufnehmen kann; Attack Paths degradieren verlustfrei in geordnete Einzelbefunde plus dokumentierte Beziehungserweiterung (8.4.4)Standard-VM-Tooling
Exploitation-KontextJe Confirmed Finding mit Abrufdatum: CISA-KEV-Status und ein versionierter Exploit-Prediction-Score wie EPSS bei bekannter CVE, sonst ein deklarierter Risikopriorisierungs-Score; Abwesenheit wird aufgezeichnet, nicht weggelassen; KEV/EPSS ersetzen nie Confirmed-Status, EV4 oder Coverage (8.4.5)CISA KEV, EPSS
PriorisierungWer Befunde risikobasiert sortiert, deklariert die Methodik samt Einbezug der Indikatoren; ein KEV-Flag allein ist keine Priorisierung (8.4.5.1)deklarierte Methodik
Provenance-SetTools, Modelle und MCP-Server als maschinenlesbare Stückliste (SBOM/AI-BOM) statt Prosa; für Q4/R3 mit Digest-Pinning und Signaturprüfung über Set und System-Build, wo das Ökosystem es unterstützt (8.4.6)SBOM / AI-BOM, in-toto, DSSE, SCITT

Für BB- oder GB-Claims legt das Paket die aus dem reduzierten Kontext folgenden Limitationen offen und impliziert keine Code-Awareness (8.3.2). Für jeden Q4-Claim ist das Paket ohne analytische Bearbeitung durch den Anbieter vollständig (8.3.1).

10Kapitel 10

Safety, Stop Authority, Agent Integrity und Evaluation Integrity

Ein autonomes System, das Exploits gegen produktive Ziele ausführt, braucht eine Aufsicht, die es nicht selbst überstimmen kann. Abschnitt 10 macht Stop Authority, Fail-safe und Angriffe auf den Agenten selbst zu Zertifizierungsbedingungen — mit Pflichten, die mit Autonomie und Irreversibilität steigen.

Die Baseline gilt für jeden Claim: explizite Scope-Grenzen, ein Stop- oder Suspend-Mechanismus und ausreichende Logs oder Artefakte für die Evaluator-Prüfung (10.1.1). Out-of-Scope-Aktivität, gefälschte Evidenz, materielles Verschweigen menschlicher Hilfe oder irreführende Coverage-Aussagen machen den Claim ungültig (10.1.2); materielle Unsicherheit bei Impact, Coverage oder Retest-Schlüssen ist im Paket zu kennzeichnen (10.1.3).

  1. Stop Authority deklarieren

    Jedes Engagement benennt, wer die Ausführung aussetzen oder beenden darf — mindestens der Zieleigentümer und, falls vorhanden, der Evaluator (10.2.1).

  2. Out-of-band wirken

    Der Stop-Mechanismus arbeitet außerhalb der Entscheidungsschleife des Systems; das System ist nie alleiniger Schiedsrichter darüber, ob ein Stop greift. Das Affordance-Profil nennt eine maximale Reaktionszeit; innerhalb dieser Frist endet jede offensive Aktivität, laufende Aktionen werden unterbrochen, wartende, geplante oder delegierte Arbeit storniert oder dokumentiert (10.2.2).

  3. Fail-safe bei Aufsichtsverlust

    Fallen Monitoring, Aufsichtsverbindung, Logging oder der Stop-Kanal über die deklarierten Toleranzen hinaus aus, setzt das System offensive Aktivität aus, bis die Aufsicht wiederhergestellt ist — Verlust der Aufsicht führt nie zu fortgesetztem autonomem Betrieb (10.2.3).

  4. Aufzeichnen und benachrichtigen

    Stop- und Halt-on-Loss-Ereignisse samt Timing landen im manipulationsevidenten Log und im Evidence-Package; die Notfallkontakte werden innerhalb der deklarierten Frist informiert (10.2.4).

  5. Access Disposition Record

    Zum Abschluss — und nach jedem Stop — weist ein Record jeden vom Engagement erzeugten Zugang (Tokens, Konten, Sessions, Tunnel, delegierte Tokens, Persistenz) mit Status (Revoked, Expired, Removed, vom Zieleigentümer rotiert oder Retained mit Eigentümer und Ablauf), zuständiger Partei und Verifikationsreferenz aus (10.2.5).

  6. End-to-End verifizieren

    Der Evaluator prüft jeden sicherheitskritischen Stop-, Suspend-, Resume- oder Override-Kanal Ende-zu-Ende — von der autorisierten Partei bis zum Enforcement-Punkt in der attestierten Deployment-Konfiguration; die bloße Existenz oder korrekte Signierung genügt nicht, mindestens ein ausgeübtes Ereignis je Kanal mit Zustell- und Durchsetzungsergebnis gehört ins Paket (10.2.6). Verfügbarkeit eines Kanals ist kein Beleg für Zustellung; eine nicht umgesetzte Anweisung muss als Zustellfehler erkennbar sein (10.2.7).

Die Pflichten skalieren mit dem Schlechteren aus Ausführungsautonomie, reduzierter menschlicher Beteiligung und deklariertem Affordance-Risiko (Action Reversibility Class): Innerhalb eines Profils sind die Anforderungen für X3 mindestens so stark wie für X2 und diese mindestens so stark wie für X1, dasselbe von C1 bis C4; eine weniger reversible Action Reversibility Class erhöht die Anforderungen unabhängig von X und C; keine Profil-, Evaluator- oder Anbieterentscheidung darf den autonomsten Klassen schwächere Aufsicht gewähren — eine Konfiguration, in der mehr Autonomie die Aufsicht entfernt, ist nicht zertifizierbar (10.3.1).

  • X3-, C4- und E3-Betrieb sowie jedes Engagement mit erlaubten irreversiblen Aktionen oder autonomem Chaining in angrenzende Flächen verlangen zusätzlich: ständige Verfügbarkeit des Stop-Kanals während der Ausführung (10.3.2 a),
  • automatische Erkennung der Annäherung an oder Verletzung der Scope-Grenze, die die Aktion stoppt oder blockiert, statt sie nur zu protokollieren (10.3.2 b),
  • eine Deklaration, wie die autorisierte Scope-Grenze zur Laufzeit durchgesetzt wird (10.3.2 c), Halt-on-Loss-of-Oversight (10.3.2 d),
  • die Durchsetzung der deklarierten Eskalationslimits durch einen Mechanismus, dessen Ausfall erkennbar ist (10.3.2 e),
  • und bei verketteten Aktionen ein Gate auf der schlechtesten erreichbaren Action Reversibility Class der gesamten Kette, bevor der erste Schritt läuft (10.3.2 f).

Agent Integrity: der Agent als Angriffsziel

Ein Pentest-Agent liest Zielinhalte, ruft Tools auf, nutzt MCP-Server und persistiert Kontext — und ist damit selbst angreifbar. APAS verlangt deklarierte Kontrollen gegen mindestens vier Manipulationsklassen: Prompt Injection aus Zielinhalten oder -antworten, Manipulation oder Substitution von Tools, Plugins, Modellen oder MCP- und vergleichbaren Tool-Servern, Poisoning abgerufenen oder persistierten Kontexts sowie unautorisierte Änderung oder Umgehung der Laufzeitkontrollen für Scope, erlaubte Tools und Privilegien (10.4.1). Jeder Q3-, Q4-, R2- oder R3-Claim enthält in der Qualitätsdeklaration eine Agent-Integrity-Offenlegung mit den Kontrollen, erkannten Manipulationsversuchen und deren Behandlung; eine vom System selbst erzeugte Meldung „keine Manipulation erkannt“ ist kein Beleg dafür, dass keine stattfand (10.4.2).

Entscheidend ist, wer testet: Für Q3, Q4, R2 oder R3 muss der Evaluator adversariale Agent-Integrity-Tests selbst ausführen — mindestens Goal Hijack, Tool-Response-Injection sowie Context- oder Memory-Poisoning; rein anbieterbehauptete Kontrollen tragen keinen dieser Claims (10.4.4). Die Evaluation vergleicht gekennzeichnete Evaluationsläufe mit blinden Läufen bei Scope-Treue, Out-of-Scope-Verweigerung, Coverage und Fabrikationsrate; eine materielle Verhaltensdifferenz ist Eval-Awareness, muss offengelegt werden und deckelt das Assurance-Outcome (10.4.3). Unentdeckte Manipulation, die Strategie, Befunde, Scope-Treue oder Berichtsinhalt materiell verändert hat, macht die betroffenen Claim-Dimensionen ungültig. Erkennt das System eine Manipulation, setzt es offensive Aktivität aus, informiert Zieleigentümer, Evaluator und Notfallkontakte und stellt Evidenz und Befunde aus dem verdächtigen Zeitfenster unter Quarantäne (10.4.5).

11Kapitel 11

Öffentliche Claims und Marketing: elf Pflichtangaben, ein Katalog verbotener Aussagen

Abschnitt 11 wirkt sofort — auch ohne Zertifizierung: Er definiert, was jeder öffentliche APAS-Claim enthalten muss und welche Schlussfolgerungen niemand aus APAS ziehen darf. Für Einkauf und Marketing ist er die Messlatte für jede Anbieteraussage über autonome Pentests.

Pflichtangaben jedes öffentlichen APAS-Claims (11.1.1)

  • atomarer oder matrixbasierter Status,
  • alle acht Claim-Dimensionen,
  • die Identität des Evaluators,
  • Zertifizierungs- und Gültigkeitsdaten,
  • die Version des Kandidatensystems,
  • materielle Limitationen, wo Reliance beansprucht wird,
  • die Verfügbarkeit der anwendbaren Qualitätsdeklaration oder einer Zusammenfassung,
  • bei mehreren unterstützten Kombinationen der Status benachbarter Kombinationen, die ein vernünftiger Käufer als verfügbar annehmen könnte,
  • die Core-Standard-Version und Kennung samt Version jedes angewandten Companion-Dokuments,
  • wo wesentlich, ob dynamisches Umschalten zwischen Kombinationen unterstützt wird,
  • und überall, wo der Claim-String öffentlich oder in käufer-, marketing- oder beschaffungsseitigem Material steht, eine einsätzige Klartext-Lesart nach Anhang A — in gleicher Prominenz wie der codierte String.

