Gilt die Meldepflicht auch für Produkte, die schon vor 2026 auf dem Markt waren?
Ja. Die Meldepflicht nach Art. 14 gilt seit dem 11. September 2026 produktbezogen — also auch für Produkte, die bereits im Markt sind. Die übrigen CRA-Pflichten, etwa die CE-Kennzeichnung, greifen ab dem 11. Dezember 2027.
Wann beginnt die 24-Stunden-Frist?
Mit Kenntnis („becoming aware“): sobald Ihr Unternehmen von der aktiven Ausnutzung oder dem schwerwiegenden Vorfall erfährt. Nicht erst mit der Behebung und nicht erst nach interner Freigabe — deshalb gehören Kenntnis-Trigger und Meldeprozess vorab definiert und dokumentiert.
Was heißt „aktiv ausgenutzt“ genau?
Es liegen verlässliche Belege vor, dass ein Angreifer die Schwachstelle ohne Zustimmung des Systemeigentümers ausgenutzt hat (Art. 3 Nr. 42 CRA). Auch ein belastbarer Hinweis von außen, etwa durch ein CSIRT oder einen Kunden, kann die Frist auslösen. Funde aus Sicherheitsforschung oder Bug-Bounty-Programmen ohne Hinweis auf böswillige Ausnutzung sind dagegen nicht meldepflichtig.
Muss ich melden, wenn noch kein Schaden entstanden ist?
Bei schwerwiegenden Vorfällen genügt bereits das Potenzial: Auch wenn der Vorfall die Schutzfähigkeit des Produkts nur beeinträchtigen kann oder die Ausführung von Schadcode möglich ist, liegt ein Meldefall vor (Art. 14 Abs. 5). Im Zweifel gilt: melden — eine Meldung ist kein Schuldeingeständnis.
Gibt es eine API für automatisierte Meldungen?
Bisher nicht. Laut ENISA-FAQ ist die SRP ohne Programmierschnittstelle gestartet; eine API wird allenfalls für eine spätere Ausbaustufe geprüft. Meldungen werden manuell im Webformular erfasst — auf Englisch. Umso wichtiger sind vorbereitete Textbausteine, ein Feld-Mapping auf Ihre internen Daten und geübte Abläufe.
Welches CSIRT ist für uns zuständig?
Grundsätzlich das CSIRT des Mitgliedstaats, in dem Ihre Hauptniederlassung liegt — dort, wo die wesentlichen Cybersicherheitsentscheidungen für Ihre Produkte fallen (Art. 14 Abs. 7). Ohne EU-Niederlassung greift die Kaskade über Bevollmächtigten, Einführer und Händler. In Deutschland ist CERT-Bund im BSI das koordinierende CSIRT; die offizielle CSIRT-Liste veröffentlicht die ENISA.
Was droht bei Verstößen gegen die Meldepflicht?
Bußgelder bis 15 Mio. Euro oder 2,5 % des weltweiten Jahresumsatzes — je nachdem, welcher Betrag höher ist — sowie marktaufsichtliche Maßnahmen bis hin zum Rückruf. Und: Informieren Sie betroffene Nutzer nicht selbst, kann das CSIRT dies übernehmen — dann ohne Ihre Tonalität.