MITRE pflegt ATT&CK-Matrizen für Enterprise-IT, Mobilgeräte und industrielle Steuerungssysteme, aber keine für Fahrzeuge. Das ist eine bewusste Entscheidung: 2019 fragte General Motors bei MITRE an, ob man gemeinsam eine automotive-spezifische ATT&CK-Version bauen könne. MITRE lehnte höflich ab und ermutigte dazu, eine eigenständige, nicht angegliederte Version nach dem Vorbild von ATT&CK zu entwickeln. Ab Januar 2020 entstand unter dem Dach des Auto-ISAC, des 2015 gegründeten Information Sharing and Analysis Center der Automobilindustrie, eine Nutzergruppe aus OEMs, Zulieferern und Dienstleistern. Am 27. März 2024 wurde die Automotive Threat Matrix auf atm.automotiveisac.com öffentlich, betrieben von Vultara, Inc. als strategischem Partner. Seither gab es sechs Releases: v1.00 (Januar 2024), v2.00, v3.00 (August 2024, erste große Inhaltsänderung aus Community-Beiträgen), v4.00 (Februar 2025, erster STIX-Export), v4.01 (Juni 2025) und v4.02 (4. Dezember 2025). Im Februar 2025 erschien das begleitende Auto-ISAC-Whitepaper mit Autoren von GM, Sumitomo Electric Wiring Systems, HORIBA MIRA, PACCAR, Eaton und Auto-ISAC. Die Matrix ist damit kein MITRE-Produkt, sondern eine Industrie-Taxonomie, die das ATT&CK-Vokabular übernimmt und die Inhalte für das Fahrzeug neu schreibt.
Automotive Threat Matrix (ATM): ATT&CK für Fahrzeuge
Wie die Auto-ISAC-Matrix Angreiferverhalten am Fahrzeug beschreibt – und wie sie TARA nach ISO/SAE 21434, den Nachweis nach UN R155, OWASP-Testkataloge und das Vehicle SOC auf eine gemeinsame Sprache bringt.
Seit dem 7. Juli 2024 darf in der EU kein neues Fahrzeug der Klassen M, N und O ohne Cybersecurity-Typgenehmigung nach UN R155 zugelassen werden, und ISO/SAE 21434 liefert seit August 2021 das Engineering-Vokabular dazu. Was beiden fehlt, ist eine gemeinsame Sprache für das, was Angreifer an einem Fahrzeug tatsächlich tun. MITRE ATT&CK, der De-facto-Standard der IT-Sicherheit, kennt weder CAN-Bus noch Diagnoseprotokoll noch Steuergerät. Genau diese Lücke schließt die Automotive Threat Matrix (ATM) des Auto-ISAC: eine frei zugängliche, nach dem Vorbild von ATT&CK gebaute Wissensbasis mit 14 Taktiken, 75 Techniken in der Matrix und 147 belegten Beispielen aus der Forschung (Release v4.02 vom 4. Dezember 2025, Datenstand 11. September 2026). Diese Seite erklärt, wie die Matrix aufgebaut ist, was ihre Evidenz trägt und was nicht, und wie sie sich in TARA, UN R155 Annex 5, OWASP ISTG und ISVS sowie die MITRE-Familie einordnet – auf Basis einer vollständigen Auswertung des Datensatzes durch VamiSec.
Von der GM-Anfrage zur v4.02
Fünf Stationen der Automotive Threat Matrix — Meilenstein antippen.
Nutzergruppe beim Auto-ISAC
Nach MITREs höflicher Absage an die GM-Anfrage von 2019 entsteht unter dem Dach des Auto-ISAC eine Nutzergruppe aus OEMs, Zulieferern und Dienstleistern.
ISO/SAE 21434 liefert das Vokabular
Die Norm stellt seit August 2021 das Engineering-Vokabular bereit — aber keine gemeinsame Sprache für das, was Angreifer an einem Fahrzeug tatsächlich tun.
ATM wird öffentlich
Die Automotive Threat Matrix wird auf atm.automotiveisac.com öffentlich, betrieben von Vultara, Inc. als strategischem Partner.
UN R155 für alle Neufahrzeuge
Seitdem darf in der EU kein neues Fahrzeug der Klassen M, N und O ohne Cybersecurity-Typgenehmigung nach UN R155 zugelassen werden.
Release v4.02
Sechstes Release der Matrix; das begleitende Auto-ISAC-Whitepaper erschien im Februar 2025. Datenstand der VamiSec-Auswertung: 11. September 2026.
Das Wichtigste im Überblick
Neun Themenblöcke — zum Aufklappen antippen.
Die fahrzeugspezifischen Technikfamilien
32 der 75 Techniken nennen keinen ATT&CK-Ursprung — der eigentliche Mehrwert der Matrix, geordnet in fünf Familien.
- Fünf „Abuse Standard Diagnostic Protocol“-Techniken verteilen sich auf Execution, Persistence, Lateral Movement, Collection und Affect Vehicle Function.
- „Bypass UDS Security Access“ umgeht das Seed-Key-Verfahren nach UDS-Dienst 0x27 mit baureihenweiten Geheimnissen, statischen Challenge-Response-Mechanismen oder kurzen Schlüsseln.
- Die Bordnetz-Familie umfasst „Unintended Vehicle Network Message“, „Modify Bus Message“ und „CAN Bus Denial of Service“.
- „Bridge Vehicle Networks“, „Reprogram ECU for Lateral Movement“ und das Umprogrammieren von Co-Prozessoren im selben Steuergerät bilden die Gateway- und Persistenz-Familie.
- Die Kryptografie-Familie trennt sauber zwischen gebrochenen Verfahren („Compromise Cryptographic Security“) und schlecht geschützten Schlüsseln („Unsecured Credentials“, „ECU Credential Dumping“).
- „Analog Sensor Attacks“ und „Adversarial Machine Learning“ bilden Angriffe auf Lidar, Kamera, Radar und Wahrnehmungsmodelle ab.
- „Aftermarket, Customer, or Dealer Equipment“ erfasst OBD-Dongles, Werkstatt-Tester und gekoppelte Telefone als Einstieg, Kommandokanal und Abflussweg zugleich.
Die Automotive Threat Matrix im Detail
Dreizehn Kapitel zur Herkunft, zum Datenmodell, zur Evidenz und zur Einbindung in TARA, Typgenehmigung und Test – vollständig auf dieser Seite, ohne Download.
Warum es kein „ATT&CK for Automotive" von MITRE gibt
MITRE pflegt ATT&CK-Matrizen für Enterprise-IT, Mobilgeräte und industrielle Steuerungssysteme. Eine Fahrzeugmatrix fehlt, und das ist kein Versehen, sondern eine bewusste Entscheidung, die General Motors 2025 öffentlich gemacht hat.
Die Nachfrage aus der Branche war früh da: 2019 fragte General Motors bei MITRE an, ob eine automotive-spezifische Version von ATT&CK gemeinsam entstehen könne. MITRE lehnte ab, ermutigte GM aber zu einem eigenen, nicht angegliederten Projekt.
Die Antwort war klug: Fahrzeuge unterscheiden sich in Angriffsfläche, Lebenszyklus und Schadenswirkung so stark von Unternehmensnetzen, dass ein Anhängsel an ATT&CK Enterprise weder der IT- noch der Automotive-Community genützt hätte. Stattdessen entstand unter dem Dach des Auto-ISAC eine Arbeitsgruppe aus OEMs, Zulieferern und Dienstleistern, die das ATT&CK-Vokabular übernahm und die Inhalte neu schrieb.
