Der Shor-Algorithmus (1994) löst Faktorisierung und diskrete Logarithmen effizient — auf einem hinreichend großen, fehlerkorrigierten Quantencomputer fallen damit RSA, Diffie-Hellman und elliptische Kurven vollständig: die Schlüsseleinigung fast jeder TLS-Verbindung, jedes VPN-Tunnels und jede Signaturkette. Der Grover-Algorithmus (1996) beschleunigt dagegen nur die Schlüsselsuche quadratisch: AES-128 verhält sich wie ein 64-Bit-Verfahren, AES-256 und SHA-384 gelten weiterhin als sicher. Die Migration betrifft deshalb fast ausschließlich asymmetrische Verfahren — Symmetrik und Hashes sind ein Konfigurationsthema.
Post-Quantum-Kryptografie: der Fahrplan zur Quantum Readiness
Quantencomputer werden RSA und elliptische Kurven brechen — und „Harvest now, decrypt later" macht langlebige Daten schon heute angreifbar. Diese Seite erklärt Bedrohung, Standards, Fristen und das Migrationsprogramm: vom Mosca-Test über die EU-Roadmap 2030/2035 und BSI TR-02102-1 bis zu Krypto-Inventur, CBOM und Krypto-Agilität.
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> 50 %des Web-Traffics bei Cloudflare bereits quantensicher (10/2025)
< 1 Mio.verrauschte Qubits für RSA-2048 laut Google-Forschung 2025
2030EU-Frist Hochrisiko · BSI-Frist sehr hoher Schutzbedarf (Jahresende)
2031letztes Jahr rein klassischer Schlüsseleinigung laut BSI (Jahresende)
Die Post-Quanten-Migration ist die erste Umbaumaßnahme der IT-Sicherheitsgeschichte mit amtlichem Endtermin: Die EU-Mitgliedstaaten verlangen quantensichere Hochrisiko-Systeme bis Ende 2030, das BSI empfiehlt rein klassische Schlüsseleinigung nur noch bis Ende 2031 — und die Technik dafür ist seit August 2024 standardisiert. Was fehlt, ist in den meisten Organisationen nicht Kryptografie, sondern Sichtbarkeit, Priorisierung und ein Programm. Genau das liefert diese Seite: die verifizierten Fakten mit Primärquellen, die Denkwerkzeuge (Mosca-Test, Migrationswellen, CBOM) und den kompletten Fahrplan aus unserem CISO-Whitepaper „Quantum Readiness für CISOs".
Von den NIST-Standards zur EU-Deadline
Acht Meilensteine, die den Zeitplan der Migration festlegen — klicken Sie sich durch.
August 2024
NIST finalisiert FIPS 203, 204 und 205
ML-KEM, ML-DSA und SLH-DSA sind die ersten finalen PQC-Standards — die Referenzverfahren, auf die BSI und EU-Roadmap verweisen. Seitdem ist „Wir warten auf Standards" kein Argument mehr.
Februar 2025
Europol: Call to Action für den Finanzsektor
Das Quantum Safe Financial Forum ruft Institute, Anbieter und Politik auf, die PQC-Migration zum strategischen Ziel zu machen — koordiniert und im bestehenden Rechtsrahmen. Anfang 2026 folgt mit FS-ISAC eine gemeinsame Priorisierungsmethodik.
März 2025
HQC wird Backup-KEM
NIST wählt mit HQC ein codebasiertes Reserveverfahren neben ML-KEM aus; der finale Standard wird für 2027 erwartet. Die Botschaft: Algorithmen bleiben in Bewegung — Krypto-Agilität ist Teil der Anforderung.
Juni 2025
EU verabschiedet die koordinierte PQC-Roadmap
Die NIS-Kooperationsgruppe legt unter Ko-Vorsitz von Deutschland, Frankreich und den Niederlanden den EU-Fahrplan fest: Start sofort, nationale Pläne bis Ende 2026, Hochrisiko bis Ende 2030, weitestgehender Abschluss bis Ende 2035.
Ende 2026
Nationale Pläne stehen, Transition läuft
Alle Mitgliedstaaten sollen die Umstellung begonnen und Umsetzungspläne vorgelegt haben. Übersetzt für Unternehmen: Krypto-Inventur, Risikoanalyse und eine erste Roadmap gehören in das Jahr 2026.
Ende 2030
Hochrisiko-Systeme quantensicher
EU-Frist für Hochrisiko-Anwendungsfälle inklusive kritischer Infrastrukturen; das BSI verlangt zum selben Termin die Migration bei sehr hohem Schutzbedarf. Der NIST-Entwurf IR 8547 stuft RSA-2048 und P-256 ab 2030 als deprecated ein.
Ende 2031
BSI: Schluss für rein klassische Schlüsseleinigung
Die TR-02102-1 (2026-01) empfiehlt den alleinigen Einsatz klassischer Schlüsseleinigung nur noch bis Ende 2031 — danach quantensicher oder hybrid, etwa ML-KEM kombiniert mit ECDH über CatKDF oder KeyCombine.
2035
Abschluss: Migration und Signaturen
EU-Zielmarke für den weitestgehenden Abschluss; auch klassische Signaturverfahren sollen nach BSI-Empfehlung bis Ende 2035 abgelöst sein. Der NIST-Entwurf sieht RSA und ECC ab 2035 als disallowed. PKI und Zertifikatsketten brauchen dafür Jahre Vorlauf.
Das Wichtigste im Überblick
Neun Kernkonzepte — aufklappen für den vollen Text. Der komplette Fahrplan mit allen Tabellen folgt darunter als Longform.
Was ersetzt was: der Algorithmen-Explorer
Vier Baustellen der Migration — von der Schlüsseleinigung bis zur PKI. Alle Verfahren laufen auf klassischer Hardware.
- RSA-Verschlüsselung und (EC)DH werden durch ML-KEM (Kyber) ersetzt — final standardisiert seit August 2024.
