Ein Compromise Assessment ist eine punktuelle, forensisch gestützte Untersuchung einer IT-Umgebung auf Spuren aktiver oder zurückliegender Kompromittierungen. Es folgt dem Prinzip „Assume Breach“: Geprüft wird nicht die Abwesenheit von Schwachstellen, sondern die An- oder Abwesenheit von Angreiferaktivität – auf Endpunkten und Servern, in Identitätsdiensten sowie in Netzwerk- und Cloud-Protokollen. Die Untersuchung ist zeitlich begrenzt und liefert eine Momentaufnahme für einen definierten Scope und Betrachtungszeitraum. Sie ersetzt weder kontinuierliche Detektion noch ein Security Operations Center, sondern beantwortet eine Stichtagsfrage, die der laufende Betrieb allein nicht beantworten kann.
Compromise Assessment: verdeckte Angreifer aufspüren
Wie Sie mit forensischen Methoden belastbar klären, ob Ihre IT-Umgebung aktuell kompromittiert ist oder in der Vergangenheit kompromittiert war – und welche Konsequenzen daraus folgen.
14 Tageglobale mediane Verweildauer (Dwell Time) 2025 – laut M-Trends 2026
52 %der untersuchten Vorfälle wurden intern entdeckt – mehr nicht
10 %„prior compromise“ – dritthäufigster initialer Angriffsvektor
30 %„prior compromise“-Anteil bei Ransomware-Fällen
Angreifer bewegen sich oft wochenlang unentdeckt in Unternehmensnetzen: Laut Mandiant M-Trends 2026 lag die globale mediane Verweildauer (Dwell Time) im Jahr 2025 bei 14 Tagen, bei Spionageoperationen deutlich darüber – und nur 52 % der untersuchten Vorfälle wurden intern entdeckt. Ein Compromise Assessment kehrt deshalb die übliche Prüfperspektive um: Statt zu fragen, wo ein Angreifer eindringen könnte, wird mit forensischen Methoden untersucht, ob eine Kompromittierung bereits stattgefunden hat („Assume Breach“). Typische Anlässe sind Unternehmenskäufe, konkrete Verdachtsmomente, die Nachbereitung von Sicherheitsvorfällen oder Fragen von Cyber-Versicherern. Das Ergebnis ist eine dokumentierte, evidenzbasierte Aussage zum Kompromittierungsstatus samt priorisierter Empfehlungen zur Härtung und Detektion.
Das Wichtigste im Überblick
Sechs Themenblöcke — zum Aufklappen antippen.
Typische Anlässe
Vier Situationen, in denen ein Compromise Assessment beauftragt wird – Anlass antippen.
- Der Käufer prüft vor der Integration, ob er mit dem Zielunternehmen eine bestehende Kompromittierung übernimmt.
- Laut M-Trends 2026 war „prior compromise“ mit 10 % der dritthäufigste initiale Angriffsvektor – bei Ransomware-Fällen sogar 30 %.
Mergers & AcquisitionsPrior CompromiseRansomware
- Auslöser sind etwa Hinweise von Behörden oder CERTs, auffällige Telemetrie oder eine Erpressungsnachricht.
BehördenCERTsAuffällige TelemetrieErpressungsnachricht
- Nach einem behandelten Sicherheitsvorfall belegt das Assessment vor dem Wiederanlauf, dass keine Restzugänge verblieben sind.
- Ein Baustein der Vorfallbewältigung, die etwa NIS2 in Art. 21 Abs. 2 lit. b von betroffenen Einrichtungen verlangt.
WiederanlaufRestzugängeVorfallbewältigungNIS2 Art. 21 Abs. 2 lit. b
- Etwa im Risikodialog oder nach einem Schadenfall kann ein dokumentierter Kompromittierungsstatus gefordert oder hilfreich sein.
Cyber-VersicherungenRisikodialogSchadenfallKompromittierungsstatus
Standards & Quellen
Die Inhalte dieser Seite basieren auf den folgenden öffentlich verfügbaren Leitfäden und Studien.
M-Trends 2026
Mediane Verweildauer 14 Tage (2025), 52 % interne Detektion, „prior compromise“ als dritthäufigster Initialvektor (10 %) – Datenbasis für die Relevanz von Kompromittierungsprüfungen.
NIST SP 800-61 Rev. 3: Incident Response Recommendations and Considerations for Cybersecurity Risk Management
Aktuelle Referenz (April 2025, ersetzt Rev. 2) für die Einbettung der Vorfallbewältigung ins Risikomanagement – relevant für den Übergang vom Assessment zur Incident Response.
MITRE ATT&CK
Wissensbasis für Taktiken, Techniken und Prozeduren (TTPs), aktuell in Version v19 (April 2026) – Grundlage TTP-basierter Sweeps im Compromise Assessment.
Richtlinie (EU) 2022/2555 (NIS2)
Art. 21 Abs. 2 lit. b verlangt Maßnahmen zur Bewältigung von Sicherheitsvorfällen – Anschlusspunkt für Kompromittierungsprüfungen im Verdachts- und Nachbereitungsfall.
IT-Grundschutz-Kompendium (Edition 2023), Baustein DER.2.2 „Vorsorge für die IT-Forensik“
Anforderungen an Forensik-Readiness (Datenquellen, Beweissicherung), die Qualität und Aussagekraft eines Compromise Assessments maßgeblich mitbestimmen.
Kompromittierungsstatus Ihrer Umgebung klären?
In einem unverbindlichen Erstgespräch klären wir gemeinsam Scope, Datenlage und die sinnvolle Untersuchungstiefe für ein Compromise Assessment in Ihrer Umgebung.