Eine Vulnerability Disclosure Policy (VDP) schafft einen geregelten Meldekanal: Sie definiert Scope, Spielregeln und rechtliche Zusicherungen für externe Meldende – ohne Vergütungsversprechen. Ein Bug-Bounty-Programm setzt darauf auf und vergütet valide Funde, um gezielt Prüfaufwand auf die eigenen Systeme zu lenken. Öffentliche Programme stehen allen offen und maximieren die Reichweite, erzeugen aber erheblichen Triage-Aufwand; private Programme laden ausgewählte, überprüfte Researcher ein und erlauben eine engere Steuerung von Scope und Qualität. Bewährt hat sich die Reihenfolge: erst VDP und interner Handling-Prozess, dann Bounty-Programm.
Bug Bounty & Vulnerability Disclosure
Wie Sie Schwachstellenmeldungen externer Sicherheitsforscher strukturiert entgegennehmen, bearbeiten und vergüten – von der Vulnerability Disclosure Policy bis zum privaten Bug-Bounty-Programm.
2komplementäre Normen: ISO/IEC 29147 & ISO/IEC 30111
90Tage — vielfach etablierte Fristenkonvention der CVD
24Stunden bis zur Frühwarnung nach CRA Art. 14 (ab 11.09.2026)
3Grundmodelle im Betrieb: Eigenbetrieb, Plattform, Managed-Programm
Externe Sicherheitsforscher finden Schwachstellen – die Frage ist, ob Ihre Organisation dafür einen geordneten Kanal anbietet. Eine Vulnerability Disclosure Policy (VDP), ein Coordinated-Vulnerability-Disclosure-Prozess und gegebenenfalls ein Bug-Bounty-Programm sind die Ausbaustufen, mit denen aus unkoordinierten Zufallsfunden ein steuerbarer Prozess wird. Die Standards ISO/IEC 29147 und ISO/IEC 30111 sowie security.txt nach RFC 9116 liefern dafür den etablierten Rahmen. Mit dem Cyber Resilience Act wird geordnetes Schwachstellen-Handling für Hersteller zudem zur regulatorischen Pflicht – inklusive CVD-Policy, Meldekontakt und ab September 2026 geltender Meldepflichten.
Das Wichtigste im Überblick
Sechs Themenblöcke — zum Aufklappen antippen.
VDP, Bug Bounty und Betriebsmodelle im Vergleich
Vom geregelten Meldekanal bis zum Managed-Programm — die Ausbaustufen im Überblick.
- Eine Vulnerability Disclosure Policy schafft einen geregelten Meldekanal: Sie definiert Scope, Spielregeln und rechtliche Zusicherungen für externe Meldende — ohne Vergütungsversprechen.
- Bewährt hat sich die Reihenfolge: erst VDP und interner Handling-Prozess, dann Bounty-Programm.
ScopeSpielregelnrechtliche ZusicherungenMeldekanal
- Ein Bug-Bounty-Programm setzt auf der VDP auf und vergütet valide Funde, um gezielt Prüfaufwand auf die eigenen Systeme zu lenken.
- Öffentliche Programme stehen allen offen und maximieren die Reichweite, erzeugen aber erheblichen Triage-Aufwand; private Programme laden ausgewählte, überprüfte Researcher ein und erlauben eine engere Steuerung von Scope und Qualität.
öffentlichprivatüberprüfte ResearcherTriage-Aufwand
- Vergütungen orientieren sich üblicherweise am Schweregrad, meist auf Basis des Common Vulnerability Scoring System (CVSS) der FIRST, aktuell in Version 4.0 (2023).
- Üblich sind feste Beträge oder Spannen je Schweregrad-Stufe; vergütet wird in der Regel nur die erste valide Meldung einer Schwachstelle — Duplikate und Out-of-Scope-Funde nicht.
CVSS 4.0FIRSTSchweregradDuplikateOut-of-Scope
- Eigenbetrieb: volle Kontrolle, aber eigener Triage- und Auszahlungsaufwand.
- Kommerzielle Plattformen: große Reichweite, dafür mehr Rauschen in der Triage.
- Managed-Programme: kuratierte, identifizierte Researcher und Triage durch den Anbieter — VamiSec betreibt beispielsweise ein privates, kuratiertes Bug-Bounty-Programm als Managed Service.
Eigenbetriebkommerzielle PlattformenManaged-ProgrammeTriage
Standards & Quellen
Die Inhalte dieser Seite basieren auf den folgenden öffentlich verfügbaren Leitfäden und Studien.
ISO/IEC 29147:2018 – Information technology – Security techniques – Vulnerability disclosure
Anforderungen und Empfehlungen zur Entgegennahme von Schwachstellenmeldungen und zur Veröffentlichung von Remediation-Informationen; Ausgabe 2, zuletzt 2024 bestätigt.
ISO/IEC 30111:2019 – Information technology – Security techniques – Vulnerability handling processes
Anforderungen an den internen Prozess zur Verifikation, Bewertung und Behebung gemeldeter Schwachstellen; Ausgabe 2, zuletzt 2025 bestätigt.
RFC 9116: A File Format to Aid in Security Vulnerability Disclosure
Definiert security.txt unter /.well-known/ mit den Pflichtfeldern Contact und Expires als maschinenlesbaren Einstiegspunkt für Schwachstellenmeldungen.
Verordnung (EU) 2024/2847 (Cyber Resilience Act)
Anhang I Teil II mit den Schwachstellen-Handling-Pflichten inkl. CVD-Policy und Meldekontakt; Art. 14 Meldepflichten gelten ab 11.09.2026, die übrigen Pflichten im Wesentlichen ab 11.12.2027.
Leitlinie des BSI zum Coordinated Vulnerability Disclosure (CVD)-Prozess
Beschreibt den Umgang des BSI mit Schwachstellenmeldungen, seine Rolle als Koordinator und die Erwartungen an Meldende (Version 1.0, Dezember 2022).
Coordinated vulnerability disclosure policies in the EU
Bestandsaufnahme nationaler CVD-Politiken in den EU-Mitgliedstaaten mit Ausblick auf die mit NIS2 eingeführte Pflicht, nationale CVD-Politiken zu verabschieden.
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