Verbotene Aussagen (11.2.1)

Allein auf Basis einer APAS-Zertifizierung darf niemand behaupten oder implizieren:

Verbotene ImplikationWarum APAS sie ausschließt
Universelle Menschenäquivalenz oder universelle Pentest-SubstitutionAPAS zertifiziert begrenzte Fähigkeitskombinationen, keine Gleichwertigkeit zum menschlichen Pentester (1 Purpose)
Framework-weite Compliance oder Assessor-Akzeptanz per DefaultQ4 und T2C implizieren keine Framework-Akzeptanz (5.9.1, 5.6.2)
Substitution ohne deklarierte Limitationen und benannte TeilmengeR3 ist bedingt und profilgebunden (5.10.1, 5.10.3)
Höhere Pentest-Qualität allein aus höherer AusführungsautonomieAutonomie ist kein Qualitätsproxy (1.1.2)
Gleichwertigkeit zwischen Testmodi ohne Begründung gegen ein deklariertes Assurance-ZielModi sind verschiedene Bedrohungsmodelle (5.5)
Full-Scope-Red-Team-Äquivalenz aus einem T4-ClaimT4 ist auf technische Angriffspfade begrenzt (5.6.3, 2.2.2)
Plattformweite Fähigkeit aus einer zertifizierten Kombination; implizierte Zertifizierung benachbarter Kombinationen; eine Matrix, die unsupported, retired, failed oder unevaluated verbirgtZertifiziert werden Kombinationen, nicht Plattformen (1.1.6, 5.3.1)
Vollständige oder volle Coverage ohne Coverage-Deklaration, Independent Surface Baseline und MethodikCoverage Fidelity verlangt deklarierte Grenzen (4.2.2)
Coverage-Prozente, deren Nenner allein aus der eigenen Entdeckung stammt, wo 4.2.4 giltIndependent Surface Baseline (4.2.4)
Hohe Assurance, Assessor- oder Substitutionsreife allein wegen weniger oder keiner BefundeNegative-Result-Disziplin (4.5.2)
Benchmark-Führerschaft oder Public-Corpus-Leistung als Beleg für Q3, Q4 oder R3Benchmarks sind kein Zertifizierungsproxy (1.1.2)
Safety, Deployment-Eignung oder Betriebseignung jenseits von Affordance-Profil und UmgebungsklasseAPAS ist keine Fitness-for-Deployment-Aussage (Status)

Zusätzlich (11.2.1 b, c): Interne Validierung, Multi-Agent-Einigkeit oder Konsens zwischen Komponenten darf nie als unabhängige Bestätigung, Evaluator-Bestätigung oder EV3 dargestellt werden; Nicht-Wiederentdeckung durch eigene Exploration nie als Abwesenheit, Behebung oder Nichtexistenz; und ein APAS-zertifiziertes System darf nie als unbegrenzte, unautorisierte oder allgemeine autonome Offensivfähigkeit dargestellt oder betrieben werden.

Zwei weitere Regeln runden den Abschnitt ab: Keine Ausführungs-, Kollaborations-, Assurance- oder Reliance-Klasse darf ohne die vollständigen Claim-Dimensionen vermarktet werden — ein isoliertes „Q4“ oder „X3“ im Prospekt ist unzulässig (11.2.2). Und eine Single-Capture Confirmation ist in jedem öffentlichen Claim als solche zu kennzeichnen und darf nie als unabhängig reproduziert dargestellt werden (11.2.3). Bei Widersprüchen gelten die attestierten Deklarationen vor jeder öffentlichen Aussage und jeder Marketing-Zusammenfassung (13.2); verlangt ein Framework oder Assessor strengere Bedingungen als APAS, gelten diese (13.3).

12Kapitel 12

APAS und OWASP APTS im Vergleich: Plattform-Governance trifft Ergebnis-Assurance

Zwei Standards, zwei Fragen. Der OWASP Autonomous Penetration Testing Standard (APTS) regelt, wie eine autonome Pentest-Plattform sicher und begrenzt operiert. Der CSA Autonomous Pentest Assurance Standard (APAS) regelt, ob und wie weit man ihren Ergebnissen trauen darf. Wer beide zusammen liest, hat Governance und Assurance autonomer Pentests vollständig im Blick.

Die CSA selbst ordnet APTS als das nächstverwandte Vorhaben ein: ein frühes OWASP-Incubator-Projekt zum sicheren, begrenzten Betrieb autonomer Pentest-Plattformen. Überschneidungen gibt es nur bei der operativen Governance — den APAS-Abschnitten 7 (Declared Conditions), 9 (Human Assistance) und 10 (Safety) —, während APTS keine Coverage-Messmethodik, kein Reliance- oder Substitutions-Grading und keine evaluatorbasierte Zertifizierung vorsieht; genau das ist der Kern von APAS. Wo APTS Reproduzierbarkeit von Befunden und assessor-gerichtete Evidenz berührt, geht APAS weiter: Confirmed Findings setzen agentenunabhängige Reproduktion voraus, Coverage wird gegen eine Independent Surface Baseline gemessen (Relationship to Existing Work).

MerkmalOWASP APTSCSA APAS
TrägerOWASP Foundation, Incubator-Projekt; Projektleads Jinson Varghese Behanan und Shikhil Sharma; Lizenz CC BY-SA 4.0Cloud Security Alliance, AI Safety Working Group; Lead Author Will Kapcio; neutrale Multi-Stakeholder-Trägerschaft normativ gefordert (12.4); alle Rechte vorbehalten
Reifegrad (Stand 08.11.2026)Version 0.1.0 „Initial release“, April 2026; GitHub-Repository ohne Release oder Tag, letzter Commit 3. September 2026; normativer Anforderungssatz für v0.1.0 eingefrorenCore Standard v1.0 als Major-Version (Änderungsprotokoll 23.10.2026, Dateistand 02.11.2026, CSA-Veröffentlichung 04.11.2026); Companion-Dokumente ausstehend
LeitfrageDarf diese Plattform sicher und begrenzt operieren?Darf ich diesem Ergebnis trauen — wofür und in welchen Grenzen?
GegenstandVerhalten der Plattform während der Ausführung („governance framework, not a testing methodology“)Wahrhaftigkeit und Nutzbarkeit der erzeugten Evidenz; ausdrücklich keine Safety-, Compliance- oder Benchmark-Aussage
Struktur173 Tier-Required-Anforderungen in 8 Domänen (SE 26, SC 20, HO 19, AL 28, AR 20, MR 23, TP 22, RP 15) plus 20 Advisory Practices; 3 kumulative Tiers (72 / 157 / 173); jede Anforderung mit Verification-AbschnittClaim-Modell mit 8 Dimensionen, 7 Qualitätsdimensionen, 6 Finding-States, 4 Evidence-Klassen, 3 Baseline-Stufen, 7 Statusklassen; Core plus Evaluator Guide, Profile Registry, Attestation Schema, Crosswalk Annexes
AutonomieEin Level-Modell: L1 Assisted, L2 Supervised, L3 Semi-Autonomous, L4 Autonomous; Tier ≠ Level (T1 ≈ L1, T2 ≈ L2/L3, T3 ≈ L4); Level-Übergänge nach 50, 200 bzw. 500 Stunden überwachtem Betrieb (AL-025)Getrennte Achsen: Execution X1–X3, Collaboration C1–C4, Assistance H0–H2 — ausdrücklich kein Qualitätsproxy; ein weniger autonomes System kann ein höheres Assurance-Outcome erreichen (1.1.2)
Qualität des ErgebnissesConfidence-Score je Finding (Confirmed ab 90 %, RP-003) auf Basis der plattformeigenen Reproduktion; False-Positive-Rate je Engagement (RP-006)Assurance Outcome Q1–Q4, Qualitätsdeklaration je Dimension, Unsupported-Finding Rate (False Positives und Over-Severity getrennt), Negative-Result-Disziplin (4.1, 4.3.8, 4.5)
CoverageCoverage Matrix je Engagement nach CWE-Klassen: tested, excluded, partial (RP-008) — selbst berichtet, ohne unabhängigen NennerCoverage-Deklaration mit 14 Pflichtfeldern gegen eine Independent Surface Baseline (BS-1 bis BS-3); Under-Discovery senkt die Coverage; keine Prozentzahlen ohne Profil (4.2)
Befund-ValidierungRohe Evidenz je Finding, KI-Zusammenfassungen ersetzen sie nie (RP-001); Re-Verifikation vor Auslieferung mit Packet Capture und Human-Review-Gate (RP-002); „Confirmed“ = erfolgreiche Selbst-Reproduktion der Plattform; unabhängige Reproduzierbarkeit nur als Tier-3-SHOULD (RP-007)Confirmed nur durch Reproduktion außerhalb des Systems (EV3) mit agentenunabhängiger Reproduction Procedure und Stable Finding Identifier; Einigkeit interner Komponenten ist keine Bestätigung (4.3, 4.4.1)
Safety / Kill-SwitchMehrkanal-Kill-Switch mit festen Grenzen: keine neuen Aktionen binnen 5 s, Prozessterminierung, Credential-Widerruf und Log-Flush binnen 60 s (SC-009); Human Decision Points vor irreversiblen Aktionen, Timeouts genehmigen nie automatisch (HO-010)Stop Authority out-of-band mit deklarierter maximaler Reaktionszeit (keine feste Zahl), Fail-safe bei Aufsichtsverlust, Access Disposition Record, End-to-End-Verifikation durch den Evaluator, autonomieskalierte Pflichten (10.2, 10.3)
Manipulation / Agent IntegrityDomäne Manipulation Resistance (23 Anforderungen): Instruction-Boundary-Enforcement, Zurückweisung von Autoritätsbehauptungen, Scope-Widening-Prevention, I/O-Grenzen; adversariale Tests der Safety-Controls mindestens jährlich durch Nicht-Entwickler (MR-020, Tier 2)Agent Integrity als eigene Qualitätsdimension; evaluatorgeführte adversariale Tests (Goal Hijack, Tool-Response-Injection, Context Poisoning) für Q3/Q4/R2/R3; Eval-Awareness deckelt die Assurance (10.4)
Supply Chain / ProvenanceFoundation-Model-Disclosure mit gepinnter Version (TP-021), Re-Attestierung bei Modellwechsel (TP-022), SBOM in SPDX oder CycloneDX (AR-016), Mandantentrennung, Datenresidenz, Löschnachweise (TP)Affordance-Profil mit Tool-/MCP-Provenance und Inference-/Telemetry-Egress samt Jurisdiktion; Claim-Bindung an Modell, Prompt und Orchestrierung (5.11, 7.1.1); AI-BOM-Export (8.4.6)
Nachweis & InteroperabilitätSHA-256-Hashes, hash-verkettete Logs, RFC-3161-Zeitstempel, Audit-Store außerhalb des Agenten (AR-010 bis AR-020); Reports maschinenlesbar in JSON, XML oder CSV (RP-011)Signierte Attestierung, Content-Hashes, Agent Execution Record; SARIF, OSCAL, OpenVEX, in-toto/DSSE/SCITT, CWE/CVE/CVSS, KEV/EPSS (8.2, 8.4)
Verlässlichkeit für PrüferNicht adressiertReliance Outcome R1 Evidence-only, R2 Augmentation, R3 bedingte Substitution; R3 verlangt Q4 (5.10)
ZertifizierungSelbstbewertung des Betreibers anhand der Checklisten; optionales Conformance Claim Template mit Assessment Method (Self-Assessment, Independent Internal Review, Third-Party); keine Einreichung bei einer Stelle vorgesehenEvaluatorbasierte Atomic System Capability Certification und Engagement Conformance Statement — erst nach Veröffentlichung der Companion-Dokumente (12.1.2); öffentliches Claim-Statusregister (12.5)
Marketing-RegelnNicht ausdrücklich geregeltElf Pflichtangaben und Katalog verbotener Aussagen (11.1, 11.2)
Kontinuierlicher BetriebIn Scope: Scope-Refresh alle 24 Stunden, Engagement-Grenzen für wiederkehrende Tests, zyklusübergreifende Korrelation (SE-016 bis SE-020)Außerhalb des Scope von v1.0; Claims nur je begrenztem Engagement (2.2.4)
Regulatorischer BezugNicht-normative Compliance Matrix zu NIST CSF 2.0, ISO/IEC 27001:2022, SOC 2, NIST AI RMF 1.0, PCI DSS 4.0.1, DSGVO, NIST SP 800-53 Rev. 5, HIPAA und CIS Controls v8; EU AI Act nur mit Disclaimer; ISO/IEC 42001, NIS2 und DORA nennt der Standard nichtAusdrücklich keine Compliance-Aussage; Framework-Crosswalks als optionale Annexes; strengere Framework-Regeln gehen vor (1, 13.3)
AdressatenPlattformbetreiber (Hersteller, MSSPs, In-house-Teams), Kunden (CISOs, Einkauf), Reviewer und AuditorenVertrauende Auditoren, Assessoren und Kunden-Reviewer, Evaluatoren, Anbieter, Käufer; CSA nennt u. a. Pentester, Security-Architekten, Vulnerability Management, Risk & Compliance und CISOs

