DORAISO/IEC 27001Delta
Governance & IKT-Risikomanagementrahmen (Art. 5–6)
Kap. 4 (Kontext), 5.1–5.3 (Führung, Politik, Rollen), 6.1.2/6.1.3 (Risikobeurteilung und -behandlung), 9.2/9.3 (Audit, Managementbewertung), 10 (Verbesserung)
Das Leitungsorgan trägt die letztendliche Verantwortung für das IKT-Risiko – inklusive Budgetallokation und eigener Schulungspflicht (Art. 5(2)–(4)). Zudem fordert Art. 6(4) eine unabhängige IKT-Risikokontrollfunktion, die ISO 27001 nicht kennt.
Identifikation, Schutz & Erkennung (Art. 8–10)
A.5.9 (Asset-Inventar), A.5.12 (Klassifizierung), A.5.1 (Politiken), A.8.8 (Schwachstellen), A.8.15/A.8.16 (Protokollierung, Monitoring), A.8.20–8.22 (Netzwerksicherheit), A.8.24 (Kryptografie)
Die RTS in der Delegierten Verordnung (EU) 2024/1774 schreiben in 42 Artikeln Mindestinhalte weit unterhalb der Flughöhe von Annex A vor – etwa zu kryptografischer Schlüsselverwaltung, Netzwerksegmentierung und Logging. Was ISO 27001 der Organisation überlässt, wird hier regulatorisch fixiert.
Response & Recovery (Art. 11–12)
A.5.29 (Sicherheit bei Störungen), A.5.30 (IKT-Bereitschaft für Business Continuity), A.8.13 (Datensicherung), A.8.14 (Redundanz)
DORA ist deutlich granularer: getrennter Backup-Standort, Wiederanlaufziele (RTO/RPO) je Funktion und jährliche Tests der Geschäftsfortführungspläne sind explizit gefordert.
Vorfallmanagement & Meldewesen (Art. 17–23)
A.5.24–A.5.28 (Incident-Planung, -Bewertung, -Reaktion, Lernen, Beweissicherung), A.6.8 (Meldung durch Personal), A.5.5 (Kontakt mit Behörden)
Aus dem unverbindlichen Behördenkontakt wird eine harte Meldepflicht: Erstmeldung binnen 4 Stunden nach Klassifizierung als schwerwiegend (spätestens 24 Stunden nach Kenntnis), Zwischenbericht binnen 72 Stunden nach der Erstmeldung, Abschlussbericht binnen eines Monats nach dem Zwischenbericht – auf Pflicht-Templates, in Deutschland an die BaFin über das MVP-Portal. Die Klassifizierungsschwellen gibt die Delegierte Verordnung (EU) 2024/1772 verbindlich vor.
Resilienz-Tests inkl. TLPT (Art. 24–27)
Nur Teilanker: A.8.8 (technische Schwachstellen), A.8.29 (Sicherheitstests in Entwicklung und Abnahme), Kap. 9.1 (Überwachung, Messung)
Ein verpflichtendes, breites Testprogramm kennt ISO 27001 nicht: DORA verlangt mindestens jährliche Tests aller IKT-Systeme, die kritische oder wichtige Funktionen unterstützen – und für von der Aufsicht identifizierte Unternehmen alle drei Jahre einen bedrohungsgeleiteten Penetrationstest (TLPT) auf Produktionssystemen (Art. 26, RTS (EU) 2025/1190, am TIBER-EU-Rahmen ausgerichtet).
IKT-Drittparteienrisiko (Art. 28–44)
A.5.19–A.5.23 (Lieferantenbeziehungen, Vereinbarungen, IKT-Lieferkette, Überwachung, Cloud-Dienste)
Neu sind das Informationsregister über alle IKT-Verträge in 15 Standard-Templates (Durchführungsverordnung (EU) 2024/2956), der verbindliche Vertragsklauselkatalog des Art. 30, die Bewertung des Konzentrationsrisikos vor Vertragsschluss (Art. 29) sowie das EU-Oversight kritischer IKT-Drittdienstleister.