Mit den Top 10 CI/CD Security Risks (v1.0, 2022) hat die OWASP Foundation die typischen Schwachstellen von Build- und Deployment-Umgebungen systematisch katalogisiert: „Insufficient Flow Control Mechanisms“ (CICD-SEC-1), „Inadequate Identity and Access Management“ (CICD-SEC-2), „Dependency Chain Abuse“ (CICD-SEC-3), „Poisoned Pipeline Execution“ (CICD-SEC-4), „Insufficient PBAC (Pipeline-Based Access Controls)“ (CICD-SEC-5), „Insufficient Credential Hygiene“ (CICD-SEC-6), „Insecure System Configuration“ (CICD-SEC-7), „Ungoverned Usage of 3rd Party Services“ (CICD-SEC-8), „Improper Artifact Integrity Validation“ (CICD-SEC-9) und „Insufficient Logging and Visibility“ (CICD-SEC-10). Der Katalog eignet sich als Prüfraster für ein strukturiertes Assessment der eigenen Pipeline-Landschaft – unabhängig davon, ob GitHub Actions, GitLab CI/CD oder Jenkins im Einsatz ist.
Sicherheit für Ihre CI/CD-Pipeline
Warum Build- und Deployment-Pipelines zu den kritischsten Systemen Ihrer IT gehören – und wie Sie sie entlang der OWASP Top 10 CI/CD Security Risks und SLSA strukturiert absichern.
Die CI/CD-Pipeline automatisiert den Weg vom Quellcode in die Produktion – und bündelt dafür weitreichende Berechtigungen auf Code-Repositories, Paket-Registries und Cloud-Umgebungen. Genau das macht sie zu einem attraktiven Angriffsziel: Wer den Build-Prozess kompromittiert, kompromittiert potenziell jedes ausgelieferte Artefakt, wie die Vorfälle bei SolarWinds, Codecov und 3CX gezeigt haben. Mit den Top 10 CI/CD Security Risks hat die OWASP Foundation die typischen Schwachstellen dieser Umgebungen systematisiert; das SLSA-Framework übersetzt die Gegenmaßnahmen in überprüfbare Reifegrade. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über die wichtigsten Bedrohungen und die Härtungsmaßnahmen, die sich in der Praxis bewährt haben.
Das Wichtigste im Überblick
Sechs Themenblöcke — zum Aufklappen antippen.
Von Poisoned Pipelines bis SLSA: die kritischen Stellhebel
Fünf Themenfelder aus dem Beitrag — Tab antippen für Risiken und Gegenmaßnahmen.
- Ein Angreifer mit Zugriff auf das Quellcode-System manipuliert den Build-Prozess, ohne die Build-Umgebung selbst kompromittieren zu müssen.
- OWASP unterscheidet drei Varianten: Direct PPE (D-PPE) verändert die CI-Konfigurationsdatei direkt, Indirect PPE (I-PPE) schleust Code in referenzierte Dateien wie Makefiles oder Test-Skripte ein, Public PPE (3PE) nutzt Pull Requests anonymer Beitragender in öffentlichen Repositories.
- Gegenmaßnahmen: ungeprüften Code nur auf isolierten Runnern ohne Zugriff auf Secrets ausführen, Pipelines externer Beitragender erst nach manueller Freigabe starten, CI-Konfigurationen aus geschützten Branches laden.
- „Dependency Chain Abuse“ bündelt Angriffe über die Paket-Lieferkette: Dependency Confusion, Dependency Hijacking, Typosquatting und Brandjacking.
- Bei Dependency Confusion veröffentlicht der Angreifer in einer öffentlichen Registry ein Paket unter dem Namen eines internen Pakets mit höherer Versionsnummer. Alex Birsan wies die Technik 2021 in den Build-Systemen von mehr als 35 Organisationen nach, darunter Apple, Microsoft und PayPal.
