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Post-Quantum-Kryptografie: der Fahrplan zur Quantum Readiness

Quantencomputer werden RSA und elliptische Kurven brechen — und „Harvest now, decrypt later" macht langlebige Daten schon heute angreifbar. Diese Seite erklärt Bedrohung, Standards, Fristen und das Migrationsprogramm: vom Mosca-Test über die EU-Roadmap 2030/2035 und BSI TR-02102-1 bis zu Krypto-Inventur, CBOM und Krypto-Agilität.

Stand: September 2026 · Valeri Milke, ISO 27001 & ISO 42001 Lead Auditor

Den Download-Link erhalten Sie sofort auf der Seite und per E-Mail.

> 50 %des Web-Traffics bei Cloudflare bereits quantensicher (10/2025)
< 1 Mio.verrauschte Qubits für RSA-2048 laut Google-Forschung 2025
2030EU-Frist Hochrisiko · BSI-Frist sehr hoher Schutzbedarf (Jahresende)
2031letztes Jahr rein klassischer Schlüsseleinigung laut BSI (Jahresende)

Die Post-Quanten-Migration ist die erste Umbaumaßnahme der IT-Sicherheitsgeschichte mit amtlichem Endtermin: Die EU-Mitgliedstaaten verlangen quantensichere Hochrisiko-Systeme bis Ende 2030, das BSI empfiehlt rein klassische Schlüsseleinigung nur noch bis Ende 2031 — und die Technik dafür ist seit August 2024 standardisiert. Was fehlt, ist in den meisten Organisationen nicht Kryptografie, sondern Sichtbarkeit, Priorisierung und ein Programm. Genau das liefert diese Seite: die verifizierten Fakten mit Primärquellen, die Denkwerkzeuge (Mosca-Test, Migrationswellen, CBOM) und den kompletten Fahrplan aus unserem CISO-Whitepaper „Quantum Readiness für CISOs".

Von den NIST-Standards zur EU-Deadline

Acht Meilensteine, die den Zeitplan der Migration festlegen — klicken Sie sich durch.

Das Wichtigste im Überblick

Neun Kernkonzepte — aufklappen für den vollen Text. Der komplette Fahrplan mit allen Tabellen folgt darunter als Longform.

Was ersetzt was: der Algorithmen-Explorer

Vier Baustellen der Migration — von der Schlüsseleinigung bis zur PKI. Alle Verfahren laufen auf klassischer Hardware.

FIPS 203 · final
  • RSA-Verschlüsselung und (EC)DH werden durch ML-KEM (Kyber) ersetzt — final standardisiert seit August 2024.
  • Der Übergang läuft hybrid: X25519MLKEM768 ist in TLS 1.3 De-facto-Standard und Browser-Default; das BSI empfiehlt CatKDF/KeyCombine nach SP 800-227 als Kombinationsverfahren.
  • HQC ist seit März 2025 das codebasierte Reserveverfahren, Standard erwartet 2027 — ein Grund, Austauschbarkeit gleich mitzubauen.
  • HNDL-Priorität: exponierte Übertragungswege langlebiger Daten (Internet-TLS, Standort-VPN, Backup-Replikation) zuerst.
Der komplette Fahrplan

Post-Quantum-Kryptografie von der Bedrohung bis zum Betrieb

Dreizehn Kapitel auf Basis unseres CISO-Whitepapers — mit allen Fristen, Tabellen und Programmbausteinen. Für das Arbeitsdokument mit Vorlagen nutzen Sie den Whitepaper-Download oben.

01Kapitel 1

Was Quantencomputer brechen werden — und wann

Die Gefahr kommt nicht aus roher Rechenleistung, sondern aus zwei Algorithmen der 1990er, die auf die passende Maschine warten. Wer sie versteht, kann Schlagzeilen einordnen — und erkennt, warum Aufsichtsbehörden nicht auf ein Datum warten.

Shor (1994) bricht die Asymmetrik

Faktorisierung und diskrete Logarithmen werden effizient lösbar: RSA, Diffie-Hellman und elliptische Kurven fallen vollständig — also die Schlüsseleinigung fast jeder TLS-Verbindung, jedes VPN-Tunnels und jede Signaturkette.

Grover (1996) halbiert die Symmetrik

Die Schlüsselsuche wird quadratisch schneller: AES-128 wirkt wie ein 64-Bit-Verfahren. AES-256 und SHA-384 gelten weiterhin als sicher — Symmetrik und Hashes sind ein Konfigurations-, kein Architekturthema.

Planungsmaßstab ist der kryptografisch relevante Quantencomputer (CRQC): genügend fehlerkorrigierte Qubits und Laufzeitstabilität, um Shor gegen reale Schlüssellängen auszuführen. Heutige Systeme sind davon Größenordnungen entfernt. Die Nachricht des Jahres 2024 war deshalb keine Rekordzahl, sondern ein Kurvenknick: Googles Willow-Chip zeigte erstmals unter realen Bedingungen, dass die Fehlerrate sinkt, wenn der Fehlerkorrektur-Code wächst — die zentrale Skalierungshürde ist nachweislich überwindbar.