Die Handschrift der Arbeitsgruppe
Das Ergebnis trägt die Handschrift dieser Gruppe: 72 der 77 Techniken sind im Datensatz mit Karl Leboeuf als Autor hinterlegt, die Beschreibungen verweisen bei 43 Techniken ausdrücklich auf ihren ATT&CK-Ursprung, bei 32 nicht. Genau diese 32 sind der eigentliche Mehrwert der Matrix; sie behandeln fahrzeugspezifische Themen:
- Diagnoseprotokoll-Missbrauch
- Bus-Nachrichten
- Gateway-Überbrückung
- Sensor- und KI-Täuschung
Von der Absage bis zum Release v4.02
| Zeitpunkt | Ereignis |
|---|---|
| 2019 | GM fragt MITRE an, MITRE lehnt ab und ermutigt zum eigenen Projekt |
| 01/2020 | Auto-ISAC gründet die ATM-Nutzergruppe |
| 08/2023 | Anlage des Kerndatensatzes: 72 Techniken tragen das Erstelldatum 9. August 2023 |
| 03/2024 | Öffentlicher Launch der ATM auf atm.automotiveisac.com |
| 08/2024 | Große Überarbeitung: 61 Techniken zuletzt im August 2024 geändert |
| 02/2025 | Auto-ISAC veröffentlicht das Whitepaper „The Automotive Threat Matrix" |
| 03/2025 | GM stellt Nutzung, Roadmap und JSON-Export öffentlich vor |
| 05/2025 | Taktik „Reconnaissance" mit zwei neuen Techniken kommt hinzu |
| 12/2025 | Release v4.02: Supply Chain Compromise überarbeitet, aktueller Stand |
Quellen: GM-Vortrag März 2025; Auto-ISAC-Pressemitteilung März 2024; Zeitstempel im ATM-Datensatz (API-Stand 11.09.2026).
Drei Objekttypen, zwei Exportformate, ein Contribute-Button
Die ATM ist mehr als eine Tabelle im Browser. Hinter der Webanwendung liegt ein Datensatz, der sich vollständig herunterladen und in eigene Werkzeuge integrieren lässt. Wer die Matrix produktiv nutzen will, sollte die Objekte und ihre Grenzen kennen.
Der Datensatz kennt drei Objekttypen: Taktiken als Ziele des Angreifers, Techniken als konkrete Vorgehensweisen und Beispiele als Belege aus Forschungsveröffentlichungen. Alles andere, was aus ATT&CK vertraut ist, fehlt bislang oder bleibt leer.
Die drei Objekttypen
Taktik
Ziel des Angreifers, mit Beschreibung und Reihenfolge in der Matrix. Das Feld mitreId verweist auf die entsprechende ATT&CK-Taktik; nur „Affect Vehicle Function" bleibt ohne Verweis.
Technik
Konkrete Vorgehensweise mit Beschreibung, Autor, Erstell- und Änderungsdatum, Taktikzuordnung (mehrfach möglich) und Referenzen.
Beispiel
Ein Satz aus einer Forschungsveröffentlichung, der belegt, dass eine Technik real angewendet wurde, etwa ATM-P0002: „Die Forscher überwanden den UDS Security Access am Gateway-ECU, indem sie dessen schwache Kryptografie brachen."
Sub-Techniken sind im Datenmodell vorgesehen, der Datensatz enthält jedoch keine. Eine Technik bleibt damit die kleinste beschriebene Einheit, und die inhaltliche Tiefe entsteht erst über die zugeordneten Beispiele.
Was der Download liefert
| Datei | Inhalt | Bedeutung für die Praxis |
|---|---|---|
| v4.02.json | Natives Format: 242 Objekte (14 Taktiken, 77 Techniken, 151 Beispiele) mit HTML-Beschreibungen, Zeitstempeln und Verknüpfungen. | Geeignet für eigene Skripte, TARA-Werkzeuge mit Importfunktion und interne Wissensdatenbanken. |
| mitre-v4.02.json | „MITRE-Compliant": STIX-2.1-Bundle mit 302 Objekten: 14 x-mitre-tactic, 77 attack-pattern, 151 campaign (die Beispiele), 59 uses-Relationships und eine x-mitre-matrix. | Basis für ATT&CK Navigator, Workbench und STIX-fähige Threat-Intelligence-Plattformen. |
Was fehlt, ist ebenso aufschlussreich: keine Mitigations, keine Detections, keine Data Sources, keine Gruppen oder Software-Objekte. Die Felder existieren im Datenmodell, sind aber leer. Wer Gegenmaßnahmen sucht, muss sie selbst ergänzen, etwa aus MITRE EMB3D oder UN R155 Annex 5 Teil B und C.
Alle Angaben beziehen sich auf das Release v4.02 des ATM-Datensatzes, API-Stand 11.09.2026.
Was der Angreifer erreichen will
Die Spalten der Matrix folgen dem Lebenszyklus eines Angriffs: von der Informationsbeschaffung über den Erstzugang und die Bewegung im Bordnetz bis zu dem, was ein Fahrzeug von jedem anderen IT-System unterscheidet — der Beeinflussung der Fahrzeugfunktion.
Eine Taktik beschreibt das Warum eines Angriffsschritts, die Technik das Wie. Elf der 14 Taktiken übernimmt die Automotive Threat Matrix sinngemäß aus MITRE ATT&CK, drei sind fahrzeugspezifisch neu definiert. Die Kennung in Klammern nennt jeweils die ATT&CK-Taktik, auf die Auto-ISAC im Datensatz verweist.
| ID | Taktik | Techniken | Worum es geht |
|---|---|---|---|
| ATM-TA0000 | Reconnaissance | 2 | Informationen sammeln, im und außerhalb des Fahrzeugs. |
| ATM-TA0001 | Manipulate Environment | 8 | Umfeld angreifen: Funk, Sensorik, KI-Modelle. |
| ATM-TA0002 | Initial Access | 8 | Erster Fuß im Netz: Funk, Apps, Lieferkette, Dongles. |
| ATM-TA0003 | Execution | 3 | Angreifercode auf einer ECU ausführen. |
| ATM-TA0004 | Persistence | 5 | Zugriff über Neustarts und Updates hinweg behalten. |
| ATM-TA0005 | Privilege Escalation | 8 | Höhere Rechte auf einer ECU erlangen. |
| ATM-TA0006 | Defense Evasion | 5 | Schutzmechanismen bis hin zum UDS Security Access umgehen. |
| ATM-TA0007 | Credential Access | 8 | Schlüssel, Tokens und Passwörter stehlen. |
| ATM-TA0008 | Discovery | 8 | Dateien, Prozesse, Netz und Fahrzeugposition erkunden. |
| ATM-TA0009 | Lateral Movement | 6 | Von Steuergerät zu Steuergerät wandern. |
| ATM-TA0010 | Collection | 9 | Position, Kamera, Audio, SMS, Dateien sammeln. |
| ATM-TA0011 | Command and Control | 6 | Steuerkanäle: Mobilfunk, Internet, Nahfeldfunk, Rundfunk. |
| ATM-TA0012 | Exfiltration | 7 | Daten abziehen, per Funk oder Wechselmedien. |
| ATM-TA0013 | Affect Vehicle Function | 8 | Antrieb, Airbag, Anzeigen oder Audio beeinflussen. |
Drei Taktiken mit Sonderstellung
Reconnaissance (ATM-TA0000, 2 Techniken) ist neu seit 2025 und bewusst zweigeteilt: Informationen aus dem Fahrzeug, also Diagnosedaten, Bus-Mitschnitte und Firmware, und Informationen aus anderen Quellen wie Dokumentation, Foren und Lieferanten. Der Datensatz verweist auf ATT&CK Enterprise TA0043.
Manipulate Environment (ATM-TA0001, 8 Techniken) ist fahrzeugspezifisch: Angriffe auf das Umfeld, ohne das Fahrzeug physisch zu berühren, also Störsender, Relay-Angriffe auf Funkschlüssel, gefälschte Mobilfunk-Basisstationen und Wi-Fi-Zugangspunkte, Downgrade auf unsichere Protokolle sowie die Täuschung von Sensorik und KI-Modellen. Der Verweis geht auf die frühere Mobile-Taktik „Network Effects“ (TA0038).
Affect Vehicle Function (ATM-TA0013, 8 Techniken) hat kein Pendant in ATT&CK; am nächsten kommt ihr „Impair Process Control“ aus ATT&CK for ICS. Betroffen sind Antrieb, Airbag, Anzeigen oder Audio, über unbeabsichtigte Bus-Nachrichten, das Verändern legitimer Nachrichten, einen Denial of Service auf dem CAN-Bus oder den Missbrauch von Diagnosediensten. Mit 35 dokumentierten Beispielen ist „Unintended Vehicle Network Message“ (ATM-T0071) die am besten belegte Technik der gesamten Matrix.