- Der Übergang läuft hybrid: X25519MLKEM768 ist in TLS 1.3 De-facto-Standard und Browser-Default; das BSI empfiehlt CatKDF/KeyCombine nach SP 800-227 als Kombinationsverfahren.
- HQC ist seit März 2025 das codebasierte Reserveverfahren, Standard erwartet 2027 — ein Grund, Austauschbarkeit gleich mitzubauen.
- HNDL-Priorität: exponierte Übertragungswege langlebiger Daten (Internet-TLS, Standort-VPN, Backup-Replikation) zuerst.
- RSA-PSS und ECDSA werden durch ML-DSA (Dilithium) ersetzt; SLH-DSA ist die konservative hashbasierte Reserve, FN-DSA (Falcon) die kompakte Alternative in Finalisierung.
- Signaturen wachsen deutlich: ML-DSA-65 signiert mit 3.309 Bytes (ECDSA: ~64) — Zertifikatsketten, TLS-Records und Log-Formate brauchen Platz.
- Firmware- und Code-Signing kann mit LMS/XMSS (SP 800-208) heute schon quantensicher; CNSA 2.0 verlangt es für US-Zulieferer bis 2030 exklusiv.
- Der längste Vorlauf der Migration: Root-CAs und Vertrauensanker, die 2035 noch gelten sollen, brauchen ihren PQC-Pfad Jahre vorher.
- AES und Hashfunktionen überleben den Quantencomputer: Grover halbiert nur das effektive Sicherheitsniveau.
- Empfehlung: AES-256 statt AES-128 für Neues und für Daten mit langer Schutzdauer; SHA-384 oder SHA-3 bei sehr hohem Schutzbedarf.
- Sofort ausmisten, unabhängig von PQC: 3DES, SHA-1, RSA-1024 und statische DH-Gruppen — der billigste Quick Win jedes Audits.
- Wichtiger Denkfehler: „Wir haben doch AES" schützt nicht — der AES-Sitzungsschlüssel wird fast überall klassisch ausgehandelt, und genau diese Schicht bricht Shor.
- TLS 1.3 mit hybriden Gruppen ist der reifste Strang — Aufwandstreiber sind Middleboxen und Inspection-Infrastruktur, die große Handshakes verwerfen.
- VPN/IPsec: RFC 8784 (Post-quantum Preshared Keys) ist der sofort verfügbare Zwischenschritt; Hersteller liefern zunehmend ML-KEM-Hybride.
- PKI: Test-PKI mit ML-DSA-/Hybrid-Zertifikaten für interne Dienste und Code-Signing ist heute pilotierbar; Laufzeitenpolitik so takten, dass kein Zertifikat den Umstieg überlebt.
- HSM/KMS takten das Programm: PQC-fähige Firmware oder Nachfolgemodelle jetzt vertraglich terminieren — Beschaffungszyklen dauern ein bis drei Jahre.
Der komplette Fahrplan
Post-Quantum-Kryptografie von der Bedrohung bis zum Betrieb
Dreizehn Kapitel auf Basis unseres CISO-Whitepapers — mit allen Fristen, Tabellen und Programmbausteinen. Für das Arbeitsdokument mit Vorlagen nutzen Sie den Whitepaper-Download oben.
Was Quantencomputer brechen werden — und wann
Die Gefahr kommt nicht aus roher Rechenleistung, sondern aus zwei Algorithmen der 1990er, die auf die passende Maschine warten. Wer sie versteht, kann Schlagzeilen einordnen — und erkennt, warum Aufsichtsbehörden nicht auf ein Datum warten.
Shor (1994) bricht die Asymmetrik
Faktorisierung und diskrete Logarithmen werden effizient lösbar: RSA, Diffie-Hellman und elliptische Kurven fallen vollständig — also die Schlüsseleinigung fast jeder TLS-Verbindung, jedes VPN-Tunnels und jede Signaturkette.
Grover (1996) halbiert die Symmetrik
Die Schlüsselsuche wird quadratisch schneller: AES-128 wirkt wie ein 64-Bit-Verfahren. AES-256 und SHA-384 gelten weiterhin als sicher — Symmetrik und Hashes sind ein Konfigurations-, kein Architekturthema.
Planungsmaßstab ist der kryptografisch relevante Quantencomputer (CRQC): genügend fehlerkorrigierte Qubits und Laufzeitstabilität, um Shor gegen reale Schlüssellängen auszuführen. Heutige Systeme sind davon Größenordnungen entfernt. Die Nachricht des Jahres 2024 war deshalb keine Rekordzahl, sondern ein Kurvenknick: Googles Willow-Chip zeigte erstmals unter realen Bedingungen, dass die Fehlerrate sinkt, wenn der Fehlerkorrektur-Code wächst — die zentrale Skalierungshürde ist nachweislich überwindbar.
| Jahr | Schätzung | Ressourcenbedarf für RSA-2048 | Laufzeit |
|---|---|---|---|
| 2012 | Fowler et al. | ≈ 1 Milliarde physische Qubits | Tage |
| 2019 | Gidney & Ekerå | ≈ 20 Millionen verrauschte Qubits | ca. 8 Stunden |
| 2025 | Gidney (Google) | < 1 Million verrauschte Qubits | unter einer Woche |
Quellen: arXiv:1208.0928, arXiv:1905.09749, arXiv:2505.15917. Die Kostenkurve des Angreifers fällt durch bessere Mathematik — nicht erst durch bessere Hardware.
1994Shor veröffentlicht — die Bedrohung ist älter als das kommerzielle Web
20×weniger Qubits für RSA-2048 als 2019 geschätzt (Gidney, 05/2025)
2029IBM-Zielmarke für den fehlertoleranten „Starling"
Der Angriff, der keinen Alarm auslöst
„Harvest now, decrypt later" (HNDL) macht die Migration vom Zukunfts- zum Gegenwartsthema: Angreifer sammeln heute verschlüsselte Daten, um sie später zu entschlüsseln — NIST und CISA warnen ausdrücklich vor diesem Muster.