JahrSchätzungRessourcenbedarf für RSA-2048Laufzeit
2012Fowler et al.≈ 1 Milliarde physische QubitsTage
2019Gidney & Ekerå≈ 20 Millionen verrauschte Qubitsca. 8 Stunden
2025Gidney (Google)< 1 Million verrauschte Qubitsunter einer Woche

Quellen: arXiv:1208.0928, arXiv:1905.09749, arXiv:2505.15917. Die Kostenkurve des Angreifers fällt durch bessere Mathematik — nicht erst durch bessere Hardware.

1994Shor veröffentlicht — die Bedrohung ist älter als das kommerzielle Web
20×weniger Qubits für RSA-2048 als 2019 geschätzt (Gidney, 05/2025)
2029IBM-Zielmarke für den fehlertoleranten „Starling"
02Kapitel 2

Der Angriff, der keinen Alarm auslöst

„Harvest now, decrypt later" (HNDL) macht die Migration vom Zukunfts- zum Gegenwartsthema: Angreifer sammeln heute verschlüsselte Daten, um sie später zu entschlüsseln — NIST und CISA warnen ausdrücklich vor diesem Muster.

Heute: Abgreifen

TLS-Verkehr an Netzknoten, VPN-Tunnel, Backups und Datenabflüsse aus Einbrüchen werden mitgeschnitten. Der Inhalt ist noch unlesbar — deshalb fällt die Sammlung nicht auf.

Dazwischen: Speichern

Speicher ist billig, Ciphertext ist geduldig. Für Nachrichtendienste ist Vorratssammlung etabliertes Handwerk; für organisierte Kriminalität eine Investition mit Auszahlungstermin.

Q-Day: Entschlüsseln

Ein CRQC bricht die damalige Schlüsseleinigung und öffnet den Archivbestand rückwirkend. Perfect Forward Secrecy schützt nicht — auch ephemere (EC)DH-Handshakes fallen unter Shor.

Entscheidend ist deshalb nicht das Datum des Q-Day, sondern die Vertraulichkeitsdauer je Datenklasse: Wie lange wäre eine Offenlegung schädlich? Alles, dessen Schutzdauer über den — unbekannten — Q-Day hinausreicht, ist bereits heute exponiert, sobald es klassisch verschlüsselt eine Leitung passiert.

DatenklasseTypische SchutzdauerHNDL-Relevanz
Zahlungs- und Transaktionsdaten, Kundenstämme7–10+ Jahrehoch
Gesundheits- und VersichertendatenLebenszeit der Personsehr hoch
Verträge, M&A- und Gremienunterlagen10–30 Jahrehoch
Konstruktionsdaten, Rezepturen, Quellcode (IP)10–25 Jahrehoch
PKI-Stammschlüssel, Code-Signing, Update-KettenLebensdauer der Produktesehr hoch
Telemetrie, flüchtige BetriebsdatenWochen bis Monategering

Einordnung nach Projektpraxis; die konkrete Schutzdauer legt Ihre Datenklassifizierung fest — sie ist Eingangsgröße für Mosca-Test und Priorisierung.

03Kapitel 3

Rechnen statt raten

Michele Mosca (University of Waterloo) ersetzt die unbeantwortbare Q-Day-Frage durch zwei Größen, die jede Organisation kennt — und eine dritte, die sie konservativ annehmen muss.

Regionalbank

x = 10 (Kunden-/Kontodaten), y = 5 (Kernbank, Lieferanten), z = 12 → 15 > 12: bereits drei Jahre im Verzug. HNDL-exponierte Strecken gehören in die erste Welle.

Maschinenbauer

x = 20 (Konstruktions-IP), y = 4, z = 12 → 24 > 12. Selbst bei z = 20 bleibt die Rechnung negativ: Wer IP mit Jahrzehnte-Wert überträgt, kann auf kein Q-Day-Szenario warten.

SaaS-Anbieter

x = 3 (kurzlebige Betriebsdaten), y = 3, z = 12 → 6 < 12: rechnerischer Puffer. Aber Browser-Ökosystem, Kundenanforderungen und die EU-/BSI-Fristen gelten unabhängig von der eigenen Rechnung.

Der Wert des Tests liegt in seiner Disziplin: x zwingt zur Datenklassifizierung mit Schutzdauern, y zur ehrlichen Schätzung der eigenen Veränderungsgeschwindigkeit — Erfahrungswert gewachsener Landschaften: drei bis sieben Jahre, in Konzernen länger —, und z macht die Q-Day-Annahme explizit, statt sie implizit auf „irgendwann" zu setzen. Führen Sie den Test je Datenklasse durch, nicht einmal fürs Unternehmen: Die Streuung zwischen den Klassen ist genau die Priorisierung, die Kapitel 11 formalisiert.

Interaktiv durchrechnen können Sie den Test mit dem Mosca-Rechner auf unserer PQC-Leistungsseite.

04Kapitel 4

Der Werkzeugkasten ist fertig

Im August 2024 hat NIST nach acht Jahren Wettbewerb die ersten drei PQC-Standards finalisiert — auf Basis von Gittern, Hashfunktionen und Codes, für die kein Quantenvorteil bekannt ist. Alles läuft auf heutiger Hardware.