Die 75 Techniken und ihre Familien
Auf der Technikebene zeigt sich, was die Automotive Threat Matrix von einer IT-Matrix trennt: Neben vertrauten Mustern wie ATM-T0015 Phishing stehen Diagnosedienste, Bus-Nachrichten, Steuergeräte-Reprogrammierung und Sensorik. Die 75 Techniken bündeln sich zu wenigen Familien; die Zahl der Beispiele zeigt, wo die Beleglage dicht ist.
Diagnoseprotokoll-Missbrauch: Fünf Techniken teilen den Namensstamm und unterscheiden sich nur im Zweck - ATM-T0020 (Persistence), ATM-T0074 (Execution), ATM-T0050 (Lateral Movement), ATM-T0055 (Collection) und ATM-T0067 (Affect Vehicle Function). Beispiele tragen nur zwei davon: ATM-T0067 mit 24, ATM-T0055 mit 2. Am selben Protokoll setzt ATM-T0033 Bypass UDS Security Access an (Defense Evasion, 5 Beispiele).
Wirkung auf Fahrzeugfunktionen: ATM-TA0013 bündelt acht Techniken. ATM-T0071 Unintended Vehicle Network Message trägt mit 35 Beispielen nach eigener Auszählung den höchsten Wert der Übersicht, vor ATM-T0069 Local Function (7), ATM-T0072 Denial of Service on Vehicle Function (3) und ATM-T0068 CAN Bus Denial of Service (2); ATM-T0070 Modify Bus Message bleibt ohne Beispiel.
Laterale Bewegung: ATM-TA0009 umfasst sechs Techniken. Die meisten Beispiele trägt ATM-T0054 Reprogram ECU for Lateral Movement (11), vor ATM-T0053 Remote Services (7) und ATM-T0051 Bridge Vehicle Networks (2); ATM-T0052 und ATM-T0050 bleiben ohne Eintrag.
Kryptografie und Zugangsdaten: ATM-T0040 Unsecured Credentials führt Credential Access ATM-TA0007 mit 12 Beispielen an, vor ATM-T0038 Network Sniffing (8) und ATM-T0039 ECU Credential Dumping (1). ATM-T0075 Compromise Cryptographic Security ist in vier Taktiken geführt, trägt aber wie ATM-T0066 Standard Cryptographic Protocol keinen Eintrag.
Sensorik und KI: Nach eigener Auszählung stehen nur ATM-T0004 Analog Sensor Attacks und ATM-T0005 Adversarial Machine Learning zugleich in Manipulate Environment ATM-TA0001 und in Affect Vehicle Function ATM-TA0013 - beide ohne Beispiel. Belegt ist dagegen das Funkumfeld, etwa ATM-T0003 Manipulate Communications (5).
Die am besten belegten Techniken
| ID | Technik | Taktik(en) | Beispiele |
|---|---|---|---|
| ATM-T0071 | Unintended Vehicle Network Message | Affect Vehicle Function | 35 |
| ATM-T0067 | Abuse Standard Diagnostic Protocol for Affecting Vehicle Function | Affect Vehicle Function | 24 |
| ATM-T0022 | Modify OS Kernel, Boot Partition, or System Partition | Persistence | 12 |
| ATM-T0040 | Unsecured Credentials | Credential Access | 12 |
| ATM-T0012 | Exploit via Radio Interface | Initial Access | 11 |
| ATM-T0054 | Reprogram ECU for Lateral Movement | Lateral Movement | 11 |
| ATM-T0010 | Aftermarket, Customer, or Dealer Equipment | Initial Access, Command and Control, Exfiltration | 10 |
| ATM-T0038 | Network Sniffing | Credential Access, Collection | 8 |
| ATM-T0065 | Short Range Wireless Communication | Command and Control, Exfiltration | 8 |
Zahlen aus der Technikübersicht der Automotive Threat Matrix; ATM-T0053 Remote Services und ATM-T0069 Local Function folgen mit je 7 Beispielen.
147 Beispiele, 23 Quellen, zwei Forschungsteams
Was die ATM von einer Ideensammlung unterscheidet, sind ihre Beispiele: Sätze aus veröffentlichten Forschungsarbeiten, die belegen, dass eine Technik wirklich angewendet wurde. Wir haben alle 147 ausgewertet – Stärke und Warnung zugleich.
Zwei Teams liefern 95 der 147 Beispiele; die sieben größten Quellen decken 114 Beispiele (77,6 %) ab. Das ist die Forschungsära 2010 bis 2018: WebKit im Head Unit, Telnet zum Gateway, unauthentifizierte UDS-Dienste.
| Quelle (Titel in der ATM) | Jahr | Team / Ziel | Beispiele |
|---|---|---|---|
| Adventures in Automotive Networks and Control Units | 2013 | Miller & Valasek; Ford Escape, Prius | 27 |
| Free-fall: Hacking Tesla from wireless to CAN bus | 2016/17 | Keen Security Lab; Tesla Model S | 17 |
| CAN Message Injection | 2016 | Miller & Valasek; Jeep, Prius | 17 |
| Over-the-Air: Gateway, BCM and Autopilot ECUs of Tesla cars | 2018 | Keen Security Lab; Tesla S/X | 15 |
| Experimental Security Analysis of a Modern Automobile | 2010 | Koscher et al. (UW/UCSD); zwei Limousinen | 15 |
| Hacking a Tesla Model S: What we found and what we learned | 2015 | Mahaffey/Rogers (DEF CON 23); Tesla Model S | 13 |
| Remote Exploitation of an Unaltered Passenger Vehicle | 2015 | Miller & Valasek; Jeep Cherokee | 10 |
Jahres- und Autorenzuordnung durch VamiSec; nur 10 von 147 Beispielen nennen eine Quell-URL; ein Titel erscheint doppelt, daher 23 statt 24 Publikationen.
29 der 77 Techniken ohne ein einziges Beispiel
- Analog Sensor Attacks und Adversarial Machine Learning, obwohl Lidar-Spoofing seit Jahren publiziert ist
- Supply Chain Compromise, im Dezember 2025 überarbeitet, aber weiter ohne Beleg
- Disable Software Update, das Kernthema von UN R156
- Compromise Cryptographic Security, seit April 2025 in vier Taktiken, ohne Beispiel
- Modify Bus Message, obwohl Beispiele zum Unterdrücken von CAN-IDs nur anders zugeordnet sind
- Drei der fünf seit 2024 hinzugefügten Techniken
Am dünnsten ist Persistence: vier von fünf Techniken ohne Beleg; Credential Access und Collection folgen mit je fünf leeren Techniken. Nach eigener Zuordnung stammt kein Beispiel aus 2025 oder 2026.
Was der Datensatz außerdem verrät
Ein Autor, ein Konto
72 von 77 Techniken nennen Karl Leboeuf (GM) als Autor, nur sechs haben einen Editor. Ein Konto ist bei 73 Techniken und 10 Taktiken letzter Bearbeiter: kuratierte Qualität, Bus-Faktor eins.
Wachstum stockt
Von den 87 Beispielen mit Erstelldatum entstanden 82 im Dezember 2023, vier im August 2024 und eines im Mai 2025. Die 51 Lücken im ID-Raum P0001 bis P0198 zeigen: rund ein Viertel der je angelegten Beispiele wurde wieder entfernt.
Nicht alles ist demonstriert
Mindestens sieben Beispiele aus „CAN Message Injection“ beginnen mit „Researchers discussed the possibility“, sind also Hypothesen. Sieben eingefügte Abstracts erzeugen allein 34 Technik-Verknüpfungen: Beleg lesen, nicht nur zählen.
Warum jetzt: Angriffe skalieren, und sie kommen aus der Ferne
Die Zahl öffentlich bekannter Cybervorfälle in der Automobilbranche steigt seit Jahren, und ihr Charakter hat sich verschoben: weg vom Laptop am OBD-Port, hin zu Telematik, Cloud und Lieferkette.
Deutschland: das BSI-Lagebild
Das BSI-Branchenlagebild „Cybersicherheit im Straßenverkehr 2025“ wertet 107 Meldungen zwischen Februar 2024 und März 2025 aus. Von 67 nach Zugangsweg klassifizierbaren Fällen liefen 18 über das Internet, 23 über den Nahbereich (Bluetooth, WLAN), 21 über physischen Zugriff, 3 über das lokale Netz und 2 über Demontage. Von 59 nach Status bewerteten Fällen waren 46 Proof-of-Concept, 9 theoretisch und 4 aktiv ausgenutzt.