Heute: Abgreifen
TLS-Verkehr an Netzknoten, VPN-Tunnel, Backups und Datenabflüsse aus Einbrüchen werden mitgeschnitten. Der Inhalt ist noch unlesbar — deshalb fällt die Sammlung nicht auf.
Dazwischen: Speichern
Speicher ist billig, Ciphertext ist geduldig. Für Nachrichtendienste ist Vorratssammlung etabliertes Handwerk; für organisierte Kriminalität eine Investition mit Auszahlungstermin.
Q-Day: Entschlüsseln
Ein CRQC bricht die damalige Schlüsseleinigung und öffnet den Archivbestand rückwirkend. Perfect Forward Secrecy schützt nicht — auch ephemere (EC)DH-Handshakes fallen unter Shor.
Entscheidend ist deshalb nicht das Datum des Q-Day, sondern die Vertraulichkeitsdauer je Datenklasse: Wie lange wäre eine Offenlegung schädlich? Alles, dessen Schutzdauer über den — unbekannten — Q-Day hinausreicht, ist bereits heute exponiert, sobald es klassisch verschlüsselt eine Leitung passiert.
| Datenklasse | Typische Schutzdauer | HNDL-Relevanz |
|---|---|---|
| Zahlungs- und Transaktionsdaten, Kundenstämme | 7–10+ Jahre | hoch |
| Gesundheits- und Versichertendaten | Lebenszeit der Person | sehr hoch |
| Verträge, M&A- und Gremienunterlagen | 10–30 Jahre | hoch |
| Konstruktionsdaten, Rezepturen, Quellcode (IP) | 10–25 Jahre | hoch |
| PKI-Stammschlüssel, Code-Signing, Update-Ketten | Lebensdauer der Produkte | sehr hoch |
| Telemetrie, flüchtige Betriebsdaten | Wochen bis Monate | gering |
Einordnung nach Projektpraxis; die konkrete Schutzdauer legt Ihre Datenklassifizierung fest — sie ist Eingangsgröße für Mosca-Test und Priorisierung.
Rechnen statt raten
Michele Mosca (University of Waterloo) ersetzt die unbeantwortbare Q-Day-Frage durch zwei Größen, die jede Organisation kennt — und eine dritte, die sie konservativ annehmen muss.
Regionalbank
x = 10 (Kunden-/Kontodaten), y = 5 (Kernbank, Lieferanten), z = 12 → 15 > 12: bereits drei Jahre im Verzug. HNDL-exponierte Strecken gehören in die erste Welle.
Maschinenbauer
x = 20 (Konstruktions-IP), y = 4, z = 12 → 24 > 12. Selbst bei z = 20 bleibt die Rechnung negativ: Wer IP mit Jahrzehnte-Wert überträgt, kann auf kein Q-Day-Szenario warten.
SaaS-Anbieter
x = 3 (kurzlebige Betriebsdaten), y = 3, z = 12 → 6 < 12: rechnerischer Puffer. Aber Browser-Ökosystem, Kundenanforderungen und die EU-/BSI-Fristen gelten unabhängig von der eigenen Rechnung.
Der Wert des Tests liegt in seiner Disziplin: x zwingt zur Datenklassifizierung mit Schutzdauern, y zur ehrlichen Schätzung der eigenen Veränderungsgeschwindigkeit — Erfahrungswert gewachsener Landschaften: drei bis sieben Jahre, in Konzernen länger —, und z macht die Q-Day-Annahme explizit, statt sie implizit auf „irgendwann" zu setzen. Führen Sie den Test je Datenklasse durch, nicht einmal fürs Unternehmen: Die Streuung zwischen den Klassen ist genau die Priorisierung, die Kapitel 11 formalisiert.
Interaktiv durchrechnen können Sie den Test mit dem Mosca-Rechner auf unserer PQC-Leistungsseite.
Der Werkzeugkasten ist fertig
Im August 2024 hat NIST nach acht Jahren Wettbewerb die ersten drei PQC-Standards finalisiert — auf Basis von Gittern, Hashfunktionen und Codes, für die kein Quantenvorteil bekannt ist. Alles läuft auf heutiger Hardware.
| Standard | Verfahren | Zweck | Status |
|---|---|---|---|
| FIPS 203 | ML-KEM (Kyber) | Schlüsseleinigung | final seit 13.08.2024 — Arbeitsstandard für TLS, VPN, Messenger |
| FIPS 204 | ML-DSA (Dilithium) | Signaturen | final seit 13.08.2024 — Allzweck-Ersatz für RSA-PSS/ECDSA |
| FIPS 205 | SLH-DSA (SPHINCS+) | Signaturen | final seit 13.08.2024 — hashbasierte, konservative Reserve |
| FIPS 206 | FN-DSA (Falcon) | Signaturen | in Finalisierung (eingereicht 08/2025) — kompakteste Signaturen |
| HQC | HQC | Schlüsseleinigung | Backup-KEM seit 03/2025, Standard erwartet 2027 |
| SP 800-208 | LMS / XMSS | Signaturen (stateful) | seit 2020 — etabliert für Firmware- und Code-Signing |
Quelle: NIST PQC-Programm. In Policies und Ausschreibungen die FIPS-Namen verwenden — die Wettbewerbsnamen (Kyber, Dilithium) sind Aliasnamen.
Die Verfahren sind schnell, aber größer: Schlüssel und Signaturen wachsen vom zweistelligen Byte- in den Kilobyte-Bereich. ML-KEM-768 arbeitet mit 1.184 Byte öffentlichem Schlüssel und 1.088 Byte Ciphertext; ML-DSA-65 signiert mit 3.309 Bytes, wo ECDSA P-256 rund 64 braucht; SLH-DSA-128s liegt bei 7.856 Bytes je Signatur. Daraus entstehen die praktischen Migrationsthemen: Handshake-Pakete, Zertifikatsketten, HSM-Speicher, MTU-Grenzen und Protokollfelder mit fixen Längen.