StandardVerfahrenZweckStatus
FIPS 203ML-KEM (Kyber)Schlüsseleinigungfinal seit 13.08.2024 — Arbeitsstandard für TLS, VPN, Messenger
FIPS 204ML-DSA (Dilithium)Signaturenfinal seit 13.08.2024 — Allzweck-Ersatz für RSA-PSS/ECDSA
FIPS 205SLH-DSA (SPHINCS+)Signaturenfinal seit 13.08.2024 — hashbasierte, konservative Reserve
FIPS 206FN-DSA (Falcon)Signaturenin Finalisierung (eingereicht 08/2025) — kompakteste Signaturen
HQCHQCSchlüsseleinigungBackup-KEM seit 03/2025, Standard erwartet 2027
SP 800-208LMS / XMSSSignaturen (stateful)seit 2020 — etabliert für Firmware- und Code-Signing

Quelle: NIST PQC-Programm. In Policies und Ausschreibungen die FIPS-Namen verwenden — die Wettbewerbsnamen (Kyber, Dilithium) sind Aliasnamen.

Die Verfahren sind schnell, aber größer: Schlüssel und Signaturen wachsen vom zweistelligen Byte- in den Kilobyte-Bereich. ML-KEM-768 arbeitet mit 1.184 Byte öffentlichem Schlüssel und 1.088 Byte Ciphertext; ML-DSA-65 signiert mit 3.309 Bytes, wo ECDSA P-256 rund 64 braucht; SLH-DSA-128s liegt bei 7.856 Bytes je Signatur. Daraus entstehen die praktischen Migrationsthemen: Handshake-Pakete, Zertifikatsketten, HSM-Speicher, MTU-Grenzen und Protokollfelder mit fixen Längen.

05Kapitel 5

Hybrid ist der Standard des Übergangs

Die PQC-Verfahren sind jung, ihre Implementierungen jünger. Der Übergang kombiniert deshalb Alt und Neu: Eine hybride Schlüsseleinigung leitet den Sitzungsschlüssel aus einem klassischen und einem PQC-Verfahren ab — der Angreifer müsste beide brechen.

In TLS 1.3 heißt der De-facto-Standard X25519MLKEM768: Client und Server führen X25519 und ML-KEM-768 parallel aus und verschmelzen beide Geheimnisse im Schlüsselplan. Für den generischen Fall standardisiert NIST die Kombination in SP 800-227; das BSI benennt in der TR-02102-1 (2026-01) CatKDF und KeyCombine als empfohlene Verfahren. Wichtig für Auditoren: Hybrid ist keine Abschwächung, sondern die vom BSI ausdrücklich empfohlene Betriebsform der Übergangsjahre — ab 2032 sollen klassische Schlüsseleinigungen ohnehin nur noch hybrid laufen.

  • Browser: Chrome, Edge und Firefox handeln X25519MLKEM768 standardmäßig aus.
  • Netz: Über 50 % des menschlichen Web-Traffics bei Cloudflare sind quantensicher geschlüsselt (10/2025); seit 09/2026 hebt „Automatic Key Exchange" auch die Origin-Strecken an.
  • Messenger: Signal (PQXDH, 2023) und Apple iMessage (PQ3, 2024) schützen den Sitzungsaufbau bzw. laufende Kommunikation hybrid.
  • Bibliotheken: OpenSSL 3.5 LTS (04/2025) bringt ML-KEM, ML-DSA und SLH-DSA nativ; BouncyCastle und liboqs decken Java- und Forschungs-Stacks ab.
06Kapitel 6

Europa hat sich festgelegt

Den Anfang machte die Empfehlung der Europäischen Kommission vom April 2024 (C(2024) 2393); im Juni 2025 verabschiedete die NIS-Kooperationsgruppe — unter Ko-Vorsitz von Deutschland, Frankreich und den Niederlanden — die gemeinsame Umsetzungs-Roadmap aller Mitgliedstaaten.

MeilensteinVorgabe der RoadmapBedeutung für Unternehmen
ab sofortMitgliedstaaten starten die Transition, Sensibilisierung aller StakeholderPQC erscheint in Aufsichtsgesprächen, Ausschreibungen und Lieferantenfragebögen
Ende 2026Nationale Umsetzungspläne liegen vor, erste Migrationsschritte laufenOhne Inventur und Roadmap in 2026 sind die Folgetermine nicht mehr seriös planbar
Ende 2030Hochrisiko-Anwendungsfälle migriert — ausdrücklich inkl. kritischer InfrastrukturenKRITIS, Finanz- und Gesundheitssektor: Hochrisiko-Datenflüsse quantensicher oder hybrid
Ende 2035Migration so weit wie möglich abgeschlossenAuch unkritische Systeme, Signaturketten und Produkte im Feld sind umgestellt

Quellen: Europäische Kommission C(2024) 2393; NIS-Kooperationsgruppe, Coordinated Implementation Roadmap, Juni 2025.

Die Roadmap ist rechtlich eine Empfehlung — ihre Wirkung entfaltet sie über die Bande: Sie definiert, was Aufsichtsbehörden künftig unter „Stand der Technik" verstehen. Genau dieser Begriff ist in NIS2 und DORA die Messlatte für Kryptografie. Wer 2028 in einer Prüfung erklären muss, warum Hochrisiko-Systeme noch klassisch verschlüsseln, argumentiert gegen einen dokumentierten europäischen Konsens.