APTS-Angaben nach den Projektdateien auf github.com/OWASP/APTS (Branch main, v0.1.0; Stand 8. November 2026) und der Einordnung im APAS Core Standard; APAS-Angaben mit Klauselverweis. Hinweis: Die Zuordnung der APTS-Domänen zu EU AI Act, ISO/IEC 42001, NIS2 und DORA in unserem APTS-Deep-Dive ist eine VamiSec-Interpretation — der Standard selbst nennt diese Regelwerke nicht. Beide Projekte entwickeln sich weiter; prüfen Sie Versionsstände vor Vertragsbezug.

So nutzen Sie beide Standards zusammen

Einkauf: APTS für die Plattform

Conformance Claim des Anbieters mit Assessment Method (Selbstbewertung, unabhängiges internes Review oder Drittprüfung), Foundation-Model-Disclosure mit gepinnter Version, Nachweise zu Scope-Enforcement, Kill-Switch (5 s / 60 s) und isolierten Audit-Trails. Der APTS Vendor Evaluation Guide empfiehlt Tier 2 als Minimum für den produktiven Einsatz, Tier 3 für kritische Infrastrukturen und L4.

Report: APAS für das Ergebnis

Je Lauf eine Coverage-Deklaration gegen Ihre Baseline, Finding-States mit Stable Identifiers und Reproduction Procedures, Unsupported-Finding Rate, Limitationen, Negative-Result-Statement — und die acht Claim-Dimensionen in Klartext, auch ohne Zertifikat.

Betrieb: beide Standards operativ

APTS-Kill-Switch-Tests und APAS-Stop-Authority-Nachweis End-to-End je Engagement; Access Disposition Record; Agent-Integrity-Tests im Pilot; Audit-Logs außerhalb der Plattform (APTS) und als Agent Execution Record exportierbar (APAS).

Audit: Reliance bewusst setzen

APTS sagt dem Auditor, dass die Plattform beherrscht operiert; APAS sagt ihm, wie weit er dem Paket trauen darf (R1/R2/R3). Beides zusammen dokumentiert, warum autonome Evidenz im Prüfprogramm steht — und was weiterhin klassisch getestet wird.

13Kapitel 13

APAS in der Praxis: Entscheidung über autonome Pentests, Tool-Evaluation und regulatorische Einordnung

Für CISOs ist APAS schon vor der ersten Zertifizierung nützlich — als Vokabular für die Entscheidung, als Anforderungskatalog für die Tool-Evaluation und als Lesehilfe dafür, welche Nachweise Prüfer unter DORA, NIS2, CRA, ISO 27001 oder PCI DSS akzeptieren können.

Die Entscheidung: wo autonome Pentests heute tragen

Autonome Pentest-Systeme spielen ihre Stärken aus, wo Breite, Frequenz und Wiederholbarkeit zählen: kontinuierliche Prüfung einer sich ändernden Angriffsfläche, Regressionstests nach Releases, Vorab-Triage vor einem manuellen Pentest, Retests mit reproduzierbaren Procedures und die Abdeckung vieler gleichartiger Ziele. Ihre Grenzen setzt APAS selbst: kein Social Engineering, keine physischen oder Funk-Vektoren, kein vollumfängliches Red Team (2.2, 5.6.3), kein kontinuierlicher Betrieb als Claim (2.2.4) — und keine Substitution geforderter Prüfungen ohne R3, Profil und Zulassung des Prüfrahmens (5.10). Die Entscheidung lautet deshalb selten „autonom oder menschlich“, sondern: Welche Teilmenge der Prüfaktivitäten kann autonom mit welcher Assurance erfolgen, und was bleibt klassisch?

  1. Nachweiszweck festlegen

    Interne Remediation (Q2/R1), Augmentation für Prüfer (Q4/R2) oder Substitution (Q4/R3)? Der Reliance-Navigator auf dieser Seite führt durch die Frage; das Ergebnis bestimmt alle weiteren Anforderungen.

  2. Scope und Baseline bereitstellen

    Ein maschinenlesbares Inventar (CMDB/CAASM, SBOM-Referenzen) ist Ihre BS-1-Baseline; für Q3/Q4/R3 ergänzt eine evaluatorgelenkte Enumeration (BS-2). Ohne Baseline kann niemand Coverage messen — auch Sie nicht (4.2).

  3. Pilot als Evaluation aufsetzen

    Vorregistriertes Run-Design mit mehreren Läufen und Varianzmaß (4.6.3), unabhängige Reproduktion einer Stichprobe (EV3), gepaarte Beobachtungen bei Berechtigungsbefunden (4.4.6), Stop-Authority-Test End-to-End (10.2.6), adversariale Agent-Integrity-Tests (10.4.4) und ein blinder Lauf gegen Eval-Awareness (10.4.3).

  4. Betriebsmodell Mensch plus Agent definieren

    Welche X/C-Klasse passt zu Ihrer Risikotoleranz? Für produktive Ziele mit irreversiblen Aktionen gelten die strengsten Pflichten (10.3.2); legen Sie Freigabepunkte, Eskalationskontakte, Testfenster und De-Confliction mit dem SOC fest (7.4.3).

  5. Vertrag und Governance

    Data Handling und Egress (7.1.1), Stop Authority und Reaktionszeit, Access Disposition, Offenlegung von Konfigurationsänderungen und Re-Attestierung (5.11.3), Haftung bei Substitution (5.10.4), Austauschformate (8.4.3) — plus KPIs: Unsupported-Finding Rate, Retest-Quote, Coverage gegen Baseline, Stop-Reaktionszeit.

Tool-Evaluation: der APAS-basierte Anforderungskatalog

  • Welche Fähigkeitskombinationen bietet die Plattform an — bitte als Capability Matrix mit allen acht Dimensionen und Statusklassen, nicht als Feature-Liste (5.3, 5.4)?
  • Wie lautet die Klartext-Lesart Ihres stärksten Claims, und welche Limitationen gelten dafür (11.1.1)?
  • Woher stammt der Coverage-Nenner Ihrer Berichte — aus eigener Entdeckung oder aus einer unabhängigen Baseline? Zeigen Sie eine Coverage-Deklaration mit allen Pflichtfeldern (4.2.1).
  • Wie hoch ist Ihre Unsupported-Finding Rate je Kombination, getrennt nach False Positives und Over-Severity (4.3.8)?
  • Enthält jeder Befund eine Reproduction Procedure, die mein Team ohne Ihre Plattform nachvollziehen kann, und einen Stable Finding Identifier (4.3.3)?
  • Wie kennzeichnen Sie Observations, Validated und Confirmed Findings — und wer bestätigt (4.3, 4.4.1)?
  • Wie charakterisieren Sie Run-zu-Run-Varianz, und berichten Sie alle Läufe oder nur den besten (4.6)?
  • Welche Felder umfasst Ihr Affordance-Profil — insbesondere Inference- und Telemetry-Egress mit Jurisdiktion, Tool- und MCP-Provenance, Action Reversibility (7.1.1)?
  • Wie wirkt die Stop Authority out-of-band, mit welcher maximalen Reaktionszeit, und was passiert bei Verlust der Aufsicht (10.2.2, 10.2.3)?
  • Welche Kontrollen gegen Prompt Injection, Tool-Substitution, Kontext-Poisoning und Umgehung der Laufzeitkontrollen bestehen, und wer hat sie adversarial getestet (10.4)?
  • Liefern Sie Agent Execution Record, Content-Hashes und signierte Attestierung — und in welchen Formaten exportieren Sie Befunde, Mappings und Fix-Status (8.2, 8.4.3)?
  • Welche Änderungen an Modell, Prompt, Orchestrierung oder Tool-Set melden Sie uns, und wie oft hat sich Ihre Konfiguration in den letzten zwölf Monaten materiell geändert (5.11)?

Die vollständige Fassung mit Bewertungsmatrix, Ausschlusskriterien und 20 RfP-Fragen enthält das CISO-Whitepaper weiter unten auf dieser Seite.

