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ISO/IEC 27701 – das Privacy Information Management System

Wie Sie den Umgang mit personenbezogenen Daten in ein zertifizierbares Managementsystem überführen – und was die eigenständig zertifizierbare Revision ISO/IEC 27701:2025 für ISMS-Betreiber und Auftragsverarbeiter bedeutet.

ISO/IEC 27701 spezifiziert Anforderungen an ein Privacy Information Management System (PIMS) – ein Managementsystem für den Schutz personenbezogener Daten (PII), das Datenschutz vom Einzelprojekt zur dauerhaft gesteuerten Organisationsaufgabe macht. Die Erstausgabe von 2019 war formal eine Erweiterung von ISO/IEC 27001 und ISO/IEC 27002 und setzte damit faktisch ein zertifiziertes ISMS voraus. Mit der am 14. Oktober 2025 veröffentlichten Revision ISO/IEC 27701:2025 ist der Standard ein eigenständiger Managementsystem-Standard geworden: Ein PIMS lässt sich nun auch ohne ISO-27001-Zertifizierung aufbauen und zertifizieren. Für Unternehmen unter der DSGVO ist die Norm vor allem als strukturierter Nachweisrahmen interessant – sie ersetzt keine gesetzlichen Pflichten, hilft aber, die Rechenschaftspflicht und die Anforderungen an Auftragsverarbeiter systematisch zu unterlegen.

Das Wichtigste im Überblick

01

Was ISO/IEC 27701 regelt

Die Norm definiert Anforderungen und Umsetzungshinweise für ein PIMS: Leitlinien, Rollen, Risikobetrachtung und Controls für die Verarbeitung personenbezogener Daten – jeweils aus der Perspektive der Organisation als PII Controller (Verantwortlicher) und/oder PII Processor (Auftragsverarbeiter). Wie andere Managementsystem-Standards folgt sie in den Kapiteln 4–10 der harmonisierten Struktur der ISO-Managementsystemnormen: Kontext, Führung, Planung, Unterstützung, Betrieb, Bewertung und Verbesserung. Das PIMS ist damit kein Maßnahmenkatalog, sondern ein kontinuierlich betriebener Steuerungsrahmen mit definierten Verantwortlichkeiten und Nachweisen.

02

Revision :2025 – erstmals eigenständig zertifizierbar

Die am 14. Oktober 2025 veröffentlichte zweite Ausgabe löst die Fassung von 2019 ab und macht ISO/IEC 27701 zu einem eigenständigen Standard: Eine ISO-27001-Zertifizierung ist keine Voraussetzung mehr für ein PIMS-Zertifikat. Parallel erschien ISO/IEC 27706:2025 mit Anforderungen an Zertifizierungsstellen für PIMS-Audits; sie ersetzt die bisherige ISO/IEC TS 27006-2. Für die Umstellung gilt eine dreijährige Übergangsfrist: Zertifizierungsstellen müssen ihre eigene Umstellung bis Ende Oktober 2027 abschließen, bestehende Zertifikate nach ISO/IEC 27701:2019 verlieren spätestens Ende Oktober 2028 ihre Gültigkeit. Zertifizierte Organisationen sollten den Umstieg daher in die regulären Überwachungs- und Re-Zertifizierungszyklen einplanen.

03

Verhältnis zu ISO 27001 und Integration ins bestehende ISMS

Eigenständig heißt nicht losgelöst: Die Neufassung ist an ISO/IEC 27001:2022 und ISO/IEC 27002:2022 ausgerichtet und übernimmt deren aktualisierte Control-Sprache und Terminologie. Für Organisationen mit bestehendem ISMS bleibt der naheliegende Weg die Integration – gemeinsamer Kontext, gemeinsame Risikomethodik und ein um Datenschutz erweitertes Statement of Applicability statt einer Parallelstruktur. Die harmonisierte Kapitelstruktur erleichtert zudem die Kombination mit weiteren Managementsystemen, etwa nach ISO 9001 oder ISO/IEC 42001. Neu ist die Wahlfreiheit: Organisationen ohne ISMS-Zertifikat können mit dem PIMS starten und die Informationssicherheits-Zertifizierung später ergänzen.