07Kapitel 7

Deutschlands Krypto-Uhr — und die Pflichten von heute

Unterhalb der EU-Roadmap wird es konkret: mit den Terminen der BSI TR-02102-1 und mit Pflichten, die nicht 2030 beginnen, sondern längst gelten.

BSI TR-02102-1 (Version 2026-01)Vorgabe
bis Ende 2030Anwendungen mit sehr hohem Schutzbedarf haben die Schlüsseleinigung auf quantensichere Verfahren umgestellt
bis Ende 2031letzter Termin, bis zu dem der alleinige Einsatz klassischer Schlüsseleinigung überhaupt noch empfohlen wird
ab 2032klassische Verfahren nur noch hybrid in Kombination mit PQC (CatKDF / KeyCombine, vgl. NIST SP 800-227)
bis Ende 2035auch klassische Signaturverfahren abgelöst — im Gleichklang mit der EU-Roadmap

Die TR ist formal Empfehlung, faktisch aber Prüfmaßstab in IT-Grundschutz, Zertifizierungen und Vergaben des Bundes.

DORA — gilt seit 17.01.2025

Die Delegierte Verordnung (EU) 2024/1774 verlangt in Art. 6–7 dokumentierte Policies für Verschlüsselung und kryptografische Kontrollen, vollständiges Schlüssel-Lebenszyklus-Management, ein Register für Zertifikate und zertifikatsspeichernde Geräte — und die Orientierung an führenden Praktiken, was die PQC-Entwicklung einschließt.

NIS2 — Art. 21(2)(h)

Kryptografie und Verschlüsselung stehen namentlich im Pflichtenkatalog, gemessen am Stand der Technik. In Verbindung mit der EU-Roadmap wird ein fehlendes PQC-Konzept für wesentliche und wichtige Einrichtungen zur begründungspflichtigen Abweichung.

PCI DSS 4.0.1 — seit 31.03.2025

Requirement 12.3.3 verlangt ein dokumentiertes, mindestens jährlich überprüftes Inventar aller Cipher-Suites und Protokolle samt Reaktionsplan auf absehbare Schwächungen — die Krypto-Inventur als Kartenzahlungs-Pflicht.

CRA — Produkte mit langem Leben

Produkte mit digitalen Elementen, die ab 2027 in Verkehr gehen und 10–15 Jahre im Feld leben, erleben den Q-Day im Einsatz: update-fähige Kryptografie und austauschbare Vertrauensanker werden zur Designanforderung.

08Kapitel 8

Der Blick über den Atlantik

Wer international tätig ist, öffentliche Auftraggeber beliefert oder US-Kunden bedient, plant gegen zwei weitere Uhren: die zivile des NIST und die militärisch geprägte der NSA.

Der NIST-Transitionsplan IR 8547 (Entwurf seit November 2024) stuft Verfahren mit 112-Bit-Sicherheitsniveau — darunter RSA-2048 und ECDSA P-256 — ab 2030 als „deprecated" ein und sieht ab 2035 „disallowed" für RSA und ECC insgesamt vor. Noch Entwurf, aber bereits Referenz der US-Behördenplanung: FIPS-validierte Produkte und US-Clouddienste werden ihre klassischen Modi entlang dieser Daten abbauen — auch für europäische Kunden.

CNSA 2.0 — KategorieUnterstützen & bevorzugenAusschließlich
Software-/Firmware-Signing20252030
Netzwerk-Equipment (VPN, Router)20262030
Browser, Server, Cloud-Dienste20252033
Betriebssysteme20272033
Neubeschaffung NSS-Equipmentab 01/2027 CNSA-2.0-konform

Quelle: NSA CNSA 2.0 inkl. FAQ. Verbindlich für US-National-Security-Systeme und deren Zulieferer — vertraglich relevant je nach Kundenkreis.

09Kapitel 9

Wo die Migration zuerst ernst wird

Keine Branche steht so früh unter Zugzwang wie der Finanzsektor: Daten mit jahrzehntelanger Schutzdauer, globale Zahlungs-Ökosysteme — und mit DORA die erste unmittelbar geltende Krypto-Regulatorik. Seine Lektionen gelten weit über das Banking hinaus.

Die Signale sind unmissverständlich: Das Quantum Safe Financial Forum bei Europol rief im Februar 2025 Institute, Anbieter und Politik auf, die PQC-Migration zum strategischen Ziel zu erheben — bemerkenswert: nicht per neuer Regulierung, sondern koordiniert im bestehenden Rahmen. Im Januar 2026 folgte mit FS-ISAC eine gemeinsame Priorisierungsmethodik, die Quantum-Risiko gegen Migrationsaufwand abwägt. Bereits im September 2024 hatte die G7 Cyber Expert Group die Finanzaufseher aufgefordert, Quantum-Risiken in die Planung aufzunehmen.

Das Inventar ist fragmentiert

Kryptografie steckt in Kernsystemen, Middleware, Cloud und Lieferantenprodukten — dokumentiert ist fast nichts an einer Stelle. Antwort der Vorreiter: ein zentral gepflegtes Krypto-Inventar (CBOM) als erstes Arbeitspaket.

Schlüsselverwaltung ist verstreut

Dutzende Schlüsselstores und HSM-Silos machen jeden Algorithmuswechsel zum Einzelprojekt. Zentrales Key Management ist das architektonische Rückgrat — wer es baut, migriert per Konfiguration statt per Projekt.