Hybrid ist der Standard des Übergangs
Die PQC-Verfahren sind jung, ihre Implementierungen jünger. Der Übergang kombiniert deshalb Alt und Neu: Eine hybride Schlüsseleinigung leitet den Sitzungsschlüssel aus einem klassischen und einem PQC-Verfahren ab — der Angreifer müsste beide brechen.
In TLS 1.3 heißt der De-facto-Standard X25519MLKEM768: Client und Server führen X25519 und ML-KEM-768 parallel aus und verschmelzen beide Geheimnisse im Schlüsselplan. Für den generischen Fall standardisiert NIST die Kombination in SP 800-227; das BSI benennt in der TR-02102-1 (2026-01) CatKDF und KeyCombine als empfohlene Verfahren. Wichtig für Auditoren: Hybrid ist keine Abschwächung, sondern die vom BSI ausdrücklich empfohlene Betriebsform der Übergangsjahre — ab 2032 sollen klassische Schlüsseleinigungen ohnehin nur noch hybrid laufen.
- Browser: Chrome, Edge und Firefox handeln X25519MLKEM768 standardmäßig aus.
- Netz: Über 50 % des menschlichen Web-Traffics bei Cloudflare sind quantensicher geschlüsselt (10/2025); seit 09/2026 hebt „Automatic Key Exchange" auch die Origin-Strecken an.
- Messenger: Signal (PQXDH, 2023) und Apple iMessage (PQ3, 2024) schützen den Sitzungsaufbau bzw. laufende Kommunikation hybrid.
- Bibliotheken: OpenSSL 3.5 LTS (04/2025) bringt ML-KEM, ML-DSA und SLH-DSA nativ; BouncyCastle und liboqs decken Java- und Forschungs-Stacks ab.
Europa hat sich festgelegt
Den Anfang machte die Empfehlung der Europäischen Kommission vom April 2024 (C(2024) 2393); im Juni 2025 verabschiedete die NIS-Kooperationsgruppe — unter Ko-Vorsitz von Deutschland, Frankreich und den Niederlanden — die gemeinsame Umsetzungs-Roadmap aller Mitgliedstaaten.
| Meilenstein | Vorgabe der Roadmap | Bedeutung für Unternehmen |
|---|---|---|
| ab sofort | Mitgliedstaaten starten die Transition, Sensibilisierung aller Stakeholder | PQC erscheint in Aufsichtsgesprächen, Ausschreibungen und Lieferantenfragebögen |
| Ende 2026 | Nationale Umsetzungspläne liegen vor, erste Migrationsschritte laufen | Ohne Inventur und Roadmap in 2026 sind die Folgetermine nicht mehr seriös planbar |
| Ende 2030 | Hochrisiko-Anwendungsfälle migriert — ausdrücklich inkl. kritischer Infrastrukturen | KRITIS, Finanz- und Gesundheitssektor: Hochrisiko-Datenflüsse quantensicher oder hybrid |
| Ende 2035 | Migration so weit wie möglich abgeschlossen | Auch unkritische Systeme, Signaturketten und Produkte im Feld sind umgestellt |
Quellen: Europäische Kommission C(2024) 2393; NIS-Kooperationsgruppe, Coordinated Implementation Roadmap, Juni 2025.
Die Roadmap ist rechtlich eine Empfehlung — ihre Wirkung entfaltet sie über die Bande: Sie definiert, was Aufsichtsbehörden künftig unter „Stand der Technik" verstehen. Genau dieser Begriff ist in NIS2 und DORA die Messlatte für Kryptografie. Wer 2028 in einer Prüfung erklären muss, warum Hochrisiko-Systeme noch klassisch verschlüsseln, argumentiert gegen einen dokumentierten europäischen Konsens.
Deutschlands Krypto-Uhr — und die Pflichten von heute
Unterhalb der EU-Roadmap wird es konkret: mit den Terminen der BSI TR-02102-1 und mit Pflichten, die nicht 2030 beginnen, sondern längst gelten.
| BSI TR-02102-1 (Version 2026-01) | Vorgabe |
|---|---|
| bis Ende 2030 | Anwendungen mit sehr hohem Schutzbedarf haben die Schlüsseleinigung auf quantensichere Verfahren umgestellt |
| bis Ende 2031 | letzter Termin, bis zu dem der alleinige Einsatz klassischer Schlüsseleinigung überhaupt noch empfohlen wird |
| ab 2032 | klassische Verfahren nur noch hybrid in Kombination mit PQC (CatKDF / KeyCombine, vgl. NIST SP 800-227) |
| bis Ende 2035 | auch klassische Signaturverfahren abgelöst — im Gleichklang mit der EU-Roadmap |
Die TR ist formal Empfehlung, faktisch aber Prüfmaßstab in IT-Grundschutz, Zertifizierungen und Vergaben des Bundes.
DORA — gilt seit 17.01.2025
Die Delegierte Verordnung (EU) 2024/1774 verlangt in Art. 6–7 dokumentierte Policies für Verschlüsselung und kryptografische Kontrollen, vollständiges Schlüssel-Lebenszyklus-Management, ein Register für Zertifikate und zertifikatsspeichernde Geräte — und die Orientierung an führenden Praktiken, was die PQC-Entwicklung einschließt.
NIS2 — Art. 21(2)(h)
Kryptografie und Verschlüsselung stehen namentlich im Pflichtenkatalog, gemessen am Stand der Technik. In Verbindung mit der EU-Roadmap wird ein fehlendes PQC-Konzept für wesentliche und wichtige Einrichtungen zur begründungspflichtigen Abweichung.
PCI DSS 4.0.1 — seit 31.03.2025
Requirement 12.3.3 verlangt ein dokumentiertes, mindestens jährlich überprüftes Inventar aller Cipher-Suites und Protokolle samt Reaktionsplan auf absehbare Schwächungen — die Krypto-Inventur als Kartenzahlungs-Pflicht.
CRA — Produkte mit langem Leben
Produkte mit digitalen Elementen, die ab 2027 in Verkehr gehen und 10–15 Jahre im Feld leben, erleben den Q-Day im Einsatz: update-fähige Kryptografie und austauschbare Vertrauensanker werden zur Designanforderung.