Regulatorische Einordnung: was Prüfer akzeptieren können

APAS stellt klar, dass es keine regulatorische, vertragliche oder Audit-Compliance begründet und eine APAS-Zertifizierung nie Framework-Akzeptanz impliziert (1, 5.9.1). Umgekehrt sagen die meisten Rahmenwerke nichts über autonome Tester — sie verlangen Tests, Methodik, Qualifikation und Dokumentation. Die folgende Einordnung ist deshalb eine VamiSec-Einschätzung, welche Reliance-Klasse ein Prüfer unter dem jeweiligen Rahmen heute vernünftigerweise akzeptieren kann.

RahmenWas er zu Tests verlangtAPAS-Lesart (VamiSec-Einschätzung)
DORA (EU) 2022/2554, Art. 24–27; RTS (EU) 2025/1190 und (EU) 2024/1774Testprogramm als Teil des IKT-Risikomanagements, Tests durch unabhängige interne oder externe Parteien (Art. 24 Abs. 4), mindestens jährlich für Systeme kritischer oder wichtiger Funktionen (Art. 24 Abs. 6), Penetrationstests ausdrücklich genannt (Art. 25 Abs. 1); TLPT mindestens alle drei Jahre auf Produktivsystemen (Art. 26), Tester mit Eignung, Fachkunde, Zertifizierung oder Verhaltenskodex und Haftpflicht (Art. 27), bedeutende Institute nur mit externen Testern; RTS zu TLPT vom 13.02.2025: Red Team mit Manager (≥ 5 Jahre) und zwei Testern (≥ 2 Jahre), Referenzen, Versicherung; RTS zum Risikomanagementrahmen: automatisierte Schwachstellenscans für diese Assets mindestens wöchentlich (Art. 10)Autonome Ergebnisse als R1/R2 im Testprogramm nach Art. 24–25 gut nutzbar, insbesondere für Coverage, Retests und Remediation-Validierung; wöchentliche automatisierte Scans entsprechen APAS-Q1-Output. TLPT bleibt menschengeführt: Die Tester-Anforderungen beschreiben Personen und Organisationen, und APAS schließt Red-Team-Äquivalenz selbst aus (5.6.3) — autonome Werkzeuge allenfalls in der Hand des qualifizierten Red Teams, im Bericht offengelegt.
NIS2 (EU) 2022/2555, Art. 21 Abs. 2; DVO (EU) 2024/2690; BSIG vom 02.12.2025Maßnahmen einschließlich Schwachstellenbehandlung und -offenlegung (lit. e) sowie Konzepten zur Bewertung der Wirksamkeit (lit. f); für digitale Infrastrukturen verlangt die Durchführungsverordnung dokumentierte Testmethodik und Dokumentation von Art, Umfang, Zeitpunkt und Ergebnissen jeder Prüfung (Anhang Nr. 6.5); das neue BSIG (in Kraft seit 06.12.2025) verlangt dokumentierte Maßnahmen (§ 30), Wirksamkeitsbewertung (§ 30 Abs. 2 Nr. 6), Geschäftsleitungspflichten (§ 38) und KRITIS-Nachweise alle drei Jahre (§ 39)Keine Tester-Qualifikationsregel für eigene Tests: R1/R2 als Wirksamkeitsnachweis unmittelbar nutzbar; R3 für eine deklarierte technische Teilmenge der eigenen Wirksamkeitsbewertung vertretbar, wenn Policy und Geschäftsleitung autonome Tests als Methode festlegen. Für KRITIS-Nachweise und aufsichtliche Audits entscheidet die prüfende Stelle — realistisch R2. Der Anbieter autonomer Tests ist selbst Lieferkettenrisiko (lit. d): Affordance-Profil und Egress-Offenlegung werden Vertragsgrundlage.
Cyber Resilience Act (EU) 2024/2847, Anhang I Teil II, Anhang VII, Art. 13Hersteller wenden wirksame und regelmäßige Tests und Überprüfungen der Produktsicherheit an (Anhang I Teil II Nr. 3); Testberichte sind Teil der technischen Dokumentation (Anhang VII Nr. 6), aufzubewahren mindestens zehn Jahre (Art. 13 Abs. 13); Meldepflichten seit 11.09.2026, übrige Pflichten ab 11.12.2027Keine Tester-Qualifikationsregel: autonome Tests als regelmäßige Prüfung gut geeignet (R1/R2; R3 für die eigene Konformitätsakte denkbar, bei wichtigen und kritischen Produkten entscheidet die notifizierte Stelle). Retestability, Reproduction Procedures, SARIF- und OpenVEX-Exporte passen zur technischen Dokumentation und Update-Kommunikation; der Coordinated-Disclosure Path (7.4.2) greift in die CVD-Pflichten.
EU AI Act (EU) 2024/1689 in der Fassung der VO (EU) 2026/1744, Art. 14, 15 und 55Hochrisiko-KI: menschliche Aufsicht mit Stopp-Möglichkeit (Art. 14 Abs. 4 Buchst. e), Genauigkeit, Robustheit und Cybersicherheit gegen Data Poisoning, Model Poisoning und adversariale Beispiele (Art. 15) — anwendbar ab 02.12.2027 (Anhang III) bzw. 02.08.2028 (Anhang I); GPAI-Modelle mit systemischem Risiko: Modellevaluierung mit dokumentiertem adversarialem Testen (Art. 55 Abs. 1 Buchst. a), seit 02.08.2025Zwei Anknüpfungen: Für getestete KI-Produkte liefert autonome Evidenz dokumentierte Robustheits- und Adversarial-Nachweise (R1/R2; R3 ohne Anker, weil die Pflicht lautet „durchführen und dokumentieren“). Für die Pentest-Plattform selbst gilt die Aufsichtslogik des Art. 14 — Stopp-Funktion, autonomie-angemessene Kontrollen — spiegelbildlich zu APAS Abschnitt 10 und den X/C-Klassen, rechtlich aber nur, wenn die Plattform selbst als Hochrisiko-System eingestuft ist.
ISO/IEC 27001:2022, Anhang A 5.35, 5.36, 8.8 und 8.29Unabhängige Überprüfung der Informationssicherheit, Einhaltung von Richtlinien und Standards, Handhabung technischer Schwachstellen, Sicherheitstests in Entwicklung und Abnahme; die Norm nennt weder Penetrationstests noch Frequenzen noch Tester-Qualifikationen — Pentests sind praxisübliche NachweiseR1/R2 als ISMS-Nachweis für 8.8 und 8.29 reibungslos; R3 möglich, wenn Anwendbarkeitserklärung und Testpolicy den autonomen Test für einen deklarierten Scope als die Prüfung definieren und der Zertifizierungsauditor folgt. 5.35 „unabhängige Überprüfung“ drängt zu Evaluator-Unabhängigkeit (6.1.1) und offengelegten X/C-Klassen; Coverage-Deklaration und Negative-Result-Statement verhindern Scheinsicherheit aus befundarmen Läufen.
PCI DSS v4.0.1, Anforderung 11.4Interne und externe Penetrationstests mindestens alle zwölf Monate und nach signifikanten Änderungen (11.4.2, 11.4.3) nach definierter Methodik mit Abdeckung des gesamten CDE-Perimeters (11.4.1), durch qualifizierte interne Ressource oder qualifizierte externe Dritte mit organisatorischer Unabhängigkeit; Behebung und Retest (11.4.4); Segmentierungstests jährlich, bei Dienstleistern halbjährlich (11.4.5, 11.4.6); Aufbewahrung zwölf MonateDas prescriptivste Regime: „qualifizierte Ressource“ und „organisatorische Unabhängigkeit“ beschreiben Personen und Organisationen — ein autonomes System kann sie nicht sein, eine qualifizierte Partei kann es einsetzen. Realistische Obergrenze heute R2: Perimeter-Abdeckung, Retests über Reproduction Procedures, Segmentierungsprüfungen; R3 nur für eine deklarierte Teilmenge, wenn der QSA zustimmt und die qualifizierte Partei Methodik und Ergebnis zeichnet.
BSI C5:2020 (OPS-19) und C5:2026 (OPS-18, OPS-22)C5:2020: Penetrationstests mindestens jährlich durch qualifiziertes internes Personal oder externe Dienstleister nach dokumentierter Methodik, im Zusatzkriterium halbjährlich durch unabhängige externe Prüfer. C5:2026 (Erstveröffentlichung 07.04.2026, verbindlich für Berichtszeiträume ab 01.06.2027): Pentests nach dokumentiertem Rahmen mit Qualifikationsanforderungen an das Personal (OPS-22), jede relevante Komponente mindestens alle drei Jahre — und erstmals eine KI-Klausel: Werden KI-basierte Werkzeuge für Schwachstellenscans oder Penetrationstests eingesetzt, sind sie nachvollziehbar zu dokumentieren und „zur Unterstützung der Fachexperten des Cloud-Anbieters einzusetzen und nicht als deren Ersatz“ (OPS-18.01B Nr. 7)Der erste DACH-Prüfkatalog, der KI-Pentest-Werkzeuge ausdrücklich regelt — mit einer klaren Linie: unterstützen, nicht ersetzen. R1/R2 entsprechen genau diesem Modell; Qualitätsdeklaration, Agent Execution Record, Assistance-Klasse und Coverage-Deklaration sind die „nachvollziehbare Dokumentation“, die ein ISAE-3000-Prüfer verlangen wird. R3-Substitution ist mit C5:2026 strukturell unvereinbar.
TIBER-EU (Januar 2025) und ECB-Leitfaden für bedeutende Institute (November 2025)Bedrohungsorientierte Tests mit externem Threat-Intelligence-Anbieter (Pflicht) und externem Red Team (dringend empfohlen; bedeutende Institute dürfen keine internen Tester einsetzen), enger Kontrolle durch das Control Team, verpflichtendem Purple Teaming und DORA-RTS-konformen Fristen; weder Framework noch Leitfaden erwähnen KI- oder automatisierte TesterKein Anwendungsfall für autonome Substitution. Autonome Werkzeuge allenfalls als Instrument des akkreditierten Red Teams unter dessen Verantwortung, im Red-Team-Bericht offengelegt — mit Stop Authority und Scope-Enforcement nach APAS Abschnitt 10 als Mindeststandard.