Für 2018 bis 2024 zählt das BSI 1.663 fahrzeugbezogene CVEs; der mittlere CVSS-Wert sank von 8,08 (2019) auf 7,19 (2024), blieb aber im Band „hoch“.
Pwn2Own Automotive
| Ausgabe (Tokio) | Zero-Days | Preisgeld | Master of Pwn |
|---|---|---|---|
| Januar 2024 | 49 | 1.323.750 $ | Synacktiv (Tesla-Modem, IVI) |
| Januar 2025 | 49 | 886.250 $ | Sina Kheirkhah (nur Tesla Wall Connector) |
| Januar 2026 | 76 | 1.047.000 $ | fuzzware.io (deutsches Team) |
Quelle: Zero Day Initiative / Trend Micro. In Berlin (Mai 2025) trat in der Automotive-Kategorie niemand an.
Zwei Angriffszweige
| Jahr | Fall | Einstieg → Wirkung | ATM-Bezug |
|---|---|---|---|
| 2015 | Jeep Cherokee (Miller/Valasek) | Mobilfunk → Uconnect → V850-Reflash → CAN: Bremsen, Lenkung, Motor; 1,4 Mio. Fahrzeuge zurückgerufen | Angriffskette 1 |
| 2016/17 | Tesla Model S/X (Keen Security Lab) | Wi-Fi und Browser → Kernel → Gateway-Firmware → CAN; erster Fernangriff auf den CAN-Bus eines Tesla | Angriffsketten 2 und 3 |
| 2018 | BMW (Keen Security Lab) | 14 Schwachstellen in Head Unit, Telematik und Gateway; beliebige Diagnoseanfragen auf CAN | ATM-P0006, 13 Techniken |
| 2023 | CAN-Injection, Scheinwerferkabel (Tindell/Tabor) | Gerät im Lautsprecher-Gehäuse spooft Smart-Key-Frames, Wegfahrsperre fällt; Toyota RAV4 | T0016/T0071, kein Beispiel |
| 2025 | Nissan Leaf (PCAutomotive) | Bluetooth → IVI → Secure-Boot-Bypass → Mobilfunk-C2 → CAN: Lenkung während der Fahrt | kein Beispiel |
| 2024 | Kia-Händlerportal (Curry u. a.) | Händler-Token → VIN → Halterdaten → Fahrzeug aus 30 s per Kennzeichen steuerbar | Backend, außerhalb der ATM |
| 2025 | Subaru STARLINK (Curry/Shah) | Passwort-Reset ohne Token, 2FA nur clientseitig → Start/Stop, Standorthistorie auf 5 m genau | Backend, außerhalb der ATM |
| 2024 | Cariad/VW (CCC, 38C3) | Fehlkonfigurierte Cloud-Umgebung → Standortdaten von rund 800.000 E-Fahrzeugen | Backend, außerhalb der ATM |
| 2025 | Jaguar Land Rover | IT-Angriff, rund fünf Wochen Produktionsstillstand, 196 Mio. £ Quartalskosten, 1,9 Mrd. £ Schaden (CMC) | Enterprise-IT, ATT&CK |
Zweig A: das Fahrzeug selbst
Einstieg über Funk, Infotainment oder Diagnose, dann Rechteausweitung, Sprung über das Gateway, Wirkung auf CAN. Seit 2015 stabil, von der ATM beschrieben.
Zweig B: Backend, Portale, Lieferkette
Kia, Subaru, Cariad und JLR haben kein Steuergerät berührt und trotzdem Flotten und Werke getroffen. UN R155 Annex 5 beginnt mit diesen Bedrohungen (4.3.1).
Drei Schichten, ein Fahrzeug: Wer 2026 was verlangt
Fahrzeug-Cybersicherheit wird in Europa auf drei Ebenen reguliert: Produkt (UN R155/R156), Unternehmen (NIS2, TISAX) und Komponente außerhalb der Typgenehmigung (CRA).
ISO/SAE 21434 ist die Engineering-Referenz für die Produktebene, nicht das Gesetz. UN R155 wirkt über die VO (EU) 2019/2144: neue Typen ab 06.07.2022, alle Neufahrzeuge ab 07.07.2024; Supplement 3 gilt seit 10.01.2025 für die Klassen L, M, N und O mit mindestens einem Steuergerät.
NIS2 und BSIG 2025 sind seit 06.12.2025 in Kraft, die Registrierungsfrist lief bis 06.03.2026; die Komponentenebene regelt der CRA.
| Regelwerk | Was gilt | Termin | Bezug zur Matrix |
|---|---|---|---|
| UN R155 (CSMS) | Zertifiziertes CSMS (max. 3 Jahre, 6.7), erschöpfende Risikobewertung gegen Annex 5 Teil A (7.3.3), Angriffserkennung (7.2.2.2 g), Jahresbericht (7.4.1) | Alle Neufahrzeuge seit 07.07.2024 | Annex 5 = Bedrohungsliste, ATM = Angreiferverhalten |
| UN R156 (SUMS) | Update-Managementsystem, Authentizität und Integrität von Updates; die 01er-Serie macht RxSWIN verpflichtend | 01er-Serie in Kraft 04.06.2026; Übergang bis 01.09.2028/2030 | ATM-T0021, T0022, T0054 |
| ISO/SAE 21434:2021 | Cybersecurity Engineering über den Lebenszyklus; Clause 15 = TARA; Annex E und G sind informativ | August 2021; zweite Ausgabe: Entwicklung ab 2026 | Angriffspfade (15.6), Machbarkeit (15.7) |
| ISO/SAE PAS 8475, TR 8477, SAE J3322, ISO/PAS 5112, ISO 24089 | CAL/TAF-Präzisierung, Verifikation und Validierung; Audit-Leitfaden für das CSMS; Update-Engineering unter R156 | DPAS 8475 2026-07; J3322 seit 03.05.2025; 5112: 2022; 24089: Februar 2023 | Testplanung, Nachweisführung |
| Cyber Resilience Act | Nicht für Produkte unter VO 2019/2144 (Art. 2 Abs. 2 c); separat verkaufte Komponenten, Dongles, Ladesäulen schon | Meldepflichten ab 11.09.2026, volle Anwendung 11.12.2027 | ATM-T0010 „Aftermarket, Customer, or Dealer Equipment“ |
| NIS2 / BSIG 2025 | NACE C 29 und C 30 = wichtige Einrichtungen; Risikomanagement (§ 30), Meldepflicht (§ 32), Bußgeld bis 7 Mio. € oder 1,4 % (§ 65) | In Kraft 06.12.2025; Registrierungsfrist 06.03.2026 | Vorfälle mit Technik-IDs |
| TISAX (ENX) | Organisationssicherheit und Prototypenschutz; ISA 6 bis 31.12.2026, VDA ISA2027 ab 01.01.2027 | ISA2027 angekündigt 01.07.2026 | Lieferantenanforderungen in ATM-Spalten |
| Data Act, DelVO 2026/699 | Zugang zu Fahrzeugdaten (Access by Design ab 12.09.2026); neuer Anhang X der VO 2018/858 | Data Act gilt seit 12.09.2025; DelVO im ABl. 03.06.2026 | Diagnosezugang als Angriffsfläche |
Weltweit: dieselbe Logik, andere Termine
Japan
R155/R156 über die Sicherheitsstandards zum Straßenverkehrsgesetz; OTA-fähige Neutypen seit Juli 2022, Bestand ohne OTA seit Mai 2026.
Südkorea
CSMS-Vorabzulassung durch MOLIT; neue Typen seit 14.08.2025, bestehende ab August 2027.
Vereinigtes Königreich
SI 2025/1110 überführt R155/R156 in die GB-Typgenehmigung: neue Typen ab 01.06.2026, alle Fahrzeuge ab 01.06.2027.
China
GB 44495-2024 und GB 44496-2024 gelten für neue Typen seit 01.01.2026, für genehmigte ab 01.01.2028.
Die Norm verlangt Angriffspfade. Sie liefert keine.
ISO/SAE 21434 fordert Bedrohungsszenarien, Angriffspfade und eine begründete Angriffsmachbarkeit. Konkretes Angreiferverhalten liefert die Norm bewusst nicht mit. Genau dort dockt die Automotive Threat Matrix mit belegten Bausteinen und stabilen IDs an.