Der Blick über den Atlantik
Wer international tätig ist, öffentliche Auftraggeber beliefert oder US-Kunden bedient, plant gegen zwei weitere Uhren: die zivile des NIST und die militärisch geprägte der NSA.
Der NIST-Transitionsplan IR 8547 (Entwurf seit November 2024) stuft Verfahren mit 112-Bit-Sicherheitsniveau — darunter RSA-2048 und ECDSA P-256 — ab 2030 als „deprecated" ein und sieht ab 2035 „disallowed" für RSA und ECC insgesamt vor. Noch Entwurf, aber bereits Referenz der US-Behördenplanung: FIPS-validierte Produkte und US-Clouddienste werden ihre klassischen Modi entlang dieser Daten abbauen — auch für europäische Kunden.
| CNSA 2.0 — Kategorie | Unterstützen & bevorzugen | Ausschließlich |
|---|---|---|
| Software-/Firmware-Signing | 2025 | 2030 |
| Netzwerk-Equipment (VPN, Router) | 2026 | 2030 |
| Browser, Server, Cloud-Dienste | 2025 | 2033 |
| Betriebssysteme | 2027 | 2033 |
| Neubeschaffung NSS-Equipment | ab 01/2027 CNSA-2.0-konform | — |
Quelle: NSA CNSA 2.0 inkl. FAQ. Verbindlich für US-National-Security-Systeme und deren Zulieferer — vertraglich relevant je nach Kundenkreis.
Wo die Migration zuerst ernst wird
Keine Branche steht so früh unter Zugzwang wie der Finanzsektor: Daten mit jahrzehntelanger Schutzdauer, globale Zahlungs-Ökosysteme — und mit DORA die erste unmittelbar geltende Krypto-Regulatorik. Seine Lektionen gelten weit über das Banking hinaus.
Die Signale sind unmissverständlich: Das Quantum Safe Financial Forum bei Europol rief im Februar 2025 Institute, Anbieter und Politik auf, die PQC-Migration zum strategischen Ziel zu erheben — bemerkenswert: nicht per neuer Regulierung, sondern koordiniert im bestehenden Rahmen. Im Januar 2026 folgte mit FS-ISAC eine gemeinsame Priorisierungsmethodik, die Quantum-Risiko gegen Migrationsaufwand abwägt. Bereits im September 2024 hatte die G7 Cyber Expert Group die Finanzaufseher aufgefordert, Quantum-Risiken in die Planung aufzunehmen.
Das Inventar ist fragmentiert
Kryptografie steckt in Kernsystemen, Middleware, Cloud und Lieferantenprodukten — dokumentiert ist fast nichts an einer Stelle. Antwort der Vorreiter: ein zentral gepflegtes Krypto-Inventar (CBOM) als erstes Arbeitspaket.
Schlüsselverwaltung ist verstreut
Dutzende Schlüsselstores und HSM-Silos machen jeden Algorithmuswechsel zum Einzelprojekt. Zentrales Key Management ist das architektonische Rückgrat — wer es baut, migriert per Konfiguration statt per Projekt.
Expertise ist knapp
Krypto-Kompetenz konzentriert sich in wenigen Köpfen. Die Vorreiter institutionalisieren sie: Crypto Owner je Fachbereich, ein Steering mit Mandat, Schulungen für Architektur und Einkauf.
Audits ermüden ohne Nachweise
DORA, PCI, ISO 27001 und Aufsicht stellen dieselben Krypto-Fragen in verschiedener Sprache. Ein gepflegtes Inventar plus Ausnahmen-Register beantwortet sie alle aus einer Quelle.
Lieferanten takten das Programm
HSM-Firmware, Kernsystem-Releases, Plattform-Standards: Die eigene Geschwindigkeit hängt an Dritten. PQC-Roadmap-Abfragen und Agilitäts-Klauseln gehören ab sofort in jede Vertragsrunde.
Die Übertragung auf Ihre Branche
Ersetzen Sie „Kernbank" durch ERP, MES oder KIS — die Engpässe bleiben identisch. Energie, Gesundheit, Industrie und Verwaltung treffen dieselben Fristen, nur mit weniger Vorlauf durch Aufsicht und Verbände.
Sie migrieren nur, was Sie kennen
Jedes seriöse Rahmenwerk beginnt mit demselben Schritt: Sichtbarkeit. Die Krypto-Inventur beantwortet, wo welche Verfahren, Schlüssel und Zertifikate im Einsatz sind, wer sie verantwortet und woran sie hängen.
| Ebene | Was erhoben wird |
|---|---|
| Netz & Protokolle | TLS-Versionen, Cipher-Suites, Schlüsselaustauschgruppen, IPsec/SSH — extern und intern |
| PKI & Zertifikate | CAs, Ketten, Laufzeiten, Schlüssellängen, Signaturalgorithmen, Ausstellungsprozesse |
| Code & Applikationen | Krypto-Aufrufe, eingebettete Bibliotheken, hartkodierte Algorithmen und Schlüssel |
| HSM, KMS & Hardware | Modelle, Firmware-Stände, PQC-Fähigkeit, Schlüsselbestände, Token, Netzwerkgeräte |
| Cloud & SaaS | Cloud-KMS-Schlüssel, verwaltete Zertifikate, TLS-Terminierung der Anbieter |
| Lieferkette | PQC-Roadmaps kritischer Anbieter, Krypto-Angaben in Produkten, Vertragsstände |
Erhebung als Discovery-Projekt mit Werkzeugen, nicht als Umfrage per E-Mail — eine erste belastbare Inventur ist im Mittelstand in vier bis sechs Wochen machbar.