Expertise ist knapp

Krypto-Kompetenz konzentriert sich in wenigen Köpfen. Die Vorreiter institutionalisieren sie: Crypto Owner je Fachbereich, ein Steering mit Mandat, Schulungen für Architektur und Einkauf.

Audits ermüden ohne Nachweise

DORA, PCI, ISO 27001 und Aufsicht stellen dieselben Krypto-Fragen in verschiedener Sprache. Ein gepflegtes Inventar plus Ausnahmen-Register beantwortet sie alle aus einer Quelle.

Lieferanten takten das Programm

HSM-Firmware, Kernsystem-Releases, Plattform-Standards: Die eigene Geschwindigkeit hängt an Dritten. PQC-Roadmap-Abfragen und Agilitäts-Klauseln gehören ab sofort in jede Vertragsrunde.

Die Übertragung auf Ihre Branche

Ersetzen Sie „Kernbank" durch ERP, MES oder KIS — die Engpässe bleiben identisch. Energie, Gesundheit, Industrie und Verwaltung treffen dieselben Fristen, nur mit weniger Vorlauf durch Aufsicht und Verbände.

10Kapitel 10

Sie migrieren nur, was Sie kennen

Jedes seriöse Rahmenwerk beginnt mit demselben Schritt: Sichtbarkeit. Die Krypto-Inventur beantwortet, wo welche Verfahren, Schlüssel und Zertifikate im Einsatz sind, wer sie verantwortet und woran sie hängen.

EbeneWas erhoben wird
Netz & ProtokolleTLS-Versionen, Cipher-Suites, Schlüsselaustauschgruppen, IPsec/SSH — extern und intern
PKI & ZertifikateCAs, Ketten, Laufzeiten, Schlüssellängen, Signaturalgorithmen, Ausstellungsprozesse
Code & ApplikationenKrypto-Aufrufe, eingebettete Bibliotheken, hartkodierte Algorithmen und Schlüssel
HSM, KMS & HardwareModelle, Firmware-Stände, PQC-Fähigkeit, Schlüsselbestände, Token, Netzwerkgeräte
Cloud & SaaSCloud-KMS-Schlüssel, verwaltete Zertifikate, TLS-Terminierung der Anbieter
LieferkettePQC-Roadmaps kritischer Anbieter, Krypto-Angaben in Produkten, Vertragsstände

Erhebung als Discovery-Projekt mit Werkzeugen, nicht als Umfrage per E-Mail — eine erste belastbare Inventur ist im Mittelstand in vier bis sechs Wochen machbar.

Das Ergebnis konsolidiert eine Cryptography Bill of Materials (CBOM) — ein maschinenlesbares Inventar der kryptografischen Bestandteile, analog zur SBOM für Softwarekomponenten und mit CycloneDX standardisiert abbildbar. Der Unterschied zur Excel-Liste: Eine CBOM ist versionierbar, diffbar, in CI/CD prüfbar — und beantwortet Prüferfragen (PCI 12.3.3, DORA-Zertifikatsregister) als Nebenprodukt. Die typischen Funde sind überall dieselben: SHA-1 und 3DES in Legacy-Schnittstellen, hartkodierte Kryptografie im Quellcode, Zertifikats-Wildwuchs außerhalb jeder CA-Governance, Schatten-Schlüsselstores in Deployments — und eine Lieferkette, die auf Anhieb nicht sagen kann, welche Kryptografie in ihren Produkten steckt.

11Kapitel 11

Das Richtige zuerst — und Agilität als Designprinzip

Niemand migriert alles gleichzeitig. Das Quantum-Risiko eines Systems ergibt sich aus Schutzdauer, HNDL-Exposition und Kritikalität — dieselbe Logik, die Europol und FS-ISAC ihrer Methodik für den Finanzsektor zugrunde legen.

WelleInhaltZielhorizont
Welle 0Quick Wins: SHA-1, 3DES, RSA-1024, statische DH-Gruppen abschalten; TLS 1.3 erzwingensofort
Welle 1HNDL-exponierte Übertragungswege langlebiger Daten → hybride Schlüsseleinigung2026–2028
Welle 2Vertrauensanker: PKI-Migrationspfad, Code-Signing (LMS/XMSS), HSM-/KMS-Erneuerung2027–2030
Welle 3Interne Systeme, Applikations-Kryptografie, ruhende Bestände nach Schutzdauer2028–2033
Welle 4Legacy mit Ablaufdatum: isolieren, kapseln, im Ausnahmen-Register bewirtschaftenbis 2035

Orientierungsraster aus der Projektpraxis; DORA-/KRITIS-Fristen ziehen Welle 1–2 nach vorn. Formal gehören die Wellen als Quantum-Risiko-Cluster ins ISMS-Risikoregister.

Die Zielarchitektur baut nicht „PQC ein", sondern Austauschbarkeit: Algorithmen und Schlüssellängen in zentralen Policies statt im Anwendungscode, eine Krypto-Abstraktionsschicht, Protokolle mit Spielraum für größere Schlüssel und neue Identifier, bewegliche Vertrauensanker — und ein zentrales Key Management mit HSM-Verankerung als Rückgrat, das nebenbei DORA-RTS Art. 7 erfüllt. Der Praxistest der Agilität ist eine einzige Frage: „Wie lange bräuchten wir, um in allen extern erreichbaren Diensten die Schlüsseleinigung zu wechseln?" Antworten in Tagen zeugen von Agilität, Antworten in Jahren von Handlungsbedarf.