Clause 15 von ISO/SAE 21434 definiert sieben Schritte von der Asset-Identifikation bis zur Risikobehandlung. Zwei davon setzen Wissen über Angreiferverhalten voraus, das die Norm bewusst nicht mitliefert: die Identifikation von Bedrohungsszenarien (15.4) und die Analyse von Angriffspfaden (15.6). Als dritter Andockpunkt kommt die Angriffsmachbarkeit (15.7) hinzu.
- 15.3Assets identifizieren: Integrität, Verfügbarkeit, Vertraulichkeit
- 15.4 AndockpunktBedrohungsszenario aus Asset, ATM-Technik und verletzter Eigenschaft
- 15.5Schadensauswirkung Safety, Financial, Operational, Privacy: negligible bis severe
- 15.6 AndockpunktAngriffspfade aus ATM-Zellen; 22 im Datensatz hinterlegte Angriffsketten, 147 Beispiele
- 15.7 AndockpunktAngriffsmachbarkeit: je Technik ein kalibrierter Startwert, pro Pfad angepasst
- 15.8Risikowert 1 bis 5 aus Auswirkung und Machbarkeit, Beispielmatrix in Annex H
- 15.9Risikobehandlung: vermeiden, reduzieren, teilen, akzeptieren
Für die Machbarkeit erlaubt die Norm drei Ansätze: Attack Potential mit fünf Parametern (Zeit, Expertise, Kenntnis des Items, Zeitfenster, Ausrüstung), CVSS-Exploitability oder den Angriffsvektor nach Tabelle G.9; Annex G ist informativ und nennt seine Tabellen ausdrücklich Beispiele. Das Auto-ISAC-Whitepaper vom Februar 2025 beschreibt die Matrix als Bibliothek potenzieller Schritte eines Angriffspfads und schlägt vor, jedem Element eine Default-Machbarkeit zuzuweisen. Diese Defaults sind eine Methode, keine Daten: Der Datensatz enthält keine Machbarkeitswerte, keine Auswirkungsklassen und keine Asset-Bezüge. Die Kalibrierung bleibt Aufgabe der Organisation.
Default-Machbarkeit je Technik: Rechenbeispiele
| Technik | Annahme | Parameter (Zeit, Expertise, Kenntnis, Zeitfenster, Ausrüstung) | Summe | Machbarkeit |
|---|---|---|---|---|
| T0033 Bypass UDS Security Access | statischer Schlüssel je Baureihe, aus Werkstattwerkzeug ableitbar (wie ATM-P0033, P0167) | 1, 3, 3, 1, 0 | 8 | hoch |
| T0033 Bypass UDS Security Access | echtes Challenge-Response je ECU, Schlüssel im HSM, Sperre nach Fehlversuchen | 17, 6, 7, 4, 4 | 38 | sehr niedrig |
| T0012 Exploit via Radio Interface | Bluetooth-Heap-Overflow im Infotainment (wie Lexus 2020, ATM-P0060) | 17, 8, 3, 4, 4 | 36 | sehr niedrig |
| T0054 Reprogram ECU for Lateral Movement | nach Gateway-Zugang, Ziel-ECU prüft nur eine CRC (wie ATM-P0117) | 1, 3, 3, 4, 0 | 11 | hoch |
Werte nach ISO/SAE 21434:2021, Annex G, Tabelle G.6 (Beispielaggregation) und G.7 (Beispielzuordnung: hoch 0–13, mittel 14–19, niedrig 20–24, sehr niedrig ab 25); beide informativ. Die Parameterwahl ist unsere Einschätzung zur Illustration, keine Bewertung realer Produkte.
Der Default hängt an der Kontrolle
Dieselbe Technik springt von 8 auf 38 Punkte, je nachdem, ob der UDS-Zugang auf einem baureihenweiten Geheimnis oder auf individuellen Schlüsseln beruht.
Niedrige Machbarkeit heißt nicht niedriges Risiko
Der Bluetooth-Einstieg ist mit 36 Punkten sehr niedrig, aus der Ferne aber skalierbar; nach Tabelle G.9 wäre er als adjacent sogar mittel. Der Risikowert nach 15.8 hält ihn im Scope.
Bewertet wird der Pfad, nicht die Zelle
Isoliert ist das Umprogrammieren eines Steuergeräts hoch machbar, in der Kette erbt es Zeitfenster und Ausrüstung des vorangegangenen Einstiegs.
Zwei Listen, eine Risikobewertung
UN R155 verlangt in 7.3.3 eine erschöpfende Risikobewertung gegen alle Bedrohungen aus Annex 5 Teil A, ISO/SAE 21434 verlangt Angriffspfade. Wir haben die 14 ATM-Taktiken und 75 Techniken auf die 67 Annex-5-Einträge abgebildet: hohe Überlappung im Fahrzeug, klare Lücken an seinen Rändern.
Annex 5 ist der einzige Teil von R155, der Bedrohungen konkret benennt: keine Angreifer-Taxonomie, sondern eine Liste von Schwachstellen und Angriffsmethoden, geordnet nach Angriffsfläche. Annex 5 fragt, welche Schwachstelle ausgenutzt werden könnte; die Matrix fragt, was der Angreifer als Nächstes tut, und ordnet nach Ziel. Für die nach 7.3.3 geforderte erschöpfende Risikobewertung ist Annex 5 Pflicht, für Angriffspfade ist die Matrix das bessere Werkzeug.
| ATM-Taktik | Primäre Annex-5-Einträge (Teil A, Tabelle A1) | Vererbte Maßnahmen |
|---|---|---|
| Reconnaissance | 7.1 Abhören, 28.2 Entwicklungsreste; 1.2/1.3 nur als Aufklärungsziel | M12, M23 |
| Manipulate Environment | 4.1 Spoofing (V2X, GNSS), 6.2 Man-in-the-Middle, 8.2 Black-Hole, 16.3 Störung von Nahfeldfunk und Sensoren | M10, M13, M20 |
| Initial Access | 16.1 Fernfunktionen, 17.1 Drittanbieter-Apps, 18.1–18.3 USB/Medien/OBD-Dongles, 5.1 Code-Injektion, 11.2 V2X | M20, M21, M22, M10, M6 |
| Execution | 22.2 Einschleusen von Schadsoftware, 23.1 Fälschung von Software, 11.3 Diagnosenachrichten | M7, M10 |
| Persistence | 12.1/12.2 Kompromittierung von OTA- und lokalen Updates, 23.1 | M16, M7 |
| Privilege Escalation | 9.1 Rechteausweitung, 28.1 Software-Fehler, 28.2 Debug-Ports | M9, M23 |
| Defense Evasion | 11.3 Diagnosenachrichten, 6.3 Replay/Downgrade, 12.x Updates, 26.1–26.3 Kryptografie | M10, M16, M11 |
| Credential Access | 19.2 Halterdaten, 19.3 Schlüsselextraktion, 28.2, 7.2 unbefugter Dateizugriff | M8, M11, M23 |
| Discovery | überwiegend kein Gegenstück; 29.1 offene Ports | M9 |
| Lateral Movement | 29.2 Umgehung der Netztrennung (Gateways), 23.1, 6.3 | M7, M10, M16 |
| Collection | 19.1 Produktpiraterie, 19.2 Halterdaten | M7, M8 |
| Command and Control | kein direkter Eintrag; R155 kennt nur die Auswirkung, nicht den Kanal | – |
| Exfiltration | 19.x; teilweise 31.1 Halterwechsel | M7, M8, M12 |
| Affect Vehicle Function | 24.1 CAN-Flut, 25.1 Fahrzeugparameter (Bremse, Airbag), 11.1–11.3 bösartige interne und Diagnosenachrichten, 8.x | M13, M15, M10, M7 |
Mapping durch VamiSec auf Basis der Technikbeschreibungen (ATM v4.02) und des Wortlauts von Annex 5 (ABl. L 2025/5). Maßnahmen aus Teil B/C, unter anderem M7 Zugriffskontrolle auf Daten und Code, M9 Schutz vor unbefugtem Zugriff, M10 Authentizität und Integrität empfangener Nachrichten, M11 Schlüsselspeicherung, M13 DoS-Erkennung, M16 sichere Update-Prozeduren.
