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Bug Bounty & Vulnerability Disclosure

Wie Sie Schwachstellenmeldungen externer Sicherheitsforscher strukturiert entgegennehmen, bearbeiten und vergüten – von der Vulnerability Disclosure Policy bis zum privaten Bug-Bounty-Programm.

Externe Sicherheitsforscher finden Schwachstellen – die Frage ist, ob Ihre Organisation dafür einen geordneten Kanal anbietet. Eine Vulnerability Disclosure Policy (VDP), ein Coordinated-Vulnerability-Disclosure-Prozess und gegebenenfalls ein Bug-Bounty-Programm sind die Ausbaustufen, mit denen aus unkoordinierten Zufallsfunden ein steuerbarer Prozess wird. Die Standards ISO/IEC 29147 und ISO/IEC 30111 sowie security.txt nach RFC 9116 liefern dafür den etablierten Rahmen. Mit dem Cyber Resilience Act wird geordnetes Schwachstellen-Handling für Hersteller zudem zur regulatorischen Pflicht – inklusive CVD-Policy, Meldekontakt und ab September 2026 geltender Meldepflichten.

Das Wichtigste im Überblick

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VDP und Bug Bounty: verwandt, aber nicht identisch

Eine Vulnerability Disclosure Policy (VDP) schafft einen geregelten Meldekanal: Sie definiert Scope, Spielregeln und rechtliche Zusicherungen für externe Meldende – ohne Vergütungsversprechen. Ein Bug-Bounty-Programm setzt darauf auf und vergütet valide Funde, um gezielt Prüfaufwand auf die eigenen Systeme zu lenken. Öffentliche Programme stehen allen offen und maximieren die Reichweite, erzeugen aber erheblichen Triage-Aufwand; private Programme laden ausgewählte, überprüfte Researcher ein und erlauben eine engere Steuerung von Scope und Qualität. Bewährt hat sich die Reihenfolge: erst VDP und interner Handling-Prozess, dann Bounty-Programm.

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Coordinated Vulnerability Disclosure als Prozess

Coordinated Vulnerability Disclosure (CVD) bezeichnet das abgestimmte Vorgehen zwischen Findern, Herstellern bzw. Betreibern und – falls nötig – einem Koordinator, bis eine Schwachstelle behoben und kontrolliert veröffentlicht ist. Der Prozess umfasst typischerweise Eingangsbestätigung, Triage und Verifikation, Behebung sowie die koordinierte Publikation eines Advisories. Als Fristenkonvention haben sich vielfach 90 Tage etabliert; Google Project Zero etwa arbeitet mit einem „90+30“-Modell. In Deutschland tritt das BSI als Koordinator auf, wenn Hersteller nicht reagieren oder der CVD-Prozess zu scheitern droht; die NIS2-Richtlinie verpflichtet die EU-Mitgliedstaaten darüber hinaus zu nationalen CVD-Politiken.

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Die Standards: ISO/IEC 29147 und ISO/IEC 30111

Zwei komplementäre Normen strukturieren das Thema. ISO/IEC 29147:2018 beschreibt die Schnittstelle nach außen: wie Organisationen Schwachstellenmeldungen entgegennehmen, mit Meldenden kommunizieren und Remediation-Informationen veröffentlichen. ISO/IEC 30111:2019 regelt den internen Prozess: Meldungen verifizieren, Auswirkungen bewerten, Behebungen entwickeln und ausrollen. Beide Ausgaben sind aktuell gültig (zuletzt 2024 bzw. 2025 bestätigt) und eignen sich als Referenzrahmen für Policy- und Prozessdesign – auch mit Blick auf die Anforderungen des Cyber Resilience Acts.

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security.txt nach RFC 9116

RFC 9116 (Informational, 2022) definiert mit security.txt ein maschinenlesbares Format, über das Meldende den richtigen Kontaktweg finden: eine Textdatei unter /.well-known/security.txt, ausgeliefert über HTTPS. Pflichtfelder sind Contact und Expires; empfohlen wird eine Gültigkeit von unter einem Jahr, damit die Angaben aktuell bleiben. Optionale Felder wie Policy, Encryption, Preferred-Languages und Acknowledgments verweisen auf die Disclosure-Policy, Schlüsselmaterial oder bevorzugte Sprachen. Die Datei ist der schnellste erste Schritt zu einer funktionierenden VDP – vorausgesetzt, der hinterlegte Kontakt wird tatsächlich überwacht.