Einordnung nach den Rechtstexten (EUR-Lex), dem BSIG, den BSI-Katalogen C5:2020 und C5:2026, PCI DSS v4.0.1 und den TIBER-EU-Dokumenten der EZB, Stand 8. November 2026; die Reliance-Angaben sind VamiSec-Einschätzungen, keine Aussagen der Regelgeber. Welche Prüfhandlungen entfallen dürfen, entscheidet immer der vertrauende Prüfer und sein Rahmenwerk (5.10.7, 13.3).

Die Aufsicht hat 2026 eine erkennbare Linie: KI als unterstützte, menschlich beaufsichtigte Fähigkeit. Die EZB-Bankenaufsicht forderte bedeutende Institute im Juli 2026 zu Aktionsplänen gegen KI-gestützte Angriffe auf und nennt KI-basierte Werkzeuge als Ergänzung der Schwachstellenprüfung — unter der Bedingung einer vorherigen Nutzen-Risiko-Bewertung, angemessener Schutzmaßnahmen und menschlicher Aufsicht. ENISA beschreibt im selben Monat den „Verification Bottleneck“: Die Menge technisch korrekter KI-Befunde überfordert die Verifikation — genau die Lücke, die APAS mit Confirmed Findings und Unsupported-Finding Rate adressiert. Das britische NCSC verlangt für KI-Agenten Sandboxing, unveränderliche Logs und die Möglichkeit, „den Stecker zu ziehen“; die gemeinsame Five-Eyes-Leitlinie vom Mai 2026 empfiehlt Red Teaming und Penetrationstests gegen agentische Systeme und menschliche Freigabe vor wirkungsstarken Aktionen. Eine Aufsichtsaussage, die autonome Pentests ausdrücklich als Regulierungsnachweis anerkennt oder ablehnt, gibt es bislang nicht.

Kostenloses Whitepaper · Deutsch & Englisch

Autonome Pentests für CISOs — Entscheiden und Tools bewerten mit dem CSA Autonomous Pentest Assurance Standard

Der Praxisleitfaden zu APAS v1.0: was der Standard regelt und was nicht, wie Sie Claim-Strings und Evidence-Packages lesen, wie Sie autonome Pentest-Plattformen mit den sieben Qualitätsdimensionen vergleichen, welche Reliance-Klasse Auditoren unter DORA, NIS2, CRA und ISO 27001 akzeptieren können — und wie ein Pilot aussieht, der am Ende Nachweise liefert.

Cover des VamiSec-Whitepapers Autonome Pentests für CISOs
37 Seiten (DE) / 37 Seiten (EN)PDF, kostenfreiDeutsch & EnglischStand 11/2026
  • Zehn Kernaussagen und ein Vorstands-Briefing: wann autonome Pentests heute tragen — und wo R1, R2 oder R3 realistisch sind
  • Der APAS-Anforderungskatalog für die Tool-Evaluation mit Ausschlusskriterien, Pflichtangaben und 20 RfP-Fragen an Anbieter
  • Regulatorik-Mapping von DORA-TLPT über NIS2 und CRA bis ISO 27001, PCI DSS und BSI C5 — mit klar markierten Grenzen
  • Pilotdesign mit Independent Surface Baseline, Run-Design und blinder Evaluation, Betriebsmodell Mensch plus Agent, Vertragsklauseln und 90-Tage-Plan
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Autonome Pentests für CISOs — CSA Autonomous Pentest Assurance Standard (APAS)

Sprachfassung *

Das CISO-Whitepaper: Autonome Pentests für CISOs

Teil I · Verstehen

Management Summary und zehn Kernaussagen, der Markt autonomer Pentest-Plattformen zwischen Versprechen und Realität, das Entscheidungsproblem des CISO und die beiden Standards APTS und APAS im Zusammenspiel — mit Claim-String, Qualitätsmodell und Evidence-Klassen im Überblick.

Teil II · Bewerten

Der APAS-basierte Anforderungskatalog für die Tool-Evaluation: Pflichtangaben je Claim, Coverage gegen eine unabhängige Baseline, Confirmed Findings statt Signalen, Stop Authority und Agent Integrity als Ausschlusskriterien, Interoperabilität über SARIF, OSCAL und OpenVEX — plus das Pilotdesign mit Run-Design, Baseline und blinder Evaluation.

Teil III · Steuern

Regulatorischer Rahmen von DORA-TLPT über NIS2 und CRA bis ISO 27001, PCI DSS und BSI C5: welche Reliance-Klasse ein Prüfer akzeptieren kann, wo autonome Tests ergänzen und wo sie (noch) nicht ersetzen — dazu Betriebsmodell Mensch plus Agent, Vertragsklauseln zu Stop Authority, Datenabfluss und Re-Attestierung.

Programm & Beschaffung

Governance, KPIs wie Unsupported-Finding Rate und Retest-Quote, ein 90-Tage-Plan vom Scope-Inventar bis zum ersten Evidence-Package sowie 20 RfP-Fragen an Anbieter autonomer Pentest-Plattformen — mit klar markierten VamiSec-Einschätzungen und Quellenangaben.

Schwesterstandard & Praxis

OWASP APTS fragt, ob die Plattform operieren darf. APAS fragt, ob Sie dem Ergebnis trauen dürfen.

Beide Standards gehören zusammen: APTS beschreibt, wie eine autonome Pentest-Plattform Scope, Sicherheit, menschliche Aufsicht, Autonomie-Level und Nachvollziehbarkeit technisch durchsetzt — APAS beschreibt, wie das Ergebnis dieser Plattform belegt, gemessen und offengelegt werden muss, damit ein Auditor es verwenden kann. Unsere KI-native Offensive-Security-Plattform VamiRedteam ist am OWASP APTS ausgerichtet: Scope-Prüfung bei jeder Aktion, Freigaben, vier Autonomie-Level nach APTS und ein Engagement-Protokoll sind Teil des Produkts. Die sieben APAS-Qualitätsdimensionen sind der Maßstab, an dem wir Berichte autonomer Systeme — unsere eigenen eingeschlossen — in Tool-Evaluationen für Kunden messen.

APTSGovernance der Plattform: Scope-Enforcement, Kill-Switch, Human Oversight, Autonomie-Level L1–L4, Audit-Trails
APASBelastbarkeit des Ergebnisses: Coverage gegen Baseline, Confirmed Findings, Evidence-Package, Reliance R1–R3
VamiRedteamam OWASP APTS ausgerichtet — Scope-Prüfung bei jeder Aktion, Freigaben, vier Autonomie-Level L1 Assistiert bis L4 Autonom, Engagement-Protokoll, CVSS 4.0 und AIVSS
  • Beschaffung: APTS-Tier-Selbstdeklaration für die Plattform plus Offenlegung nach den APAS-Pflichtangaben je Report — Claim-Dimensionen, Coverage-Deklaration, Finding-States, Limitationen.
  • Betrieb: Stop Authority out-of-band testen, Access Disposition Record nach jedem Engagement, Unsupported-Finding Rate als KPI mitführen.
  • Transparenz: Eine APAS-Zertifizierung kann derzeit niemand tragen — nicht VamiRedteam, nicht ein anderer Anbieter; der Core Standard öffnet den Weg, nicht die Zertifizierung (12.1.2).

vamiredteam.com — AI-native Offensive Security Platform der VamiSec GmbH; VamiSec-Tenant in deutschen Rechenzentren auf der T Cloud Public (BSI-C5-Testat der T Cloud Public). Status: Live · Production.

Glossar

Glossar: Begriffe des Autonomous Pentest Assurance Standard

Die wichtigsten Begriffe aus APAS v1.0 in zitierfähigen Kurzdefinitionen — englische Standardbegriffe bleiben im Original, die Definitionen folgen Anhang D und den definierenden Klauseln.