TLS & Web

Reifster Strang: Hybrid-Gruppen an Terminierungspunkten aktivieren; Vorlauf Monate. Stolpersteine: Middleboxen, Inspection.

VPN & Standortkopplung

HNDL-Hauptziel. RFC 8784 (PPK) als Zwischenschritt, zunehmend ML-KEM-Hybride; Vorlauf Monate bis zwei Jahre.

PKI & Signaturen

Längster Vorlauf (Horizont Ende 2035): Test-PKI mit ML-DSA-Zertifikaten, CA-Migrationspfad, Laufzeitenpolitik takten.

HSM & ruhende Daten

Hardware taktet das Programm: PQC-Firmware vertraglich terminieren; Envelope-Verschlüsselung auf AES-256 heben, Schlüsselhierarchie neu verankern.

12Kapitel 12

Von der Inventur bis zum Regelbetrieb

Aus Assessments, Finanzsektor-Guidance und den Fristen von EU und BSI ergibt sich ein bewährter Programmzuschnitt: fünf Phasen mit klaren Ergebnissen, überlappend statt streng sequenziell.

PhaseZeitrahmenKernErgebnisse
1 — SichtbarkeitWochen 1–4Krypto-Inventur, Governance-Aufsatz, Quick WinsCBOM v1 · Governance-Charta · Quick-Win-Liste
2 — RisikoMonate 2–3Schutzdauern, Mosca-Test, HNDL-Exposition, Fristen-MappingQuantum-Risikoregister · Wellenplan · Entscheidungsvorlage
3 — RoadmapMonate 3–6Zielarchitektur, Policies, Lieferanten- und HSM-Fahrplan, BudgetpfadMigrations-Roadmap bis 2030/2035 · Vertragsklauseln
4 — PilotMonate 6–12Hybrid-TLS, Test-PKI, HSM-Firmware, Performance-/Interop-/Failover-TestsValidierter Pilot mit Messwerten · Rollout-Blaupause
5 — Rollout & Betriebab Monat 12Migrationswellen, CI/CD-Gates gegen Schatten-Krypto, Ausnahmen-Register, MonitoringMigrierte Wellen · lebende CBOM · Berichte für Vorstand und Aufsicht

Zeitangaben: typisches Profil ab gehobenem Mittelstand mit klarem Mandat; Konzernlandschaften takten je Welle länger.

Der Pilot (Phase 4) beweist dabei nicht, dass PQC funktioniert — das haben Milliarden Browser-Verbindungen erledigt —, sondern dass Ihr Betrieb es kann: Verträgt die Infrastruktur die größeren Handshakes? Erkennen Monitoring, IDS-Regeln und SIEM-Parser die neuen Algorithmus-Identifier, statt ML-KEM-Handshakes als Anomalie zu melden? Und funktioniert der dokumentierte Rückweg? Der Pilot endet mit einem Zahlenblatt (Latenz-Deltas, Fehlerraten je Client-Klasse, Middlebox-Befunde, SOC-Erkennungsquote) — damit wird die Rollout-Entscheidung zur Rechenaufgabe.

13Kapitel 13

KPIs, Vorstand und die ersten 90 Tage

Ein mehrjähriges Programm überlebt nur mit Kennzahlen, die Fortschritt ehrlich zeigen — und mit einer Vorstandserzählung ohne Physik. Beides folgt direkt aus Inventur und Wellenplan.

KPIZiel 2027Ziel 2030
Inventar-Abdeckung (Assets mit erfasster Kryptografie in der CBOM)> 80 %> 95 %, kontinuierlich
HNDL-Deckung (exponierte Wege langlebiger Daten hybrid/quantensicher)> 50 %100 % (EU-/BSI-Frist)
Altverfahren-Fundstellen (SHA-1, 3DES, RSA-1024 …)0 oder im Register0
Kritische Lieferanten mit PQC-Roadmap im Vertrag> 60 %100 %
Agilitäts-Probe (orchestrierter Verfahrenswechsel an den Außenstrecken)< 90 Tage< 30 Tage

Richtwerte aus der Projektpraxis als Diskussionsgrundlage — die verbindlichen Ziele setzt Ihr Wellenplan.

  • Woche 1–2: Mandat holen — einseitige Vorstandsvorlage mit Fristen, HNDL und Kosten der Verzögerung; Steering benennen.
  • Woche 2–4: Außenhaut scannen — TLS-/Zertifikats-Scan aller extern erreichbaren Dienste als schnellster Realitätscheck.
  • Sofort: Altverfahren abstellen — SHA-1, 3DES, RSA-1024 abschalten oder mit Termin ins Ausnahmen-Register.
  • Woche 3–6: Schutzdauern je Datenklasse festlegen und den Mosca-Test je Klasse rechnen — die stärkste Folie für den Vorstand.
  • Woche 4–10: Krypto-Inventur als Discovery-Projekt beauftragen, Ergebnis als CBOM v1 konsolidieren.
  • Parallel: Kritische Lieferanten strukturiert nach PQC-Roadmaps fragen und die Musterklausel in laufende Vergaben aufnehmen.
  • Woche 8–13: Hybrid-Pilot auf einem realen Dienst (X25519MLKEM768) mit Messwerten starten.
  • Woche 12–13: Roadmap-Entwurf mit Wellenplan, Budgetpfad, KPI-Set und Berichtsrhythmus vorlegen.