Das Ergebnis konsolidiert eine Cryptography Bill of Materials (CBOM) — ein maschinenlesbares Inventar der kryptografischen Bestandteile, analog zur SBOM für Softwarekomponenten und mit CycloneDX standardisiert abbildbar. Der Unterschied zur Excel-Liste: Eine CBOM ist versionierbar, diffbar, in CI/CD prüfbar — und beantwortet Prüferfragen (PCI 12.3.3, DORA-Zertifikatsregister) als Nebenprodukt. Die typischen Funde sind überall dieselben: SHA-1 und 3DES in Legacy-Schnittstellen, hartkodierte Kryptografie im Quellcode, Zertifikats-Wildwuchs außerhalb jeder CA-Governance, Schatten-Schlüsselstores in Deployments — und eine Lieferkette, die auf Anhieb nicht sagen kann, welche Kryptografie in ihren Produkten steckt.
Das Richtige zuerst — und Agilität als Designprinzip
Niemand migriert alles gleichzeitig. Das Quantum-Risiko eines Systems ergibt sich aus Schutzdauer, HNDL-Exposition und Kritikalität — dieselbe Logik, die Europol und FS-ISAC ihrer Methodik für den Finanzsektor zugrunde legen.
| Welle | Inhalt | Zielhorizont |
|---|---|---|
| Welle 0 | Quick Wins: SHA-1, 3DES, RSA-1024, statische DH-Gruppen abschalten; TLS 1.3 erzwingen | sofort |
| Welle 1 | HNDL-exponierte Übertragungswege langlebiger Daten → hybride Schlüsseleinigung | 2026–2028 |
| Welle 2 | Vertrauensanker: PKI-Migrationspfad, Code-Signing (LMS/XMSS), HSM-/KMS-Erneuerung | 2027–2030 |
| Welle 3 | Interne Systeme, Applikations-Kryptografie, ruhende Bestände nach Schutzdauer | 2028–2033 |
| Welle 4 | Legacy mit Ablaufdatum: isolieren, kapseln, im Ausnahmen-Register bewirtschaften | bis 2035 |
Orientierungsraster aus der Projektpraxis; DORA-/KRITIS-Fristen ziehen Welle 1–2 nach vorn. Formal gehören die Wellen als Quantum-Risiko-Cluster ins ISMS-Risikoregister.
Die Zielarchitektur baut nicht „PQC ein", sondern Austauschbarkeit: Algorithmen und Schlüssellängen in zentralen Policies statt im Anwendungscode, eine Krypto-Abstraktionsschicht, Protokolle mit Spielraum für größere Schlüssel und neue Identifier, bewegliche Vertrauensanker — und ein zentrales Key Management mit HSM-Verankerung als Rückgrat, das nebenbei DORA-RTS Art. 7 erfüllt. Der Praxistest der Agilität ist eine einzige Frage: „Wie lange bräuchten wir, um in allen extern erreichbaren Diensten die Schlüsseleinigung zu wechseln?" Antworten in Tagen zeugen von Agilität, Antworten in Jahren von Handlungsbedarf.
TLS & Web
Reifster Strang: Hybrid-Gruppen an Terminierungspunkten aktivieren; Vorlauf Monate. Stolpersteine: Middleboxen, Inspection.
VPN & Standortkopplung
HNDL-Hauptziel. RFC 8784 (PPK) als Zwischenschritt, zunehmend ML-KEM-Hybride; Vorlauf Monate bis zwei Jahre.
PKI & Signaturen
Längster Vorlauf (Horizont Ende 2035): Test-PKI mit ML-DSA-Zertifikaten, CA-Migrationspfad, Laufzeitenpolitik takten.
HSM & ruhende Daten
Hardware taktet das Programm: PQC-Firmware vertraglich terminieren; Envelope-Verschlüsselung auf AES-256 heben, Schlüsselhierarchie neu verankern.
Von der Inventur bis zum Regelbetrieb
Aus Assessments, Finanzsektor-Guidance und den Fristen von EU und BSI ergibt sich ein bewährter Programmzuschnitt: fünf Phasen mit klaren Ergebnissen, überlappend statt streng sequenziell.
| Phase | Zeitrahmen | Kern | Ergebnisse |
|---|---|---|---|
| 1 — Sichtbarkeit | Wochen 1–4 | Krypto-Inventur, Governance-Aufsatz, Quick Wins | CBOM v1 · Governance-Charta · Quick-Win-Liste |
| 2 — Risiko | Monate 2–3 | Schutzdauern, Mosca-Test, HNDL-Exposition, Fristen-Mapping | Quantum-Risikoregister · Wellenplan · Entscheidungsvorlage |
| 3 — Roadmap | Monate 3–6 | Zielarchitektur, Policies, Lieferanten- und HSM-Fahrplan, Budgetpfad | Migrations-Roadmap bis 2030/2035 · Vertragsklauseln |
| 4 — Pilot | Monate 6–12 | Hybrid-TLS, Test-PKI, HSM-Firmware, Performance-/Interop-/Failover-Tests | Validierter Pilot mit Messwerten · Rollout-Blaupause |
| 5 — Rollout & Betrieb | ab Monat 12 | Migrationswellen, CI/CD-Gates gegen Schatten-Krypto, Ausnahmen-Register, Monitoring | Migrierte Wellen · lebende CBOM · Berichte für Vorstand und Aufsicht |
Zeitangaben: typisches Profil ab gehobenem Mittelstand mit klarem Mandat; Konzernlandschaften takten je Welle länger.
Der Pilot (Phase 4) beweist dabei nicht, dass PQC funktioniert — das haben Milliarden Browser-Verbindungen erledigt —, sondern dass Ihr Betrieb es kann: Verträgt die Infrastruktur die größeren Handshakes? Erkennen Monitoring, IDS-Regeln und SIEM-Parser die neuen Algorithmus-Identifier, statt ML-KEM-Handshakes als Anomalie zu melden? Und funktioniert der dokumentierte Rückweg? Der Pilot endet mit einem Zahlenblatt (Latenz-Deltas, Fehlerraten je Client-Klasse, Middlebox-Befunde, SOC-Erkennungsquote) — damit wird die Rollout-Entscheidung zur Rechenaufgabe.