APAS ClaimClaim
Eine begrenzte Aussage darüber, was ein Kandidatensystem in einer APAS-Evaluation innerhalb eines deklarierten Scope, deklarierter Bedingungen und Limitationen gezeigt hat. Sie gilt nur innerhalb von Modus, Tier, Klassen, Affordance-Profil und Reliance-Outcome (1.1.1).
Claim-StringAPAS BB-T2C / X2-C2-Q4 / E3 [P-021] {R2}
Der maschinenlesbare Schlüssel eines atomaren Claims mit acht Positionen in fester Reihenfolge: Modus, Tier, Execution Autonomy, Collaboration Class, Assurance Outcome, Environment Class, Affordance-Profil in eckigen und Reliance Outcome in geschweiften Klammern (5.2).
Capability CombinationFähigkeitskombination
Ein einzigartiges Tupel der Claim-Dimensionsklassen zusammen mit dem Affordance-Profil. APAS zertifiziert Kombinationen, nicht Plattformen; jede abweichende Kombination ist ein eigener Claim (1.1.6, 5.2.1).
Capability Matrix
Strukturierte Übersicht der Kombinationen, die eine Systemversion unterstützt, für die sie evaluiert wurde und die sie öffentlich beanspruchen darf — mit Statusklassen S1 Supported bis S7 Retired; nur S3 Certified or Conformant gilt als zertifiziert (5.3, 5.4).
Atomic System Capability Certification
Das vom Evaluator ausgestellte Ergebnis, dass ein Kandidatensystem die anwendbaren APAS-Anforderungen für eine Fähigkeitskombination unter deklarierten Bedingungen erfüllt hat — einer von drei Claim-Typen neben Multi-Configuration Capability Statement und Engagement Conformance Statement (5.1).
Engagement Conformance Statement
Aussage zu einem konkreten Engagement, das mit einem APAS-zertifizierten System unter denselben oder engeren deklarierten Bedingungen ausgeführt wurde. Es zertifiziert nie die Zielumgebung und ist der einzige Weg, mit dem eine kontinuierlich laufende Plattform APAS je begrenztem Engagement beanspruchen kann (5.1.1, 2.2.4).
Affordance ProfileAffordance-Profil, [P-nnn]
Die deklarierte Betriebsumgebung des Systems während des Tests: Fähigkeiten, Restriktionen, Zugangsbedingungen, Eskalationslimits und Auflagen mit den Pflichtfeldern aus 7.1.1 — von Access Flags und Agent Topology über Inference- und Telemetry-Egress bis zu Action Reversibility und Dynamic Behavior.
Action Reversibility Class
Die folgenreichste Wirkung, die eine Aktion auf den Zielzustand haben darf: read-only, extern reversibel (durch den Zieleigentümer auf deklariertem Weg) oder irreversibel. Fehlt die Deklaration, gilt das Engagement als irreversibel; die Klasse skaliert die Safety-Pflichten (7.1.1, 10.3).
Independent Surface Baseline
Eine Aufzählung der Angriffsfläche im Scope aus mindestens einer Quelle, die nicht unter alleiniger Kontrolle des Kandidatensystems steht — Inventar des Eigentümers oder evaluatorgelenkte Enumeration —, gegen die Entdeckung und Coverage gemessen werden (4.2.4, Anhang D).
Baseline StrengthBS-1 / BS-2 / BS-3
Unabhängigkeitsstufe einer Baseline-Quelle: BS-1 asserted (Inventar oder Scope-Liste des Zieleigentümers), BS-2 directed (vom Evaluator gelenkte Enumeration), BS-3 instrumented (unabhängiges Discovery-Instrument ohne gemeinsame Logik). Q3, Q4 und R3 verlangen mindestens BS-2 (4.2.8, 4.2.10).
Coverage DeclarationCoverage-Deklaration
Strukturierte Aufzeichnung von getestetem, teilweise getestetem, ungetestetem, ausgeschlossenem, unerreichbarem und kontextbegrenztem Scope gegen die anwendbare Baseline — mit den Pflichtfeldern aus 4.2.1, darunter Identity Coverage, Chaining-Tiefe und Limitationen.
Quality DeclarationQualitätsdeklaration
Strukturierte Aufzeichnung zu einem Claim mit den anwendbaren Qualitätsdimensionen, Coverage-Referenz, Finding-State-Übersicht, Evidenzreferenzen, Remediation- und Retest-Status sowie Integritätsoffenlegungen; Pflicht für jeden Q2-, Q3-, Q4-, R2- oder R3-Claim (4.1.2).
QualitätsdimensionenSeven quality dimensions
Coverage Fidelity, Finding Validity, Evidence Traceability, Remediation Usability, Retestability, Process Integrity und Agent Integrity — einzeln deklariert und bewertet, nie zu einem Gesamtscore kombiniert (4.1).
Observation
Finding-State für ein anomales Signal, Artefakt oder Verhalten, das noch nicht als Befund validiert ist (4.3).
Validated Finding
Finding-State für eine vom Kandidatensystem demonstrierte Ausnutzbarkeit oder eine ohne Exploitation festgestellte verwundbare Bedingung, deren unabhängige Bestätigung noch aussteht (4.3).
Confirmed Finding
Befund, den der Evaluator oder der Konformitätsprozess ohne Rückgriff auf die Darstellung des Systems entweder mit der aufgezeichneten Reproduction Procedure selbst reproduziert oder — bei nicht sicher wiederholbaren Bedingungen — anhand konservierter Erstaufnahmen validiert hat. Nur Confirmed Findings stützen Q2 bis R3 (4.3, 4.3.1).
Confirmed Attack Path
Geordnete Menge von Confirmed Findings, deren kombinierte Ausnutzung ein Ergebnis erreicht, das kein Einzelbefund erreicht — mit eigenem Stable Finding Identifier, Pfad-Reproduction-Procedure und EV3 auf Pfadebene; EV4 ist Pflicht, wenn der Pfad-Impact den höchsten Einzel-Impact übersteigt (4.3.7).
Retested Finding
Erneute Bewertung eines zuvor bestätigten Befunds nach behaupteter Behebung durch Ausführen der aufgezeichneten Reproduction Procedure, mit offengelegtem Ergebnis: weiter vorhanden, teilweise behoben oder nicht mehr reproduzierbar (4.3.4).
Unsupported FindingUnsupported-Finding Rate
Ein berichteter Befund, der entweder ein False Positive ist (Bedingung existiert nicht oder ist nicht ausnutzbar) oder ein Over-Severity-Befund (vorhanden, aber nach Adjudikation materiell überzeichnet). Beide Unterklassen werden getrennt berichtet; ihr Anteil an allen Befunden ist die Unsupported-Finding Rate (4.3.8).
Reproduction Procedure
Eine aufgezeichnete, deterministische, agentenunabhängige Abfolge von Schritten, Requests, Payloads, Vorbedingungen und erwarteten Beobachtungen, mit der ein kompetenter Dritter die verwundbare Bedingung ohne Zugang zum Kandidatensystem reproduzieren kann — einschließlich Kontrollbeobachtung; probabilistisch nur bei inhärent probabilistischen Bedingungen (Anhang D).
Stable Finding Identifier
Eindeutige, persistente Kennung, die einem Befund beim ersten Bericht zugewiesen und über Revisionen, Retests, Exporte und Formatkonvertierungen hinweg beibehalten wird (Anhang D).
Single-Capture Confirmation
Confirmed Finding, das nach der Ausnahme in 4.3.3 auf konservierter Erstaufnahme statt auf einer ausgeführten Reproduktion beruht — nur für zeitkritische, destruktive, einmalige oder nicht sicher wiederholbare Bedingungen, mit Content-Hash, Custody-Kette und Evaluator-Validierung; in jedem öffentlichen Claim als solche zu kennzeichnen (11.2.3).
Evidence ClassesEV1 / EV2 / EV3 / EV4
EV1 Signal (anomales Verhalten oder verdächtige Bedingung), EV2 Validation (demonstrierte Ausnutzbarkeit oder festgestellte Bedingung), EV3 Traceable Confirmation (unabhängige Reproduktion am Ziel), EV4 Impact Substantiation (Beleg oder adjudizierte Begründung für das Impact-Band). Ein Confirmed Finding braucht EV3 (4.4).
Out-of-Band Witness Evidence
Evidenz, die ein Instrument erzeugt, das das Kandidatensystem weder autoren, beobachten noch erreichen kann — ein Callback-Listener, ein Canary oder ein zielseitiger Monitor (Anhang D).
Negative-Result Statement
Pflichtaussage für Pakete ohne Confirmed Findings oder nur mit niedriger Schwere bei höherer beanspruchter Assurance: Sie benennt ausgeübte Rollen, Workflows, Privilegiengrenzen, Ausschlüsse, ungetestete Bereiche, Limitationen, Evidenzreferenzen, die Independent Surface Baseline und das Run-Design (4.5.1).
Pre-Registered Run Design
Laufzahl, Auswahlregel und Zweck der Läufe, die einen Claim stützen — vor der Ausführung festgelegt und vom Evaluator attestiert. Die Aggregationsregel stammt aus einer geschlossenen Menge: Any-Run-Union, All-Run-Intersection, Mehrheit oder eine ausdrücklich deklarierte Regel (4.6.2, 4.6.5).
Probabilistic Rediscovery
Ein späterer Lauf, in dem das Kandidatensystem eine zuvor berichtete Bedingung durch seine eigene nicht-deterministische Exploration wiederfindet oder nicht — statt über die aufgezeichnete Reproduction Procedure. Zählt nie als Retest, Fix-Verifikation oder Abwesenheitsnachweis (4.3.4 a, 4.6.4).
ModeBB / GB / WB
Das deklarierte Bedrohungsmodell des Tests: BB Black-Box ohne Quellcode oder privilegiertes Architekturwissen, GB Grey-Box mit begrenzten Zugangsdaten und Dokumentation, WB White-Box oder code-aware mit Quellcode, Repository-Zugang oder tiefem Implementierungskontext. Kein Modus ist pauschal überlegen (5.5).
TierT1 / T2A / T2C / T3 / T4
Der Prüfanspruch eines Claims: T1 Surface Assurance, T2A Recurring Assurance Pentest, T2C Compliance Evidence Pentest, T3 Business-Critical Deep Assessment, T4 Threat-Led Technical Resilience. Detailanforderungen definiert die Profile Registry; T2C impliziert keinen Control-Pass, T4 kein vollumfängliches Red Team (5.6).
Execution Autonomy ClassX1 / X2 / X3
Wer den Test führt: X1 menschengeführt mit materieller Systemunterstützung, X2 agentengeführt mit erlaubter menschlicher Mitarbeit im Lauf, X3 unabhängige Agentenausführung ohne analytische menschliche Hilfe. Misst Beteiligung, nicht Qualität (5.7).
Collaboration ClassC1 / C2 / C3 / C4
Das Zusammenspiel von Mensch und Agent: C1 Mensch führt mit Agentenhilfe, C2 Agent führt mit aktiver menschlicher Kollaboration, C3 Agent führt mit menschlicher Eskalation nur an definierten Punkten, C4 Agent allein bis zur Prüfung durch die vertrauende Partei. C4 schließt analytische Mitarbeit aus, nie die Sicherheitsaufsicht (5.8).
Assistance ClassH0 / H1 / H2
Offenlegung menschlicher Hilfe: H0 keine Hilfe mit Wirkung auf Strategie, Exploitation, Validierung, Priorisierung oder Bericht; H1 nur administrative oder Safety-Intervention; H2 analytische Hilfe. X3 verbietet H2 während der Ausführung, Q4 verbietet H2 beim Zusammenstellen des Pakets (9.1).
Assurance OutcomeQ1 / Q2 / Q3 / Q4
Die deklarierte Klasse für Stärke und Nutzbarkeit des Pentest-Outputs: Q1 signalgrade, Q2 entscheidungsnützlich, Q3 referenzvalidiert gegen eine unabhängige Baseline, Q4 assessor-ready ohne analytische Nachbearbeitung durch den Anbieter (5.9).
Reliance OutcomeR1 / R2 / R3
Die deklarierte Klasse für die Nutzung, die ein vertrauender Reviewer vom Evidence-Package machen darf: R1 nur ergänzende Evidenz, R2 assessor-konsumierbare Augmentation, R3 bedingte Substitution einer benannten Teilmenge von Pentest-Aktivitäten. R darf Q nie übersteigen; R3 verlangt Q4 (5.10).
Environment ClassE1 / E2 / E3
Reichweite über Vertrauensgrenzen, nicht Zieltyp: E1 ein einzelnes isoliertes Ziel, E2 mehrrollige, mehrstufige oder zustandsbehaftete Interaktion innerhalb einer Vertrauensgrenze, E3 Interaktion über eine Vertrauens- oder Segmentierungsgrenze hinweg (7.2).
Evaluator
Die Partei, die bestimmt, ob ein Kandidatensystem oder Engagement die anwendbaren APAS-Anforderungen erfüllt. Für X2-, X3-, Q3-, Q4-, R2- oder R3-Claims organisatorisch vom Anbieter unabhängig, mit Offenlegung materieller Beziehungen (6.1.1).
Relying ReviewerVertrauender Prüfer
Der Auditor, Assessor oder vom Kunden bestellte Prüfer, der entscheidet, ob ein APAS-Evidence-Package für den beabsichtigten Assurance- oder Compliance-Zweck ausreicht — nie ein Pentest-Reviewer des Anbieters (6.2.1).
Vendor-side Analytical Review
Jede vom Anbieter ausgehende Interpretation, Bearbeitung, Priorisierung, Control-Zuordnung oder Schlussfolgerung, die während oder nach der Ausführung und vor der Übergabe an den Reviewer angewendet wird — einschließlich automatisierter Komponenten, die Schlüsse formen, ohne das Ziel erneut zu beobachten. Muss offengelegt werden; verdeckt macht sie Q3-, Q4- und R3-Claims ungültig (6.4.1).
Assessor-Consumable Evidence PackageEvidence-Package
Ein nach 8.1.2 vollständiges Paket mit Pentest-Bericht und Nachvollziehbarkeit von Befunden und Coverage-Aussagen zu den stützenden Artefakten, so strukturiert, dass der Reviewer Scope, Coverage, Befunde, Methodik, Limitationen und das beanspruchte Reliance-Outcome ohne Vendor-side Analytical Review bewerten kann (Anhang D).
Agent Execution RecordAER
Manipulationsevidente, exportierbare Aufzeichnung des attestierten Laufs mit jedem sicherheitsrelevanten Ereignis — Modell- und Tool-Aufrufe, Kontext-Ingestion, Policy-Entscheidungen, Delegationen, Aufsichtsereignisse, Credential-Nutzung, Scope-Änderungen, Änderungen am Ziel und selbstinitiierte Rekonfigurationen; Pflicht für Q3-, Q4-, R2- und R3-Pakete (8.2.6).
Tamper-Evident Log
Ein Ausführungs- und Evidenz-Log, das so geführt wird, dass nachträgliches Einfügen, Löschen oder Ändern von Einträgen erkennbar ist — gepflegt oder gegengezeichnet von einer Komponente oder Partei außerhalb der alleinigen Kontrolle des Kandidatensystems (8.2.3).
Stop Authority
Die Parteien, die berechtigt sind, die Ausführung auszusetzen oder zu beenden — mindestens Zieleigentümer und Evaluator —, samt Mechanismus, Kanal und maximaler Reaktionszeit. Der Stop wirkt out-of-band: Das System ist nie alleiniger Schiedsrichter darüber, ob er greift (10.2.1, 10.2.2).
Access Disposition Record
Aufzeichnung zum Abschluss oder nach jedem Stop, die jeden vom Engagement erzeugten oder autorisierten Zugang — Tokens, Konten, Sessions, Tunnel, delegierte Tokens, Persistenz — mit Status (Revoked, Expired, Removed, Rotated, Retained mit Eigentümer und Ablauf), zuständiger Partei und Verifikationsreferenz ausweist (10.2.5).
Agent Integrity
Qualitätsdimension und Safety-Pflicht: Das System widersteht, erkennt, dämmt ein und legt offen adversariale Manipulation seines Reasonings, Kontexts und Toolings — Prompt Injection aus Zielinhalten, Tool- oder MCP-Substitution, Kontext-Poisoning, Umgehung von Laufzeitkontrollen; für Q3/Q4/R2/R3 durch evaluatorgeführte Angriffe geprüft (10.4).
Eval-Awareness
Materielle Verhaltensdifferenz eines Systems zwischen gekennzeichneten Evaluationsläufen und blinden Läufen bei Scope-Treue, Out-of-Scope-Verweigerung, Coverage und Fabrikationsrate; muss offengelegt werden und deckelt das Assurance-Outcome (10.4.3).
Truth Set
Die aufgezeichneten Ground-Truth-Bedingungen, die in einer Evaluationsumgebung vorhanden oder platziert sind und gegen die Befunde und Coverage bewertet werden; vom Kandidatensystem vollständig isoliert, Konstruktion im Evaluator Guide (10.5, Anhang D).
Coordinated-Disclosure Path
Der deklarierte Prozess für Meldung und Behandlung von Schwachstellen in Drittkomponenten, Abhängigkeiten, geteilter Infrastruktur oder Out-of-Scope-Systemen, mit Offenlegungsstatus encountered, notified, disclosure-restricted, resolved oder published je Fund (7.4.2).
MaterialityMaterialität
Ein Umstand ist material, wenn seine Offenlegung, Auslassung oder Falschdarstellung die Assurance-, Reliance- oder Risikoakzeptanz-Entscheidung eines vertrauenden Reviewers beeinflussen könnte oder ihn veranlasst hätte, die Evidenz abzulehnen, die Reliance herabzustufen oder zusätzliche Tests zu verlangen (Anhang D).
Companion DocumentsEvaluator Guide, Profile Registry, Attestation Schema, Crosswalk Annexes
Die Begleitdokumente, die Scoring, Prozeduren, Tier-Profile, maschinenlesbare Felder und Framework-Mappings definieren. Ohne veröffentlichten Evaluator Guide, Profile-Registry-Eintrag und Attestation Schema in kompatibler Version darf keine Zertifizierung ausgestellt werden (12.1).
FAQ