Alle Vorlagen — Vorstandsfolie, Einkaufs-Musterklausel, Einwände-Guide — enthält das Whitepaper „Quantum Readiness für CISOs" (Download oben auf dieser Seite).

Vertiefung

Das komplette Programm als CISO-Whitepaper

„Quantum Readiness für CISOs" fasst diese Seite als 31-seitiges Arbeitsdokument zusammen — mit allen Tabellen, Rechenbeispielen und Vorlagen für Vorstand, Einkauf und Audit.

Alle Fristen mit Primärquellen

EU-Roadmap, BSI TR-02102-1 (2026-01), DORA-RTS, NIS2, PCI DSS 4.0.1, NIST IR 8547 und CNSA 2.0 — inklusive Einordnung, was davon Pflicht und was terminierte Empfehlung ist.

Mosca-Test und Priorisierung

Rechenbeispiele für Bank, Maschinenbau und SaaS, Datenklassen mit Schutzdauern und die Wellenlogik von Quick Wins bis Legacy-Abschaltung.

Das 5-Phasen-Programm

Von Sichtbarkeit über Roadmap und Pilot bis zum Regelbetrieb — mit Deliverables, Zeitrahmen, Scheiterursachen und KPI-Set mit Zielwerten für 2027 und 2030.

Vorlagen für die Praxis

90-Tage-Playbook, Einkaufs-Musterklausel für PQC-Roadmaps von Lieferanten, Gremienbeschluss-Absatz und Antworten auf die sechs häufigsten Einwände.

Whitepaper kostenfrei anfordern

Kurzes Formular auf der Leistungsseite — der Download-Link erscheint sofort und kommt zusätzlich per E-Mail.

FAQ

Häufige Fragen zur Post-Quanten-Kryptografie

Kompakte Antworten auf die Begriffs- und Verständnisfragen, die in Workshops am häufigsten fallen.

Ein CRQC ist ein Quantencomputer mit genügend fehlerkorrigierten Qubits und Laufzeitstabilität, um den Shor-Algorithmus gegen reale Schlüssellängen wie RSA-2048 oder P-256 auszuführen. Heutige Maschinen mit Hunderten physischer Qubits sind davon Größenordnungen entfernt — relevant ist der CRQC trotzdem schon jetzt, weil „Harvest now, decrypt later" heutige Daten gegen die Fähigkeiten von morgen exponiert und die Ressourcenschätzungen rapide fallen.

Post-Quanten-Kryptografie (PQC) ist klassische Mathematik auf klassischer Hardware — neue Algorithmen wie ML-KEM, deren Sicherheitsprobleme auch Quantencomputer nicht effizient lösen. Quantum Key Distribution (QKD) nutzt dagegen Quantenphysik zur Schlüsselverteilung über spezielle Optik-Hardware, löst weder Authentisierung noch Skalierung und ist laut BSI kein Ersatz für PQC. Für die Migration einer IT-Landschaft ist PQC der Weg; QKD bleibt eine Nischentechnologie für Punkt-zu-Punkt-Strecken.

Kyber und Dilithium waren die Namen der Einreichungen im NIST-Wettbewerb. Mit der Standardisierung im August 2024 erhielten die Verfahren offizielle Bezeichnungen: ML-KEM (Module-Lattice-Based Key-Encapsulation Mechanism, FIPS 203) und ML-DSA (Module-Lattice-Based Digital Signature Algorithm, FIPS 204); SPHINCS+ wurde zu SLH-DSA (FIPS 205), Falcon wird als FN-DSA (FIPS 206) standardisiert. In Policies, Verträgen und Ausschreibungen sollten die FIPS-Namen verwendet werden.

Nein — er schwächt sie nur. Der Grover-Algorithmus beschleunigt die Schlüsselsuche quadratisch, womit AES-128 effektiv wie ein 64-Bit-Verfahren wirkt; AES-256 und SHA-384 gelten weiterhin als sicher. Deshalb konzentriert sich die Migration auf asymmetrische Verfahren. Wichtig ist nur der Denkfehler „Wir haben doch AES": Der AES-Sitzungsschlüssel wird fast überall über RSA oder (EC)DH ausgehandelt — und genau diese Schicht bricht Shor vollständig.

Client und Server führen zwei Schlüsseleinigungen parallel aus — etwa X25519 (klassisch) und ML-KEM-768 (quantensicher) — und leiten den Sitzungsschlüssel aus beiden Geheimnissen ab, in TLS 1.3 als Gruppe X25519MLKEM768. Ein Angreifer müsste beide Verfahren brechen. Für den generischen Fall standardisiert NIST SP 800-227 die Schlüsselkombination; das BSI empfiehlt dafür CatKDF und KeyCombine. Hybrid ist damit die auditfeste Betriebsform der Übergangsjahre, kein Provisorium.

