Die meisten modernen Ansätze folgen dem Vier-Fragen-Rahmen von Adam Shostack („Threat Modeling: Designing for Security“, 2014): Woran arbeiten wir? Was kann schiefgehen? Was tun wir dagegen? Haben wir gute Arbeit geleistet? Die vier Fragen strukturieren den Prozess in Systemmodellierung, Bedrohungsidentifikation, Maßnahmenableitung und Validierung – unabhängig davon, welche Methode im Einzelnen zum Einsatz kommt. Das Threat Modeling Manifesto definiert Threat Modeling entsprechend als Analyse von Repräsentationen eines Systems, um Bedenken hinsichtlich seiner Sicherheits- und Datenschutzeigenschaften herauszuarbeiten. Entscheidend ist der Perspektivwechsel: nicht prüfen, ob Anforderungen erfüllt sind, sondern systematisch fragen, was ein Angreifer mit dem Entwurf anfangen könnte.
Threat Modeling: Angriffe antizipieren, bevor Code entsteht
Wie Sie mit dem Vier-Fragen-Rahmen, STRIDE, PASTA und Attack Trees Sicherheitsrisiken bereits in der Designphase identifizieren – und Threat Modeling dauerhaft in SDLC und agilen Teams verankern.
Die teuersten Schwachstellen sind selten Programmierfehler, sondern Designentscheidungen: eine fehlende Vertrauensgrenze, ein ungeschützter Datenfluss, ein nicht bedachter Missbrauchsfall. Threat Modeling analysiert Repräsentationen eines Systems, um solche Sicherheits- und Datenschutzprobleme strukturiert sichtbar zu machen, bevor sie implementiert werden. Was lange als Expertendisziplin galt, ist heute methodisch gut erschlossen: Der Vier-Fragen-Rahmen liefert die Struktur, Methoden wie STRIDE und PASTA die Systematik, und Werkzeuge von OWASP Threat Dragon bis pytm senken die Einstiegshürde. Zugleich verankern Rahmenwerke wie das NIST Secure Software Development Framework die Bedrohungsmodellierung ausdrücklich im sicheren Entwicklungsprozess.
Das Wichtigste im Überblick
Sechs Themenblöcke — zum Aufklappen antippen.
Methoden-Explorer: STRIDE, PASTA, Attack Trees
Drei Methoden, die sich in der Praxis ergänzen — systematische Breite, Risikoperspektive und Tiefenanalyse.
- 1999 von Loren Kohnfelder und Praerit Garg bei Microsoft formuliert, später Kernelement des Microsoft Security Development Lifecycle.
- Kategorisiert Bedrohungen in sechs Klassen, die jeweils ein Schutzziel verletzen — von Spoofing bis Elevation of Privilege.
- In der Praxis die Methode für die systematische Breite.
- Risikozentrierte Methode (UcedaVélez/Morana, 2015): sieben Stufen von der Definition der Ziele bis zur Risiko-/Auswirkungsanalyse.
- Verbindet simulierte Angriffe mit ihrer Geschäftsauswirkung.
- Liefert im Methodenmix die Risikoperspektive.
- Bruce Schneier (1999): Ein Angriffsziel bildet den Wurzelknoten und wird über UND/ODER-Verknüpfungen in konkrete Angriffspfade zerlegt.
- Angriffspfade lassen sich etwa nach Kosten oder Erfolgswahrscheinlichkeit bewerten.
- Die Methode für die Tiefenanalyse einzelner Szenarien.
Standards & Quellen
Die Inhalte dieser Seite basieren auf den folgenden öffentlich verfügbaren Leitfäden und Studien.
Threat Modeling Manifesto
Definiert Threat Modeling, verweist auf den Vier-Fragen-Rahmen und formuliert fünf Werte, vier Prinzipien sowie Patterns und Anti-Patterns als methodenneutrale Leitplanken.
Threat Modeling: Designing for Security
Standardwerk, auf das der Vier-Fragen-Rahmen zurückgeht, dem die meisten modernen Threat-Modeling-Ansätze folgen.
Risk Centric Threat Modeling: Process for Attack Simulation and Threat Analysis
Originalquelle der siebenstufigen, risikozentrierten PASTA-Methodik, die simulierte Angriffe mit Geschäftsauswirkungen verknüpft.
Attack Trees
Ursprungsartikel zu Angriffsbäumen: Angriffsziel als Wurzelknoten, UND/ODER-verknüpfte Angriffspfade, bewertbar etwa nach Kosten oder Erfolgswahrscheinlichkeit.
NIST SP 800-218: Secure Software Development Framework (SSDF) Version 1.1
Verankert Risikomodellierung – ausdrücklich inklusive Threat Modeling – als Task PW.1.1 der Praxis „Produce Well-Secured Software“.
Agentic AI Threat Modeling Framework: MAESTRO
Siebenschichtiges Threat-Modeling-Framework für agentische KI-Systeme, das Lücken klassischer Methoden wie STRIDE und PASTA adressiert.
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