Häufige Fragen zum Autonomous Pentest Assurance Standard

Kurze Antworten für CISOs, Einkauf, Revision und Security-Teams — Stand 8. November 2026, APAS Core Standard v1.0.

APAS ist ein Standard der Cloud Security Alliance (CSA) für die Qualität, Verlässlichkeit und Nutzbarkeit der Evidenz, die autonome, KI-gestützte Penetrationstest-Systeme erzeugen. Er legt fest, wie ein solches System deklarieren muss, was es getestet hat, unter welchen Bedingungen und mit welchen Belegen — über einen Claim-String mit acht Dimensionen, sieben Qualitätsdimensionen, Finding-States, Evidence-Klassen, eine Coverage-Messung gegen eine unabhängige Baseline sowie Pflichten zu Stop Authority, Agent Integrity und ehrlichem Marketing. Der Core Standard v1.0 trägt den Dokumentstand 2. November 2026 und wurde von der CSA am 4. November 2026 veröffentlicht.

Nein — noch nicht. Der Core Standard definiert zwar evaluatorbasierte Zertifizierungen (Atomic System Capability Certification, Engagement Conformance Statement), aber keine darf ausgestellt werden, bevor der APAS Evaluator Guide, der einschlägige Eintrag der Profile Registry und das Attestation Schema in kompatiblen Versionen veröffentlicht sind (12.1.2). Zum Stand November 2026 ist keines dieser Companion-Dokumente erschienen. Wer heute mit „APAS-zertifiziert“ oder „APAS-konform“ wirbt, verstößt gegen den Standard selbst (2.2.1). Zulässig ist, sich am Core auszurichten und seine Deklarations- und Evidenzanforderungen bereits umzusetzen.

Der OWASP Autonomous Penetration Testing Standard (APTS) ist ein Governance-Standard für autonome Pentest-Plattformen: Er regelt Scope-Enforcement, Safety Controls, menschliche Aufsicht, Autonomie-Level L1 bis L4, Audit-Trails, Manipulation Resistance, Supply-Chain-Transparenz und Reporting — die Frage, ob eine Plattform sicher operieren darf. APAS regelt, ob und wie weit man den Ergebnissen einer solchen Plattform trauen darf: Coverage gegen eine unabhängige Baseline, Confirmed Findings durch agentenunabhängige Reproduktion, Evidence-Packages, Reliance-Klassen R1 bis R3 und evaluatorbasierte Zertifizierung. Die CSA bringt es auf den Satz: APTS governs whether an autonomous platform can be trusted to operate; APAS governs whether its results can be relied upon. Beide ergänzen sich — APTS für Beschaffung und Betrieb der Plattform, APAS für Berichte und Nachweise.

Die acht Positionen stehen für Modus (BB Black-Box), Tier (T2C Compliance Evidence Pentest), Execution Autonomy (X2 agentengeführt mit menschlicher Mitarbeit), Collaboration Class (C2 aktive Mensch-Agent-Kollaboration), Assurance Outcome (Q4 assessor-ready), Environment Class (E3 über eine Vertrauensgrenze hinweg), Affordance-Profil (P-021, die deklarierte Betriebsumgebung) und Reliance Outcome (R2 Augmentation). In Klartext: ein agentengeführter Black-Box-Test mit wiederholter Mensch-Agent-Übergabe, dessen assessor-reifes Evidence-Package einen Prüfnachweis ergänzen, aber nicht ersetzen darf. Jede unique Kombination ist ein eigener Claim; öffentlich muss neben dem String immer eine solche Klartext-Lesart stehen (11.1.1).

Ein Confirmed Finding ist ein Befund, den der Evaluator oder der Konformitätsprozess ohne Rückgriff auf die Darstellung des Systems selbst reproduziert hat — mit der aufgezeichneten, agentenunabhängigen Reproduction Procedure am Ziel (Evidence-Klasse EV3). Die eigene Beschreibung des Systems, sein Reasoning-Trace oder die Einigkeit mehrerer interner Agenten oder Judge-Modelle zählen ausdrücklich nicht (4.4.1). Nur Confirmed Findings dürfen Claims ab Q2 stützen (4.3.1). Für nicht sicher wiederholbare Bedingungen gibt es die eng gefasste Single-Capture Confirmation auf Basis konservierter Erstaufnahmen mit Hash und Custody-Kette, die öffentlich als solche gekennzeichnet werden muss (4.3.3, 11.2.3).

Nicht pauschal. APAS zertifiziert keine Menschenäquivalenz und verbietet, universelle Substitution zu behaupten (11.2.1). Substitution ist nur als Reliance Outcome R3 für eine benannte Teilmenge von Pentest-Aktivitäten möglich — bedingt, profilgebunden, nur mit Q4-Evidence-Package, unabhängigem Evaluator und ausdrücklicher Zulassung durch das vertrauende Framework oder den Assessor (5.10). Social Engineering, physische und Funk-Vektoren sowie Full-Scope-Red-Team-Äquivalenz sind ausgeschlossen (2.2, 5.6.3). Realistisch ist heute Augmentation (R2): Autonome Evidenz ergänzt den klassischen Pentest, erhöht Frequenz und Breite und liefert reproduzierbare Retests.

Kontinuierlicher oder Always-on-Betrieb ist in v1.0 außerhalb des Scope. Ein APAS-Claim ist an einen deklarierten Lauf oder ein Engagement gebunden; eine dauerhaft laufende Plattform kann APAS nur je begrenztem Engagement über ein Engagement Conformance Statement beanspruchen (2.2.4). Für Continuous-Testing-Angebote heißt das: Jeder berichtete Zeitraum braucht seine eigene Deklaration mit Coverage, Finding-States und Limitationen.