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Vergütungs- und Betriebsmodelle

Bug-Bounty-Vergütungen orientieren sich üblicherweise am Schweregrad, meist auf Basis des Common Vulnerability Scoring System (CVSS) der FIRST, aktuell in Version 4.0 (2023). Üblich sind feste Beträge oder Spannen je Schweregrad-Stufe; vergütet wird in der Regel nur die erste valide Meldung einer Schwachstelle, Duplikate und Out-of-Scope-Funde nicht. Beim Betrieb gibt es drei Grundmodelle: Eigenbetrieb (volle Kontrolle, aber eigener Triage- und Auszahlungsaufwand), kommerzielle Plattformen (große Reichweite, dafür mehr Rauschen in der Triage) und Managed-Programme mit kuratierten, identifizierten Researchern und Triage durch den Anbieter. VamiSec betreibt beispielsweise ein privates, kuratiertes Bug-Bounty-Programm als Managed Service.

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Cyber Resilience Act: Schwachstellen-Handling als Pflicht

Der Cyber Resilience Act (Verordnung (EU) 2024/2847) macht geordnetes Schwachstellen-Handling für Hersteller von Produkten mit digitalen Elementen verbindlich. Anhang I Teil II verlangt unter anderem eine Software-Stückliste (SBOM), die unverzügliche Behebung von Schwachstellen durch kostenlose Sicherheitsupdates, eine Policy zur koordinierten Offenlegung von Schwachstellen sowie eine Kontaktadresse für Schwachstellenmeldungen. Ab dem 11.09.2026 greifen zudem die Meldepflichten nach Art. 14: Aktiv ausgenutzte Schwachstellen sind binnen 24 Stunden (Frühwarnung) und 72 Stunden (Meldung) an das als Koordinator benannte CSIRT und die ENISA über die zentrale Meldeplattform zu melden, ein Abschlussbericht folgt spätestens 14 Tage nach Verfügbarkeit einer Korrekturmaßnahme. Die übrigen Pflichten gelten im Wesentlichen ab dem 11.12.2027 – wer VDP und CVD-Prozess jetzt aufbaut, erfüllt damit einen Kernbaustein der CRA-Compliance.

Standards & Quellen

Die Inhalte dieser Seite basieren auf den folgenden öffentlich verfügbaren Leitfäden und Studien.

ISO/IEC · 2018

ISO/IEC 29147:2018 – Information technology – Security techniques – Vulnerability disclosure

Anforderungen und Empfehlungen zur Entgegennahme von Schwachstellenmeldungen und zur Veröffentlichung von Remediation-Informationen; Ausgabe 2, zuletzt 2024 bestätigt.

ISO/IEC · 2019

ISO/IEC 30111:2019 – Information technology – Security techniques – Vulnerability handling processes

Anforderungen an den internen Prozess zur Verifikation, Bewertung und Behebung gemeldeter Schwachstellen; Ausgabe 2, zuletzt 2025 bestätigt.

IETF (RFC Editor) · 2022

RFC 9116: A File Format to Aid in Security Vulnerability Disclosure

Definiert security.txt unter /.well-known/ mit den Pflichtfeldern Contact und Expires als maschinenlesbaren Einstiegspunkt für Schwachstellenmeldungen.

Amtsblatt der EU / EUR-Lex · 2024

Verordnung (EU) 2024/2847 (Cyber Resilience Act)

Anhang I Teil II mit den Schwachstellen-Handling-Pflichten inkl. CVD-Policy und Meldekontakt; Art. 14 Meldepflichten gelten ab 11.09.2026, die übrigen Pflichten im Wesentlichen ab 11.12.2027.

Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) · 2022

Leitlinie des BSI zum Coordinated Vulnerability Disclosure (CVD)-Prozess

Beschreibt den Umgang des BSI mit Schwachstellenmeldungen, seine Rolle als Koordinator und die Erwartungen an Meldende (Version 1.0, Dezember 2022).

ENISA · 2022

Coordinated vulnerability disclosure policies in the EU

Bestandsaufnahme nationaler CVD-Politiken in den EU-Mitgliedstaaten mit Ausblick auf die mit NIS2 eingeführte Pflicht, nationale CVD-Politiken zu verabschieden.

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Von der security.txt über die CVD-Policy bis zum privaten Bug-Bounty-Programm: In einem unverbindlichen Erstgespräch ordnen wir ein, welcher Einstieg für Sie sinnvoll ist.