- Gegenmaßnahmen: ein interner Registry-Proxy als einzige Bezugsquelle, Lock-Dateien samt Checksummen- und Signaturprüfung, Organisations-Scopes für private Pakete sowie Installationsskripte in isolierten Kontexten ohne Zugriff auf Secrets.
- „Insufficient Credential Hygiene“ beschreibt langlebige, breit berechtigte Secrets, die in Logs, Artefakten oder geforkten Repositories landen können.
- Über OpenID Connect (OIDC) stellt die CI-Plattform pro Job ein signiertes Identitäts-Token aus; der Cloud-Provider prüft es gegen eine zuvor definierte Vertrauensbeziehung und tauscht es gegen ein kurzlebiges Access-Token, das nur für diesen einen Job gilt und automatisch abläuft.
- Statisch hinterlegte Cloud-Credentials und manuelle Rotation entfallen damit weitgehend; Secret-Scanning und ein zentrales Secrets-Management bleiben als flankierende Maßnahmen notwendig.
- Runner sollten pro Pipeline nur die minimal nötigen Berechtigungen erhalten und idealerweise ephemer betrieben werden — nach jedem Job verworfen.
- Branch-Protection-Regeln mit verpflichtenden Reviews und Status-Checks halten ungeprüfte Änderungen — einschließlich manipulierter CI-Konfigurationen — vom Hauptbranch fern; signierte Commits sichern die Urheberschaft ab.
- Signierte Artefakte und Provenance-Attestierungen belegen kryptografisch, dass ein Artefakt aus der erwarteten Pipeline stammt — mit Sigstore/Cosign auch „keyless“ über kurzlebige, an eine OIDC-Identität gebundene Zertifikate und das öffentliche Transparenzlog Rekor.
- Der Build Track definiert die Levels L1 bis L3: automatisch erzeugte Provenance (L1), signierte Provenance einer gehosteten Build-Plattform (L2), gehärtete, gegeneinander isolierte Builds mit für nutzerdefinierte Build-Schritte unerreichbarem Signaturmaterial (L3).
- Die aktuelle Version 1.2 (Status „Approved“, 11/2025) ergänzt erstmals einen Source Track, der die Integrität des Quellcode-Managements adressiert.
- Ergänzende Umsetzungshilfen liefert NIST SP 800-204D (02/2024).
Standards & Quellen
Die Inhalte dieser Seite basieren auf den folgenden öffentlich verfügbaren Leitfäden und Studien.
OWASP Top 10 CI/CD Security Risks (v1.0)
Referenzkatalog CICD-SEC-1 bis CICD-SEC-10 mit Angriffsvektoren und Gegenmaßnahmen; Grundlage der hier verwendeten Risiko-Bezeichnungen.
SLSA Specification v1.2
Aktuelle, als „Approved“ gekennzeichnete Version (Tag v1.2 vom 24.11.2025); Build Track L0–L3 und neu eingeführter Source Track.
NIST SP 800-204D: Strategies for the Integration of Software Supply Chain Security in DevSecOps CI/CD Pipelines
Finale Fassung 02/2024; beschreibt die Integration von Provenance, Attestierung, SBOM und SLSA in CI/CD-Pipelines cloudnativer Anwendungen.
OpenID Connect (GitHub Actions: Concepts – Security)
Laufend aktualisierte Herstellerdokumentation (Stand 07/2026, vormals „About security hardening with OpenID Connect“) zur OIDC-Föderation in GitHub Actions: kurzlebige, pro Job ausgestellte Tokens statt langlebiger Cloud-Secrets.
Sigstore Documentation: Overview
Grundlagen zu Cosign und Keyless Signing mit kurzlebigen Zertifikaten, OIDC-Identitäten und dem Transparenzlog Rekor (Stand 07/2026).
Dependency Confusion: How I Hacked Into Apple, Microsoft and Dozens of Other Companies
Originalbericht zur Dependency-Confusion-Technik; wies die Schwachstelle in mehr als 35 Organisationen nach.
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