Als Anforderungskatalog und Vokabular: Verlangen Sie je Anbieter eine Capability Matrix mit allen acht Claim-Dimensionen und Klartext-Lesart, eine Coverage-Deklaration mit Pflichtfeldern gegen Ihre eigene Baseline, Finding-States mit Stable Identifiers und Reproduction Procedures, die Unsupported-Finding Rate, ein Affordance-Profil mit Egress- und Provenance-Angaben, den Nachweis einer out-of-band Stop Authority, adversarial getestete Agent Integrity sowie Exporte als SARIF, OSCAL und OpenVEX. Legen Sie die Verbotsliste aus 11.2 neben jedes Marketingdokument. Der Reliance-Navigator und der Evidence-Package-Check auf dieser Seite setzen das direkt um; das CISO-Whitepaper enthält den vollständigen Katalog mit RfP-Fragen.

APAS begründet selbst keine Compliance und impliziert keine Framework-Akzeptanz (1, 5.9.1); strengere Vorgaben eines Rahmenwerks gehen vor (13.3). Die Rahmenwerke verlangen Tests, Methodik, Qualifikation und Dokumentation — APAS liefert die Struktur, in der autonome Ergebnisse als Nachweis lesbar werden. Nach unserer Einschätzung eignet sich autonome Evidenz heute als Ergänzung (R1/R2) im DORA-Testprogramm nach Art. 24–25, für Wirksamkeitsnachweise nach NIS2 Art. 21 Abs. 2 lit. f und § 30 BSIG, für die regelmäßigen Sicherheitstests des CRA (Anhang I Teil II) und für ISO/IEC 27001 Anhang A 8.8 und 8.29. Bedrohungsorientierte Tests (TLPT/TIBER-EU), der jährliche Pentest nach PCI DSS 11.4 und Pentests unter BSI C5 bleiben beim qualifizierten menschlichen Tester — C5:2026 schreibt für KI-Werkzeuge sogar ausdrücklich vor, dass sie Fachexperten unterstützen und nicht ersetzen (OPS-18.01B Nr. 7).

Nein — und das kann derzeit kein Anbieter sein, weil die Companion-Dokumente fehlen, ohne die APAS keine Zertifizierung zulässt (12.1.2). VamiRedteam, die KI-native Offensive-Security-Plattform der VamiSec GmbH, ist am OWASP APTS ausgerichtet: Scope-Prüfung bei jeder Aktion, Freigaben, vier Autonomie-Level nach APTS und ein Engagement-Protokoll sind Teil des Produkts; Befunde werden nach CVSS 4.0 und KI-Schwachstellen nach AIVSS bewertet. Die sieben APAS-Qualitätsdimensionen nutzen wir als Maßstab für Berichte autonomer Systeme — in Kundenprojekten zur Tool-Evaluation ebenso wie für die eigene Plattform.

Standards & Quellen

Die Inhalte dieser Seite basieren auf den folgenden öffentlich verfügbaren Leitfäden und Studien.

Cloud Security Alliance · 2026

Autonomous Pentest Assurance Standard (APAS) — Core Standard v1.0

Dokumentstand 2. November 2026 (Änderungsprotokoll: Erstfassung 23. Oktober 2026), auf der CSA-Website veröffentlicht am 4. November 2026; 44 Seiten, Abschnitte 1–13, Anhänge A–D. Primärquelle aller Klauselverweise dieser Seite.

Cloud Security Alliance · 2026

APAS v1.0 Release Slides

Begleitpräsentation zur Veröffentlichung (November 2026): Why APAS, Abgrenzung zu OWASP APTS, Kernprinzipien, sieben Qualitätsdimensionen, Claim-String-Beispiel, Safety und Agent Integrity, Companion-Dokumente.

OWASP Foundation · 2026

OWASP Autonomous Penetration Testing Standard (APTS)

Version 0.1.0 (April 2026), OWASP-Incubator-Projekt, CC BY-SA 4.0; 173 Tier-Required-Anforderungen in 8 Domänen, 3 Tiers, Level L1 Assisted bis L4 Autonomous; github.com/OWASP/APTS (Stand 08.11.2026 ohne Release-Tag). Von der CSA als nächstverwandtes Vorhaben eingeordnet.

PTES · 2014

Penetration Testing Execution Standard (PTES)

Sieben Phasen eines Penetrationstests mit Technical Guidelines — eine der drei Methodiken, die APAS über Crosswalk Annexes zuordnet.

OWASP Foundation · 2020

OWASP Web Security Testing Guide (WSTG) v4.2

Testmethodik für Webanwendungen — im APAS Core als Referenz unterhalb beider Standards genannt.

ISECOM · 2010

OSSTMM 3 — Open Source Security Testing Methodology Manual

Methodik für operative Sicherheitstests — dritte im APAS Core referenzierte Testmethodik.

OASIS · 2023

SARIF — Static Analysis Results Interchange Format

Austauschformat, in das APAS-Befunde exportierbar sein müssen (8.4.3); Version im Paket anzugeben.

NIST · 2024

OSCAL — Open Security Controls Assessment Language

Maschinenlesbare Control- und Requirement-Mappings unter T2C-Profilen (8.4.3) — Anschluss an Frameworks-as-Code und GRC-Plattformen.

OpenSSF · 2023

OpenVEX — Vulnerability Exploitability eXchange

Format für Remediation- und Retest-Status je Befund (8.4.3); Alternative: ein deklariertes gleichwertiges Exploitability-Format.

in-toto / IETF · 2024

in-toto Attestation Framework, DSSE und SCITT

Provenance-Envelopes, in denen Claim-String und Build-Digest des Kandidatensystems maschinenlesbar reisen (8.4.1).

Europäische Union · 2022

DORA — Verordnung (EU) 2022/2554

Programm zur Prüfung der digitalen operationalen Resilienz (Art. 24–25), TLPT mindestens alle drei Jahre (Art. 26), Anforderungen an Tester (Art. 27) — Bezugsrahmen für die Reliance-Einordnung im Finanzsektor.

Europäische Kommission · 2025

Delegierte Verordnung (EU) 2025/1190 — RTS zu bedrohungsorientierten Penetrationstests (TLPT)

Vom 13. Februar 2025, ABl. 18. Juni 2025: Anforderungen an Threat-Intelligence-Anbieter und Red Teams (Art. 7), interne Tester (Art. 15), Berichte, Remediation und Attestierung — Tester als Personen mit Erfahrung, Referenzen und Versicherung.

Europäische Union · 2022

NIS2 — Richtlinie (EU) 2022/2555

Risikomanagementmaßnahmen nach Art. 21 Abs. 2, darunter Wirksamkeitsbewertung (lit. f), Lieferkettensicherheit (lit. d) und Schwachstellenbehandlung (lit. e).

Europäische Kommission / Bundesgesetzblatt · 2025

Durchführungsverordnung (EU) 2024/2690 und BSI-Gesetz (BSIG) vom 2. Dezember 2025

DVO zur NIS2-Richtlinie für digitale Infrastrukturen mit Anforderungen an Sicherheitstests (Anhang Nr. 6.5); deutsches NIS2-Umsetzungsgesetz, in Kraft seit 6. Dezember 2025: § 30 Maßnahmen und Dokumentation, § 38 Geschäftsleitung, § 39 KRITIS-Nachweise.

Europäische Union · 2024

Cyber Resilience Act — Verordnung (EU) 2024/2847

Anhang I Teil II: wirksame und regelmäßige Sicherheitstests und Schwachstellenbehandlung; Meldepflichten seit 11. September 2026, übrige Pflichten ab 11. Dezember 2027.

Europäische Union · 2024

EU AI Act — Verordnung (EU) 2024/1689

Art. 15 Genauigkeit, Robustheit und Cybersicherheit für Hochrisiko-KI; Art. 55 Abs. 1 Modellevaluierung mit adversarialem Testen für GPAI-Modelle mit systemischem Risiko.

ISO/IEC · 2022

ISO/IEC 27001:2022 — Anhang A 8.8 und 8.29

Handhabung technischer Schwachstellen und Sicherheitstests in Entwicklung und Abnahme — Ankerpunkte für autonome Evidenz im ISMS.

PCI Security Standards Council · 2024

PCI DSS v4.0.1 — Requirement 11.4

Externe und interne Penetrationstests mindestens jährlich und nach signifikanten Änderungen, definierte Methodik, qualifizierte und organisatorisch unabhängige Tester, Behebung und Retest.

Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik · 2026

BSI C5:2020 und C5:2026 — Kriterienkataloge Cloud Computing

C5:2020 OPS-19 (Penetrationstests mindestens jährlich durch qualifiziertes Personal oder externe Dienstleister); C5:2026 (Erstveröffentlichung 07.04.2026, verbindlich für Berichtszeiträume ab 01.06.2027) mit OPS-22 und der KI-Klausel OPS-18.01B Nr. 7: KI-Werkzeuge nachvollziehbar dokumentieren, zur Unterstützung der Fachexperten, nicht als Ersatz.

Europäische Zentralbank · 2025

TIBER-EU Framework (Januar 2025) und TIBER-EU SSM Implementation Guide

An DORA und die TLPT-RTS angepasstes Rahmenwerk für bedrohungsorientierte Tests: externer Threat-Intelligence-Anbieter verpflichtend, externe Red Teams empfohlen, verpflichtendes Purple Teaming; keine Aussage zu KI- oder automatisierten Testern.

CREST · 2026

CREST — Modul „AI-Enabled Penetration Testing“ im Penetration Testing Accreditation Standard

Im Juli 2026 angekündigtes optionales Akkreditierungsmodul für Dienstleister, die KI-gestützte Penetrationstests anbieten — die Anbieter-Ebene im Dreiklang aus CREST (Dienstleister), OWASP APTS (Plattform) und CSA APAS (Ergebnis).

Autonome Pentests mit belastbarer Evidenz einführen

VamiSec begleitet Sie von der Entscheidung bis zum Nachweis: Tool-Evaluation autonomer Pentest-Plattformen entlang der sieben APAS-Qualitätsdimensionen, Pilotdesign mit unabhängiger Baseline und blinder Evaluation, Einordnung der Ergebnisse in DORA, NIS2, CRA und ISO 27001 — und klassische wie KI-native Penetrationstests mit VamiRedteam, ausgerichtet am OWASP APTS.