Annex 5 kennt, die Matrix nicht
Den Backend-Server (4.3.1) fast vollständig: 1.1 Innentäter, 2.1 Ausfall des Backends, 3.1–3.5 Datenabfluss und Cloud-Verlust; zu den Bedrohungen 2 und 3 gibt es kein einziges ATM-Gegenstück. Dazu 15.2 nicht befolgte Sicherheitsprozeduren, 20.1, 20.2 und 20.5 zu Identität und Diagnosedaten, 21.1 Löschen von Ereignisprotokollen sowie 31.1 Halterwechsel, 25.2 Ladeparameter und 4.2 Sybil-Angriff.
Die Matrix kennt, Annex 5 nicht
Die gesamte Discovery-Familie nach dem Einstieg (T0045–T0049, T0060), die Kanäle für Steuerung und Abfluss (T0062–T0066) sowie Adversarial Machine Learning (T0005), Native API (T0019) und Process Injection (T0029). Am häufigsten getroffen werden 28.2 Entwicklungsreste und 19.2 Halterdaten mit je acht Techniken, gefolgt von 11.3, 23.1 und 19.3 mit je sechs.
Der Jahresbericht nach 7.4.1 muss zeigen, welche neuen Angriffe beobachtet wurden und ob die gewählten Kontrollen weiter wirken. Mit stabilen IDs auf beiden Seiten wird daraus eine Abdeckungstabelle, die ein Technischer Dienst nachvollziehen kann: Annex-5-Eintrag, ATM-Techniken, Belege aus ATM-P und eigenen Fällen, Maßnahme aus Teil B und Nachweis aus Pentest oder IdsM-Ereignis. Für 2.1 und 3.x bleibt die Spalte der ATM-Techniken leer; dort tragen Einträge aus ATT&CK Enterprise.
Die Matrix sagt, was Angreifer tun. Sie sagt nicht, wie man testet.
Eine Bedrohungsmatrix ist nur ein Drittel der Kette. Zwischen dem Verhalten des Angreifers und der Frage, ob ein Fahrzeug sicher ist, liegen zwei weitere Kataloge: Anforderungen an das Produkt und Testfälle für den Nachweis. Beide liefert OWASP, für IoT-Geräte gebaut.
Auto-ISAC ATM
14 Taktiken, 75 Techniken, dazu R155 Annex 5 Teil A und EMB3D (81 Bedrohungen).
OWASP ISVS
Fünf Kapitel, Prüfstufen L1 bis L3, dazu R155 Teil B/C (23 Maßnahmen) und EMB3D (89 Maßnahmen).
OWASP ISTG
101 Testfälle in acht Komponenten, dazu FSTM und SAE J3322 / ISO/SAE TR 8477.
Der ISTG ist ein OWASP-Inkubator-Projekt von Luca Pascal Rotsch und Aaron Guzman: Version 1.0.0 vom 1. März 2024, 1.0.1 vom 1. Juni 2024, zuletzt neue Testfälle im Juli 2026. Das Angreifermodell kombiniert physischen Zugang PA-1 (remote) bis PA-4 (invasiv) mit Berechtigung AA-1 bis AA-4; die IDs lauten etwa ISTG-FW[UPDT]-CRYPT-004.
Der ISVS ordnet Anforderungen in fünf Kapiteln: V1 IoT-Ökosystem, V2 User-Space-Anwendung, V3 Software-Plattform, V4 Kommunikation, V5 Hardware-Plattform. Level 3 der drei Verifikationsstufen gilt für Geräte, deren Kompromittierung „um jeden Preis" zu vermeiden ist, mit vernetzten Fahrzeugen als ausdrücklichem Beispiel.
Vorsicht beim Versionsstand: Einziger Release-Tag ist 1.0RC vom Dezember 2020 mit 124 Anforderungen, der Hauptzweig nennt „Version 1.0, Oktober 2025" mit 156 bis 169 Anforderungen. Anhang B mappt auf CRA Annex I, die RED-Delegierte Verordnung 2022/30 und ETSI EN 303 645, nicht auf UN R155.
ATM-Techniken auf ISTG-Komponenten
| ISTG-Komponente | Fahrzeug-Entsprechung | ATM-Techniken | ISVS-Kapitel |
|---|---|---|---|
| Processing Units (PROC) | Infotainment-SoC, Telematik-CPU | Prozessinjektion, Rechteausweitung (T0026, T0029, T0024) | V3 Software-Plattform |
| Memory (MEM) | Flash, RAM, sichere Speicher | Credential Dumping, Speicherzugriff (T0039, T0074, T0022) | V5 Hardware |
| Firmware (FW, INST/UPDT) | ECU-Firmware, Update, OTA | Reprogrammierung, Krypto (T0031, T0054, T0075, T0021) | V3 Software-Plattform |
| Data Exchange Services (DES) | UDS/DoIP, CAN-Gateway | Diagnosemissbrauch, Bus-Nachrichten (T0067, T0071, T0068, T0050) | V4 Kommunikation |
| Internal Interfaces (INT) | ECU-Busse, Debug-UART | Netzüberbrückung, Filter-Umgehung (T0051, T0032) | V4 Kommunikation |
| Physical Interfaces (PHY) | OBD-II, JTAG, USB | Fault Injection, Modifikation (T0016, T0028, T0073, T0013) | V5 Hardware |
| Wireless Interfaces (WRLS) | Mobilfunk, Wi-Fi, Bluetooth, NFC, TPMS | Funk-Exploit, Relay (T0012, T0065, T0007, T0009) | V4 Kommunikation |
| User Interfaces (UI) | Touchscreen, Sprachassistent | Eingabeaufzeichnung, Screen Capture (T0037, T0061) | V2 Anwendung |
| ISTG-Lücke | Kamera, Lidar, Radar | Analog Sensor Attacks, Adversarial ML (T0004, T0005) | über MITRE ATLAS |
Spezialisierungen wie ISTG-DES[UDS] sieht das ID-Schema vor, ausgefüllt sind sie nicht. Weder EN 303 645 noch M/606 referenzieren ISTG oder ISVS; die Zuordnung ist eine eigene Auswertung.
Fünf Landkarten für ein Fahrzeug
Kein einzelnes Rahmenwerk deckt ein vernetztes Fahrzeug samt Backend, App, Steuergeräten und KI ab. Die ATM ist die Karte für das Fahrzeug selbst. Wer die Nachbarkarten kennt, weiß, wo er weiterlesen muss.
| Wissensbasis (Stand) | Struktur und Umfang | Wofür im Automotive-Kontext | Grenze |
|---|---|---|---|
| Auto-ISAC ATM v4.02 (04.12.2025) | 14 Taktiken, 75 Techniken (77 im Datensatz), 147 Beispiele | TARA-Pfade, Pentest-Scoping, CTI-Tagging | endet an der Fahrzeuggrenze, Evidenz 2010 bis 2018 |
| ATT&CK Enterprise v19 (28.04.2026) | 15 Taktiken, 222 Techniken, 475 Sub-Techniken | OEM-IT, OTA-Backend, Cloud, R155-Kategorie 4.3.1 | kennt weder CAN noch UDS noch ECU |
| ATT&CK Mobile v19 | 12 Taktiken, 77 Techniken, 47 Sub-Techniken | Companion-Apps, Vorlage für fünf ATM-Taktiken | Endgerät, nicht Fahrzeug |
| ATT&CK for ICS v19 | 12 Taktiken, 79 Techniken, 18 Sub-Techniken | Vorfahr von „Affect Vehicle Function" | Prozessleittechnik, nicht Bordnetz |
| EMB3D v2.0.2 (01.06.2026) | 81 Bedrohungen, 89 Maßnahmen, STIX 2.1 | welche ECU-Eigenschaft welche Bedrohung öffnet | keine Taktiken, keine Ketten |
| ATLAS v2026.08 (01.09.2026) | 16 Taktiken, 114 Techniken, 83 Sub-Techniken, 72 Fallstudien | KI-Angriffe auf Wahrnehmung, Modelle, Trainingsdaten | keine Fahrzeug-Fallstudie |
| CAPEC v3.9 (24.01.2023) | 559 Angriffsmuster, ICS/OT-Sicht | Brücke zu CWE | seit 2023 faktisch eingefroren |
ATT&CK erscheint halbjährlich, ATLAS monatlich; die ATM hatte seit März 2024 sechs Releases, 2026 keines.