KPIs, Vorstand und die ersten 90 Tage
Ein mehrjähriges Programm überlebt nur mit Kennzahlen, die Fortschritt ehrlich zeigen — und mit einer Vorstandserzählung ohne Physik. Beides folgt direkt aus Inventur und Wellenplan.
| KPI | Ziel 2027 | Ziel 2030 |
|---|---|---|
| Inventar-Abdeckung (Assets mit erfasster Kryptografie in der CBOM) | > 80 % | > 95 %, kontinuierlich |
| HNDL-Deckung (exponierte Wege langlebiger Daten hybrid/quantensicher) | > 50 % | 100 % (EU-/BSI-Frist) |
| Altverfahren-Fundstellen (SHA-1, 3DES, RSA-1024 …) | 0 oder im Register | 0 |
| Kritische Lieferanten mit PQC-Roadmap im Vertrag | > 60 % | 100 % |
| Agilitäts-Probe (orchestrierter Verfahrenswechsel an den Außenstrecken) | < 90 Tage | < 30 Tage |
Richtwerte aus der Projektpraxis als Diskussionsgrundlage — die verbindlichen Ziele setzt Ihr Wellenplan.
- Woche 1–2: Mandat holen — einseitige Vorstandsvorlage mit Fristen, HNDL und Kosten der Verzögerung; Steering benennen.
- Woche 2–4: Außenhaut scannen — TLS-/Zertifikats-Scan aller extern erreichbaren Dienste als schnellster Realitätscheck.
- Sofort: Altverfahren abstellen — SHA-1, 3DES, RSA-1024 abschalten oder mit Termin ins Ausnahmen-Register.
- Woche 3–6: Schutzdauern je Datenklasse festlegen und den Mosca-Test je Klasse rechnen — die stärkste Folie für den Vorstand.
- Woche 4–10: Krypto-Inventur als Discovery-Projekt beauftragen, Ergebnis als CBOM v1 konsolidieren.
- Parallel: Kritische Lieferanten strukturiert nach PQC-Roadmaps fragen und die Musterklausel in laufende Vergaben aufnehmen.
- Woche 8–13: Hybrid-Pilot auf einem realen Dienst (X25519MLKEM768) mit Messwerten starten.
- Woche 12–13: Roadmap-Entwurf mit Wellenplan, Budgetpfad, KPI-Set und Berichtsrhythmus vorlegen.
Alle Vorlagen — Vorstandsfolie, Einkaufs-Musterklausel, Einwände-Guide — enthält das Whitepaper „Quantum Readiness für CISOs" (Download oben auf dieser Seite).
Vertiefung
Das komplette Programm als CISO-Whitepaper
„Quantum Readiness für CISOs" fasst diese Seite als 31-seitiges Arbeitsdokument zusammen — mit allen Tabellen, Rechenbeispielen und Vorlagen für Vorstand, Einkauf und Audit.
Alle Fristen mit Primärquellen
EU-Roadmap, BSI TR-02102-1 (2026-01), DORA-RTS, NIS2, PCI DSS 4.0.1, NIST IR 8547 und CNSA 2.0 — inklusive Einordnung, was davon Pflicht und was terminierte Empfehlung ist.
Mosca-Test und Priorisierung
Rechenbeispiele für Bank, Maschinenbau und SaaS, Datenklassen mit Schutzdauern und die Wellenlogik von Quick Wins bis Legacy-Abschaltung.
Das 5-Phasen-Programm
Von Sichtbarkeit über Roadmap und Pilot bis zum Regelbetrieb — mit Deliverables, Zeitrahmen, Scheiterursachen und KPI-Set mit Zielwerten für 2027 und 2030.
Vorlagen für die Praxis
90-Tage-Playbook, Einkaufs-Musterklausel für PQC-Roadmaps von Lieferanten, Gremienbeschluss-Absatz und Antworten auf die sechs häufigsten Einwände.
Whitepaper kostenfrei anfordern
Kurzes Formular auf der Leistungsseite — der Download-Link erscheint sofort und kommt zusätzlich per E-Mail.
FAQ
Häufige Fragen zur Post-Quanten-Kryptografie
Kompakte Antworten auf die Begriffs- und Verständnisfragen, die in Workshops am häufigsten fallen.
Ein CRQC ist ein Quantencomputer mit genügend fehlerkorrigierten Qubits und Laufzeitstabilität, um den Shor-Algorithmus gegen reale Schlüssellängen wie RSA-2048 oder P-256 auszuführen. Heutige Maschinen mit Hunderten physischer Qubits sind davon Größenordnungen entfernt — relevant ist der CRQC trotzdem schon jetzt, weil „Harvest now, decrypt later" heutige Daten gegen die Fähigkeiten von morgen exponiert und die Ressourcenschätzungen rapide fallen.
Post-Quanten-Kryptografie (PQC) ist klassische Mathematik auf klassischer Hardware — neue Algorithmen wie ML-KEM, deren Sicherheitsprobleme auch Quantencomputer nicht effizient lösen. Quantum Key Distribution (QKD) nutzt dagegen Quantenphysik zur Schlüsselverteilung über spezielle Optik-Hardware, löst weder Authentisierung noch Skalierung und ist laut BSI kein Ersatz für PQC. Für die Migration einer IT-Landschaft ist PQC der Weg; QKD bleibt eine Nischentechnologie für Punkt-zu-Punkt-Strecken.
Kyber und Dilithium waren die Namen der Einreichungen im NIST-Wettbewerb. Mit der Standardisierung im August 2024 erhielten die Verfahren offizielle Bezeichnungen: ML-KEM (Module-Lattice-Based Key-Encapsulation Mechanism, FIPS 203) und ML-DSA (Module-Lattice-Based Digital Signature Algorithm, FIPS 204); SPHINCS+ wurde zu SLH-DSA (FIPS 205), Falcon wird als FN-DSA (FIPS 206) standardisiert. In Policies, Verträgen und Ausschreibungen sollten die FIPS-Namen verwendet werden.
