Geprüft wird, ob sich die physischen Schutzmaßnahmen eines Standorts unter realistischen Bedingungen umgehen lassen: Perimeter, Zutritts- und Begleitprozesse, Sicherung von Serverräumen und Technikflächen sowie das Verhalten der Beschäftigten. NIST SP 800-115 beschreibt physische Sicherheitstests als nicht-technische Prüftechnik, bei der Schlösser, Badge-Leser und weitere physische Kontrollen überwunden werden, um unberechtigten Zugang zu bestimmten Systemen zu erlangen. Das OSSTMM 3 des ISECOM ordnet solche Prüfungen der Klasse Physical Security (PHYSSEC) mit ihren beiden Kanälen Human und Physical zu und verlangt Ergebnisse, die quantitativ messbar, konsistent und wiederholbar sind und nur Fakten aus dem Test selbst enthalten – ausdrücklich ohne subjektive Interpretationen. Auch der BSI-Praxis-Leitfaden für IS-Penetrationstests führt Infrastruktureinrichtungen wie Zutrittskontrollmechanismen und Gebäudesteuerung ausdrücklich als übliches Prüfobjekt auf.
Physische Sicherheit im Penetrationstest
Wie sich Zutrittskontrollen, Gebäudeprozesse und das Verhalten vor Ort unter realistischen Angriffsbedingungen überprüfen lassen – kontrolliert, autorisiert und nachvollziehbar dokumentiert.
Physische Sicherheit gilt in vielen Sicherheitsprogrammen als erledigt: Es gibt einen Perimeter, Vereinzelungsanlagen, Badge-Leser und einen Wachdienst. Ob diese Maßnahmen im Zusammenspiel mit Menschen und Prozessen tatsächlich tragen, zeigt sich erst unter Angriffsbedingungen – etwa wenn jemand mit einer plausiblen Rolle, einer geklonten Karte oder einfach im Windschatten einer Gruppe passiert. Ein physischer Penetrationstest prüft genau das: mit klar begrenztem Umfang, schriftlicher Autorisierung und definierten Abbruchkriterien. Er liefert damit einen Wirksamkeitsnachweis für Maßnahmen, die sich durch Dokumentenprüfung allein nicht belastbar bewerten lassen.
Das Wichtigste im Überblick
Sechs Themenblöcke — zum Aufklappen antippen.
Typische Angriffsszenarien
Vier Wege vom Außenbereich ins Gebäude — Szenario antippen.
- Tailgating hinter berechtigten Personen und vorgetäuschte Rollen wie Dienstleister, Lieferant oder Prüfer (Onsite-Social-Engineering).
- Im Zentrum steht die Frage, wie weit ein Angreifer im Gebäude kommt.
- Ungesicherte Nebenwege über Anlieferung, Tiefgarage oder Nebeneingänge.
- Mechanische Angriffe auf Schließ- und Verriegelungstechnik.
- Bei der weit verbreiteten MIFARE Classic schützt jeden Speichersektor ein eigener 48-Bit-Schlüssel der Stromchiffre CRYPTO1.
- Schon 2009 veröffentlichte Angriffe benötigen allein den Funkkontakt zur Karte — ohne Zugriff auf einen echten Leser — und rekonstruieren einen Schlüssel in weniger als einer Sekunde auf handelsüblicher Hardware, sodass die Karte unmittelbar kopiert werden kann.
- USB-Drops testen die letzte Meile im Inneren.
- In einer Feldstudie mit 297 auf einem Campus ausgelegten USB-Sticks lag die geschätzte Erfolgsquote zwischen 45 und 98 Prozent; der erste Stick wurde in weniger als sechs Minuten angeschlossen — überwiegend, um den Eigentümer zu finden.
Standards & Quellen
Die Inhalte dieser Seite basieren auf den folgenden öffentlich verfügbaren Leitfäden und Studien.
Technical Guide to Information Security Testing and Assessment (SP 800-115)
Beschreibt physische Sicherheitstests als nicht-technische Prüftechnik und enthält in Anhang B eine Vorlage für Rules of Engagement inklusive Ausschlussliste und Abbruchkriterien.
Ein Praxis-Leitfaden für IS-Penetrationstests, Version 1.2
Nennt Zutrittskontrollmechanismen und Gebäudesteuerung als übliches Prüfobjekt und gibt Vorgaben zu schriftlichem Auftrag, Einbindung von Datenschutz und Personalvertretung, Prüftiefe, Berichtsaufbau, Kritikalitätsstufen und Wiederholungsturnus.
ISO/IEC 27002:2022 – Information security, cybersecurity and privacy protection – Information security controls
Liefert die Umsetzungshinweise zu den 14 physischen Controls (7.1 bis 7.14), die Anhang A der ISO/IEC 27001:2022 als A.7 führt.
OSSTMM 3 – The Open Source Security Testing Methodology Manual
Führt Human und Physical als eigene Testkanäle der Klasse Physical Security (PHYSSEC) und fordert quantitativ messbare, konsistente und wiederholbare Prüfergebnisse ohne subjektive Interpretation.
Users Really Do Plug in USB Drives They Find
Feldstudie mit 297 ausgelegten USB-Sticks: geschätzte Erfolgsquote 45 bis 98 Prozent, erster angeschlossener Stick nach weniger als sechs Minuten.
Wirelessly Pickpocketing a Mifare Classic Card
Zeigt vier Angriffe, die allein Funkkontakt zur Karte benötigen; der schwerwiegendste rekonstruiert einen 48-Bit-CRYPTO1-Sektorschlüssel in unter einer Sekunde auf handelsüblicher Hardware und erlaubt das unmittelbare Kopieren der Karte.
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