ATT&CK hat dreimal so viele Techniken wie die ATM, aber keine einzige für Diagnoseprotokolle. EMB3D hat 89 Maßnahmen, aber keine Angriffskette. Erst die Kette ATM-Technik zu EMB3D-Bedrohung zu EMB3D-Maßnahme schließt die Lücke.
„MITRE-compliant" heißt Format, nicht Zugehörigkeit
Seit v4.00 (12. Februar 2025) liefert Auto-ISAC neben dem nativen JSON eine STIX-2.1-Datei im ATT&CK-Objektmodell. Wir haben mitre-v4.02.json zerlegt: 302 Objekte, davon 1 Matrix, 14 Taktiken (ATM-TA0000 bis TA0013), 77 attack-pattern, 151 campaign mit Alias ATM-P0001 ff., 59 relationship und 0 course-of-action.
- Verlustbehaftet: 59 Beziehungen statt 221 Technik-Beispiel-Verknüpfungen; 140 von 151 Beispielen hängen in der Luft, nur 37 Techniken sind belegt.
- Alle 91 Kill-Chain-Phasen heißen „not applicable" statt einer Domäne; der Navigator braucht einen konsistenten Domänenbezug.
- Weder identity- noch marking-definition-Objekt, also keine maschinenlesbare Nutzungsbedingung.
- Das native v4.02.json (242 Objekte) enthält alle Verknüpfungen und ist das vollständige Release-Artefakt.
Bundle vorbereiten
mitre-v4.02.json aus der base64-Hülle der Release-API auspacken, kill_chain_name auf einen Domänennamen setzen, Beziehungen nachtragen.
Navigator konfigurieren
Bundle als lokale Datei in config.json eintragen (STIX 2.0 und 2.1), Layer 4.5 mit customDataURL anlegen.
Drei Layer, ein Backlog
Layer A: belegte ATM-Techniken (48). Layer B: eigener Pentest-Scope. Layer C: vom VSOC beobachtbar. Die Differenzen sind der Backlog.
Rekonstruierte Ketten vom Einstieg bis zur Fahrzeugfunktion
Reale Fahrzeugangriffe lassen sich in Taktiken und Techniken der Matrix übersetzen. Wir haben zwei Fälle entlang der Taktik-Spalten geordnet; jeder Schritt nennt Technik, ATM-ID und Beleg.
Der Angriff von Charlie Miller und Chris Valasek auf einen Jeep Cherokee ist die einzige vollständig ferngesteuerte Kette im Datensatz, die bis zur Aktuierung reicht; zehn ATM-Beispiele beschreiben sie.
- Initial AccessExploit via Radio InterfaceATM-T0012 · ATM-P0074
Jeder Cherokee antwortete über das Sprint-Mobilfunknetz jedem anderen Sprint-Gerät.
- Discovery / ExecutionSystem Network Configuration Discovery; Command and Scripting InterpreterATM-T0048, T0018 · ATM-P0093, P0176
GPS-Abfrage und beliebige Shell-Kommandos über den offenen D-Bus-Dienst.
- Persistence / PivotModify OS Kernel, Boot Partition, or System PartitionATM-T0022 · ATM-P0075
V850-Chip der Head Unit per manipuliertem Firmware-Update übernommen.
- Affect Vehicle FunctionLocal Function; Unintended Vehicle Network Message; Abuse Standard Diagnostic ProtocolATM-T0069, T0071, T0067 · ATM-P0073, P0144, P0145, P0192, P0094
Klima und Display, dann Blinker und Türschlösser, schließlich Lenkbefehle über eine Diagnosesitzung.
Entscheidend ist nicht der Einstieg, sondern die Übernahme des V850-Chips, eines Co-Prozessors in derselben Head Unit ohne Signaturprüfung. In R155-Sprache: Annex 5 Nr. 12.2 und 11.3, Maßnahme M16. FCA rief am 24. Juli 2015 1,4 Millionen Fahrzeuge zurück.
Tesla Model S 2016: Wi-Fi, Browser, Kernel, Gateway, CAN
- Manipulate Environment / Initial AccessRogue Wi-Fi Access Point; Browser CompromiseATM-T0009, T0011 · ATM-P0103, P0042
Gefälschter Hotspot, dann WebKit-Exploit für CVE-2011-3928.
- Privilege Escalation / Defense EvasionExploit OS Vulnerability; Bypass Mandatory Access ControlATM-T0026, T0034 · ATM-P0001, P0003
Kernel-Schwachstelle CVE-2013-6282, danach AppArmor umgangen.
- Credential Access / Defense EvasionUnsecured Credentials, Network Sniffing; Bypass UDS Security AccessATM-T0040, T0038, T0033 · ATM-P0004, P0105, P0149, P0002, P0043
SSH-Schlüssel, statische Zugangsdaten, UDS-Schlüssel per CAN-Mitschnitt.
- Lateral Movement / Affect Vehicle FunctionRemote Services; Unintended Vehicle Network MessageATM-T0053, T0071 · ATM-P0044, P0106, P0045
Telnet und SSH zum Gateway; das Gateway übersetzte UDP-Pakete der Ports 20100/20101 in CAN.
„Free-fall“ von Tencent Keen Security Lab ist die tiefste Kette im Datensatz: 17 Beispiele, 13 Techniken, 9 Taktiken. Tesla schloss sie am 18. September 2016 per OTA-Update; CISA führt sie als ICSA-16-341-01. Den größten Evidenzblock liefern Miller und Valasek am OBD-Port mit 44 Beispielen.
| Technik | in Ketten | Beispiele |
|---|---|---|
| T0022 Modify OS Kernel, Boot Partition, or System Partition | 5 / 5 | 10 |
| T0071 Unintended Vehicle Network Message | 4 / 5 | 33 |
| T0067 Abuse Standard Diagnostic Protocol | 4 / 5 | 24 |
| T0018 Command and Scripting Interpreter | 4 / 5 | 5 |
| T0040 Unsecured Credentials | 3 / 5 | 12 |
Eigene Auswertung über fünf rekonstruierte Ketten.
- Secure Boot je umprogrammierbarem ECU bricht T0022 in allen fünf Ketten, dazu T0031 und T0054.
- Individuelle statt statischer UDS-Schlüssel entwerten T0033 und T0067; SecOC trifft T0071.
- Keine Geheimnisse in Firmware und Werkstattwerkzeugen lässt T0040 zusammenfallen.
Wofür die Matrix taugt, und wofür nicht
Eine faire Bewertung trennt, was die Matrix leistet, von dem, was Anwender in sie hineinlesen: 147 quellenbelegte Beispiele einerseits, ein leeres Maßnahmenfeld auf allen 77 Techniken andererseits.
Dafür ist die Matrix gut
- Gemeinsame Sprache über OEM, Zulieferer, Tester und VSOC: 14 ATT&CK-vertraute Spalten.
- Angriffspfad-Bibliothek für die TARA: 147 belegte Beispiele und 22 Ketten für ISO/SAE 21434 Clause 15.
- CTI- und Pentest-Tagging mit stabilen IDs, seit August 2023 unverändert, plus STIX-2.1-Export.
- Testplanung über spaltenweises Scoping; UDS- und CAN-Techniken sind mit 57 Beispielen gut belegt.
- R155-Jahresbericht: betrachtete Bedrohungen werden zur prüfbaren Abdeckungstabelle.
Das ist die Matrix nicht
- Keine Risikoanalyse: keine Machbarkeit, keine Auswirkung, kein Wahrscheinlichkeitsfeld. Sie ist Eingabe der TARA, nicht ihr Ersatz.
- Kein Kontrollkatalog: das Maßnahmenfeld ist auf allen 77 Techniken leer.
- Keine Detektionsbibliothek: keine Data Sources, keine Analysen, keine Telemetrie-Bezüge.
- Keine Compliance-Checkliste: keine Zuordnung zu R155 Annex 5, ISO-21434-Klauseln oder TISAX.
- Nicht aktuell und nicht neutral: 85,7 % der Belege bis 2018, ein Drittel Tesla, Backend fast leer.
Auch die Governance des Datensatzes entscheidet, wie belastbar er im Audit ist.