04

Controller- und Processor-Controls in Annex A

Die Controls der Neufassung sind in einem konsolidierten Annex A gebündelt und nach Rollen gegliedert: 31 Controls für PII Controller (u. a. Rechtsgrundlagen, Einwilligung, Betroffenenrechte, Privacy by Design und Transparenz), 18 Controls für PII Processor (u. a. Verarbeitung nur nach Kundenvereinbarung, Unterstützung des Verantwortlichen, Rückgabe und Löschung, Offenlegungen, Unterauftragsverarbeiter) sowie ein dritter Block gemeinsamer Sicherheits-Controls für beide Rollen. Die frühere Aufteilung in Annex A (Controller) und Annex B (Processor) der 2019er Fassung entfällt; Annex B enthält jetzt Umsetzungshinweise. Wichtiger Scoping-Schritt bleibt die Rollenbestimmung: Viele Organisationen sind je nach Verarbeitung beides und müssen beide Control-Sets betrachten.

05

Bezug zur DSGVO: Nachweisrahmen, kein Rechtsersatz

ISO/IEC 27701 ersetzt keine gesetzlichen Vorgaben, operationalisiert aber zentrale DSGVO-Pflichten: Ein dokumentiertes, auditiertes PIMS stützt die Rechenschaftspflicht nach Art. 5 Abs. 2 DSGVO und liefert Auftragsverarbeitern belastbare Nachweise für die „hinreichenden Garantien“, die Art. 28 DSGVO verlangt – etwa in AVV-Verhandlungen und Kunden-Audits. Eine wichtige Einordnung: Ein ISO-27701-Zertifikat ist keine Zertifizierung nach Art. 42 DSGVO; solche Verfahren müssen von den Aufsichtsbehörden bzw. dem Europäischen Datenschutzausschuss genehmigt sein. Das PIMS-Zertifikat belegt ein funktionierendes Managementsystem – die rechtliche Bewertung einzelner Verarbeitungen bleibt davon unberührt.

06

Für wen ein PIMS sinnvoll ist

Am größten ist der Nutzen für Organisationen, die personenbezogene Daten im Kundenauftrag verarbeiten und dies regelmäßig nachweisen müssen: Auftragsverarbeiter, Cloud- und SaaS-Anbieter sowie Managed-Service-Provider, bei denen PIMS-Nachweise Due-Diligence-Prüfungen und Vertragsverhandlungen verkürzen. Für Unternehmen mit bestehendem ISO-27001-ISMS ist die Erweiterung der effizienteste Weg, Datenschutz in vorhandene Governance-Strukturen zu integrieren. International tätige Organisationen profitieren davon, dass die Norm rechtsordnungsübergreifend angelegt ist und sich auf mehrere Datenschutzregime anwenden lässt. Seit der Revision :2025 kommen Organisationen hinzu, die gezielt mit dem Datenschutz-Managementsystem starten wollen, ohne zuvor ein ISMS zu zertifizieren.

Standards & Quellen

Die Inhalte dieser Seite basieren auf den folgenden öffentlich verfügbaren Leitfäden und Studien.

ISO/IEC · 2025

ISO/IEC 27701:2025 – Privacy information management systems

Zweite Ausgabe vom 14.10.2025; eigenständig zertifizierbarer PIMS-Standard mit rollenbasierten Controls in Annex A, ersetzt ISO/IEC 27701:2019.

Amtsblatt der EU / EUR-Lex · 2016

Verordnung (EU) 2016/679 (DSGVO)

Art. 5 Abs. 2 (Rechenschaftspflicht), Art. 28 (Auftragsverarbeiter, AVV) und Art. 42 (genehmigte Zertifizierungsverfahren) als rechtlicher Bezugsrahmen des PIMS.

DNV · 2025

ISO/IEC 27701 Standard Update Release

Ankündigung der Revision durch die Zertifizierungsstelle: Veröffentlichung 14.10.2025, Standalone-Status und Ausrichtung an ISO/IEC 27001:2022 und 27002:2022.

A-LIGN · 2025

ISO 27701 Updates: What You Need to Know

Detaillierte Darstellung der neuen Struktur (Kapitel 4–10, konsolidierter Annex A, Annex B als Umsetzungsleitfaden) sowie von ISO/IEC 27706:2025 für Zertifizierungsstellen.

ISMS.online · 2025

ISO 27701 Transition Guide: 2019 to 2025

Übergangsplanung mit Auslaufen der 2019er Zertifikate im Oktober 2028 und Aufschlüsselung der Annex-A-Controls (31 Controller, 18 Processor, gemeinsame Sicherheits-Controls).

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