Nein — er schwächt sie nur. Der Grover-Algorithmus beschleunigt die Schlüsselsuche quadratisch, womit AES-128 effektiv wie ein 64-Bit-Verfahren wirkt; AES-256 und SHA-384 gelten weiterhin als sicher. Deshalb konzentriert sich die Migration auf asymmetrische Verfahren. Wichtig ist nur der Denkfehler „Wir haben doch AES": Der AES-Sitzungsschlüssel wird fast überall über RSA oder (EC)DH ausgehandelt — und genau diese Schicht bricht Shor vollständig.
Client und Server führen zwei Schlüsseleinigungen parallel aus — etwa X25519 (klassisch) und ML-KEM-768 (quantensicher) — und leiten den Sitzungsschlüssel aus beiden Geheimnissen ab, in TLS 1.3 als Gruppe X25519MLKEM768. Ein Angreifer müsste beide Verfahren brechen. Für den generischen Fall standardisiert NIST SP 800-227 die Schlüsselkombination; das BSI empfiehlt dafür CatKDF und KeyCombine. Hybrid ist damit die auditfeste Betriebsform der Übergangsjahre, kein Provisorium.
Im Entwurf NIST IR 8547 heißt „deprecated", dass ein Verfahren ab dem Stichtag (2030 für 112-Bit-Niveau, also RSA-2048 und P-256) nur noch unter Risikoakzeptanz weiterverwendet werden soll — für Neues ist es tabu. „Disallowed" (ab 2035 für RSA und ECC insgesamt) heißt: nicht mehr zulässig in NIST-konformen Systemen. Für europäische Unternehmen wirkt das indirekt, aber real: FIPS-validierte Produkte und US-Clouddienste bauen ihre klassischen Modi entlang dieser Daten ab.
LMS und XMSS (NIST SP 800-208) sind hashbasierte Signaturverfahren, die schon seit 2020 standardisiert und quantensicher sind. Ihr Preis ist der Zustand: Jeder Einmalschlüssel darf nur genau einmal signieren, die Schlüsselverwaltung muss das garantieren — deshalb eignen sie sich für kontrollierte Umgebungen wie Firmware- und Code-Signing mit HSM-Verankerung, nicht für beliebige TLS-Server. Genau dort verlangt CNSA 2.0 sie für US-Zulieferer bis 2030 exklusiv.
Eine SBOM (Software Bill of Materials) inventarisiert Softwarekomponenten und deren Versionen — Grundlage für Schwachstellenmanagement. Eine CBOM (Cryptography Bill of Materials) inventarisiert die kryptografischen Bestandteile: Algorithmen, Schlüssellängen, Zertifikate, Bibliotheken und deren Fundorte, z. B. im CycloneDX-Format. Für die PQC-Migration ist sie das Arbeitsinstrument schlechthin: Ohne CBOM keine belastbare Priorisierung, kein Lieferanten-Management und kein Nachweis gegenüber Prüfern (PCI 12.3.3, DORA-Zertifikatsregister).
Standards & Quellen
Die Inhalte dieser Seite basieren auf den folgenden öffentlich verfügbaren Leitfäden und Studien.
A Coordinated Implementation Roadmap for the Transition to Post-Quantum Cryptography
Der EU-Fahrplan: Start und nationale Pläne bis Ende 2026, Hochrisiko bis Ende 2030, weitestgehender Abschluss bis Ende 2035.
Empfehlung C(2024) 2393 zu einem koordinierten Umsetzungsfahrplan für PQC
Der Startschuss der EU-Koordination vom 11. April 2024.
TR-02102-1: Kryptographische Verfahren — Empfehlungen und Schlüssellängen, Version 2026-01
Deutschlands Krypto-Uhr: sehr hoher Schutzbedarf bis Ende 2030, klassische Schlüsseleinigung längstens bis Ende 2031, Signaturen bis Ende 2035; hybrid via CatKDF/KeyCombine.
Migration zu Post-Quanten-Kryptografie — Handlungsempfehlungen
Grundsatzpapier des BSI inkl. Empfehlung hybrider Verfahren und der CRQC-Arbeitshypothese.
FIPS 203 (ML-KEM), FIPS 204 (ML-DSA), FIPS 205 (SLH-DSA)
Die ersten finalen PQC-Standards vom 13. August 2024; HQC-Auswahl 03/2025, FN-DSA (FIPS 206) in Finalisierung.
IR 8547: Transition to Post-Quantum Cryptography Standards (Entwurf)
US-Zeitplan: 112-Bit-Verfahren (RSA-2048, P-256) ab 2030 deprecated, RSA/ECC ab 2035 disallowed.
CNSA 2.0 — Commercial National Security Algorithm Suite
Kategorien-Zeitplan für US-National-Security-Systeme: Signing/Netzwerk exklusiv 2030, Browser/Cloud/OS 2033, NSS-Neubeschaffung ab 01/2027.
Quantum Safe Financial Forum — A Call to Action
Aufruf an den Finanzsektor vom Februar 2025; Folgebericht zur Priorisierung mit FS-ISAC im Januar 2026.
Delegierte Verordnung (EU) 2024/1774 (DORA-RTS), Art. 6–7
Verschlüsselungs- und Schlüsselmanagement-Pflichten für den Finanzsektor — seit Januar 2025 anwendbar.
The state of the post-quantum Internet
Adoptionszahlen: über 50 % des menschlichen Web-Traffics quantensicher (10/2025); Automatic Key Exchange zu Origins seit 09/2026.
How to factor 2048 bit RSA integers with less than a million noisy qubits
Die 20-fache Reduktion des Qubit-Bedarfs gegenüber der Schätzung von 2019 (arXiv:1905.09749).
Whitepaper: Quantum Readiness für CISOs
Das 31-seitige Arbeitsdokument zu dieser Seite — Fristen, Mosca-Test, 5-Phasen-Programm, KPIs, 90-Tage-Playbook und Vorlagen.
Wo steht Ihre Organisation gegenüber 2030?
In einem unverbindlichen Erstgespräch ordnen wir Ihre Landschaft gegen EU-Roadmap und BSI TR-02102-1 ein — und benennen die drei Schritte mit dem größten Hebel.