Im Entwurf NIST IR 8547 heißt „deprecated", dass ein Verfahren ab dem Stichtag (2030 für 112-Bit-Niveau, also RSA-2048 und P-256) nur noch unter Risikoakzeptanz weiterverwendet werden soll — für Neues ist es tabu. „Disallowed" (ab 2035 für RSA und ECC insgesamt) heißt: nicht mehr zulässig in NIST-konformen Systemen. Für europäische Unternehmen wirkt das indirekt, aber real: FIPS-validierte Produkte und US-Clouddienste bauen ihre klassischen Modi entlang dieser Daten ab.

LMS und XMSS (NIST SP 800-208) sind hashbasierte Signaturverfahren, die schon seit 2020 standardisiert und quantensicher sind. Ihr Preis ist der Zustand: Jeder Einmalschlüssel darf nur genau einmal signieren, die Schlüsselverwaltung muss das garantieren — deshalb eignen sie sich für kontrollierte Umgebungen wie Firmware- und Code-Signing mit HSM-Verankerung, nicht für beliebige TLS-Server. Genau dort verlangt CNSA 2.0 sie für US-Zulieferer bis 2030 exklusiv.

Eine SBOM (Software Bill of Materials) inventarisiert Softwarekomponenten und deren Versionen — Grundlage für Schwachstellenmanagement. Eine CBOM (Cryptography Bill of Materials) inventarisiert die kryptografischen Bestandteile: Algorithmen, Schlüssellängen, Zertifikate, Bibliotheken und deren Fundorte, z. B. im CycloneDX-Format. Für die PQC-Migration ist sie das Arbeitsinstrument schlechthin: Ohne CBOM keine belastbare Priorisierung, kein Lieferanten-Management und kein Nachweis gegenüber Prüfern (PCI 12.3.3, DORA-Zertifikatsregister).

Standards & Quellen

Die Inhalte dieser Seite basieren auf den folgenden öffentlich verfügbaren Leitfäden und Studien.

NIS-Kooperationsgruppe / Europäische Kommission · 2025

A Coordinated Implementation Roadmap for the Transition to Post-Quantum Cryptography

Der EU-Fahrplan: Start und nationale Pläne bis Ende 2026, Hochrisiko bis Ende 2030, weitestgehender Abschluss bis Ende 2035.

Europäische Kommission · 2024

Empfehlung C(2024) 2393 zu einem koordinierten Umsetzungsfahrplan für PQC

Der Startschuss der EU-Koordination vom 11. April 2024.

BSI · 2026

TR-02102-1: Kryptographische Verfahren — Empfehlungen und Schlüssellängen, Version 2026-01

Deutschlands Krypto-Uhr: sehr hoher Schutzbedarf bis Ende 2030, klassische Schlüsseleinigung längstens bis Ende 2031, Signaturen bis Ende 2035; hybrid via CatKDF/KeyCombine.

BSI · laufend

Migration zu Post-Quanten-Kryptografie — Handlungsempfehlungen

Grundsatzpapier des BSI inkl. Empfehlung hybrider Verfahren und der CRQC-Arbeitshypothese.

NIST · 2024

FIPS 203 (ML-KEM), FIPS 204 (ML-DSA), FIPS 205 (SLH-DSA)

Die ersten finalen PQC-Standards vom 13. August 2024; HQC-Auswahl 03/2025, FN-DSA (FIPS 206) in Finalisierung.

NIST · 2024

IR 8547: Transition to Post-Quantum Cryptography Standards (Entwurf)

US-Zeitplan: 112-Bit-Verfahren (RSA-2048, P-256) ab 2030 deprecated, RSA/ECC ab 2035 disallowed.

NSA · 2022–2024

CNSA 2.0 — Commercial National Security Algorithm Suite

Kategorien-Zeitplan für US-National-Security-Systeme: Signing/Netzwerk exklusiv 2030, Browser/Cloud/OS 2033, NSS-Neubeschaffung ab 01/2027.

Europol · 2025

Quantum Safe Financial Forum — A Call to Action

Aufruf an den Finanzsektor vom Februar 2025; Folgebericht zur Priorisierung mit FS-ISAC im Januar 2026.

Europäische Kommission · 2024

Delegierte Verordnung (EU) 2024/1774 (DORA-RTS), Art. 6–7

Verschlüsselungs- und Schlüsselmanagement-Pflichten für den Finanzsektor — seit Januar 2025 anwendbar.

Cloudflare · 2025/2026

The state of the post-quantum Internet

Adoptionszahlen: über 50 % des menschlichen Web-Traffics quantensicher (10/2025); Automatic Key Exchange zu Origins seit 09/2026.

C. Gidney (Google Quantum AI), arXiv:2505.15917 · 2025

How to factor 2048 bit RSA integers with less than a million noisy qubits

Die 20-fache Reduktion des Qubit-Bedarfs gegenüber der Schätzung von 2019 (arXiv:1905.09749).

VamiSec GmbH · 2026

Whitepaper: Quantum Readiness für CISOs

Das 31-seitige Arbeitsdokument zu dieser Seite — Fristen, Mosca-Test, 5-Phasen-Programm, KPIs, 90-Tage-Playbook und Vorlagen.

Wo steht Ihre Organisation gegenüber 2030?

In einem unverbindlichen Erstgespräch ordnen wir Ihre Landschaft gegen EU-Roadmap und BSI TR-02102-1 ein — und benennen die drei Schritte mit dem größten Hebel.