Bus-Faktor eins
72 von 77 Techniken von einem Autor, sechs Releases in zwei Jahren, 2026 bislang keines. Behandeln Sie die Matrix wie eine Open-Source-Abhängigkeit: Version pinnen, Diffs prüfen.
Stille Drift
Kein Deprecation-Mechanismus: T0056 und T0057 sind faktisch stillgelegt, aber weiter im Export. Release-Datei (151 Beispiele) und Live-API (147) weichen ab.
ID-Verwechslung
Ein Anbieter-Beispiel taggt eine Diagnose-Persistenz mit „ATM:T1543“, einer ATT&CK-Enterprise-ID. ATM-IDs haben das Format ATM-T00xx.
Zehn Schritte bringen die Matrix aus dem Browser in die TARA, den Pentest und das VSOC.
| Schritt | Was zu tun ist |
|---|---|
| 1 EMB3D paaren | Genutzte Techniken auf EMB3D-Bedrohungen abbilden und deren Maßnahmen erben. |
| 2 Erweiterung führen | Eigener ID-Bereich für Backend, App, OTA-Server, Laden (ISO 15118, OCPP), V2X. |
| 3 Version einfrieren | ATM v4.02 (04.12.2025) in TARA und CSMS-Artefakt vermerken, STIX-Export archivieren. |
| 4 Auf R155 Annex 5 mappen | 4.3.2 bis 4.3.7 bilden sich gut ab, 4.3.1 Backend bleibt weitgehend offen. |
| 5 Heatmaps bauen | Belegt (48) gegen Pentest-Scope gegen VSOC-Sichtbarkeit; die Differenz ist der Backlog. |
| 6 IDs in PSIRT verankern | Schwachstellen, Bug-Bounty-Fälle und Incidents taggen; nach zwölf Monaten eigene Trenddaten. |
| 7 VSOC-Use-Cases | Mit T0067, T0071 und T0033 beginnen: 25,8 % aller Beispiele. |
| 8 Fälle beitragen | Über den Contribute-Button einreichen; 29 der 77 Techniken haben kein Beispiel. |
| 9 Daten als Daten | JSON importieren, Dublette P0083, verwaiste Beispiele und taktiklose Techniken klären. |
| 10 Dimensionen ergänzen | Impair vs. Inhibit aus ATT&CK for ICS und Machbarkeit nach Annex G je Technik. |
Automotive Threat Matrix – ATT&CK für Fahrzeuge: vom Datensatz zur TARA
34 Seiten zur Auto-ISAC-Matrix: der komplette Datensatz ausgewertet, drei reale Angriffsketten in ATM-Sprache rekonstruiert, Zuordnung zu ISO/SAE 21434, UN R155 Annex 5, OWASP ISTG und ISVS sowie MITRE EMB3D – mit Rechenbeispielen zur Angriffsmachbarkeit und einem Zehn-Punkte-Playbook für die Einführung.
Der komplette Datensatz ausgewertet
14 Taktiken, 75 Techniken, 147 Beispiele aus 23 Quellen: Herkunft, Technikfamilien, Autorenschaft und die Evidenz mit ihren blinden Flecken.
Drei Angriffsketten in ATM-Sprache
Jeep Cherokee 2015, Tesla „Free-fall“ 2016 und Miller/Valasek Schritt für Schritt – mit den fünf Schnittpunkten, an denen Verteidiger die Ketten trennen.
Mapping auf R155, ISO/SAE 21434 und OWASP
Annex 5 gegen ATM, TARA-Schritte 15.4 bis 15.7 mit Default-Machbarkeit nach Annex G, ISTG-Komponenten je Fahrzeugkomponente.
STIX-Realität und Zehn-Punkte-Playbook
Was der „MITRE-compliant“-Export wirklich enthält, wie Navigator-Heatmaps entstehen und welche zehn Schritte die Matrix in TARA, Pentest und VSOC bringen.
Deutschsprachiges Whitepaper, Stand September 2026 – kostenfrei nach kurzer Registrierung.
Standards & Quellen
Die Inhalte dieser Seite basieren auf den folgenden öffentlich verfügbaren Leitfäden und Studien.
Automotive Threat Matrix (ATM), Release v4.02
Öffentliche Wissensbasis mit 14 Taktiken, 75 Techniken in der Matrix und 147 Beispielen; Datenstand dieser Seite: 11. September 2026. Kostenfrei lesbar und als natives JSON sowie STIX-2.1-Bundle herunterladbar.
The Automotive Threat Matrix (ATM) – Whitepaper
Sieben Anwendungsfälle von der TARA über Threat Intelligence bis zur R155-Berichterstattung; beschreibt die Methode der Default-Machbarkeit je Element. Autoren von GM, Sumitomo, HORIBA MIRA, PACCAR, Eaton und Auto-ISAC.
Enhancing Vehicle Cyber Security: Updates to the Automotive Threat Matrix Tool
Vortrag vom März 2025 mit der Entstehungsgeschichte: MITRE lehnte 2019 die Anfrage von GM ab und ermutigte zu einer eigenständigen Version; Roadmap und JSON-Export.
ISO/SAE 21434:2021 – Road vehicles – Cybersecurity engineering
Engineering-Standard über den Fahrzeuglebenszyklus; Clause 15 definiert die TARA-Methodik, Annex G die Beispieltabellen zur Angriffsmachbarkeit, Annex E die Cybersecurity Assurance Levels.
UN Regulation No. 155 – Cyber security and cyber security management system (konsolidierte Fassung mit Supplement 3)
Typgenehmigungsvorschrift mit CSMS-Zertifikat, erschöpfender Risikobewertung nach Annex 5 Teil A und Maßnahmen aus Teil B und C; in der EU über die Verordnung (EU) 2019/2144 seit Juli 2024 für alle Neufahrzeuge verbindlich.
OWASP IoT Security Testing Guide (ISTG)
Testmethodik mit 101 Testfällen in acht Gerätekomponenten und einem Angreifermodell aus physischem Zugriff (PA-1 bis PA-4) und Berechtigung (AA-1 bis AA-4); Version 1.0 vom März 2024, laufend gepflegt.
OWASP IoT Security Verification Standard (ISVS)
Anforderungskatalog in fünf Kapiteln mit den Prüfstufen L1 bis L3; vernetzte Fahrzeuge werden als Beispiel für Stufe L3 genannt.
MITRE EMB3D Threat Model, Version 2.0.2
Bedrohungsmodell für eingebettete Geräte: Geräteeigenschaften, 81 Bedrohungen und 89 gestufte Maßnahmen mit STIX-2.1-Export; Automotive ausdrücklich als Zielbranche genannt. Natürliche Ergänzung zur maßnahmenlosen ATM.
MITRE ATT&CK, Version 19
Enterprise, Mobile und ICS; die ATM verweist bei 13 ihrer 14 Taktiken auf ATT&CK-Kennungen, teils aus der Mobile-Matrix. ATT&CK selbst enthält keine Fahrzeugdomäne.
Cybersicherheit im Straßenverkehr 2025 – Branchenlagebild
107 Meldungen zwischen Februar 2024 und März 2025, Verteilung nach Zugangsweg und Status sowie 1.663 fahrzeugbezogene CVEs 2018 bis 2024 – die nationale Vergleichsbasis für eine mit ATM-IDs erfasste Bedrohungslage.
Global Automotive & Smart Mobility Cybersecurity Report 2026
494 öffentlich gemeldete Vorfälle im Jahr 2025, 92 Prozent aus der Ferne ausgeführt, 67 Prozent über Telematik- und Cloud-Systeme, 44 Prozent mit Ransomware-Bezug.
Pwn2Own Automotive 2026 – Ergebnisse
76 Zero-Days und 1.047.000 US-Dollar Preisgeld in Tokio; Infotainment über USB, Ladesäulen über NFC. Zeigt, wo die Forschungsfront 2026 steht und was in der ATM-Evidenz noch fehlt.
Ihre TARA, Ihre Tests und Ihr SOC in einer Sprache?
In einem unverbindlichen Erstgespräch zeigen wir, wie sich die Automotive Threat Matrix in Ihre TARA nach ISO/SAE 21434, Ihre Pentest-Planung und Ihre Nachweise nach UN R155 einbauen lässt – inklusive der Lücken, die Sie selbst schließen müssen.